{"id":6310,"date":"2015-05-30T20:23:09","date_gmt":"2015-05-30T19:23:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6310"},"modified":"2015-06-02T12:38:38","modified_gmt":"2015-06-02T11:38:38","slug":"la-traviata-baden-baden-festspielhaus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6310","title":{"rendered":"LA TRAVIATA &#8211;  Baden-Baden, Festspielhaus"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giuseppe Verdi (1813-1901), Oper in drei Akten, Libretto: Francesco Maria Piave, UA: 6. M\u00e4rz 1853 Venedig, Teatro La Fenice<\/p>\n<p>Regie: Rolando Villaz\u00f2n, B\u00fchne: Johannes Leiacker, Kost\u00fcme: Thibault Vancraenenbroeck, Licht: David Cunningham, Choreinstudierung: Detlef Bratschke, Choreographie: Philippe Giraudeau<\/p>\n<p>Dirigent: Pablo Heras-Casado, Balthasar-Neumann-Ensemble, Balthasar-Neumann-Chor<\/p>\n<p>Solisten: Olga Peretyatko (Violetta Val\u00e9ry), Atalla Ayan (Alfredo Germont), Simone Piazzola (Giorgio Germont), Christina Daletska (Flora Bervoix), Emiliano Gonzalez Toro (Gastone), Tom Fox (Baron Douphol), Konstantin Wolff (Marquis d&#8217;Obigny), Walter Fink (Doktor Grenvil), Deniz Uzun (Annina)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 29. Mai 2015<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Baden-Baden-La-Traviata.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6311\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Baden-Baden-La-Traviata.jpg\" alt=\"Baden-Baden La Traviata\" width=\"579\" height=\"385\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Baden-Baden-La-Traviata.jpg 579w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Baden-Baden-La-Traviata-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 579px) 100vw, 579px\" \/><\/a><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Violetta Valery ist todkrank. Bislang verlief ihr Leben als Kurtisane wie ein rauschendes Fest in den Pariser Salons. Als ihr Alfredo Germont begegnet, lernt sie zum ersten Mal wahre Liebe und aufrichtige Gef\u00fchle kennen. Sie l\u00e4\u00dft die Vergangenheit hinter sich und finanziert durch den Verkauf ihres gesamten Besitzes ein gemeinsames Leben auf dem Land. Alfredos Vater jedoch mi\u00dff\u00e4llt die Kurtisane an der Seite seines Sohnes. Denn seine Tochter ist im Begriff einen reichen Edelmann zu heiraten, der auf der Aufl\u00f6sung der Verbindung von Violetta und Alfredo besteht. Violetta willig letztlich ein und kehrt mit ihrer Dienerin in ein bescheidenes Pariser Appartement zur\u00fcck, um dort ihre letzten Tage zu verbringen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild von Johannes Leiacker stellt mehrere kreisrunde Plateaus dar, die an eine Zirkusmanege erinnern. Ein weiteres Plateau versinnbildlicht das Zifferblatt einer Uhr. Das Milieu der drei Szenenbilder, wie sie Verdi und Piave entworfen haben, gibt es hier nicht. Bevor am Anfang die Musik einsetzt, betritt bereits Violetta mit einer Spieluhr die B\u00fchne. Villaz\u00f2ns Inszenierung zeigt u.a. eine Violetta, die von einer Akrobatin in stummer Rolle verdoppelt wird. Alfredo agiert auf diese Weise mit zwei unterschiedlichen \u201eViolettas\u201c, die sich nicht in allen Szenen inhaltlich klar zuordnen lassen. Die Festgesellschaft erinnert an ein Gemisch aus Zirkusartisten und Commedia dell&#8217;arte \u2013 Figuren und Clowns. Im letzten Akt spielt die Handlung vor geschlossenem Vorhang.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>K\u00fcnstlerischer H\u00f6hepunkt ist <strong>Olga Peretyatko<\/strong> als Violetta Val\u00e9ry, die zweifellos in unseren Tagen als eine der renommiertesten S\u00e4ngerinnen dieser Partie gelten darf. Ihr stimmlicher Ausdruck kennt die gesamte Palette der Belcanto-Elemente des ersten Akts bis zur lyrisch gepr\u00e4gten Sterbeszene am Schlu\u00df. Bewundernswert ist, wie Peretyatko au\u00dferdem mit den sprachlichen Elementen arbeitet. Hier zeigt sich, da\u00df die Sopranistin das italienische Fach nicht vom H\u00f6rensagen her praktiziert, sondern ihre fundierte Technik in Italien erlernt hat. Die Interpretation wirkt unmittelbar und intuitiv, es findet sich keine Spur von gek\u00fcnstelter Effekthascherei. Schade, da\u00df nur wenige S\u00e4nger in unserer Zeit ihre Profession auf solch tiefgr\u00fcndige Weise ernst nehmen und die Gepflogenheiten der jeweiligen Gesangstraditionen vor Ort studieren. Der brasilianische Tenor <strong>Atalla Ayan<\/strong> hingegen scheint noch nicht ganz in seine Partie als Alfredo hineingewachsen zu sein. Sein leicht rauhes Timbre gewinnt im Laufe der Vorstellung zwar an Farbigkeit und Ausdruck, oft wirkt er jedoch sehr konzentriert und ein wenig h\u00f6lzern. Auch wenn er beim Singen teilweise gedanklich noch sehr in seine Partitur vertieft zu sein scheint ist seine italienische Artikulation gr\u00fcndlich erarbeitet, so da\u00df man von ihm wohl in einigen Jahren eine interessante Interpretation des Alfredo erwarten kann. Ein sonorer runder Ba\u00df ist Walter Fink als Doktor Grenvil. Nur schade, da\u00df diese Gesangspartie bereits nach wenigen Takten schon zu Ende geht. Ein interessanter Giorgio Germont stellt <strong>Simone Piazzola <\/strong>dar, der die Baritonpartie mit einer gewissen H\u00e4rte und Statik interpretiert. Oft f\u00fchlt man sich hier an den steinernen Gast aus <em>Don Giovanni <\/em>erinnert, was sicherlich \u2013 auch aus gesanglicher Sicht \u2013 kein Fehler ist. Die weiteren Partien von <strong>Christina Daletska<\/strong> (Flora), <strong>Emiliano Gonzalez Toro<\/strong> (Gastone), <strong>Tom Fox<\/strong> (Baron Douphol), <strong>Konstantin Wolff<\/strong> (Marquis d&#8217;Obigny) und <strong>Deniz Uzun<\/strong> (Annina) runden den Opernabend ab.<\/p>\n<p>Die Akustik des Festspielhauses mag zwar den vielseitigen Anspr\u00fcchen des 21. Jahrhunderts gerecht werden, entspricht jedoch nicht in allen F\u00e4llen dem Klangbild aus der Zeit Verdis. Dies zeigt sich vor allem im ersten Akt, wo das dr\u00f6hnende und h\u00e4mmernde Schlagwerk sehr exponiert den Orchesterklang \u00fcberdeckt. Die einzelnen Instrumentalgruppen klingen oft sehr isoliert und nackt, was wohl auch dem nicht sonderlich tiefen Orchestergraben zuzuschreiben ist. Das Balthasar-Neumann-Ensemble unter <strong>Pablo Heras-Casado<\/strong> \u00fcberzeugt letztlich jedoch durch eine lebhafte und gut einstudierte Wiedergabe der Partitur.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Das Regiekonzept wirkt an vielen Stellen etwas unbeholfen und erschlie\u00dft sich auch durch die dramaturgischen Hinweise im Programmheft nicht. Die Personenf\u00fchrung wie auch die Lichtregie sorgen streckenweise f\u00fcr gro\u00dfe Unruhe und Hektik. Vor allem die stetigen Personenbewegungen w\u00e4hrend der Gesangspassagen irritieren oftmals, hier fehlt es dem Regisseur wohl noch ein wenig an Erfahrung. Eine solide musikalische Interpretation und ein interessantes S\u00e4ngerensemble sorgen jedoch f\u00fcr einen kurzweiligen Opernabend. Es \u00fcberrascht jedoch sehr, da\u00df das Festivalpublikum in Baden-Baden die Oper nach jeder bekannten Melodie mit mehr oder minder starkem Applaus unterbricht. In den umliegenden Opernh\u00e4usern der Region geschieht dies gl\u00fccklicherweise eher selten.<\/p>\n<p>Daniel Rilling<\/p>\n<p>Bild: Andrea Kremper<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Olga Peretyatko (Violetta Val\u00e9ry), Chor<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 29. 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