{"id":6226,"date":"2015-03-25T20:13:35","date_gmt":"2015-03-25T19:13:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6226"},"modified":"2015-03-26T20:16:33","modified_gmt":"2015-03-26T19:16:33","slug":"die-tote-stadt-hamburg-staatsoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6226","title":{"rendered":"DIE TOTE STADT &#8211; Hamburg, Staatsoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Erich Wolfgang Korngold (1897-1957), Oper in drei Bildern, Libretto: E. W. Korngold und Paul Schott, UA: 4. Dezember 1920 Hamburg und K\u00f6ln<\/p>\n<p>Regie: Karoline Gruber, B\u00fchne: Roy Spahn, Kost\u00fcme: Mechthild Seipe, Licht: Guido Levi, Hans Toelstede, Dramaturgie: Dr. Kerstin Sch\u00fcssler-Bach<\/p>\n<p>Dirigent: Simone Young, Philharmoniker Hamburg, Chor der Hamburgischen Staatsoper<\/p>\n<p>Solisten: Klaus Florian Vogt (Paul), Meagan Miller (Marietta\/Die Erscheinung Mariens), Lauri Vasar (Frank\/Fritz), Christina Darmian (Brigitta), M\u00e9lissa Petit (Juliette), Gabriele Rossmanith (Lucienne), Jun-Sang Han (Victorin), Jun-Sang Han (Graf Albert)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 22. M\u00e4rz 2015 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Hamburg-Tote-Stadt_53.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6227\" alt=\"STAATSOPER HAMBURG DIE TOTE STADT Musikalische Leitung: Simone Young Inszenierung: Karoline Gruber\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Hamburg-Tote-Stadt_53.jpg\" width=\"593\" height=\"395\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Hamburg-Tote-Stadt_53.jpg 593w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Hamburg-Tote-Stadt_53-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 593px) 100vw, 593px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/b><\/p>\n<p>Der Witwer Paul lebt zur\u00fcckgezogen in Br\u00fcgge mit seiner Haush\u00e4lterin Brigitta. Paul erscheint eine Frau namens Marietta, die T\u00e4nzerin ist und ihn an seine verstorbene Frau Marie erinnert. Unter Gewissensqualen l\u00e4\u00dft sich Paul auf Marietta ein und ringt zwischen dem Rausch mit der K\u00fcnstlerin Marietta und der Erinnerung an die Tote. Schlie\u00dflich erdrosselt Paul Marietta mit dem Haar Maries, das er wie eine Reliquie bewahrt hat. Nun wird klar, da\u00df Paul alles nur fantasiert hat. Seinem Freund Frank verspricht er, es mit einem neuen Leben zu versuchen.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung<\/b><\/p>\n<p>Die Auff\u00fchrung entfernt sich stark von der Wirklichkeit und zeigt einen traumhaften, weitgehend leeren B\u00fchnenraum, der psychische Vorg\u00e4nge greifbar machen soll. So sind die W\u00e4nde mit Maries Haaren bedeckt, die sich als Computeranimation bewegen. Zu Beginn des zweiten Bildes bricht ein Dampfer durch die R\u00fcckwand des Guckkastens, von dem Frank als strafender Engel herabsieht. Hinter Frank tanzt ein Matrose mit einer weiblichen Puppe lasziv umher.<\/p>\n<p>Der gr\u00f6\u00dfte Unterschied zum Libretto besteht darin, da\u00df die Haush\u00e4lterin Brigitta sich in Marietta verwandelt und keine komplett eigenst\u00e4ndige Person ist. Zu Beginn des dritten Bildes ist Marietta dann schwanger und die geistliche Prozession aus toten Kindern tr\u00e4gt ein Baby heran, das Paul mehrfach auf den Boden schl\u00e4gt. Am Schlu\u00df verwandelt sich Marietta wieder zur\u00fcck in Brigitta, die Paul nun einfach sitzen l\u00e4\u00dft. Die Opernprobe im zweiten Bild zu Meyerbeers <i>Robert le Diable<\/i> stellt sich als Geschlechtsakt hinter einer Schattenwand dar.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<\/b><\/p>\n<p><b>Klaus Florian Vogt<\/b> ist, neben der gro\u00dfartigen Leistung der <b>Philharmoniker Hamburg <\/b>unter <b>Simone Young<\/b><i>,<\/i> das Ereignis dieser Premiere. Seine klare und deutliche Deklamation l\u00e4\u00dft die \u00dcbertitel sofort vergessen. Bei wenig Vibrato verf\u00fcgt sein Tenor in der H\u00f6he \u00fcber einen seltenen Glanz. Die kolossal schwere Partie des Paul meistert er ohne jeglichen intonatorischen Patzer. Sein knabenhaft reiner Ton pa\u00dft obendrein zur Figur des Witwers und verleiht ihrer reizvollen Doppelb\u00f6digkeit. Auch darstellerisch l\u00e4\u00dft Vogt nichts zu w\u00fcnschen \u00fcbrig. <b>Meagan Miller<\/b> sorgt als femme fatale Marietta mit ihrem bl\u00fchenden Sopran f\u00fcr das n\u00f6tige stimmliche Gegengewicht, so da\u00df sich beide perfekt erg\u00e4nzen. Dementsprechend bildet das Duett <i>Gl\u00fcck, das mir verblieb<\/i> einen H\u00f6hepunkt der Auff\u00fchrung. <b>Lauri Vassar<\/b> als Frank\/Fritz liefert eine gewohnt verl\u00e4\u00dfliche Darbietung, mit angenehm schwerem Vortrag. Im Ensemble des zweiten Bildes agieren <b>M\u00e9lissa Petit, Gabriele Rossmanith, Jun-Sang Han und J\u00fcrgen Sacher<\/b> wohl aufeinander abgestimmt. Dem aufwendig besetzten Orchester mit Harfen, Mandoline, Schlagwerk, Orgel und anderem entlockt Young exotische Mischfarben. Von sp\u00e4tromantischem Melos, \u00fcber Kitsch bis zu dissonanten Ausbr\u00fcchen beherrschen die Philharmoniker Hamburg alles und wahren zudem die perfekte Balance mit der B\u00fchne.<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>Klaus Florian Vogt erhielt mit Abstand die meisten Bravi. Bei der kontroversen Regie mischten sich Bravi und Jubel, doch wirkt die Sichtweise schl\u00fcssig und erzeugt atmosph\u00e4rische Dichte. <i>Die tote Stadt<\/i> d\u00fcrfte der H\u00f6hepunkt der aktuellen Hamburger Opernsaison sein.<\/p>\n<p>Dr. Aron Sayed<\/p>\n<p>Bild: Bernd Uhlig<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Klaus Florian Vogt (Paul), Komparserie<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 22. 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