{"id":6332,"date":"2015-06-02T07:13:15","date_gmt":"2015-06-02T06:13:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6332"},"modified":"2015-06-17T17:39:32","modified_gmt":"2015-06-17T16:39:32","slug":"tristan-und-isolde-wels-richard-wagner-festival-wels","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6332","title":{"rendered":"TRISTAN UND ISOLDE &#8211; Wels, Richard Wagner Festival Wels"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883); Handlung in drei Aufz\u00fcgen, UA: 10. Juni 1865 M\u00fcnchen, K\u00f6nigliches Hof- und Nationaltheater<\/p>\n<p>Regie: Herbert Adler, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Dietmar Solt<\/p>\n<p>Dirigent: Ralf Weikert, Br\u00fcnner Philharmoniker, Philharmonia Chor Wien, Einstudierung: Walter Zeh<\/p>\n<p>Solisten: Lioba Braun (Isolde), Stig Andersen (Tristan), Michael Kupfer (Kurwenal), Andreas H\u00f6rl (K\u00f6nig Marke), Hermine May (Brang\u00e4ne), Marco di Sapia (Melot), Christian Sturm (Hirt\/Junger Seemann), Nicolas Legoux (Steuermann)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 24. Mai 2015 (Derniere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Wels-Tristan-179.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6333\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Wels-Tristan-179.jpg\" alt=\"Wels Tristan-179\" width=\"671\" height=\"447\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Wels-Tristan-179.jpg 671w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Wels-Tristan-179-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 671px) 100vw, 671px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der Ritter Tristan f\u00fchrt die irische Prinzessin Isolde, deren Verlobten Morold er einst im Zweikampf get\u00f6tet hat, seinem Onkel K\u00f6nig Marke als Braut zu. Auf der \u00dcberfahrt nach England verlangt Isolde S\u00fchne f\u00fcr Morolds Tod: Sie fordert Tristan auf, gemeinsam mit ihr Gift zu trinken. Brang\u00e4ne hat jedoch das Gift heimlich gegen einen Liebestrank ausgetauscht, so entbrennen Tristan und Isolde in heftiger Leidenschaft f\u00fcreinander. Isolde heiratet zwar K\u00f6nig Marke, trifft sich aber mit Tristan. Melot verr\u00e4t die Liebenden und verwundet Tristan schwer. Kurwenal verbringt den Verletzten nach Kornwall. Tristan stirbt jedoch bei Isoldes Ankunft. Als Konsequenz ihrer Liebe folgt Isolde ihm in den Tod.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die auf Projektionen beruhenden B\u00fchnenbilder von Dietmar Solt orientieren sich an der Optik der Inszenierungen von G\u00fcnther Schneider-Siemssen und stehen damit auch in der Tradition Wieland Wagners bahnbrechender Inszenierungen Neu-Bayreuths \u2013 besonders die abstrahierten Kost\u00fcme, k\u00f6nnten aus einer seiner Produktionen stammen. Die dunklen Farben der historisierenden Kost\u00fcme und die d\u00fcstere Lichtstimmung sind Garanten f\u00fcr ein Liebesdrama. Das B\u00fchnenbild gewinnt durch die einfache Anordnung weniger Bauteile. Der Mittelgrund besteht aus einer Stufenrampe, die zuerst ein Schiff, dann eine Gartenlandschaft und zum Schlu\u00df eine Felsenlandschaft am Strand bildet. Auf die Projektionsfl\u00e4che dahinter werden dahinziehende Wasserlandschaften, in denen sich das Licht spiegelt, oder ein ver\u00e4nderlicher Wolkenhimmel mit Mond, oder ein Sandstrand, an dem sich die Wellen brechen, eingespielt.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Auch f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere H\u00e4user ist es schwierig, eine ad\u00e4quate Besetzung f\u00fcr dieses im Ruf der Unbesetzbarkeit stehenden Werkes Richard Wagners zu finden. Besonders der Tristan steht im Ruf eine m\u00f6rderische Rolle zu sein. Da ist es besonders bemerkenswert, da\u00df <strong>Stig Andersen<\/strong> diese Rolle nicht nur zweimal innerhalb einer Woche singt, sondern auch noch zwischendurch seinen Kollegen Peter Seiffert im <em>Tannh\u00e4user<\/em> vertritt. Hier zeigt er beispielhaft, wie man sich mit gleichm\u00e4\u00dfig eingeteilten Kr\u00e4ften durch die Partie des Tristan k\u00e4mpft. Dabei reduziert er die m\u00f6rderischen Spr\u00fcnge, indem er hohe T\u00f6ne nur ansingt und kann, trotz einer mehr gehauchten als gesungener Stimme, das Publikum in seinen Bann ziehen. Der gro\u00dfe Strich im zweiten Akt hilft eher <strong>Lioba Braun <\/strong>(Isolde). Mit facettenreicher, harmonischer, etwas verhaltener, manchmal auch etwas kraftloser Stimme folgt sie Note f\u00fcr Note der Gesangslinie. Das h\u00f6rt sich an wie in einem Lieds\u00e4nger-Konzert, leider will sich so kein Feuer, kein Liebesgl\u00fchen einstellen. Die \u00fcberragende Figur des Abends ist unzweifelhaft <strong>Andreas H\u00f6rl<\/strong> als K\u00f6nig Marke \u2013 eine wundersch\u00f6ne Ba\u00dfstimme mit fast schwarzer Tiefe. Er n\u00e4hert sich Wagners Ideal der unendlichen Melodie und singt trotzdem jeden Ton und betont jedes Wort \u00fcberdeutlich. Ein wahrlich erregender Vortrag! Genauso \u00fcberzeugend ist <strong>Michael Kupfer<\/strong> als Kurwenal, der ein durchschlagsstarker, aber immer noch lyrischer Bariton ist. Er meistert mit samtener Stimme ohne Anstrengung die H\u00f6hen und Tiefen der Rolle \u2013 und bleibt doch immer absolut wortverst\u00e4ndlich. <strong>Hermine May <\/strong>wirkt als Brang\u00e4ne frischer als die Isolde, ihr technisch sauberer, durchschlagsstarker Sopran mit sicherer H\u00f6he und wortverst\u00e4ndlicher Gestaltung hat noch Potential zur Weiterentwicklung. Der von <strong>Walter Zeh <\/strong>einstudierte Philharmonia Chor sang kraftvoll harmonisch und transparent. Die Br\u00fcnner Philharmoniker sind nicht unbedingt im Wagner-Fach zu Hause und haben so manche Probleme <strong>Ralf Weikert <\/strong>zu folgen. Dabei l\u00e4\u00dft Weikert schon das Vorspiel sehr verhalten musizieren, entdeckt in der Partitur dabei viele Details, aber f\u00fcr die leidenschaftliche Ekstase bleibt zu wenig Raum. Erst mit dem dritten Akt beginnt f\u00fcr ihn das Liebesdrama.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Mit diesem <em>Tristan<\/em> stellt das Richard-Wagner-Festival Wels eindrucksvoll unter Beweis, wie Werktreue Wagnerianer aller L\u00e4nder in eine Kleinstadt nach Ober\u00f6sterreich locken kann, die ungef\u00e4hr gleichgro\u00df wie Bayreuth ist, aber sich seit 1989 zu einer Art \u201eGegenfestival\u201c f\u00fcr unzufriedene Wagnerianer aufgebaut hat. Der Erfolg spricht f\u00fcr sich, die Vorstellungen sind ausverkauft, der Beifall der weltweit angereisten Wagnerianer ist tobsuchtartig. Lediglich der Vertreter der Stadt Wels mu\u00dfte beim Schlu\u00dfapplaus Pfiffe einfahren. Zwar bedankt er sich artig bei Frau Doppler f\u00fcr ihr (auch finanzielles) Engagement, jedoch mit dem Hinweis: e<em>rst wenn man etwas nicht mehr hat, wird man es vermissen<\/em> macht er darauf aufmerksam, da\u00df dies die letzte Vorstellungen war, es sei denn, das Land Ober\u00f6sterreich und die Stadt Wels sind bereit, das Festival ausreichend zu finanzieren. Die Sponsoren um Frau Doppler sind gespr\u00e4chsbereit, f\u00fcr das n\u00e4chste Jahr ist nur ein Gastspiel geplant: auf Einladung des Sultans im Oman!<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Richard-Wagner-Festival Wels<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Lioba Braun (Isolde), Stig Andersen (Tristan)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 24. 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