{"id":6378,"date":"2015-06-23T19:00:25","date_gmt":"2015-06-23T18:00:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6378"},"modified":"2015-08-31T19:05:06","modified_gmt":"2015-08-31T18:05:06","slug":"la-boheme-coburg-landestheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6378","title":{"rendered":"LA BOHEME &#8211; Coburg, Landestheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giacomo Puccini (1858-1924), Oper in vier Bildern, Libretto: Luigi Illica und Giuseppe Giacosa nach Henri Murgers <em>Sc\u00e8nes de la vie de boh\u00e8me<\/em>, UA: 1. Februar 1896 Turin, Teatro Regio<\/p>\n<p>Regie: Brigitte Fassbaender, Ausstattung: Bettina Munzer<\/p>\n<p>Dirigent: Roland Kluttig, Philharmonisches Orchester, Choreinstudierung: Lorenzo Da Rio, Chor und Extrachor des Landestheater Coburg,<\/p>\n<p>Solisten: Betsy Horne (Mim\u00ec), Ana Cvetkovic-Stojnic (Musetta), Milen Bozhkov (Rodolfo), Thomas de Vries (Marcello), Jiri Rajnis (Schaunard), Tapani Plathan (Colline), Michael Lion (Benoit, Alcindoro), Marino Polanco (Parpignol), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 21. Juni 2015<\/p><\/blockquote>\n<div id=\"attachment_6379\" style=\"width: 587px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Coburg-La-Boheme.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6379\" class=\"size-full wp-image-6379\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Coburg-La-Boheme.jpg\" alt=\"Giacomo Puccini: La Boh\u00e8me\/ ML Roland Kluttig\/ R KS Brigitte Fassbaender\/ B u K Bettina Munzer\/ Premiere 13. Juni 2015\/ Landestheater Coburg\" width=\"577\" height=\"385\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Coburg-La-Boheme.jpg 577w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Coburg-La-Boheme-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 577px) 100vw, 577px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6379\" class=\"wp-caption-text\">Giacomo Puccini: La Boh\u00e8me\/ ML Roland Kluttig\/ R KS Brigitte Fassbaender\/ B u K Bettina Munzer\/ Premiere 13. Juni 2015\/ Landestheater Coburg<\/p><\/div>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Rodolfo, Marcello, Schaunard und Colline sind bettelarme K\u00fcnstler und unzertrennliche Freunde. Sie leben unbeschwert von der Hand in den Mund in einer Mansarde \u00fcber den D\u00e4chern des Pariser K\u00fcnstlerviertels Quartier Latin. Rodolfo begegnet Mim\u00ec und verliebt sich in sie. Marcello erobert seine ehemalige Geliebte Musetta zur\u00fcck. Den Weihnachtsabend verbringt man im Caf\u00e9 Momus. Nach der Trennung von Rodolfo verschlimmert sich Mim\u00ecs Krankheit. Sie kehrt zu ihm zur\u00fcck und stirbt im Kreis ihrer Freunde.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Schuttberge und ru\u00dfgeschw\u00e4rzte Ruinen dominieren den grauen Alltag im Paris nach der Befreiung 1945. In diese Umgebung werden die Szenen sparsam m\u00f6bliert eingebettet: Die Mansarde wird durch Bett, Klapp-Stuhl, Nachttisch und Tonne (in der ein Feuer brennt) gebildet, das Cafe Momus besteht nur aus einem Cafetisch, einem Stehtisch und ein paar St\u00fchlen. Auf dem Weihnachtsmarkt bieten Schieber im Trenchcoat kofferweise Schmuggelware an, der Coca-Cola-Weihnachtsmann verteilt S\u00fc\u00dfigkeiten, ein US-Tambourmajor l\u00e4\u00dft den Chor im Gleichschritt an die Rampe marschieren. Statt einer Zollschranke findet sich eine Parkbank auf leerer Fl\u00e4che, auf dem zwei GI die Personen kontrollieren und Lebensmittel konfiszieren. Die Kleidung entspricht \u201eFrankreich am Ende der vierziger Jahre\u201c.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Roland Kluttig<\/strong> zelebriert keine epische Klangbreite. S\u00fc\u00dfliche Momente gibt es nicht. Puccini klingt hier geradlinig und ehrlich, die italienischen Manierismen sind farbig und orientieren sich eher am Blech als an den Streichern. Eine gro\u00dfartige Leistung vollbringen der Chor und ganz besonders der Kinderchor. Die Klangwirkung im Zusammenspiel mit dem Orchester macht das Finale im zweiten Bild zum monumentalen H\u00f6hepunkt des Abends \u2013 mit Pauken und Trompeten. \u00dcberzeugend auch die S\u00e4ngerleistungen: Unbestrittene Hauptdarstellerin ist <strong>Betsy Horne<\/strong> als Mim\u00ec: Immer leuchtend und volumin\u00f6s in den lyrischen Passagen mit viel technischem Glanz, das gilt auch f\u00fcr ihr immer leiser werdendes Piano im Dahinsterben. <strong>Milen Bozhkov<\/strong> als ihr Liebhaber Rodolfo ist ein Tenor wie ihn Puccini sich w\u00fcnschen w\u00fcrde: Mit weichem italienischem Timbre, dabei durchaus durchschlagsf\u00e4hig und sicher in den H\u00f6hen mit schwereloser Leichtigkeit, \u00fcberzeugt er mit seinen Liebesqualen und seinen Jubelarien. <strong>Thomas de Vries<\/strong> ist ein herrlicher Bariton mit schier unersch\u00f6pflicher Durchschlagskraft. Mit sicherer Tiefe ist eine Tendenz zum Ba\u00dfbariton feststellbar. Sein Marcello \u00fcberzeugt aber auch hinsichtlich Ausdruckskraft, stimmlicher Gestaltung und Reichweite in den oberen Registern. <strong>Tapani Plathan<\/strong> kann mit seinem Ba\u00df und seiner eisigen Tiefe mit der <em>Mantel-Arie<\/em> des Colline gl\u00e4nzen und wird mit Szenenapplaus belohnt. <strong>Jiri Rajnis<\/strong> hat als jugendlich leichter Spielbariton keine Probleme als Schaunard. <strong>Ana Cvetkovic-Stojnic<\/strong> kann die Rolle der Musetta eindrucksvoll gestalten. Ihre leuchtende und durchschlagsstarke Stimme geht zwar bei manchen hohen T\u00f6nen fehl, dennoch besteht manchmal Verwechslungsgefahr zwischen Mim\u00ec und Musetta.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Wenig \u00fcberzeugend oder gar mitrei\u00dfend ist das, was die gro\u00dfe S\u00e4ngerin Brigitte Fassbaender hier als Regisseurin vorstellt: \u00fcberall Ruinen. Dabei hat Paris den Zweiten Weltkrieg unzerst\u00f6rt und ohne Ruinen \u00fcberstanden! Was die amerikanischen Schmuggler verkaufen, bleibt unklar: Die amerikanische Kultur (Coca-Cola und Cheewing Gum) k\u00f6nnen aber selbst die GI nicht durchsetzen. Auch die Idee, da\u00df sich Mim\u00ec und Rodolfo bereits kennen (und zum Finale im ersten Bild eine \u201ekleine Nummer\u201c andeuten) f\u00fchrt s\u00e4mtliche Texte ad absurdum: Ein zaghaftes Kennenlernen um die <em>verloschene Kerze<\/em> und das <em>eiskalte H\u00e4ndchen<\/em> gibt es nicht. Der Aufzug der Wache ger\u00e4t zum Sch\u00fclertheater, so wenig \u00fcberzeugend ist er choreographiert. Musikalisch ist die Produktion, dank der Solisten und dem Kinderchor im zweiten Bild, ein Puccini w\u00fcrdiges Erlebnis.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Henning Rosenbusch<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Sterbeszene in der Mansarde mit Muff<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giacomo Puccini (1858-1924), Oper in vier Bildern, Libretto: Luigi Illica und Giuseppe Giacosa nach Henri Murgers Sc\u00e8nes de la vie de boh\u00e8me, UA: 1. 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