{"id":6343,"date":"2015-06-21T18:18:39","date_gmt":"2015-06-21T17:18:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6343"},"modified":"2015-06-24T18:20:59","modified_gmt":"2015-06-24T17:20:59","slug":"faust-berlin-deutsche-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6343","title":{"rendered":"FAUST &#8211; Berlin, Deutsche Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Charles Gounod (1818-1893), Oper in f\u00fcnf Akten, Libretto: Jules Barbier und Michel Carr\u00e9 nach Goethes Faust, UA: 19. M\u00e4rz 1859 Paris, Th\u00e9\u00e2tre Lyrique (Version mit gesprochenen Dialogen), 3. M\u00e4rz 1869 Paris, Salle Le Peletier (endg\u00fcltige Fassung mit Rezitativen)<\/p>\n<p>Regie: Philipp St\u00f6lzl, B\u00fchne: Philipp St\u00f6lzl, Heike Vollmer, Kost\u00fcme: Ursula Kudrna, Licht: Ulrich Niepel, Choreinstudierung: Thomas Richter, Chor der Deutschen Oper Berlin<\/p>\n<p>Dirigent: Marco Amiliato, Orchester der Deutschen Oper Berlin<\/p>\n<p>Solisten: Teodor Ilinc\u00e3i (Faust), Ildebrando D\u2019Arcangelo (M\u00e9phistoph\u00e9l\u00e8s), Krassimira Stoyanova (Marguerite), Markus Br\u00fcck (Valentin), Stephanie Lauricella (Si\u00e9bel), Carlton Ford (Wagner\/Brandner), Ronnita Miller (Marthe), Lisa-Marie Almunaizel (Kleine Marguerite)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 19. Juni 2015 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Berlin-Faust.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6344\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Berlin-Faust.jpg\" alt=\"Berlin Faust\" width=\"623\" height=\"414\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Berlin-Faust.jpg 623w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Berlin-Faust-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 623px) 100vw, 623px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Faust ist in seiner Suche nach tiefer Erkenntnis gescheitert. Desillusioniert und frustriert will er seinem Leben ein Ende setzen und verflucht Gott und seine Sch\u00f6pfung. Das ruft den Teufel auf den Plan. Faust verkauft ihm seine Seele und gewinnt Jugend und Potenz zur\u00fcck. Schw\u00e4rmerisch umwirbt er die junge Marguerite, die seinem Zauber erliegt und bald darauf ein Kind von ihm erwartet. Von den Freundinnen verh\u00f6hnt und von Faust verlassen, steht allein Si\u00e9bel ihr noch zur Seite. Als Marguerites Bruder Valentin aus dem Krieg zur\u00fcckkehrt, fordert er Faust zum Duell und wird t\u00f6dlich verwundet. Im Wahn ermordet Marguerite ihr Kind und kommt in Kerkerhaft. Als Faust sie zur Flucht bewegen will, erkennt sie seinen teuflischen Begleiter und sinkt tot zu Boden.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild besteht aus einer massiven S\u00e4ule in der Bildmitte, um die bunte Szenen- und Standbilder auf einer Drehscheibe rotieren: eingefrorene Kinder- und Jahrmarktszenen, Aufm\u00e4rsche von W\u00fcrdentr\u00e4gern, in den Krieg ziehende Soldaten und zur\u00fcckkehrende Kriegsversehrte. Eine m\u00e4rchenhaft-kitschige Kulisse aus blinkenden Tannenb\u00e4umchen, herabfallendem Schnee und altbacken gekleideten Protagonisten wird grell kontrastiert durch verst\u00f6rende Masken des Chors, eine \u201eYes!\u201c-Leuchtreklame und glitzerne Diskoanz\u00fcge.<\/p>\n<p>Der Anfang nimmt das Ende vorweg. W\u00e4hrend der Ouvert\u00fcre bekommt Marguerite ihre Henkersmahlzeit serviert. Im Finale verendet sie durch die Giftspritze zappelnd auf einer Liege.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Das Orchester der Deutschen Oper Berlin zeigte sich unter der Leitung von Marco Armiliato in guter Form. Trotz wunderbarer Instrumentalsoli h\u00e4tte man sich diese romantische Partitur voll attraktiver Melodien, Romanzen und T\u00e4nze mit pr\u00e4chtigen Chorszenen zuweilen noch ein wenig klangvoller gew\u00fcnscht.<\/p>\n<p>Stimmlich und darstellerisch herausragend geht <strong>Krassimira Stoyanova<\/strong> in der Rolle der Marguerite auf. Ihr dramatischer Sopran strahlt eine Innerlichkeit aus, die jede ihrer Szenen anr\u00fchrend macht. Sie singt mit klarer Diktion und zartem Piano in der H\u00f6he. Jeder Ton wird sicher gebildet und korrekt moduliert. Ihrer Aura und B\u00fchnenpr\u00e4senz konnte das Drumherum aus Rollendoppelung, der Umdeutung der Liebes- zur Mi\u00dfbrauchszene und der Hinrichtung durch die Giftspritze nichts anhaben. <strong>Teodor Ilinc\u00e3i<\/strong> hatte es dagegen schwerer, als Titelfigur an Profil zu gewinnen. Schmachtend legte er sich als Liebhaber ins Zeug. Trotz sch\u00f6n gef\u00e4rbter Tenorstimme pa\u00dft sein Timbre eher ins Verdi-Fach. Den Teufel darzustellen, kann teuflisch sein. <strong>Ildebrando D\u2019Arcangelo<\/strong> ist es auf eine ganz unsatanische Art gelungen. D\u2019Arcangelo verk\u00f6rpert keinen dr\u00f6hnend opulenten Mephistoph\u00e9l\u00e8s; er singt die Partie sarkastisch und nuanciert. Sein Ba\u00df ist weniger volumin\u00f6s als konzentriert. Die Serenade auf das Goldene Kalb <em>Le veau d\u2019or \u2013 Um das Gold dreht sich alle Welt<\/em> (1. Akt), eine der bekanntesten Nummern der Oper, singt D\u2019Arcangelo verhalten und ohne gro\u00dfe Dynamisierungen. Im Quartett <em>Prenez mon bras \u2013 Nehmt meinen<\/em> <em>Arm <\/em>(3. Akt) harmonierten die Protagonisten perfekt miteinander.<\/p>\n<p>Die Auftritte der unprofilierten, noch aus der Tradition der <em>op\u00e9ra comique<\/em> stammenden Nebenpartien waren insgesamt gelungen. In einer Mixtur aus \u00fcbersteigerter Bruderliebe und patriarchalischem Besitzgehabe wacht <strong>Markus Br\u00fcck<\/strong> (Valentin) stimmlich und darstellerisch souver\u00e4n \u00fcber seine Schwester Marguerite. Die Hosenrolle des kindlich naiven Nebenbuhlers Si\u00e9bel wird von <strong>Stephanie Lauricella<\/strong> zart und intonationsrein ausgef\u00fcllt. Auch <strong>Ronnita Miller<\/strong> (Marthe) \u00fcberzeugt als komisch groteske Figur, die sich im gr\u00fcnen Jogginganzug \u00fcber den Teufel hermacht.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>In Frankreich ist Gounods <em>Faust<\/em> neben Bizets <em>Carmen<\/em> die meistgespielte franz\u00f6sische Oper. Der Erfolg dieses <em>drame lyrique<\/em> beruht zu gro\u00dfen Teilen auf der leicht eing\u00e4ngigen, romantischen Partitur. Regisseur St\u00f6lzl geht nicht mit der Musik, sondern setzt filmische, vordergr\u00fcndige Kontraste. Beschwingte Tanz- und Trinkszenen konterkariert er durch Standbilder. W\u00e4hrend im Finale Stimmen aus der H\u00f6he Erl\u00f6sung und Ostermorgen verk\u00fcnden, verreckt Marguerite durch die Giftspritze. Aus f\u00fcnf Akten macht St\u00f6lzl vier, \u00e4ndert Szenen und setzt den Fokus auf Marguerites Schicksal. St\u00f6lzl ist der Meinung, <em>die Oper t\u00e4te besser daran, die Partituren mehr als Material zu betrachten<\/em>. Ein Erfolg war ihm damit nicht beschieden: Die Buhrufe \u00fcbert\u00f6nten an diesem Premierenabend eindeutig und langanhaltend den Applaus. Musikalisch gesehen verfehlten Fausts Romanze, Marguerites Lied, das Rondo Mephistos, die Chor- und Ballettszenen der Walpurgisnacht dennoch nicht ihre Wirkung.<\/p>\n<p>Norma Strunden<\/p>\n<p>Bild: Matthias Baus<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Krassimira Stoyanova (Marguerite)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 19. 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