{"id":6272,"date":"2015-04-27T19:43:20","date_gmt":"2015-04-27T18:43:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6272"},"modified":"2015-06-20T18:20:25","modified_gmt":"2015-06-20T17:20:25","slug":"arabella-koeln-oper-am-dom","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6272","title":{"rendered":"ARABELLA &#8211; K\u00f6ln, Oper am Dom"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Strauss (1864-1949), lyrische Kom\u00f6die in drei Aufz\u00fcgen, Libretto: Hugo Laurenz August Hofmann Edler von Hofmannsthal, UA: 1. Juli 1933 Dresden, Opernhaus<\/p>\n<p>Regie: Renaud Doucet, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Andr\u00e9 Barbe, Licht: Guy Smard, Dramaturgie: Georg Kehren<\/p>\n<p>Dirigent: Stefan Soltesz, G\u00fcrzenich-Orchester, Chor der Oper K\u00f6ln, Choreinstudierung: Andrew Ollivant<\/p>\n<p>Bjarni Thor Kristinsson (Graf Waldner), Dalia Schaechter (Adelaide, seine Frau), ihre T\u00f6chter: Emma Bell (Arabella), Anna Palimina, (Zdenka), Eglis Silins (Mandryka), Ladislav Elgr (Matteo, J\u00e4geroffizier), Beate Ritter (Fiakermilli), Alexandra von der Weth (Kartenaufschl\u00e4gerin) \u00a0u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 25. April 2015 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Koeln-Arabella_10.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6273\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Koeln-Arabella_10.jpg\" alt=\"Oper K\u00f6ln ARABELLA Musik.Leitung: Stefan Soltesz Regie: Renaud Doucet B\u00fchne, Kost\u00fcme: Andr\u00e9 Barbe Licht: Guy Simard Darsteller:  E.Bell, E.Silins\" width=\"655\" height=\"436\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Koeln-Arabella_10.jpg 655w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Koeln-Arabella_10-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 655px) 100vw, 655px\" \/><\/a><\/b><\/p>\n<p><b>Kurzinhalt<\/b><\/p>\n<p>Wegen Spielschulden Waldners reicht das Geld nicht aus, auch die zweite Tochter Zdenka in die Wiener Gesellschaft eizuf\u00fchren. Sie gilt in ihrer Burschikosit\u00e4t als Junge. Arabella, die verheiratet werden soll, lehnt alle Verehrer ab, hat sie doch auf einem Spaziergang einen faszinierenden Mann gesehen. So erkl\u00e4rt sie ihrer Schwester:<i> Der Richtige, wenn\u2019s einen gibt f\u00fcr mich, wird mich anschaun und ich ihn \u2026 und selig werd ich sein und ihm gehorsam wie ein Kind. <\/i>Der unbekannte Mann ist Mandryka, ein reicher kroatischer Gutsbesitzer. Doch Zdenka m\u00f6chte Arabella f\u00fcr den J\u00e4geroffizier Matteo begeistern.Weil Matteo so niedergeschlagen ist, schreibt Zdenka ihm Liebesbrief mit Arabellas Unterschrift.<\/p>\n<p>Schon beim ersten Treffen verlieben sich Arabella und Mandryka i ineinander. W\u00e4hrend eines Balls bekommt Mandryka zuf\u00e4llig mit, wie Zdenka Matteo ein Briefkuvert mit dem Zimmerschl\u00fcssel von Arabella \u00fcberreicht. Mandryka distanziert sich auf der Stelle von Arabella. Allerdings war es Zdenka und nicht Arabella, die die Nacht mit Matteo verbrachte. Schlie\u00dflich wird das Mi\u00dfverst\u00e4ndnis aufgedeckt und sowohl Arabella und Mandryka sowie Zdenka und Matteo finden in den Ehebund.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung<\/b><\/p>\n<p>Linker Hand liegt ein riesiger Kronleuchter auf dem Boden. Die Hinterwand l\u00e4\u00dft ein gro\u00dfb\u00fcrgerliches Wiener Haus erahnen. Davor die Akteure, die sich auf St\u00fchle oder Sitzhocker dann und wann niederlassen. Im zweiten Akt ist die R\u00fcckwand verschwunden. Stattdessen sieht man schattenhaft Sch\u00fctzengr\u00e4ben mit Soldaten in braunen Uniformen, die (zum Gl\u00fcck ger\u00e4uschlos) Gewehrsch\u00fcsse abgeben. Eine breite Treppe f\u00fchrt in gewundenem Lauf nach oben, wo sie ins Leere f\u00fchrt. Rechts und links liegen unten im Stiegenhaus aufeinandergestapelte Sands\u00e4cke. Die Protagonisten sind in hellbraune-wei\u00dfe, uniform\u00e4hnliche Anz\u00fcgen gekleidet. Sie haben hohe Schaftstiefel an, die unterschiedliche Farben, braun, schwarz oder auch wei\u00df aufweisen. Fantasiekost\u00fcme? Auffallend ist deren Einheitlichkeit. Die Frauen erscheinen in gro\u00dfer Abendrobe beim Ball. Die M\u00e4nner tragen Frack, Arabella zeigt sich im fu\u00dflangen wei\u00dfen Kleid mit schwarzem tunika-\u00e4hnlichem Brustteil. Daneben treten Soldaten (wo kommen die her?) in khakifarbener Uniforme auf, die Arabella beim Ball zum Tanzen auffordern. Das Stiegenhaus ist vollgestellt mit Betten, in denen Schwerkranke liegen.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<\/b><\/p>\n<p>Mit gro\u00dfer dramaturgischer Geschicklichkeit haben Hofmannstahl und Strauss den Opernbeginn ihrer letzten gemeinsamen Oper mit drei aufgeregten Frauen gestaltet. Aber \u00e4rgerlich war, da\u00df das Singen von <b>Alexandra von der Weth<\/b> (Kartenaufschl\u00e4gerin), <b>Dalia Schaechter<\/b> (Adelaide) und <b>Anna Palimina <\/b>(Zdenka) so unartikuliert daherkam, da\u00df kaum ein Wort verst\u00e4ndlich war. Nat\u00fcrlich blieb manches Wort bei der schnell vor\u00fcbereilenden Musik undeutlich. Doch man kennt das auch anders. Erst <b>Ladislav Elgr <\/b>(Matteo) war verst\u00e4ndlich. Gl\u00fccklicherweise half die \u00dcbertitelprojektion da weiter. Aber ist das ein Freibrief, an der Textverst\u00e4ndlichkeit weniger zu proben? Ladislav Elgrs heller und deutlicher Tenor kam klar und durchaus artikuliert heraus.<\/p>\n<p>Schon beim \u201eGespr\u00e4ch\u201c der beiden Schwestern Arabella und Zdenka bessert sich die Wortverst\u00e4ndlichkeit, die ja bei Strauss und Wagner wichtig ist. <b>Anna Palimina <\/b>(Zdenka) hat einen\u00a0 resonanzarmen Sopran, den sie zumeist in der H\u00f6he forciert. <b>Emma Bell<\/b> (Arabella) beginnt mit <i>Die sch\u00f6nen Rosen! Hat die ein Husar gebracht? <\/i>Ihr lyrischer, klangreicher Sopran nimmt einen sofort gefangen. Die Steigerung hierzu erfolgt mit den ber\u00fchmten Worten \u2026 <i>aber der Richtige, wenn\u2019s einen gibt f\u00fcr mich auf dieser Welt \u2026<\/i> Emma Bell versteht es mit der <i>Messa di voce<\/i> (Ausschickung der Stimme von p zu f) die gro\u00dfe Sehnsucht, die in ihr arbeitet, auf das Publikum zu \u00fcbertragen. Mit versierter Abstufung der Dynamik und mit einer lieblichen Tonqualit\u00e4t bringt sie die ganze Gef\u00fchlsseligkeit einer Frau zur Darstellung, die eben auf den Mann ihres Herzens hofft. Wenn dann die beiden Soprane sich \u201epaaren\u201c (Zdenkas Stimme liegt stets \u00fcber der der Schwester) kommt es zu einer ungemein harmonischen Verschmelzung. Da\u00df es keinen Szenenapplaus gab, war etwas erstaunlich. Kennt man <i>Arabella<\/i> in K\u00f6ln zu wenig?<\/p>\n<p><b>Bjarni Thor Kristinsson<\/b> (Graf Waldner) besitzt eine bis in die Tiefe reichende, runde, wohlt\u00f6nende Ba\u00dfstimme. Sein zuk\u00fcnftiger Schwiegersohn <b>Eglis Silins<\/b> (Mandryka) meistert die f\u00fcr einen Bariton sehr heikle Rolle mit gro\u00dfer Eleganz und gibt dem zun\u00e4chst verliebten, dann entt\u00e4uschten, dann in gro\u00dfer Liebe und Respekt gegen\u00fcber seiner Verlobten sich wandelnden Mann lebhaft und \u00fcberzeugend Ausdruck. Die vier Freier der sch\u00f6nen Arabella <b>Jeongki Cho<\/b> (Graf Elemer), <b>Wolfgang Stefan Schwaiger<\/b> (Graf Dominik), <b>Lucas Singe<\/b> (Graf Lamorel) werden durchweg durch die, zum Teil mit Blut bedeckten Uniformen, in die die Regie sie gezwungen hat, an einer ad\u00e4quaten Darstellung gehindert. Der Reinheit ihrer Stimmen tut das aber gl\u00fccklicherweise keinen Abbruch. <b>Stefan Soltesz<\/b> verstand es, die komplizierte Partitur selbst im akustisch ung\u00fcnstigen Raum des Dom-Zelts zu entfalten und die Stimmen erbl\u00fchen zu lassen.<\/p>\n<p><b>Fazit <\/b><\/p>\n<p>Der Regisseur Renaud Doucet h\u00e4tte nur in die Strauss\/Hofmannsthal-Partitur blicken m\u00fcssen. Da steht gedruckt: <i>Ort: Wien \u2013 Zeit 1860<\/i>. Das war 54 Jahren vor dem Beginn des ersten Weltkriegs, mit dem die Oper nichts zu tun hat! Bringt denn die krampfhafte Vermengung von Sch\u00fctzengraben und Wiener Ballgesellschaft etwas Erg\u00e4nzendes zum Operngeschehen? Handelt es sich hier doch um eine anr\u00fchrende Liebesgeschichte, und um sonst gar nichts.<\/p>\n<p>Dr. Olaf Zenner<\/p>\n<p>Bild: Bernd Uhlig<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Arabella (Emma Bell), Mandryka (Egils Silins), Chor der Oper K\u00f6ln<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 25. 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