{"id":618,"date":"2009-04-04T17:13:00","date_gmt":"2009-04-04T15:13:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=618"},"modified":"2009-04-05T17:19:30","modified_gmt":"2009-04-05T15:19:30","slug":"aachen-stadttheater-lucio-silla","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=618","title":{"rendered":"Aachen, Stadttheater &#8211; LUCIO SILLA"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Wolfgang Amadeus Mozart, Text: von Giovanni de Gamerra, Dramma per  musica in drei Akten, UA: 26. Dezember 1772, Mailand<br \/>\nRegie: Ludger Engels, B\u00fchne: Christin Vahl<br \/>\nDirigent: Marcus R. Bosch, Sinfonieorchester und Opernchor Aachen, Einstudierung: Frank Flade<br \/>\nSolisten: Juhan Tralla (Lucio Silla), Antonia Bourv\u00e9 (Giunia), Iva Danova (Cecilio), Jana Havranova (Cinna), Eva Bernard (Celia), Louis Kim (Aufidio)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 29. M\u00e4rz 2009 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"aachen-lucio-silla.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/04\/aachen-lucio-silla.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"aachen-lucio-silla.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/04\/aachen-lucio-silla.jpg\" \/><\/a>Lucio Silla hat die Macht an sich gerissen und ist Roms Diktator. Den Patrizier Cecilio hat er verbannt und seinen Tod bekannt gemacht, damit er seine Verlobte Giunia heiraten kann. Sie ist die Tochter des ermordeten Gajus Marius, der ein Erzfeind des Diktators war. Die Ehe mit ihr soll seine Macht vor dem Volk festigen. Giunia wehrt sich aber dagegen.  Cecilio kehrt heimlich zu ihr zur\u00fcck und plant zusammen mit seinem Freund Cinna ein Komplott, um Silla zu st\u00fcrzen. Doch Cecilio wird beim Alleingang gegen den Diktator festgenommen und zu Tode verurteilt. Giunia will daraufhin mit Cecilio zusammen sterben. Silla ruft erneut den Senat und das Volk zusammen. V\u00f6llig unerwartet begnadigt er das Paar. Er gibt seiner Schwester Celia Cinna zum Mann und tritt als Herrscher zur\u00fcck.<br \/>\nMozart schrieb die Oper mit gerade mal 16 Jahren. In Aachen wird in dieser Spielzeit mit <em>Lucio Silla<\/em> der vierteilige Zyklus von Mozarts Herrscherdramen geschlossen.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDas Geschehen wurde vom antiken Rom in das 20. Jahrhundert verlagert. Dementsprechend war die B\u00fchne sehr minimalistisch und ganz in Wei\u00df gestaltet. Auf eine wei\u00dfe R\u00fcckwand im hinteren Teil wurden Videoaufnahmen projiziert. Sie betonten die Schreckensherrschaft des Terrorregimes. Am Anfang zeigten sie beispielsweise den toten Gajus Marius blutverschmiert auf einer Toilette. Es wurde dargestellt, da\u00df Silla ihn durch Erpressung in den Selbstmord getrieben hatte. Die R\u00fcckwand wurde von den Darstellern aber auch genutzt, um mit bunten Filzstiften ideologische Spr\u00fcche (z.B.: RACHE)  aufzumalen. Die Kost\u00fcme pa\u00dften sich der Umgebung an: Anz\u00fcge und Kleider in schlichten Farben. Goldene Armbr\u00fcste bei den M\u00e4nnerrollen stellten den Bezug zur Antike her.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nVon Beginn an faszinierte <strong>Jana Havranova<\/strong> (Cinna). Sie war aus Freiburg, wo sie ebenfalls die Rolle der Cinna sang, f\u00fcr die erkrankte Iva Danova eingesprungen. Sie verlieh ihrer Rolle mit einem sehr klaren und beweglichen Sopran Durchsetzungsverm\u00f6gen. In der Arie <em>Komm wohin die Liebe einl\u00e4dt<\/em> sang sie auch die schwierigen Koloraturen mit Leichtigkeit. Durch ihr Schauspiel betonte sie die freundschaftliche Loyalit\u00e4t zu ihrem Gegenpart, <strong>Iva Danova<\/strong> (Cecilio). Deren Sopran war ebenfalls sehr bereichernd und zwar besonders im Zusammenklang mit <strong>Antonia Bourv\u00e9<\/strong> (Giunia). Im Duett <em>Erwarte mich im Elysium<\/em> gleichten sich <strong>Antonia Bourv\u00e9s<\/strong> heller und lyrischer Sopran mit dem warmen und dunklen Sopran von<strong> Iva Danova<\/strong> aus. Dies hatte die Wirkung, da\u00df die Vertrautheit zwischen beiden  so f\u00fcr den Zuschauer sp\u00fcrbar wurde. Sie bildeten  ein sehr harmonisches Paar. Gest\u00f6rt wurde diese Harmonie von<strong> Juhan Tralla<\/strong> (Lucio Silla), der das komplette Gegenteil verk\u00f6rperte, n\u00e4mlich Gewaltbereitschaft. Schauspielerisch setzte er sehr viel Mimik ein, wie etwa weit aufgerissene Augen, die einen  besessenen Blick ausstrahlten. Er schubste und w\u00fcrgte <strong>Antonia Bourv\u00e9<\/strong> (Giunia) um seine \u00dcberlegenheit zu demonstrieren und sie zur Ehe mit ihm zu zwingen. Sein metallischer und durchdringender Tenor pa\u00dfte zum Charakter des Herrschers sehr gut. Das Orchester vollzog die schnellen Tempowechseln  unter <strong>Marcus R Bosch<\/strong> gut an. Auch die Lautst\u00e4rke war immer so gew\u00e4hlt, da\u00df das Singen nicht \u00fcberdeckt wurde. Das Ende der Oper wurde von der Regie anscheinend ironisch interpretiert. Die Darsteller reagierten n\u00e4mlich auf <strong>Juhan Trallas<\/strong> Begnadigung geschockt und ungl\u00e4ubig und nicht mit Freude. Dies stand ein wenig im Widerspruch zum Libretto und stimmte nachdenklich.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nDie Auff\u00fchrung bestach durch eine hervorragende musikalische Leistung. Das Ensemble war gesanglich sehr gut aufeinander abgestimmt und auch schauspielerisch konnte das ernste Thema der Oper verst\u00e4ndlich vermittelt werden. Ein Abend, der zur Auseinandersetzung anregte.<\/p>\n<p>Melanie Joannidis<\/p>\n<p>Bild: Will van Iersel<br \/>\nDas Bild zeigt:  Jana Havranova (Cinna), Eva Bernard (Celia), Louis Kim (Aufidio), Juhan Tralla (Lucio Silla), Iva Danova (Cecilio) und Antonia Bourv\u00e9 (Giunia), von links nach rechts<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Wolfgang Amadeus Mozart, Text: von Giovanni de Gamerra, Dramma per musica in drei Akten, UA: 26. Dezember 1772, Mailand Regie: Ludger Engels, B\u00fchne: Christin Vahl Dirigent: Marcus R. Bosch, Sinfonieorchester und Opernchor Aachen, Einstudierung: Frank Flade Solisten: Juhan Tralla<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=618\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[61,1],"tags":[],"class_list":["post-618","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aachen-stadttheater","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/618","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=618"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/618\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=618"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=618"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=618"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}