{"id":6259,"date":"2015-04-01T10:54:50","date_gmt":"2015-04-01T09:54:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6259"},"modified":"2015-04-18T10:59:38","modified_gmt":"2015-04-18T09:59:38","slug":"parsifal-karlsruhe-badisches-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6259","title":{"rendered":"PARSIFAL &#8211; Karlsruhe, Badisches Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883), B\u00fchnenweihfestspiel in drei Aufz\u00fcgen, Dichtung: Richard Wagner, nach dem mittelalterlichen Epos von Wolfram von Eschenbach UA: 26. Juli 1882 Bayreuth, Festspielhaus<\/p>\n<p>Regie: Keith Warner, B\u00fchne: Tilo Steffens<\/p>\n<p>Dirigent: Justin Brown, Badische Staatskapelle, Badischer Staatsopernchor und Extrachor, Choreinstudierung: Ulrich Wagner.<\/p>\n<p>Solisten: Renatus Meszar (Amfortas), Avtandil Kaspeli (Titurel), Alfred Reiter (Gurnemanz), Jaco Venter (Klingsor),\u00a0 Erik Nelson Werner (Parsifal), Christina Niessen (Kundry), Moritz Prinz (Stimme aus der H\u00f6he), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 29. M\u00e4rz 2015 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Karlsruhe-parsifal-Internet.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6260\" alt=\"Karlsruhe parsifal Internet\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Karlsruhe-parsifal-Internet.jpg\" width=\"684\" height=\"371\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Karlsruhe-parsifal-Internet.jpg 684w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Karlsruhe-parsifal-Internet-300x162.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 684px) 100vw, 684px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/b><\/p>\n<p>Amfortas leidet an einer Verletzung, die er bei dem Raub des heiligen Speers durch Klingsor erlitten hat. Nur durch die Ber\u00fchrung mit dem heiligen Speer ist Heilung m\u00f6glich \u2013 durch \u201eeinen reinen Toren\u201c. Gurnemanz h\u00e4lt Parsifal f\u00fcr den \u201ereinen Tor\u201c und nimmt ihn mit in die Gralsburg. Als er sich get\u00e4uscht sieht, setzt er Parsifal vor die T\u00fcr. Parsifal findet den Zaubergarten Klingsors mit seinen verf\u00fchrerischen M\u00e4dchen. Als auch Kundry ihn nicht halten kann, versucht Klingsor ihn mit dem Speer zu bannen. Parsifal ergreift den Speer, der Zaubergarten versinkt. Parsifal kehrt zur\u00fcck zu den Gralsrittern, die von Amfortas fordern, den Gral zu enth\u00fcllen, doch Amfortas will lieber sterben. Parsifal heilt die Wunde mit dem Speer und enth\u00fcllt den Gral.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung<\/b><\/p>\n<p>Auf einer Drehb\u00fchne stehen in variablen Abst\u00e4nden Zwischenw\u00e4nde, die, immer wieder neu von der Hinterb\u00fchne bef\u00fcllt, eindrucksvolle R\u00e4ume zeigen: Von der Versammlung der Gralsritter um den transparenten Sarg Titurels bis zum an den Felsen geketteten Prometheus. In der Mitte der Drehb\u00fchne steht eine Halbkugel, die sowohl als Altar, aber auch als Sammelplatz f\u00fcr religi\u00f6se Symbole vieler Religionen dient. Die Gralsgesellschaft besteht nur aus M\u00e4nnern, die Anz\u00fcge als steife Uniform tragen. Die Blumenm\u00e4dchen sind Lustobjekte in karierten kurzen R\u00f6cken, Seidenstr\u00fcmpfen und Schaftstiefeln, sie halten eine langstielige Blume in der Hand. Kundry hat schon viele Leben hinter sich, die sie hier wieder durchlebt: Urteufelin im schwarzen Mantel, Herodias im blauen wallenden Kleid oder auch als buddhistische Tempeldienerin. Klingsor ist der Gegenpol zu Amfortas, hier steht Verzicht auf Liebe gegen abget\u00f6tete Leidenschaft und Lust, er ist sterbensbleich und genauso wie die Blumenm\u00e4dchen schwarz gekleidet. Amfortas hingegen tr\u00e4gt Anzug oder ein wei\u00dfes Krankengewand, auf dem sich keine Wunde abzeichnet, denn der Verzicht auf Liebe ist eine innere Wunde. Waffen gibt es keine, der Speer steht f\u00fcr eine Art Phallus-Symbol (und heilt nur innere Wunden oder Leiden), die Gralsgesellschaft wird durch die wahre Liebe erl\u00f6st und besteht nun aus M\u00e4nnern und Frauen in heutiger Stra\u00dfenkleidung.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<\/b><\/p>\n<p>GMD <b>Justin Brown<\/b> tut gut daran, das weihevolle Pathos der musikalischen Gralswelt mittels teilweise rascher Tempi und Forte im Vorw\u00e4rtsdr\u00e4ngen zu reduzieren. Daf\u00fcr konzentriert er sich auf die Dialoge der Solisten, er erarbeitet den Solisten die M\u00f6glichkeit ihre Gesangslinien optimal zu gestalten, ihre Botschaften an das Publikum zu richten, die Wortverst\u00e4ndlichkeit findet im Publikum gro\u00dfen Gefallen. Man f\u00fchlt sich nicht nur von den reinen Spielzeiten, sondern auch von der Klangwirkung an Piere Boulez in seiner legend\u00e4ren Parsifal-Produktion in Bayreuth erinnert &#8211; die Parallelen sind mannigfaltig. So k\u00f6nnen die Solisten die Gestaltungsr\u00e4ume \u00fcber weite Strecken nutzen: An erster Stelle ist <b>Alfred Reiter<\/b> als Gurnemanz zu nennen, der stimmlich immer pr\u00e4sent ist. Er hat eine eloquente Erz\u00e4hlstimme, die mit samtigen Klang und langen Atem aus dem Vollen sch\u00f6pfen kann. Als sensationell kann man das Rollendeb\u00fct von <b>Christina Niessen<\/b> als Kundry \u00fcberschreiben. Mit schwerem dramatischen Sopran, mit traumwandlerisch sicheren hohen T\u00f6nen wird der Verf\u00fchrungsversuch des Parsifal eine der spannendsten Szenen der Auff\u00fchrung. Leider kann <b>Erik Nelson Werner<\/b> da nicht mithalten. Vom Klang her ein Heldentenor mit vollt\u00f6nender Mittellage, gehen ihm f\u00fcr die Ausbr\u00fcche des Parsifals in der Verf\u00fchrungsszene die Kr\u00e4fte aus. Im Finale <i>Nur eine Waffe taugt<\/i> ist er aber wieder erholt und kann mit &#8222;Saft und Kraft&#8220; \u00fcberzeugen. <b>Renatus Meszar<\/b> (Amfortas) ist ein strahlender Helden-Ba\u00df-Bariton mit gro\u00dfer Spielfreude und sicherer Technik, auch wenn er an dem Abend leicht indisponiert klang. Viele Wagnerianer erinnern sich noch positiv an seinen Auftritt im Ring in Weimar. <b>Avtandil Kaspeli<\/b> als Titurel ist ein sehr tiefensicherer Ba\u00df mit leicht schwarzer Stimme. <b>Jaco Venter<\/b> kann den kurzen Auftritt als Klingsor mit Kraft sehr dramatisch gestalten. Auch die \u00fcbrigen kleineren Rollen k\u00f6nnen durchg\u00e4ngig zufriedenstellend besetzt werden, besonders erw\u00e4hnenswert eine ungew\u00f6hnliche Besetzung:<b> Moritz Prinz<\/b> singt als sehr heller Knabensopran die Stimme aus der H\u00f6he. Ebenso brillant der erweiterte Chor, der weniger mit Kraft als mit harmonisch-einheitlichen Glanz f\u00fcr sich einnimmt.<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>&#8222;Wer ist der Gral? &#8230; Das sagt sich nicht;&#8220;. F\u00fcr <b>Keith Warner<\/b> ist der Gral ein Kelch, der zun\u00e4chst mit viel Brimborium pr\u00e4sentiert wird, sich aber dann im Nichts aufl\u00f6st. Er reduziert die religi\u00f6se Symbolik, konzentriert sich auf die Beziehungen Parsifal-Kundry-Amfortas-Klingsor. So ist der Karfreitagszauber das Licht der Erkenntnis, das Prometheus in die Welt gebracht hat, das in die Gralswelt eindringt, Parsifal schreitet auf einem wei\u00dfen Blumenring voran und bringt die Erl\u00f6sung der Menschheit durch Mitleid &#8211; das ist die wahre Liebe zwischen Mann und Frau. Tosender Applaus des Publikums f\u00fcr die musikalische Leistung und f\u00fcr eine pr\u00e4gnant umgesetzte szenische Deutung, die auch die von weither angereisten Wagnerfreunden begeistert.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Jochen Klenk<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Erik Nelson Werner (Parsifal), Christina Niessen (Kundry), Alfred Reiter (Gurnemanz)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 29. 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