{"id":634,"date":"2009-05-03T22:31:20","date_gmt":"2009-05-03T20:31:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=634"},"modified":"2009-05-03T22:32:16","modified_gmt":"2009-05-03T20:32:16","slug":"bayreuth-markgrafliche-opernhaus-wilhelmine","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=634","title":{"rendered":"Bayreuth, Markgr\u00e4fliches Opernhaus  &#8211; WILHELMINE"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Hans Martin Gr\u00e4bner; Semi-Oper in zwei Akten, Text von Uwe Hoppe; UA: 2009, Bayreuth.<br \/>\nRegie: Uwe Hoppe, B\u00fchnenbild: Daniel Reim<br \/>\nDirigent: Hans Martin Gr\u00e4bner, Orchester Les solistes sans pareils, Zamir-Chor<br \/>\nSolisten: Rebecca Broberg (Sopran), Stefanie Golisch (Mezzosopran), Georg Schie\u00dfl (Tenor), Hartwig Adler (Bariton)<br \/>\nSchauspieler: Johanna R\u00f6nsch (alte Wilhelmine), Kristine Walther (junge Wilhelmine), Elisabeth M\u00fcgge (Frau von Sonsfeld, Amme), Arkadij Dell (Fritz), Stafanie Golisch (Katte), Martin Betz (Friedrich Wilhelm I.), Alexandra Ackermann (Sophie Dorothea von Preu\u00dfen), Hermann Seifert (Georg Friedrich Karl Markgraf von Bayreuth), Waldemar Zimmermann (Friedrich von Bayreuth), Ute Zink (Wilhelmine von der Marwitz, Hofdame), Hartmut Thurner (Voltaire)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 25. April 2009 (Premiere, Urauff\u00fchrung)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/bayreuth-wilhelmine.jpg\" TITLE=\"bayreuth-wilhelmine.jpg\"><img SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/bayreuth-wilhelmine.jpg\" ALT=\"bayreuth-wilhelmine.jpg\" ALIGN=\"right\" \/><\/a>Markgr\u00e4fin Wilhelmine von Bayreuth liegt 1758 im Sterben und blickt auf ihr Leben zur\u00fcck. Geboren als \u00e4lteste Tochter des preu\u00dfischen Soldatenk\u00f6nigs Friedrich Wilhelm I. soll sie eigentlich als englische K\u00f6nigin verheiratet werden. Zusammen mit ihrem Bruder Fritz, dem sp\u00e4teren Friedrich dem Gro\u00dfen, leidet sie unter den Wutanf\u00e4llen ihres Vaters. Nach einem Fluchtversuch wird Friedrichs Freund Katte hingerichtet, Friedrich mit Festungshaft bestraft. Mutter Sophie Dorothea kann nicht verhindern, da\u00df Wilhelmine zur Strafe verheiratet wird in das unbedeutende Bayreuth, Residenzstadt einer kleinen Hohenzollernschen Nebenlinie. Schon die Ankunft wird durch die derben Spr\u00fcche des Schwiegervaters Markgraf Georg Friedrich Karl niederschmetternd. Erst nach dessen Tod und weil ihr Gemahl sie mit einer Hofdame betr\u00fcgt, kann sie sich in ihrer Bauwut ausleben, in der Eremitage, im Neuen Schlo\u00df und im Felsengarten von Sanspareil. Ihr Bruder besucht sie mit Voltaire noch einmal in dieser Idylle im Zeichen der Aufkl\u00e4rung. Wilhelmine stirbt.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nEs handelt sich um eine barocke Semi-Oper, was bedeutet, da\u00df die Handlung als Schauspiel vorangetrieben und von Musikeinlagen unterbrochen wird. Besonders deutlich wird das, indem bestimmte Personen mehrfach auf der B\u00fchne sind, der Schauspieler agiert, der S\u00e4nger singt und kommentiert.<br \/>\nDiese Verdoppelung der Personen f\u00fchrt aber auch leider zu einer gewissen Verwirrung, da auf der vollen B\u00fchne manchmal die \u00dcbersicht \u00fcber die handelnden Figuren verloren geht. Markgr\u00e4fin Wilhelmine ist bis zu dreimal vorhanden, einmal als sterbende Markgr\u00e4fin, die das B\u00fchnengeschehen vom Rande verfolgt, als junge Prinzessin und als Sopran, der ihre Handlungen kommentiert.  Leutnant Katte wird auch als Person durch den Mezzosopran dargestellt, nur durch eine Sch\u00e4rpe wird die Wandlung zum S\u00e4nger erl\u00e4utert, was nach dem Tod Kattes zun\u00e4chst unverst\u00e4ndlich ist.<br \/>\nEs ist jedoch der Verdienst von Uwe Hoppe, der die Handlung klar strukturiert vorantreibt und die \u00dcbersicht rasch wieder herstellt. Auch ist seine zur\u00fcckhaltende Personenf\u00fchrung, die sich haupts\u00e4chlich im Bereich der Rampe vor gemalter zweidimensionaler Kulisse abspielt, wirklich leicht verst\u00e4ndlich und auch f\u00fcr Zuschauer geeignet, die das Leben der Wilhelmine nicht kennen &#8211; nur das Thema der Aufkl\u00e4rung bzw. die Person Voltaire kommen zu kurz.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nDie Komposition <strong>Hans Martin Gr\u00e4bners<\/strong> geht von barocken Klangbildern aus und wandert dann in den einzelnen Nummern durch die verschiedenen Musikstile. Ohne Komponisten oder Werke zu zitieren f\u00fchlt man sich lediglich an Fl\u00f6tenkonzerte von Quantz oder Friedrich, an Symphonien von Schostakowitsch oder an atonale Klangbilder erinnert. Das kleine, aber feine <strong>Orchester<\/strong> (zehn Musiker) setzt diese Kompositionen meisterhaft um.<br \/>\nEs war im Barock \u00fcblich, f\u00fcr ein bestehendes Ensemble zu komponieren, da keine G\u00e4ste hinzugezogen wurden \u2013 auch aus Geldgr\u00fcnden. \u00c4hnlich auch hier. Gr\u00e4bner orientiert sich an den M\u00f6glichkeiten der S\u00e4nger und des Chores. Zwar h\u00f6rt man <strong>Hartwig Adler<\/strong> (Bariton) kaum (fehlende Lautst\u00e4rke), der Tenor <strong>Georg Schie\u00dfl <\/strong>hat Probleme mit der Tonh\u00f6he (er liegt h\u00e4ufiger daneben), jedoch hat <strong>Rebecca Broberg<\/strong> (Sopran) einen glockenklaren Sopran und eine tolle Textverst\u00e4ndlichkeit. <strong>Stefanie Golisch<\/strong> (Mezzosopran) hat ein aufregendes Timbre in der Stimme und besticht mit charmanten L\u00e4cheln. Besonders hervorzuheben ist die Abstimmung von Solisten Chor und Orchester.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nDie zahlreich anwesende Bayreuther Lokalprominenz feiert mit st\u00fcrmischem Applaus alle Beteiligten. Zu recht, denn die Studiob\u00fchne Bayreuth \u2013 seit 28 Jahren eine inspirierende Mischung aus professionellem Theater und ambitionierten Amateuren &#8211; stellt unter Beweis, da\u00df eine wirklich gro\u00dfartige Produktion auf die Beine stellen kann. Aber leider wird dieses St\u00fcck kaum nachgespielt werden, denn wer kennt heutzutage noch die Schwester Friedrich des Gro\u00dfen? Das sollte auch die anwesende Lokalprominenz veranlassen, die Studiob\u00fchne weiterhin zu unterst\u00fctzen und das <em>Markgr\u00e4fliche Opernhaus<\/em> als Opernhaus zu erhalten.<br \/>\nOliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Josefine Lindner<br \/>\nDas Bild zeigt: Zum gro\u00dfen Finale sind alle auf der B\u00fchne<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Hans Martin Gr\u00e4bner; Semi-Oper in zwei Akten, Text von Uwe Hoppe; UA: 2009, Bayreuth. 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