{"id":6245,"date":"2015-03-22T20:30:38","date_gmt":"2015-03-22T19:30:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6245"},"modified":"2015-04-03T20:36:20","modified_gmt":"2015-04-03T19:36:20","slug":"die-entfuehrung-aus-dem-serail-coburg-landestheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6245","title":{"rendered":"DIE ENTF\u00dcHRUNG AUS DEM SERAIL &#8211; Coburg, Landestheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Wolfgang A. Mozart (1756-1791), Singspiel in drei Aufz\u00fcgen, Libretto nach Bretzner von Johann Gottlieb Stephanie d.J., Dialoge neu eingerichtet von Alexandra Szemeredy &amp; Magdolna Parditka nach Goethes <i>West-\u00f6stlicher Divan<\/i>, UA: 16. Juli 1782 Wien, Burgtheater<\/p>\n<p>Regie\/B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Alexandra Szemeredy &amp; Magdolna Parditka<\/p>\n<p>Dirigent: Anna-Sophie Br\u00fcning, Philharmonisches Orchester, Chor des Landestheater Coburg, Choreinstudierung: Lorenzo Da Rio<\/p>\n<p>Solisten: Frederik Leberle (Bassa Selim), Ana Cvetkovic-Stojnic (Konstanze), Jose Manuel (Belmonte), Anna G\u00fctter (Blonde), Dirk Mestmacher (Pedrillo), Michael Lion (Osmin)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 21. M\u00e4rz 2015 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Coburg-Entfuehrung.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6246\" alt=\"Die Entf\u00fchrung aus dem Serail\/ Singspiel von Wolfgang Amadeus Mozart\/\/ B\/ K\/ R Magdolna Parditka, Alexandra Szemer\u00e9dy\/ Premiere 21. M\u00e4rz 2015\/ Landestheater Coburg\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Coburg-Entfuehrung.jpg\" width=\"638\" height=\"415\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Coburg-Entfuehrung.jpg 638w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Coburg-Entfuehrung-300x195.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 638px) 100vw, 638px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/b><\/p>\n<p>Das Singspiel greift ein beliebtes Thema des 18. Jahrhunderts auf: eine Entf\u00fchrungsgeschichte in der T\u00fcrkei sowie eine Liebesgeschichte und deren Verwicklungen. Konstanze, ihre Dienerin Blonde und der Diener Pedrillo befinden sich als Gefangene im Topkapi-Palast des Selim Bassa in Istanbul. Konstanzes Verlobter Belmonte macht die Gefangenen ausfindig und versucht sie zu befreien. Bassa Selim findet Gefallen an Konstanze und will sie zu seiner Geliebten machen. Sein Aufseher Osmin hat es auf Blondchen abgesehen, die sich selbstbewu\u00dft zu wehren wei\u00df. Belmonte und Pedrillo hecken einen Fluchtplan aus. Zwar gelingt es ihnen, Osmin betrunken zu machen, doch die Flucht scheitert. Osmin tobt und droht mit furchtbarer Rache, der Bassa aber zeigt Edelmut und gew\u00e4hrt den beiden Paaren ihre Freiheit, obwohl er erf\u00e4hrt, da\u00df Belmonte der Sohn seines \u00e4rgsten Feindes ist.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung<\/b><\/p>\n<p>Ein Serail gibt es nicht, die Handlung findet in einer englischen Internatschule \u201eWest-\u00d6stliches-Collegium\u201c statt. Auf einer Drehb\u00fchne sind die Schulr\u00e4ume nebeneinander angeordnet: Der Platz vor dem Schultor mit Schulwappen daneben, ein Klassenzimmer mit Tafel, ein Schlafraum mit Stockbetten, ein Sanit\u00e4rraum mit Dusche und die Sporthalle. Der Leiter Bassa Selim ist ein Literaturprofessor, dessen Schwerpunkt Goethes <i>West-\u00d6stlicher Divan<\/i> ist \u2013 die neuen Dialoge orientieren sich zumindest teilweise daran. Osmin ist eine Art Faktotum, der den Zugang zum Internat \u00fcberwacht. Au\u00dferdem ist er der Sportlehrer der Klasse. Die Kleidung ist dem gegenw\u00e4rtigen \u201ebritischen Modegeschmack\u201c entliehen. Neben der \u00fcblichen Internats-Einheitsuniform grelle Muster, Pink und Rosa. Die Augen schmerzen beim Hinsehen.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<\/b><\/p>\n<p>Da\u00df Mozarts Opern hohe Anforderungen an die S\u00e4nger stellen, war schon Mozart bewu\u00dft, er sprach bei S\u00e4ngern von einer \u201egel\u00e4ufigen Gurgel\u201c. <b>Jose Manuel<\/b> (Belmonte) ist ein lyrischer Tenor mit gro\u00dfer umfangreicher Mittellage, manchmal jedoch klingt die Stimme zu eng. Vor allem scheint er Sprachprobleme zu haben, ist unsicher und deshalb funktioniert die Arbeit in der Maske nicht richtig. <b>Ana Cvetkovic-Stojnic<\/b> kann als erfahrene Barocks\u00e4ngerin die Arien der Konstanze durchaus \u00a0entsprechend gestalten. Ihre leuchtende und durchschlagsstarke Stimme versagt jedoch bei vielen hohen T\u00f6nen, das klingt in <i>Traurigkeit ward mir zum Lose<\/i> dadurch unglaubw\u00fcrdig. <b>Anna G\u00fctter<\/b> hingegen ist die ausdrucksstarke Soubrette, die der Blonden die passende jugendliche Strahlkraft verleiht: <i>Welche Wonne, welche Lust!<\/i> Sie pa\u00dft stimmlich perfekt zu ihrem Partner Pedrillo<b> Dirk Mestmacher<\/b>, der als Spieltenor gesanglich und sprachlich den ungl\u00fccklichen jugendlichen Liebhaber lebhaft gestalten kann. <b>Michael Lion,<\/b> sonst mit tiefer sonorer und raumf\u00fcllend wohlklingender Stimme der stets \u00fcberzeugende Hausba\u00df, kann dem t\u00fcrkischen Sportlehrer wenig W\u00fcrde verleihen und die tiefen T\u00f6ne in <i>O, wie will ich triumphieren<\/i> kann er kaum erreichen. <b>Anna-Sophie Br\u00fcning<\/b> geht diese <i>Entf\u00fchrung<\/i> sehr langsam an, verleiht dem Orchester W\u00fcrde und Glanz. Jedoch fehlt die Dynamik, um dieser Teenagerklamotte jugendliches Tempo zu verleihen. Dabei bem\u00fcht sich der <b>Chor<\/b> redlich, den beiden Janitscharen-Ch\u00f6ren durch ein mitrei\u00dfendes Forte das Charisma und die Begeisterung eines Sch\u00fcler-Chores zu verleihen.<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>Die Zuschauer-Reaktionen sind zwiesp\u00e4ltig: Einerseits leere Pl\u00e4tze nach der Pause und einige wenige Buh-Rufe \u2013 andererseits viel kindliches Gel\u00e4chter und freundlicher Applaus am Schlu\u00df. Das mag daran liegen, da\u00df es weder eine \u201eEntf\u00fchrung\u201c, noch ein \u201eSerail\u201c gibt und auch keine Gefangenen eines absolutistischen arabischen Herrschers. Herausgekommen ist somit ein Klamauk zwischen einer englischen Version der Feuerzangenbowle und Goethes Werken, inklusive der zeitgem\u00e4\u00dfen Verwendung des Zitats \u201eFuck you Goethe\u201c. Dadurch gelingt es zwar s\u00e4mtlichen tagesaktuellen Fragen zum Thema \u201eIslam\u201c aus dem Wege zu gehen, jedoch mu\u00df man Mozarts Meisterwerk in dieser Produktion mit der Lupe suchen.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Andrea Kremper<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Der Unterricht beginnt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 21. 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