{"id":624,"date":"2009-04-11T19:57:25","date_gmt":"2009-04-11T17:57:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=624"},"modified":"2009-04-11T19:57:25","modified_gmt":"2009-04-11T17:57:25","slug":"berlin-staatsoper-unter-den-linden-lohengrin","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=624","title":{"rendered":"Berlin, Staatsoper Unter den Linden &#8211; LOHENGRIN"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813 \u2013 1883), Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen, Text vom Komponisten, UA: 1850 Weimar<br \/>\nRegie: Stefan Herheim, B\u00fchne: Heike Scheele, Kost\u00fcme: Gesine V\u00f6llm, Dramaturgie: Alexander Meier-D\u00f6rzenbach, Licht: Olaf Freese, Video: fettFilm<br \/>\nDirigent: Daniel Barenboim, Staatskapelle Berlin, Staatsopernchor, Einstudierung: Eberhard Friedrich<br \/>\nSolisten: Klaus Florian Vogt (Lohengrin), Kwangchul Youn (Heinrich der Vogler), Dorothea R\u00f6schmann (Elsa von Brabant), Gerd Grochowski (Friedrich von Telramund), Michaela Schuster (Ortrud), Markus Br\u00fcck (Heerrufer))<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 8. April 2009 (B-Premiere, A-Premiere: 4. April 2009)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"berlin-staatsoper-lohengrin.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/04\/berlin-staatsoper-lohengrin.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"berlin-staatsoper-lohengrin.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/04\/berlin-staatsoper-lohengrin.jpg\" \/><\/a>Elsa von Brabant ist des Brudermordes angeklagt. In ihrer Not wei\u00df sie sich keine andere Hilfe als ein Gebet. Ein Wunder geschieht: Ein Ritter, dessen Herkunft und Namen sie nicht wissen darf, erscheint und k\u00e4mpft f\u00fcr sie. Durch eine Intrige wird sie allerdings dazu gebracht, ihm die verbotene Frage nach seinem Namen zu stellen. Er gibt ihr Auskunft, allerdings f\u00fcr einen hohen Preis: Zwar bringt er ihren Bruder zur\u00fcck und erz\u00e4hlt von seiner g\u00f6ttlichen Herkunft, doch mu\u00df er sie daf\u00fcr f\u00fcr immer verlassen. W\u00e4hrend das Volk den Brabanter Thronfolger begr\u00fc\u00dft, sinkt Elsa vernichtet nieder.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nZum Vorspiel sehen wir eine lebensgro\u00dfe Wagner-Marionette, die in einem riesigen Gral verschwindet. Heraus kommt Elsa, die so wie Katharina Wagner aussieht. Der Heerrufer ist im ersten Akt ein grotesk agierender Berliner B\u00e4r, im zweiten Akt eine ausgesprochen tuntig spielende mittelalterliche Figur. Der m\u00e4nnliche Teil des Chores ist im zweiten und dritten Akt als Wagnerkarikatur verkleidet. Im ersten und dritten Akt treten alle S\u00e4nger in Alltagskleidung auf und hantieren mit kleinen Marionetten, die Figuren der Oper oder Wagnerkarikaturen darstellen. Chor und Solisten legen mehrfach die Kleider ab. Als einzige \u201aauthentische\u2019 Figur in diesem verfremdeten Umfeld tritt Lohengrin auf, der exakt so kost\u00fcmiert ist, wie es im 19. Jahrhundert \u00fcblich war. Videoeffekte haben zwischendurch die Aufgabe, f\u00fcr \u201eerhabene\u201c Stimmung zu sorgen. Weshalb Herheim all diese einander widerstreitenden dramaturgischen Mittel verwendet, hat sich dem Rezensenten nicht erschlossen.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nDaniel Barenboim und die Staatskapelle Berlin geh\u00f6ren, wie die meisten der S\u00e4nger des Abends, zu den weltweit herausragenden Wagnerinterpreten,<strong> Chor<\/strong> und <strong>Orchester<\/strong> musizieren auf allerh\u00f6chstem Niveau. Das gleiche gilt f\u00fcr den Lohengrin <strong>Klaus Florian Vogts<\/strong>. Dabei hat er streng genommen gar nicht das Timbre eines Helden-, sondern das eines lyrischen Tenors. Allerdings vermag er seine stets in die hohe Mischung gesungenen T\u00f6ne mit unglaublicher St\u00e4rke zu singen, so da\u00df sie selbst durch die massivsten Orchester- und Chorpartien hindurchgl\u00e4nzen. Hinzu kommt eine musterg\u00fcltig deutliche Aussprache. Von der Stimmkultur und dem wahrhaft bezaubernden Klang in der hohen und mittleren Lage her erinnert sein Lohengrin an den von Peter Anders. Leider ist aber die Tiefe von Vogts Stimme nur recht schwach entwickelt und verf\u00fcgt \u00fcber zu wenig Volumen, um f\u00fcr die anderen gro\u00dfen Wagnertenorpartien mit Ausnahme des Walther von Stolzing auszureichen. Schlie\u00dflich ist noch das eminente Darstellertalent Vogts zu erw\u00e4hnen, der seine schwierige Aufgabe, gleichsam als Bote eines anderen Zeitalters aufzutreten, souver\u00e4n meisterte. Wie er so wurde auch <strong>Kwangchul Youn<\/strong> als K\u00f6nig Heinrich seinem guten Ruf als Wagners\u00e4nger und -darsteller gerecht. Gegen\u00fcber diesen lie\u00df der Telramund <strong>Gerd Grochowskis<\/strong> eher kalt. <strong>Dorothea R\u00f6schmann<\/strong> als Elsa hat eine jugendlich schlanke, f\u00fcr die Partie angemessene Stimme. Sie bem\u00fchte sich um ergreifendes Spiel, dort wo es von der Regie verlangt war. <strong>Michaela Schuster<\/strong> als Ortrud vermochte darstellerisch, aber nicht stimmlich zu \u00fcberzeugen. Ihr Tremolo ist recht unausgeglichen und die Deutlichkeit der Aussprache verbesserungsw\u00fcrdig.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nHerheims Ansatz, die Handlung des <em>Lohengrin<\/em> ins L\u00e4cherliche zu ziehen, ist ausgesprochen wohlfeil. Dabei sind vor allem zwei Dinge problematisch: zum einen sind seine Scherze ausgesprochen penn\u00e4lerhaft, ja sie geraten zur geist- und herzlosen Comedy, so wie man sie im Fernsehen zur Gen\u00fcge sehen kann. Um erhellend oder witzig zu sein, fehlt es Herheim sowohl an Willen zur Anarchie, als auch an Werkkenntnis, wie sie etwa die Inszenierungen Benedikt von Peters oder Christoph Schlingensiefs auszeichnen. Zum anderen gleicht sein Konzept einem dramaturgischen Salto mortale, wenn er nach karikierenden Szenen immer wieder versucht, ernsthaft zu werden. Dazu gesellt sich der ungute Beigeschmack extremer Selbstherrlichkeit, wenn Insiderscherze \u00fcber die Opernregie gemacht werden und anstatt eines Schlu\u00dfbildes Wagners Diktum Kinder, schafft Neues! erscheint. Hier schl\u00e4gt sich jemand \u00e4u\u00dferst wichtigtuerisch auf die Brust. Da\u00df dabei weltweit f\u00fchrende Musiker ihres Faches nahezu durchweg eine brillante Leistung erbringen, f\u00e4llt angesichts all der Unstimmigkeiten auf der B\u00fchne beinahe \u00fcberhaupt nicht mehr auf. Was f\u00fcr ein Jammer!<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Karl Forster<br \/>\nDas Bild zeigt: Kwangchul Youn (Heinrich der Vogler), Dorothea R\u00f6schmann (Elsa von Brabant) und Klaus Florian Vogt  als Lohengrin. (v.l.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813 \u2013 1883), Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen, Text vom Komponisten, UA: 1850 Weimar Regie: Stefan Herheim, B\u00fchne: Heike Scheele, Kost\u00fcme: Gesine V\u00f6llm, Dramaturgie: Alexander Meier-D\u00f6rzenbach, Licht: Olaf Freese, Video: fettFilm Dirigent: Daniel Barenboim, Staatskapelle Berlin, Staatsopernchor,<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=624\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24,1],"tags":[],"class_list":["post-624","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-berlin-staatsoper-unter-den-linden","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/624","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=624"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/624\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=624"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=624"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=624"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}