{"id":6386,"date":"2015-09-08T09:17:51","date_gmt":"2015-09-08T08:17:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6386"},"modified":"2015-09-11T13:02:49","modified_gmt":"2015-09-11T12:02:49","slug":"rheingau-musik-festival-lisola-disabitata-die-unbewohnte-insel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6386","title":{"rendered":"Rheingau Musik Festival &#8211; L\u2019ISOLA DISABITATA \u2013 DIE UNBEWOHNTE INSEL"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Joseph Haydn (1732-1809), Azione teatrale in zwei Teilen, Libretto: Giovanni Batista Bonno, UA: 5.\/6. Dezember 1779, Schlo\u00df Eszterh\u00e1za<\/p>\n<p>Regie: Jan-Richard Kehl, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Andreas Wilkens<\/p>\n<p>Dirigent: Walter Althammer, Orchester der Studierenden der Hochschule f\u00fcr Musik u. Darstellend Kunst, Frankfurt a\/M<\/p>\n<p>Solisten: Sandrine Droin (Costanza), Josy Santos (Silvia), Yongseung Song (Gernando), Miroslav Stricevic (Enrico)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 6. September 2015<\/p><\/blockquote>\n<div id=\"attachment_6388\" style=\"width: 595px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Rheingau-Musikfestival.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6388\" class=\"size-full wp-image-6388\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Rheingau-Musikfestival.jpg\" alt=\"RMF 2015: HfMDK Frankfurt zu Gast im Kloster Haydn, L'isola disabitata am 06.09.2015\" width=\"585\" height=\"390\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Rheingau-Musikfestival.jpg 585w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Rheingau-Musikfestival-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 585px) 100vw, 585px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6388\" class=\"wp-caption-text\">RMF 2015: HfMDK Frankfurt zu Gast im Kloster Haydn, L&#8217;isola disabitata am 06.09.2015<\/p><\/div>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Das Rheingau Musik Festival findet seit 1988 zwischen Juni und September in der Region um Wiesbaden und Lorch statt und z\u00e4hlt zu den bekanntesten Musikfestivals in Deutschland. 170 Konzerte finden an 50 verschiedenen Veranstaltungsorten statt, u.a. Kloster Eberbach, Konzertsaal Casino Wiesbaden oder der Alten Oper Frankfurt. Zum vierten Mal kooperiert das Festival mit der Frankfurter Musikhochschule in Form einer gemeinsamen Opernproduktion. F\u00fcr die jungen S\u00e4nger und das Hochschulorchester ist es eine Chance Erfahrungen zu sammeln und die Hochschule nach au\u00dfen darzustellen. Das Festival kommt mit einiger Opernproduktion aus. Der Schwerpunkt liegt eher auf Konzerten, musikalischen Weinproben und Kleinkunst liegt, was aber einer hohen Auslastung nicht im Wege steht.<\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Gernando und seine Gattin Costanza, in Begleitung von ihrer Schwester Silvia, m\u00fcssen wegen eines Sturmes auf einer Insel landen. W\u00e4hrend sich die Damen in eine H\u00f6hle zur\u00fcckziehen, wird Gernando von Piraten entf\u00fchrt. Nach 13 Jahren kehrt Gernando mit seinem Freund Enrico zu der Insel zur\u00fcck, um nach Spuren seiner Gattin zu suchen, die diese Zeit auf der Insel mit Ihrer Schwester in v\u00f6lliger Einsamkeit zugebracht hat \u2013 nur in Gesellschaft eines Rehs, das Silvia als Haustier h\u00e4lt \u2013 w\u00e4hrend Costanza, die sich verlassen w\u00e4hnt, eine w\u00fctende Nachricht in den Fels mei\u00dfelt. Nach einer Phase des Suchens und Erkl\u00e4rens finden beide Paare wieder zusammen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Streng genommen kann man nicht von einer B\u00fchne reden, denn der ehemalige Altarraum der Basilika des Klosters Eberbach ist nur ein leerer Raum ohne B\u00fchnentechnik. In diesem Fall empfiehlt sich ein statisches B\u00fchnenbild, wie man es von Gastspielproduktionen kennt: Kreisf\u00f6rmig ansteigend angeordnete wei\u00dfe Platten bilden eine ringf\u00f6rmige Spielfl\u00e4che, in deren Zentrum das Orchester versenkt ist. Im Hintergrund befindet sich ein Kubus, auf deren Gaze-Vorderwand Texte projiziert werden. Wird der Innenraum beleuchtet, werden karibische Pflanzen sichtbar. Die farbenfrohen Kost\u00fcme sind der zeitgem\u00e4\u00dfen Strandsommer-Mode entlehnt, auch Taucher, Angler und Einheimische mit einem indigenen-indianischen Federband um die Stirn passen ins karibische Inselbild.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Eigentlich ein interessantes Konzept: Ein Professor der Hochschule, der \u00fcber eine Vielzahl an Erfahrungen im Opernbetrieb verf\u00fcgt \u2013 <strong>Walter Althammer <\/strong>\u2013 erarbeitet eine Opernauff\u00fchrung mit Gesangsstudenten und weiteren Studenten, die das Orchester bilden. Alle ohne gro\u00dfe B\u00fchnenpraxis. Das Orchester verf\u00fcgt \u00fcber keine speziellen barocken Instrumente, man spielt auf heutigen Instrumenten mit Stahlsaiten. F\u00fcr diese Auff\u00fchrung hat man das Spiel ohne Vibrato ge\u00fcbt und erzielt so eine Vielzahl an barocken Klangeffekten. Auch die vier Gesangsstudenten bem\u00fchen sich um eine barocke, solistische Interpretation. Die Gestaltung der Arien und der Koloraturen entspricht aber der Auff\u00fchrungspraxis von Mozart-Opern \u2013 immerhin auf hohem Niveau. Am \u00fcberzeugendsten gelingt die Ann\u00e4herung an barocke Klangwelten dem Mezzo <strong>Josy Santos<\/strong> (Silvia): Sie k\u00f6nnte auch eine Zukunft als schwerer Koloratursopran mit tiefem Timbre haben. Der Tenor <strong>Yongseung Song<\/strong> (Gernando) hat eine strahlend sch\u00f6ne H\u00f6he und k\u00f6nnte im Legato-Gesang eine Zukunft finden, falls ihm nicht die Kr\u00e4fte schwinden. <strong>Miroslav Stricevic<\/strong> (Enrico) besitzt eine spielerische Leichtigkeit zwischen Bariton und Ba\u00df. <strong>Sandrine Droin<\/strong> als Costanza ist ein zur\u00fcckhaltender lyrischer leichter Sopran.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Sicherlich mu\u00df man bei dieser Produktion einige Abstriche machen. Die Kloster-Basilika Eberbach ist kein Opernhaus, sondern ein Kirchenhaus mit fast unendlichem Nachhall, B\u00fchnentechnik ist nicht vorhanden, doch die Beleuchtung ist professionell ausger\u00fcstet. Das Orchester und Solisten bestehen aus studentischen Nachwuchskr\u00e4ften, denen man es entschuldigen mu\u00df, da\u00df manchmal Eins\u00e4tze oder Tons\u00e4tze danebengehen. Aber man erkennt eben auch das Potential dieser K\u00fcnstler, die sich zu echten Solisten weiterentwickeln k\u00f6nnten, wie z.B. Josy Santos, zu einer Koloratursopran, oder Yongseung Song, zu einem Mozart-Tenor mit sicherer H\u00f6he. Was man nicht durchgehen lassen darf sind die Regieeinf\u00e4lle der Nachwuchsregisseure, die sich an absurden Einf\u00e4llen \u00fcberbieten. So wird einem fast der Besuch dieser Produktion durch die schlecht lesbaren \u00dcbertitel verleidet, wozu noch unlesbareren Kommentaren kommen. Oder die Frage wieso die Oper die <em>unbewohnte Insel<\/em> hei\u00dft, wenn sie doch von indigenen Menschen bev\u00f6lkert wird. Ein als Haustier gehaltenes Rehlein wird dargestellt durch einen jonglierenden Jahrmarktk\u00fcnstler, der auch noch die Handlung an sich rei\u00dft. Bitte, liebe Studenten des Fachs Regie: Die Handlung und die darin liegenden Konflikte darstellen \u2013 das Ergebnis nennt man Personenf\u00fchrung! Au\u00dferdem: Eingriffe in die Partitur sind nicht erlaubt, wie etwa die \u201ezus\u00e4tzlichen\u201c Pausen im Schlu\u00df-Quartett.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Rheingau Musik Festival<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Joseph Haydn (1732-1809), Azione teatrale in zwei Teilen, Libretto: Giovanni Batista Bonno, UA: 5.\/6. Dezember 1779, Schlo\u00df Eszterh\u00e1za Regie: Jan-Richard Kehl, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Andreas Wilkens Dirigent: Walter Althammer, Orchester der Studierenden der Hochschule f\u00fcr Musik u. 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