{"id":626,"date":"2009-04-11T19:57:30","date_gmt":"2009-04-11T17:57:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=626"},"modified":"2009-04-11T20:06:42","modified_gmt":"2009-04-11T18:06:42","slug":"berlin-deutsche-oper-marie-victoire","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=626","title":{"rendered":"Berlin, Deutsche Oper &#8211; MARIE VICTOIRE"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Ottorino Respighi (1879 \u2013 1936), Oper in vier Akten, Text von Edmond Guiraud nach seinem gleichnamigen Schauspiel, UA: 2004 Rom<br \/>\nRegie: Johannes Schaaf, B\u00fchne: Susanne Thomasberger, Kost\u00fcme: Petra Reinhardt, Dramaturgie: Andreas K. W. Meyer und Carsten Jen\u00df, Licht: Manfred Voss, Choreographie: Silke Sense<br \/>\nDirigent: Michail Jurowski, Orchester und Chor der Deutschen Oper, Einstudierung: William Spaulding<br \/>\nSolisten: Takesha Mesh\u00e9 Kizart (Marie de Lanjallay), Markus Br\u00fcck (Maurice de Lanjallay), Germ\u00e1n Villar (Clorivi\u00e8re), Simon Pauly (Simon), Stephen Bronk (Cloteau) u.a.<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 9. April 2009 (Premiere, Deutsche Erstauff\u00fchrung)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"deutsche-oper-marie-victoir.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/04\/deutsche-oper-marie-victoir.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"deutsche-oper-marie-victoir.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/04\/deutsche-oper-marie-victoir.jpg\" \/><\/a>Das adelige Ehepaar Marie und Maurice wird in den Wirren der franz\u00f6sischen Revolution voneinander getrennt. Beide glauben, der andere w\u00e4re tot. In der Nacht vor ihrer Hinrichtung gibt sich Marie dem aufdringlichen Clorivi\u00e8re hin, doch erlangt sie durch die Ermordung Robespierres und das Ende seiner blutigen Herrschaft \u00fcberraschend ihre Freiheit wieder. Sie hat in dieser Nacht ein Kind empfangen. \u2013<br \/>\nSechs Jahre sp\u00e4ter: Maria hat sich unter Napoleon Bonaparte als Hutmacherin wirtschaftlich selbst\u00e4ndig gemacht. Clorivi\u00e8re kommt zum ersten Mal seit jener Nacht zu ihr, um sich von ihr und seinem Kind zu verabschieden. Er ver\u00fcbt daraufhin ein Attentat auf Bonaparte. Ungl\u00fccklicherweise betritt in diesem Moment der verschollene Maurice das Gesch\u00e4ft Maries. Eine aufgebrachte Volksmasse nimmt ihn versehentlich als Attent\u00e4ter fest. In dem anschlie\u00dfenden Proze\u00df gesteht Maurice, der von Maries Untreue zutiefst getroffen ist, ihr seine Liebe. W\u00e4hrenddessen stellt sich der verzweifelte Clorivi\u00e8re seinen Verfolgern und t\u00f6tet sich im Gerichtssaal.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDa\u00df <strong>Johannes Schaaf <\/strong>als Filmregisseur gearbeitet hat, merkt man an der gesamten Inszenierung: Die Aktionen aller Figuren, auch die der Nebenrollen und Choristen, schaffen einen fast schon filmischen, illusionistischen Gesamteindruck, das Timing der Aktionen ist minuti\u00f6s auf die Musik abgestimmt. Alle Darsteller wirken dabei erstaunlich sicher, so als w\u00fcrde es sich um eine seit Jahren gespielte Produktion handeln. Ziel der Inszenierung ist eine naturalistische und von Kost\u00fcm und B\u00fchnenbild her ganz im Stile der Handlungszeit gehaltene Umsetzung des Textes. Darauf beschr\u00e4nkt sich diese Erarbeitung. Einen dem Libretto von der Regie unterlegten Subtext gibt es nicht.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nEine gerechte Beurteilung dieses Werkes ist aufgrund einer fehlenden Auff\u00fchrungstradition schwierig. Es hat, kurz gesagt, den Anschein, als habe Respighi diese Oper phasenweise \u00fcberinstrumentiert, so da\u00df es den S\u00e4ngern an etlichen Stellen nicht gelang, gegen die unter <strong>Michail Jurowskis<\/strong> Leitung wahrhaft \u00fcberw\u00e4ltigenden Kl\u00e4nge des <strong>Orchester<\/strong> anzukommen. Vielleicht mu\u00df sich aber auch erst ein diesem Werk angemessenes Gesangsfach herausbilden, denn Respighis Sprachvertonung unterscheidet sich stark von der seiner Vorbilder und Zeitgenossen wie etwa Puccini oder Richard Strauss, so da\u00df auf dieses Repertoire spezialisierte S\u00e4nger mit ihrem K\u00f6nnen bei Respighi nicht unbedingt sehr weit kommen. Der s\u00e4ngerische Glanzpunkt des Abends war ohne Zweifel <strong>Takesha Mesh\u00e9 Kizart<\/strong> in der Titelpartie. Eine helle und dabei starke Stimme mit einem angenehm schlanken Vibrato kombiniert diese S\u00e4ngerin mit einer gro\u00dfen darstellerischen Begabung. Die tiefen Parlandopassagen, die sich der veristischen Tradition gem\u00e4\u00df, in der diese Oper steht, dem Sprechtonfall n\u00e4hern, singt sie technisch ebenso vollendet wie die emphatischen Kantilenen und weiten Spr\u00fcnge ihrer Partie. Gleiches gilt f\u00fcr den <strong>Maurice Markus Br\u00fccks<\/strong>, dessen massive H\u00f6he viel Erfahrung als Puccinis\u00e4nger verr\u00e4t. Darstellerisch war allerdings <strong>Stephen Bronk<\/strong> als Cloteau derjenige, der aus dem Ensemble herausragte. Die originelle Figur des Cloteau changiert zwischen unerbittlichem Fanatismus und dem Fach des sogenannten r\u00fchrenden Alten. Die zahlreichen kleinen Partien dieser Oper wurden an diesem Abend ohne Abstriche gut gesungen. Auch hier ist, wie schon im Bereich der Darstellung, die au\u00dferordentliche Sicherheit, mit der die zum Teil recht diffizilen Passagen vorgetragen wurden, bemerkenswert.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\n<em>Marie Victoire<\/em> ist eine echte Neuentdeckung und Bereicherung des Opernrepertoires. So, wie sie in Berlin gespielt und gesungen wird, hat sie das Zeug, zu einem gro\u00dfen Publikumserfolg zu werden. Das gilt ohne Abstriche f\u00fcr die Inszenierung, die eindrucksvoll vor Augen f\u00fchrt, zu welch gro\u00dfartigen Resultaten eine auf das rein Handwerksm\u00e4\u00dfige beschr\u00e4nkte Opernregie f\u00fchren kann. Eine derart bis ins Detail nachvollziehbare, in sich stimmige und stets von Musik und Werktext \u2013 und von nichts anderem \u2013 motivierte Produktion ist eine Seltenheit. Die musikalische Interpretation stellt den virtuosen, farbigen Orchestersatz in den Mittelpunkt, und die S\u00e4nger geben ihr bestes, damit mitzuhalten. Eine Produktion, die durch ihre szenische und orchestrale Perfektion auch selbst gestandene Operng\u00e4nger zu verbl\u00fcffen vermag.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Barbara Aum\u00fcller<br \/>\nDas Bild zeigt:\u00a0Takesha Mesh\u00e9 Kizart als Marie de Lanjallay.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Ottorino Respighi (1879 \u2013 1936), Oper in vier Akten, Text von Edmond Guiraud nach seinem gleichnamigen Schauspiel, UA: 2004 Rom Regie: Johannes Schaaf, B\u00fchne: Susanne Thomasberger, Kost\u00fcme: Petra Reinhardt, Dramaturgie: Andreas K. W. 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