{"id":6357,"date":"2015-07-05T16:09:00","date_gmt":"2015-07-05T15:09:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6357"},"modified":"2015-07-13T16:12:13","modified_gmt":"2015-07-13T15:12:13","slug":"le-nozze-di-figaro-dresden-semperoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6357","title":{"rendered":"LE NOZZE DI FIGARO &#8211; Dresden, Semperoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Commedia per musica in vier Akten, Libretto: Lorenzo da Ponte nach Beaumarchais\u2019 Kom\u00f6die <em>La folle jounrn\u00e9e, ou Le marriage de Figaro<\/em>, UA: 1. Mai 1786 Wien, Burgtheater<\/p>\n<p>Regie: Johannes Erath, B\u00fchne: Katrin Connan, Kost\u00fcme: Birgit Wentsch, Licht: Fabio Antoci<\/p>\n<p>Dirigent: Omer Meir Wellber, S\u00e4chsische Staatskapelle Dresden S\u00e4chsischer Staatsopernchor, Choreinstudierung: Wolfram Tetzner<\/p>\n<p>Solisten: Christoph Pohl (Graf Almaviva), Sarah-Jane Brandon (Gr\u00e4fin), Emily Dorn (Susanna), Zachary Nelson (Figaro), Christina Bock (Cherubino), Sabine Brohm (Marcellina), Matthias Hennerberg (Bartolo), Aaron Pegran (Don Basilio), Tuuli Takala (Barbarina) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 2. Juli 2015<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/Dresden-Figaro.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6358\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/Dresden-Figaro.jpg\" alt=\"Dresden Figaro\" width=\"656\" height=\"434\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/Dresden-Figaro.jpg 656w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/Dresden-Figaro-300x198.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 656px) 100vw, 656px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>\u201eAn einem tollen Tag\u201c spielt die gleichnamige Kom\u00f6die von Beaumarchais, auf der Lorenzo da Pontes erotischer Verwechslungsreigen basiert. Figaro bereitet seine Hochzeit mit Susanna vor, m\u00f6chte aber zuvor die Genehmigung seines Dienstherrn, des Grafen Almaviva einholen. Dieser hat ebenfalls Interesse an Susanna und steht der Zukunft des Paares im Wege ebenso wie Bartolo und Marcellina. Marcellina m\u00f6chte Figaro heiraten und erpre\u00dft ihn mit einem von ihr gew\u00e4hrten Darlehen. Der junge Page Cherubino sucht Liebesabenteuer, wo er kann und ist zuletzt mit der G\u00e4rtnerstochter Barbarina erwischt worden. Der Graf bef\u00f6rdert ihn daher schnell zum Offizier und in ein entferntes Regiment. Die Gr\u00e4fin lockt ihren treulosen Mann in eine Falle. Ein Tag voller Intrigen und Tollheiten, der sich am Abend in Zufriedenheit aufl\u00f6st.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Im Dresdner <em>Figaro<\/em> dreht sich alles ums Theater, das Spiel im Spiel. Es beginnt mit einfachster Jahrmarktunterhaltung und endet in einer Art b\u00fcrgerlichem Trauerspiel. Im ersten Akt purzeln die Charaktere als schablonenhafte <em>Commedia dell\u2019 Arte-<\/em>Figuren \u00fcber eine Bretterb\u00fchne. Die sich anschlie\u00dfende Kulisse ist pomp\u00f6ser, mit floralen Vorh\u00e4ngen, hohen Per\u00fccken und in gro\u00dfen Roben, gest\u00fctzt durch Requisiten wie eine Schrankt\u00fcr mit doppeltem Boden und eine lange Tafel, an deren Enden das entzweite Grafenpaar sitzt. Dienstboten t\u00e4nzeln frech die Treppe hinauf, als running gag kommt der G\u00e4rtner immer wieder aus einer Luke gekrochen. Auf dem H\u00f6hepunkt des Chaos steht pl\u00f6tzlich alles still. Der finale Akt gilt dem modernen Theater. Hin und wieder wird ohne Musik gesprochen. Vor n\u00e4chtlicher Kulisse, in Bademantel oder Schlafshirt, sind die Masken gefallen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>An diesem Abend bildete die <strong>S\u00e4chsische Staatskapelle Dresden<\/strong> den alles \u00fcberragenden musikalischen H\u00f6hepunkt. Mit gro\u00dfer Beredtheit in Mimik und Gestik zauberte Dirigent <strong>Rainer M\u00fchlbach <\/strong>einen filigranen und transparenten Mozartklang auf die B\u00fchne und brachte feinste Nuancen der Partitur zu Geh\u00f6r \u2013 mit beeindruckenden Instrumentalsoli. <strong>Daniela Pellegrino <\/strong>am Cembalo spielte zwischen Szenenwechseln <em>La vie en rose \u2013 <\/em>ein Regieeinfall, der nicht nur Tristesse verstr\u00f6mte, sondern auch Charme hatte.<\/p>\n<p>So sehr sich die Staatskapelle in den Zwischenspielen entfalten konnte, so behutsam war M\u00fchlbach in der Begleitung der S\u00e4nger. Auch die Gesangssolisten dieses <em>Figaro<\/em> gen\u00fcgten den Anspr\u00fcchen eines perfekt aufeinander eingespielten Mozartensembles.<\/p>\n<p>Herausragend sang <strong>Sarah-Jane Brandon<\/strong> die Arien der Gr\u00e4fin. Im Duett mit der seufzenden Solo-Oboe, er\u00f6ffnete sie den zweiten Akt mit dem Lamento: <em>Porgi amor, qualche ristoro al mio duolo \u2013 gib, Liebe, etwas Linderung meinem Schmerz. <\/em>Ihr Sopran bringt Intensit\u00e4t, vokale Energie und reichen Klang mit, die Spitzent\u00f6ne nimmt Brandon zart im <em>ppp<\/em>. Eine schillernde S\u00e4ngerin, der man die Verletzlichkeit hinter der Sonnenbrille abnimmt. <strong>Christina Bock <\/strong>verk\u00f6rperte die Hosenrolle des Cherubino mit gro\u00dfer Komik und verlieh ihren beiden Arien trotz einiger Intonationsprobleme den Zauber ungest\u00fcmer Jugendlichkeit. Wie ein Schmetterling flatterte sie \u00fcber die B\u00fchne und lie\u00df die Seufzer der noch nicht erlebten Liebe h\u00f6ren <em>Non so pi\u00f9 cosa son, cosa faccio \u2013 Ich wei\u00df nicht mehr, was ich bin, was ich tue <\/em>(1. Akt).<\/p>\n<p><strong>Christoph Pohl<\/strong> (Graf Almaviva) konnte nicht immer mit dem Orchester Schritt halten und seinen klangvollen Bariton in anderen Partien besser entfalten. <strong>Zachary Nelsons <\/strong>Ba\u00df war f\u00fcr die Partie des Figaro stimmlich nicht ausreichend agil. Nach der Haarnadel-Arie (4. Akt), die \u00fcberzeugend von <strong>Tuuli Takala<\/strong> (Barbarina) dargeboten wurde, konnte er sich dennoch steigern. <strong>Emily Dorn<\/strong> (Susanna) hat eine leichte, effektvolle Stimme und verk\u00f6rperte ihre Rolle ebenso wie <strong>Karin Lovelius<\/strong> als \u00e4ltliche Haush\u00e4lterin Marcellina mit viel komischem Talent. In den Quartetten und Sextetten war zu h\u00f6ren, wie gut die S\u00e4nger aufeinander eingespielt waren.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p><strong>Johannes Eraths<\/strong> dreiteilige Regie-Konzeption st\u00fctzt sich auf die <em>Figaro<\/em>-Vorlage von Beaumarchais und stellt drei historische Bez\u00fcge her, die er in entsprechende Formen des Theaters kleidet. Das ist extravagant, aber in diesem Fall gelungen. Jahrmarkt, Slapstick, Pantomime, Versteck- und Trauerspiel mitsamt einem gl\u00e4nzend aufeinander eingespielten S\u00e4ngerensemble machten diesen \u201everr\u00fcckten Tag\u201c zu gro\u00dfem Theater. Dirigent M\u00fchlbach und die Staatskapelle bildeten ein \u00fcberaus \u00fcberzeugendes Mozart-Gespann. \u201eDamit sind wir alle zufrieden.\u201c<\/p>\n<p>Norma Strunden<\/p>\n<p>Bild: Matthias Creutziger<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Zachary Nelson (Figaro), Emily Dorn (Susanna), Sarah-Jane Brandon (La Contessa d&#8217;Almaviva), Christoph Pohl (Il Conte d&#8217;Almaviva), Alexander Hajek (Antonio), Sabine Brohm (Marcellina)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 2. 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