{"id":6335,"date":"2015-05-31T17:34:41","date_gmt":"2015-05-31T16:34:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6335"},"modified":"2015-06-17T17:37:32","modified_gmt":"2015-06-17T16:37:32","slug":"andrea-chenier-erfurt-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6335","title":{"rendered":"ANDREA CHENIER &#8211; Erfurt, Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Umberto Giordano (1867-1948), Dramma di ambiente storico in vier Bildern, Libretto: Luigi Illica, UA: 28. M\u00e4rz 1896 Milano, Teatro alla Scala<\/p>\n<p>Regie: Guy Montavon, B\u00fchne: Edoardo Sanchi, Kost\u00fcme: Roswitha Thiel<\/p>\n<p>Dirigent: Manlio Benzi, Philharmonisches Orchester und Opernchor des Theaters Erfurt, Choreinstudierung: Andreas Ketelhut<\/p>\n<p>Solisten: Marc Heller (Andrea Ch\u00e9nier), Kartal Karagedik (G\u00e9rard), Macarena Valenzuela (Maddalena de Coligny), Marisca Mulder (Bersi), Stephanie M\u00fcther (Gr\u00e4fin von Coigny\/Madelon), Nils St\u00e4fe (Roucher), Gregor Loebel (Haushofmeister\/Kerkermeister Schmidt\/Dumas), Juri Batukov (Fouquier-Tinville), Mate Solyom-Nagy (Mathieu), Robert W\u00f6rle (Incredibile), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 30. Mai 2015 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<div id=\"attachment_6336\" style=\"width: 593px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Erfurt-A_-Chenier.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6336\" class=\"size-full wp-image-6336\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Erfurt-A_-Chenier.jpg\" alt=\"St\u00e9phanie M\u00fcther (La Contessa di Coigny \/ Madelon), Macarena Valenzuela  (Maddalena di Coigny)\" width=\"583\" height=\"389\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Erfurt-A_-Chenier.jpg 583w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Erfurt-A_-Chenier-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 583px) 100vw, 583px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6336\" class=\"wp-caption-text\">St\u00e9phanie M\u00fcther (La Contessa di Coigny \/ Madelon), Macarena Valenzuela (Maddalena di Coigny)<\/p><\/div>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Auf einem Ball der Gr\u00e4fin de Coigny sorgen Verse, die der Dichter Andrea Ch\u00e9nier vortr\u00e4gt, f\u00fcr Aufregung. Er greift darin den Adel und seinen ausschweifenden Lebensstil an. Der Diener G\u00e9rard, der Maddalena; die Tochter des Hauses, heimlich liebt, bricht mit einer Gruppe Revolution\u00e4re in das Fest ein. Er wird zur\u00fcckgeschlagen und entlassen. Obwohl Ch\u00e9nier mit den revolution\u00e4ren Ideen sympathisiert, wird er aufgrund seiner Kontakte zum Adel bespitzelt. Sein Freund Roucher r\u00e4t ihm zur Flucht. Der Dichter weigert sich wegen der Liebesbriefe einer geheimnisvollen Unbekannten, die er kennenlernen will. Sie entpuppt sich als Maddalena de Coigny. Es kommt zu einer Liebesszene, die vom Incredibile beobachtet und an den mittlerweile zum Revolutionsf\u00fchrer aufgestiegenen G\u00e9rard verraten wird. Im Duell mit Ch\u00e9nier wird G\u00e9rard verwundet. Nach seiner Genesung l\u00e4\u00dft er den Dichter verhaften und stellt ihn vor das Tribunal. Maddalena setzt sich f\u00fcr seine Rettung ein, kann aber das Todesurteil nicht verhindern. W\u00e4hrend Andrea Ch\u00e9nier im Kerker auf seine Hinrichtung wartet, besticht Maddalena einen W\u00e4rter, sie anstelle einer verurteilten Delinquentin aufs Schafott zu schicken. Unter falschem Namen geht sie an der Seite ihres Geliebten in den Tod.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Ein wahrlich opulentes B\u00fchnenbild f\u00fchrt den Zuschauer in die Zeit der Franz\u00f6sischen Revolution. Er blickt im ersten Bild in einen Festsaal, der mit barocken Mustern verziert ist. Blumen regnen herab und verst\u00e4rken den authentischen Eindruck, bis die h\u00f6fische Gesellschaft von der hungernden Landbev\u00f6lkerung mit Kn\u00fcppeln angegriffen wird. Die W\u00e4nde fahren mannshoch nach oben, zerbrochene Spiegel (teilweise in Form des Messers einer Guillotine) ersetzen die Blumen. Auf Sitzb\u00e4nken k\u00f6nnen einzelne Personen oder ganze Personengruppen wie auf Schaukeln nach oben gezogen werden und hintereinander versetzt gruppiert werden. Die sehr farbenfrohen Kost\u00fcme \u201ebei Hofe\u201c k\u00f6nnten den <em>Gef\u00e4hrlichen Liebschaften<\/em> der Spitzel aus <em>Les Miserables<\/em> entnommen sein. Gleiches gilt f\u00fcr die Uniformen der Revolution\u00e4re, Richter, Kerkermeister und Soldaten.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Marc Heller <\/strong>in der Titelrolle des Andrea Chenier ist ein strahlender Tenor f\u00fcr das italienische Fach, der seine Rolle mit viel Verve gestalten kann. Die \u201eBravourarie\u201c <em>Come un bel d\u00ec di Maggio<\/em> (4. Bild) gelingt ihm ohne h\u00f6rbare Anstrengungen. Sein Gegenspieler ist <strong>Kartal Kragedik <\/strong>als G\u00e9rard. Mit spielerischer Leichtigkeit meistert er alle Klippen einer der schwierigeren Verismo-Partien. Zur Gestaltung der Vielschichtigkeit dieser Rolle zwischen Ha\u00df, Liebe und Verzicht, in <em>Nemico della patria<\/em> (3. Bild) verf\u00fcgt er \u00fcber Gestaltungsm\u00f6glichkeiten und Ressourcen auch im tieferen Bereich, auch wenn er sich \u201enur\u201c als Bariton bezeichnet. <strong>Macarena Valenzuela<\/strong> ist als Maddalena ein ausdrucksstarker, jugendlicher Sopran, der seinen Gef\u00fchlen etwas eindimensional nachkommt. Mitf\u00fchlend berichtet sie von <em>La mamma morta<\/em>. <strong>Stephanie M\u00fcther <\/strong>ist diese Mutter mit vollmundigem und ausdrucksstarken tiefem Mezzo (etwa zwischen Mezzo und Alt). <strong>Marisca Mulder<\/strong> (Bersi) kann als dramatischer Sopran gl\u00e4nzen, auch wenn stimmliche Sch\u00e4rfen manchmal un\u00fcberh\u00f6rbar sind. Ihre Arie (2. Bild) <em>Vivere in fretta<\/em> erregt sehr viel Aufmerksamkeit. <strong>Juri Batukov<\/strong> kann dem dominant-b\u00f6sartigen Ankl\u00e4ger Fouquier-Tinville mit seinem Charakterbariton viel abgewinnen. Er klingt in der H\u00f6he sicher, gurgelndes Pathos hat er manchmal in der Tiefe. Auch die kleineren Rollen wie <strong>Mate Solyom-Nagy <\/strong>(Mathieu), <strong>Nils St\u00e4fe<\/strong> (Roucher) und <strong>Gregor Loebel <\/strong>(er findet in einer Dreifachrolle Haushofmeister\/Kerkermeister Schmidt\/Dumas eine ideale Symbiose zwischen Aussprache und musikalischer Gesangslinie) sind dem italienischen Wohlklang verpflichtet. Dieser italienische Wohlklang ist im Orchester irgendwo verlorengegangen, das Philharmonische Orchester unter <strong>Manlio Benzi <\/strong>musiziert energisch und dem Drama folgend vorw\u00e4rtsdr\u00e4ngend, aber das Gef\u00fchl f\u00fcr das Drama fehlt. Gewohnt sicher in jeder Situation ist der <strong>Opernchor<\/strong> \u2013 auch wenn man verteilt auf der B\u00fchne steht oder h\u00f6fische T\u00e4nze auff\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Dem Theater Erfurt mu\u00df man dankbar sein, dieses Meisterwerk des italienischen Verismo auf den Spielplan zu setzen. Zusammen mit dem Staatstheater N\u00fcrnberg (dort war die Premiere vor zwei Jahren) konnte eine sehr aufwendige Ausstattung realisiert werden, die die Zeit der Franz\u00f6sischen Revolution wiederauferstehen l\u00e4\u00dft. Lediglich die \u201eSchaukelaufz\u00fcge\u201c bleiben merkw\u00fcrdig. Den hohen musikalischen Anforderungen werden besonders die drei Hauptdarsteller mehr als gerecht. Lediglich der italienische Dirigent <strong>Manlio Benzi<\/strong> l\u00e4\u00dft jedes Gef\u00fchl f\u00fcr Italianit\u00e0 vermissen, die Auff\u00fchrung klingt wie ein Sp\u00e4twerk der deutschen Romantik. Das w\u00e4hrend der Vorstellung besonders w\u00e4hrend der Arien etwas lethargische Publikum feiert am Ende doch alle Beteiligten sehr freundlich.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Lutz Edelhoff<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Ball bei der Gr\u00e4fin<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 30. 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