{"id":6146,"date":"2015-01-28T10:03:14","date_gmt":"2015-01-28T09:03:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6146"},"modified":"2015-02-03T13:37:36","modified_gmt":"2015-02-03T12:37:36","slug":"fidelio-cosi-fan-tutte-die-schoene-muellerin-tiroler-festspiele-winter-2015-erl","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6146","title":{"rendered":"Fidelio &#8211; Cos\u00ec fan tutte &#8211; Die sch\u00f6ne M\u00fcllerin &#8211; Tiroler Festspiele Winter 2015, Erl"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><b><i>Fidelio<\/i><\/b><\/p>\n<p>von Ludwig van Beethoven (1770-1827), Oper in zwei Aufz\u00fcgen, Libretto: Joseph Sonnleitner und Friedrich Treitschke, UA: Erste Fassung 1805, Endfassung 1814, Wien.<br \/>\nSolisten: Michael Kupfer (Minister Don Fernando), Thomas Gazheli (Don Pizarro), George Vincent Humphrey (Florestan), Bettine Kampp (Leonore), Jens Waldig (Rocco), Paola Leggeri (Marzelline), Giorgio Valenta (Jaquino), u.a.<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 3. Januar 2015<\/p>\n<p><b><i>Cos\u00ec fan tutte<\/i><\/b><\/p>\n<p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Libretto: Lorenzo da Ponte,\u00a0 in italienischer Sprache mit deutschen \u00dcbertiteln, UA: 1790, Wien<br \/>\nSolisten: Anna Princeva (Fiordiligi), Aurora Faggioli (Dorabella), Michael Kupfer (Guglielmo), Ferdinand von Bothmer (Ferrando), Sophie Gordeladze (Despina), Giulio Boschetti (Don Alfonso)<b><i>\u00a0<\/i><\/b><\/p>\n<p><b><i>Cos\u00ec fan tutte<\/i><\/b>: Dirigent\/Regie Gustav Kuhn,<br \/>\n<b><i>Fidelio:<\/i><\/b><i> <\/i>Regie\/B\u00fchne: Alexander Polzin,<br \/>\nOrchester und Chorakademie der Tiroler Festspiele Erl, Choreinstudierung: Erich Polz<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 2. Januar 2015<\/p>\n<p><b>Liederabend<i> <\/i><\/b><\/p>\n<p><b><i>Die sch\u00f6ne M\u00fcllerin<br \/>\n<\/i><\/b>von Franz Schubert (1797-1828), Liederzyklus f\u00fcr Singstimme und Klavier<br \/>\nKlavier: Eric Schneider, Bariton: Michael Kupfer<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 5. Januar 2015<b>\u00a0<\/b><\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/ErlFestspiele-Cosi.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6147\" alt=\"ErlFestspiele Cosi\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/ErlFestspiele-Cosi-e1422967030622.jpg\" width=\"600\" height=\"346\" \/><\/a>Vorbemerkung<\/b><\/p>\n<p>Im Winter 2014\/2015 finden zum dritten Mal die Winter-Festspiele statt &#8211; und es f\u00e4llt wirklich Schnee. F\u00fchrte das zu Problemen bei der Anreise oder im Opernbetrieb? Offensichtlich nicht! Die Zufahrten sind schneefrei, auch der Opernbetrieb lief reibungslos. Der Shuttleservice erm\u00f6glicht eine gefahrlose Anreise bis nach M\u00fcnchen oder Salzburg. <i>Fidelio<\/i> und <i>Cos\u00ec fan tutte<\/i> waren nahezu ausverkauft, nur der Liederabend <i>Sch\u00f6ne M\u00fcllerin<\/i> war etwas sp\u00e4rlicher besucht.<\/p>\n<p>Der Orchestergraben wird f\u00fcr Opern abgesenkt, damit die Musik indirekt in den Saal gelangt und es den S\u00e4ngern erm\u00f6glicht, mit ihrer Stimme \u00fcber das Orchester zu kommen. Das relativ breite hohe Zuschauerhaus hat eine sehr transparente Akustik, die messerscharf auch noch Nuancen der Stimme erfa\u00dft. Der Hall ist deutlich, aber kurz.<\/p>\n<p>In Erl sind die Inszenierungen einfach und schlicht, verzichten auf sinnfreie Regieeinf\u00e4lle &#8211; auch wenn <b>Alexander Polzin<\/b> die Regie (und B\u00fchnenbild) des <i>Fidelio<\/i> \u00fcbernimmt. Immer noch spielt die Musik unter <b>Gustav Kuhn<\/b> mit seinem <b>Orchester<\/b> und der <b>Chorakademie der Tiroler Festspiele Erl<\/b> die erste Geige. Die Klangfarben sind beeindruckend vielf\u00e4ltig und unter Kuhn entsteht unter den optimalen Bedingungen der Akustik des neuen Festspielhauses ein unvergleichlicher, weicher Klang. Der Chor ist mit weichem Klang f\u00fcr <i>Fidelio<\/i> eingestellt. Zwar wirkt der Chor etwas statisch und die breite Aufstellung quer \u00fcber die B\u00fchne f\u00fchrt manchmal dazu, da\u00df ab und an Stimmgruppen dominieren, aber die Personenf\u00fchrung im <i>Fidelio<\/i> l\u00f6st die Positionierungsstatik immer wieder auf.<\/p>\n<p><b><i>\u00a0<\/i><\/b><\/p>\n<p><b><i>Fidelio<\/i><\/b><\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung<\/b><\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild besteht aus einer dunklen leeren Fl\u00e4che, auf der sich ein Totenkopf als Artefakt dreht. Der Hinterkopf liegt offen, in ihm ist Fidelio gefangen. Ein gro\u00dfes Leinentuch verdeckt zun\u00e4chst den Totenkopf, bis Leonore in das Innere des Gef\u00e4ngnisses gelangt. F\u00fcr Polzin gibt es kein Gef\u00e4ngnis, sondern eine Art \u201eFehlen\u201c der pers\u00f6nlichen Freiheiten. Das wird auch an den stilisierten, unkonkreten Kost\u00fcmen deutlich: Der Chor ist zun\u00e4chst wie eine Mumie in Stoffbahnen geh\u00fcllt, die Bewegungen, Reden und Sehen hemmen. Nach der Befreiung (durch den Minister?) sind sie in eine Art zerlumpte Alltagskleidung geh\u00fcllt, ebenso wie Fidelio. Die Anz\u00fcge der m\u00e4nnlichen Hauptrollen sehen aus wie eine Mischung aus Anzug und Schlafanzug, die Schuhe wie eine Mischung aus \u00dcberschuh und Pantoffel. Don Pizarro tr\u00e4gt wei\u00df, der Minister grau, die Gef\u00e4ngnisaufseher blau \u2013 nur Leonore wechselt die Identit\u00e4t mit einem gr\u00fcnbraunen Kleid. Am Ende verschwinden alle unter der Stoffbahn.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<\/b><\/p>\n<p>Nicht verstecken m\u00fcssen sich die s\u00e4ngerischen Leistungen: <b>Bettine Kampp<\/b> ist ein lyrischer Sopran mit leichter, leuchtender Stimme. Sie beginnt am Anfang etwas verhalten, kann aber in der Aussprache mit Florestan aufdrehen und dominieren. Dabei verf\u00fcgt <b>George Vincent Humphrey <\/b>(Florestan) \u00fcber ein samtenes Stimmaterial, jedoch fehlt die Durchschlagskraft im Forte, die H\u00f6he will nicht strahlen und die technischen Probleme beim Ansingen von exponierten T\u00f6nen sind deutlich h\u00f6rbar. <b>Thomas Gazheli<\/b> ist ein schwerer Bariton mit wirklich filigraner, intonationssicherer und wortverst\u00e4ndlicher Technik, er kann den vielschichtig-b\u00f6sartigen Charakter des Pizarro sehr \u00fcberzeugend gestalten. Sein Gegenspieler als Rocco ist <b>Jens Waldig<\/b>, der mit treffsicheren und durchschlagsstarken Bariton mit der ba\u00dflastigeren Stimme dagegen halten kann. <b>Paola Leggieri<\/b> ist eine etwas sprunghafte Marzelline und <b>Giorgio Valenta<\/b> (Jacquino) ein unscheinbarer Liebhaber.<\/p>\n<p>Mit der Rolle des Ministers ist <b>Michael Kupfer <\/b>als schwerer Wagnerbariton mit vielen Nuancierungsm\u00f6glichkeiten fast schon unter Wert besetzt.<\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p><b><i>Cos\u00ec fan tutte<\/i><\/b><\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung<\/b><\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild wird dominiert durch eine Kugel, die \u00fcber einer Designer-Terrassen-Landschaft h\u00e4ngt. Mal stehen hier Liegest\u00fchle, mal eine wei\u00dfe Couchgarnitur. Die Kost\u00fcme sind entsprechend ansprechend: Die Fotos der Damen im Badeanzug bzw. Sommerabend-Kleid sind hei\u00df begehrt, die Herren tragen \u2013 nachdem sie die lieblos im Army-Shop zusammengekauften Uniformen abgelegt haben \u2013 modische Trachtenanz\u00fcge mit nicht dazu passendem gr\u00fcnen Mantel. Durch die Farben sind die Paare erkenntlich, Ferrando tr\u00e4gt rotes Karo, Guglielmo blaues Karo, Dorabella blaue Kleidung, Fiordiligi eher rote Kleidung.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<\/b><\/p>\n<p>Die Rolle des Guglielmo in der <i>Cos\u00ec fan tutte<\/i> gestaltet <b>Michael Kupfer<\/b> beispielhaft. Mindestens ebenb\u00fcrtig sind die drei Damen. <b>Anna Princeva <\/b>leiht der Fiordiligi die passende lyrisch-weiche Mozart-Stimme, die stets intonationssicher und glockenklar gef\u00fchrt wird. Manchmal klingt es jedoch etwas eindimensional, ist aber wortverst\u00e4ndlich. <b>Sophie Gordeladze<\/b> verf\u00fcgt \u00fcber einen wunderbar sicheren Sopran, auch mit verstellter Stimme (Falsett) kann sie die Nebenrollen der Despina als Arzt oder Notar glaubhaft aussingen. <b>Ferdinand von Bothmer<\/b> (Ferrando) und <b>Giulio Boschetti<\/b> \u00a0(Don Alfonso) kommen an diese grandiose Leistungen nicht heran, wirken bla\u00df, kraftlos und durchschlagsschwach.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Liederabend<\/b><\/p>\n<p>Frisch gest\u00e4rkt mit einer Forelle M\u00fcllerin Art aus dem Gasthaus Blaue Quelle gleich unterhalb des Festspielhauses (und aus diesem Grunde sehr gut besucht) ist Schuberts <b><i>Die sch\u00f6ne M\u00fcllerin<\/i><\/b> gleich noch viel sch\u00f6ner.<\/p>\n<p><b>Michael Kupfer<\/b> ist ein durchschlagsstarker und doch lyrischer Wagnerbariton, der Rollen gestalten kann und dabei immer wortverst\u00e4ndlich ist. Gerade in diesem vielschichtigen Liederzyklus ist dies von entscheidender Bedeutung. Hier gilt es den verschiedenen Leidenszust\u00e4nden des verliebten M\u00fcllers vom Beginn seiner Wanderschaft bis zum Selbstmord Leben einzuhauchen. Jede Note ist bei Schubert wichtig, jede Tempowahl und \u00c4nderung der Lautst\u00e4rke bedeutsam. Aber Michael Kupfer findet seinen Weg, der die Zuh\u00f6rer bis zum letzten Ton in seinen Bann zieht.<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>Erl hat sich mittlerweile auch im Winter als Festspielort etabliert. Man streitet nicht \u00fcber Inszenierungen oder S\u00e4ngerleistungen, sondern genie\u00dft die Musik und die Bayerisch-Tiroler K\u00fcche. Den einhelligen und heftigen Jubel des Publikums kann man als eindrucksvolle Zustimmung werten. Einzig Schneefall kann den Zuschauerstrom behindern. Im kommenden Sommer hingegen mit dem Schwerpunkt auf Wagners <i>Ring des Nibelungen<\/i> gibt es kein Halten: Die beiden Zyklen sind schon jetzt fast vollst\u00e4ndig ausverkauft.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: APA\/Tiroler Festspiele Erl<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Anna Princeva (Fiordiligi), Aurora Faggioli (Dorabella), Michael Kupfer (Guglielmo), Ferdinand von Bothmer (Ferrando) (Cos\u00ec fan tutte)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Winter 2014\/2015 finden zum dritten Mal die Winter-Festspiele statt. In Erl sind die Inszenierungen einfach und schlicht, verzichten auf sinnfreie Regieeinf\u00e4lle. Man genie\u00dft die Musik und die Bayerisch-Tiroler K\u00fcche.<\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6146\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":6147,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[116,177],"tags":[],"class_list":["post-6146","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-musikfestivals","category-tiroler-festspiele-erl"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6146","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6146"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6146\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6155,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6146\/revisions\/6155"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/6147"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6146"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6146"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6146"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}