{"id":6277,"date":"2015-04-20T10:32:28","date_gmt":"2015-04-20T09:32:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6277"},"modified":"2015-04-29T10:35:46","modified_gmt":"2015-04-29T09:35:46","slug":"siegfried-nuernberg-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6277","title":{"rendered":"SIEGFRIED &#8211; N\u00fcrnberg, Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883), Musikdrama in drei Aufz\u00fcgen, Zweiter Tag des B\u00fchnenfestspiels Der Ring des Nibelungen, Libretto vom Komponisten, UA: 16. August 1876 Bayreuth, Festspielhaus<\/p>\n<p>Regie: Georg Schmiedleitner, B\u00fchne: Stefan Brandtmayr, Kost\u00fcme: Alfred Mayerhofer<\/p>\n<p>Dirigent: Marcus Bosch, Staatsphilharmonie N\u00fcrnberg<\/p>\n<p>Solisten: Vincent Wolfsteiner (Siegfried), Peter Galliard (Mime), Antonio Yang(Wanderer), Martin Winkler (Alberich), Nicolai Karnolsky (Fafner), Leila Pfister (Erda), Rachael Tovey (Br\u00fcnnhilde), Leah Gordon (Stimme eines Waldvogels)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 19. April 2015 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Nuernberg-Siegfried-gp-103.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6278\" alt=\"Nuernberg Siegfried gp  103\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Nuernberg-Siegfried-gp-103.jpg\" width=\"586\" height=\"391\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Nuernberg-Siegfried-gp-103.jpg 586w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Nuernberg-Siegfried-gp-103-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 586px) 100vw, 586px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/b><\/p>\n<p>Siegfried wird vom Zwerg Mime gro\u00dfgezogen, ohne Respekt oder Furcht zu kennen. Wie es der Wanderer prophezeit, gelingt es dem Furchtlosen, das Schwert Nothung aus Tr\u00fcmmern neu zu schmieden. Mimes Ziel ist es, Siegfried gegen Fafner aufzustacheln, damit dieser ihn t\u00f6te und ihm den Ring verschaffe. Nachdem Siegfried den Riesenwurm get\u00f6tet hat, bringt er den Ring an sich und erkennt durch das magische Drachenblut die wahren Ziele Mimes. Aus Zorn bringt er ihn um und macht sich auf zum Br\u00fcnnhildenfelsen, um dort Br\u00fcnnhilde zu erwecken und ihre Liebe zu erringen. Zuvor trifft er auf den Wanderer \u2013 den umherstreifenden Gott Wotan \u2013 und zerschl\u00e4gt seinen Speer, der Wotan die Macht \u00fcber die Welt sicherte. Wotan tritt ab und macht Siegfried so den Weg frei.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung<\/b><\/p>\n<p>Wir befinden uns zeitlich irgendwo zwischen heute und Endzeit. Mime zieht seinen Ziehsohn in einem ausgebrannten Haus auf, was durch eine beschmierte Plakatwand kaschiert wird. Sie leben zwischen Doppelstockbett, Waschmaschine und Bauteilen einer Wohnk\u00fcche. Siegfried soll in seiner roten Trainingshose mit Hosentr\u00e4gern jung und &#8222;cool&#8220; aussehen, w\u00e4hrend Wotan Windjacke und Basecap tr\u00e4gt und Socken von Mime klaut. Fafner wohnt unter einer aufgefalteten Stra\u00dfe, das Waldv\u00f6gelein kommt an Kr\u00fccken daher. Wotan trifft sich mit Erda in der Toilette einer Endzeit-Kneipe. Die Betrunkenen finden zum &#8222;Kotzen&#8220;, da\u00df die Pi\u00dfrinne Feuer f\u00e4ngt und sich in den Walk\u00fcrenfelsen verwandelt. Der Walk\u00fcrenfelsen wiederum verwandelt sich in eine Ehecouch und einen Hochzeitstisch.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<\/b><\/p>\n<p>Die Weiterentwicklung des <b>Vincent Wolfsteiner<\/b> von Loge, \u00fcber Siegmund zum Siegfried, von einem lyrischen Tenor zu einem immerhin mittelkr\u00e4ftigen Heldentenor kann man durchaus als Entdeckung bezeichnen. Wer die <i>Schmiedelieder<\/i> durch alle H\u00f6hen und Tiefen im Forte stemmt und am Ende noch Kraft und Volumen hat, den Dialog mit Br\u00fcnnhilde <i>Leuchtende Liebe, lachender Tod<\/i> durchzustehen, der ist in der ersten Garde der Wagner-Ten\u00f6re angekommen. Man kann auch nicht sagen, da\u00df sich <b>Rachael Tovey<\/b> als Br\u00fcnnhilde zur\u00fccknimmt. Sie ist ein dramatisch-jugendlicher Sopran, arbeitet aber lieber mit weniger Lautst\u00e4rke als vielmehr mit Gesangslinie und Wohlklang. <b>Antonio Yang<\/b> gestaltet den Wanderer genauso beispielhaft wie den Walk\u00fcren-Wotan: Als tief fundierter Ba\u00dfbariton verf\u00fcgt er auch \u00fcber ein strahlend helles Timbre, bleibt immer der Gesangslinie treu und bleibt dar\u00fcber hinaus wortverst\u00e4ndlich. Ebenso beispielhaft wie grandios gestaltet <b>Martin Winkler<\/b> einen proletenhaft d\u00e4monischer Alberich mit facettenreichem Ba\u00dfbariton. <b>Leah Gordon<\/b> stellt mit ihrem verspielten lyrischen Sopran mit warmer, technisch sauberer Stimme die richtige Besetzung f\u00fcr das hohe Gezwitscher des Waldvogels dar. <b>Peter Galliard<\/b> spricht als Mime mehr als er singt, w\u00e4hrend <b>Nicolai Karnolsky<\/b> \u00fcber eine in der Tiefe sicher aufgestellte markige Ba\u00dfstimme verf\u00fcgt, um Fafner einen abgr\u00fcndig b\u00f6sartigen Charakter zu verleihen. <b>Marcus Bosch <\/b>f\u00fchrt mit sicherem Griff die Staatsphilharmonie N\u00fcrnberg und diesen Ring. Seine Einstudierung verfolgt zum einen die klare Ausziselierung der Leitmotive, doch die monumentale Wucht Wagners spielt er herunter. Problematisch manchmal das verhaltene Tempo, daf\u00fcr bringen die Temposteigerungen Aufmerksamkeit erregende Dynamik ins Spiel, wie z.B. beim <i>Waldweben<\/i>. <i>Der vorw\u00e4rtst\u00fcrmende Siegfried<\/i> (Vorspiel 3. Akt) leidet unter der Konterkarierung auf der B\u00fchne. Weniger sch\u00f6n die Wackler im Orchester, gerade in den Solo-Stellen f\u00fcr Holz- und Blechbl\u00e4ser. Auch der <i>Siegfried-Ruf<\/i> hat ohrenf\u00e4llige Probleme, wenn das erste Horn als Siegfried-Double auf der B\u00fchne steht.<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p><i>Siegfried<\/i> gilt gemeinhin als Scherzo \u2013 allerdings gibt es Grenzen: Man kann dar\u00fcber streiten, wann sie \u00fcberschritten werden, beispielsweise wenn Alberich Wotan \u201eanpinkelt\u201c (auch wenn sein aus der Hose h\u00e4ngendes \u201eGem\u00e4cht\u201c nur eine Gummi-Attrappe ist), oder wenn Mimes Waschmaschine so laut schleudert, da\u00df die Musik \u00fcbert\u00f6nt wird (ein Elektromotor ist jedenfalls in der Partitur nicht vorgesehen!), oder wenn Siegfried und Br\u00fcnnhilde im Finale mit Bierdose und Chips auf dem Ehestandssofa enden. Gleiches gilt f\u00fcr die sch\u00e4bige Endzeit-\u00c4sthetik, in der dennoch ausreichend Strom (der kommt nicht aus dem Kraftwerk, sondern aus der Steckdose!), Nutella und M\u00fcsli vorhanden sind.Jedenfalls gab es f\u00fcr die Regie nach dem Schlu\u00dfvorhang ungewohnt heftig Kontra. Dagegen werden die S\u00e4nger (gefeiertes Rollendeb\u00fct von Vincent Wolfsteiner als Siegfried), Orchester und Dirigent (trotz einiger, teils heftiger Wackler im Orchester) heftig bejubelt \u2013 v\u00f6llig zu Recht!<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Ludwig Olah<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Vincent Wolfsteiner (Siegfried) li., Peter Galliard (Mime) re.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 19. 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