{"id":6156,"date":"2015-02-05T18:34:44","date_gmt":"2015-02-05T17:34:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6156"},"modified":"2015-02-06T10:42:46","modified_gmt":"2015-02-06T09:42:46","slug":"les-fetes-venetiennes-paris-opera-comique","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6156","title":{"rendered":"Les F\u00eates V\u00e9netiennes &#8211; Paris, Op\u00e9ra Comique"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Andr\u00e9 Campra (1660-1744), Op\u00e9ra-ballet, Version mit einem Prolog und drei Episoden, Libretto: Antoine Danchet, U.A.: 17. Juni 1710 Paris, Acad\u00e9mie royale de Musique<br \/>\nRegie: Robert Carsen, B\u00fchne: Radu Boruzescu, Kost\u00fcme: Petra Reinhardt, Licht: Robert Carsen und Peter van Praet, Choreographie: Ed Wubbe<br \/>\nDirigent: William Christie, Chor und Orchester<i>: Les Arts florissants<\/i>, <i>Scapino Ballet<\/i> Rotterdam<br \/>\nSolisten: Emmanuelle de Negri (Lucile Lucie, die Vernunft), \u00c9lodie Fonnard (Iphise, Das Schicksal), Rachel Redmond (Ir\u00e8ne, L\u00e9ontine et Flore), Emilie Renard (Isabelle, La Folie), Cyril Auvity (Adolphe, Tanzmeister, Diener des Schicksls), Reinoud Van Mechelen (Th\u00e9mir und un masque, Z\u00e9phir), Marcel Beekman (Musik- und Sangesmeister), \u00a0Marc Mauillon (Alamir, Damir, Borea), Fran\u00e7ois Lis (Rodolphe, Le Carnaval, L\u00e9andre), Sean Clayton (Democrite), Geoffroy Buffi\u00e8re (H\u00e9raclite)<br \/>\nProduktion: Op\u00e9ra Comique in Koproduktion mit <i>Les Arts Florissants<\/i>, Th\u00e9\u00e2tre du Capitole de Toulouse, Th\u00e9\u00e2tre de Caen und dem Centre de Musique Baroque de Versailles<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 2. Februar 2015 (Premiere 26. Januar 2015)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/Vincent-Pontet.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6157\" alt=\"LES FETES VENITIENNES -\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/Vincent-Pontet.jpg\" width=\"600\" height=\"372\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/Vincent-Pontet.jpg 600w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/Vincent-Pontet-300x186.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a>Vorbemerkung <\/b><\/p>\n<p>Als Andr\u00e9 Campra 1694 aus dem S\u00fcden Frankreichs nach Paris kommt, ist die ehrw\u00fcrdige Acad\u00e9mie royal de Musique schon reichlich verstaubt. Lully ist seit sieben Jahren tot und Ludwig XIV. ist alt geworden. Das Publikum sehnt sich nach etwas Neuem, Leichterem, Heiteren. Campra und Danchet gelingt es, dem alten op\u00e9ra-ballet\u00a0 neues Leben einzufl\u00f6\u00dfen: sie ersetzen die mythologischen Figuren mit Menschen aus dem t\u00e4glichen Leben, erfinden komische Episoden, karikieren und parodieren das Leben, die Gesellschaft und auch die ernsten Opern. Die Handlung wird sehr vereinfacht und auf eine Reihe von kurzen Sketschen beschr\u00e4nkt, das Ballet spielt eine wesentliche Rolle. Das vorliegende Werk ist ein typisches Beispiel dieser erneuerten Op\u00e9ra-ballet. Es ist wegweisend f\u00fcr eine neue Oper, die f\u00fcnf Jahre nach Urauff\u00fchrung von <i>Les F\u00eates V\u00e9netiennes<\/i> ihre T\u00e4tigkeit aufnehmen wird \u2013 die Op\u00e9ra Comique (vgl. dazu auch auf Operapoint Blog, die <i>Fledermaus<\/i> zum 300 j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um der Op\u00e9ra Comique vom 7.1. 2015 und <i>Ariadne von Naxos<\/i> vom 24. 1. 2015).<\/p>\n<p><b>Kurzinhalt <\/b><\/p>\n<p>Von den neun Episoden, die Campra\u00a0 f\u00fcr dieses Werk geschrieben und wechselweise aufgef\u00fchrt hat, haben Christie und Carsen f\u00fcr diese Auff\u00fchrung die drei beliebtesten ausgew\u00e4hlt:<\/p>\n<p><b>Prolog<\/b>: Der Karneval erscheint mit seinen Verb\u00fcndeten, der Verr\u00fccktheit (Folie) und den Vergn\u00fcgungen (Plaisir) und l\u00e4dt die Venezianer zum Fest ein. Nur die Vernunft (Raison) versucht, unterst\u00fctzt von den Weisen D\u00e9mocrite und H\u00e9raclite, vor dem Wahnsinn des Karnevals zu warnen. Doch vergeblich \u2013 sie werden aus Venedig vertrieben.<\/p>\n<p><b>1. Episode<\/b> : <i>Der Ball<\/i>: W\u00e4hrend der Musiklehrer und der Tanzlehrer einen Wettstreit abhalten, pr\u00fcft Prinz Amir als Diener verkleidet die Best\u00e4ndigkeit der von ihm verehrten Iphise, die aber nicht wei\u00df, da\u00df er Prinz ist. Er kann den Ball erst voll genie\u00dfen, als das junge M\u00e4dchen die Probe bestanden hat.<\/p>\n<p><b>2. Episode:<\/b> Die Serenaden und die Spieler: Isabelle und Lucie verd\u00e4chtigen, da\u00df ihre jeweiligen Liebhaber sie mit der anderen betr\u00fcgen. Als sie ihnen einen Abend nachstellen, entdecken sie nicht nur, da\u00df es sich um denselben Mann, Leander, handelt, sondern, da\u00df er jetzt auch noch einer dritten, Ir\u00e8ne, ein St\u00e4ndchen darbringt. Doch wird er nicht nur von Ir\u00e8ne abgelehnt, sondern auch Isabelle und Lucie brechen jetzt mit ihm. Er schlie\u00dft sich darauf einer Gruppe von Spielern an, weil ja\u00a0 Fortuna im Spiel wie in der Liebe unstet ist.<\/p>\n<p><b>3. Episode:<\/b> Die Oper: Damir ist\u00a0 Schauspieler geworden,\u00a0 um bei einer Opernauff\u00fchrung die von ihm angebetete S\u00e4ngerin Leontine zu entf\u00fchren. Sein Rivale um die Gunst Leontines, Rudolphe, versucht das zu verhindern. Doch als Damir als Windgott Boreas seine Angebetete, nicht nur in der Oper, sondern auch in Wirklichkeit entf\u00fchrt, bleibt Rudolph w\u00fctend zur\u00fcck.<\/p>\n<p><b>Epilog:<\/b> Der Karneval ist zu Ende. Bei Tageslicht weichen die Exzesse der Festlichkeiten\u00a0 wieder der Vernunft \u2013 zumindestens vorl\u00e4ufig!<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung<\/b><\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild beschr\u00e4nkt sich auf\u00a0 eine stilisierte Schwarz-Wei\u00df-Kulisse des Markusplatzes, die je nach Bed\u00fcrfnis variiert wird. Im Prolog erscheint eine f\u00fcnf Meter hohe rote Figur, die den Karneval darstellt und der die Touristen in Stra\u00dfenkleidern und Rollkoffern auffordert mitzufeiern. Alle ziehen sich auf offener B\u00fchne in rote\u00a0 Kost\u00fcme des 18.Jahrhunderts um. Die mahnende Vernunft ist als Nonne, ihre beiden Akolyten (Gefolgsm\u00e4nner) als M\u00f6nche dargestellt. Obwohl im folgenden die Kost\u00fcme st\u00e4ndig variieren, sind sie fast ausschlie\u00dflich in Rot-T\u00f6nen gehalten, nur hin und wieder mit schwarz oder wei\u00df gemischt. Das Mobiliar beschr\u00e4nkt sich auf wenige St\u00fchle. Reizvoll die Ankunft einer Gondel auf einem Dampfkanal. Der Windgott kommt st\u00fcrmisch an zwei Seilen aufgeh\u00e4ngt durch die L\u00fcfte und entf\u00fchrt seine Sch\u00f6ne.<\/p>\n<p><b>Solisten und Orchester<\/b><\/p>\n<p><b>Fran\u00e7ois Lis<\/b> kommt mit sonorer Ba\u00dfstimme vor allem in der St\u00e4ndchenszene des sch\u00fcrzenjagenden Leander zur Geltung. Ihm gegen\u00fcber <b>Rachel Redmond<\/b> als Irene, die mit reiner perlender Stimmf\u00fchrung durch die Meslismen eilt und ihm mit\u00a0 viel Charme eine Abfuhr erteilt. Ein anderes Paar ist <b>Marc Mauillon<\/b>, der als Alamir mit seiner angebeteten Iphise (<b>\u00c9lodie Fonnard<\/b>) ein charmantes Liebesduett singt: <i>Pourrais-je me flatter de r\u00e9gner dans votre \u00e2me.<\/i> <b>Emmanuelle de Negri<\/b> (Isabelle) und (Emilie Renard) als Lucie verfolgen beiden ihren untreuen Liebhaber und singen jede ein kleine Arietta. Die eine weich und lyrisch <i>Les voiles de la nuit vont obscurcir les cieux<\/i>, die andere dramatisch-w\u00fctend <i>Ah ! que puis-je esp\u00e9rer du dessein qui m\u2019am\u00e8ne?<\/i> <b>Marcel Beekman<\/b> sind die grotesk-komischen Szenen vorbehalten, die schon Rossinis Buffo-Rollen vorwegnehmen. <b>Cyril Auvity<\/b> verk\u00fcndert mit seinem warmen hohen Tenor die Segnungen der Fortuna.<\/p>\n<p><b>Ed Wubbes<\/b> einfallsreiche, zum Teil sehr komische <b>Choreographie<\/b> animiert die nicht abrei\u00dfende Kette der Ballette. Besonders originell der <b>Tanz der Schafe<\/b> in der Sch\u00e4ferszene oder der leichtgekleideten Kasinom\u00e4dchen mit Kartentischen um die H\u00fcften, oder der Gondolieri mit \u201eH\u00fcftgondeln\u201c.<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>Robert Carsen und sein Team haben erfolgreich mit einfachen farben- und formenpr\u00e4chtige Mitteln und oft sehr witzig die Pracht und Ausgelassenheit eines Karnevals in Venedig des 18.Jhts. heraufbeschworen. Und wenn in Regie, in der Choreographie und bei den Kost\u00fcmen immer wieder moderne, anachronistische Elemente einflie\u00dfen, so f\u00e4llt das nie aus dem Rahmen und wirkt nicht st\u00f6rend.<\/p>\n<p>William Christie h\u00e4lt diesen vielf\u00e4ltigen, farbenpr\u00e4chtigen Rummel meisterhaft zusammen und l\u00e4\u00dft die Orchestermusik die S\u00e4nger voll unterst\u00fctzen, wobei der Reichtum und die Sch\u00f6nheit der instrumentalen Partitur vielleicht am st\u00e4rksten im Wettstreit von Tanz- und Musiklehrer hervortritt.<\/p>\n<p>Ein einhellig gefeierter Abend.<\/p>\n<p>Alexander Jordis-Lohausen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bild: Vincent Pontet<\/p>\n<p>L\u00e9gendes des photos 7 et 9<\/p>\n<p>Elodie Fonnard (Soprano) \/ La Fortune<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 2. Februar 2015 (Premiere 26. Januar 2015). 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