{"id":6141,"date":"2015-01-28T08:25:19","date_gmt":"2015-01-28T07:25:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6141"},"modified":"2015-02-03T13:35:46","modified_gmt":"2015-02-03T12:35:46","slug":"lady-macbeth-von-mzensk-berlin-deutsche-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6141","title":{"rendered":"Lady Macbeth von Mzensk &#8211; Berlin, Deutsche Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Dmitri Schostakowitsch (1906-1975),<b> <\/b>Oper in vier Akten (9 Bilder), Libretto: Arkadi Preiss und Dmitri Schostakowitsch nach der gleichnamigen Erz\u00e4hlung von Nikolai Leskow, UA: 22. Januar 1934 Leningrad, Maly Theater.<\/p>\n<p>Regie: Ole Anders Tandberg, B\u00fchne: Erlend Birkeland, Choreographie: Jeanette Langert, Kost\u00fcme: Maria Geber, Licht: Ellen Ruge, Choreinstudierung: William Spaulding, Chor der Deutschen Oper Berlin<\/p>\n<p>Dirigent: Donald Runnicles, Orchester der Deutschen Oper Berlin<\/p>\n<p>Solisten: Sir John Tomlinson (Boris Timofejewitsch Ismailow), Thomas Blondelle (Sinowij Borissowitsch Ismailow), Evelyn Herlitzius (Katerina Ismailowa), Maxim Aksenov (Sergej), Nadine Secunde (Aksinja), Burkart Ulrich (Der Sch\u00e4bige), Andrew Harris (Verwalter\/Polizist), Dana Beth Miller (Sonjetka)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 25. Januar 2015 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/BerlinLadyMacbeth-e1422951422719.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-large wp-image-6142\" alt=\"DeuOperLadyMacbeth\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/BerlinLadyMacbeth-1024x683.jpg\" width=\"550\" height=\"366\" \/><\/a>Kurzinhalt <\/b><\/p>\n<p>Katerina Ismailowa f\u00fchrt ein unt\u00e4tiges Leben an der Seite des Kaufmannes Sinowij. Die Ehe ist kinderlos. Als Sinowij verreist, werden der neue Hofarbeiter Sergey und Katerina ein Liebespaar. Auch der despotische Schwiegervater Boris versucht, sich der Tochter zu n\u00e4hern. Als er Sergey aus Katerinas Schlafzimmer kommen sieht, peitscht er ihn blutig. Katerina serviert ihrem Schwiegervater ein vergiftetes Mahl. Bei der R\u00fcckkehr des Mannes kommt es zum Ehestreit, der f\u00fcr Sinowij t\u00f6dlich endet. Ein Bauer findet seine Leiche im Keller und alarmiert die Gendarmen, die bald darauf in Katerina und Sergeys Hochzeitsfeier platzen. Katerina gesteht die Morde, wird verhaftet und zusammen mit Sergej zur Zwangsarbeit nach Sibirien verbannt. Sergej will nichts mehr von Katerina wissen und tr\u00f6stet sich mit der jungen Sonjetka. Katerina st\u00fcrzt sich in einen eisigen Fluss und rei\u00dft ihre Nebenbuhlerin mit sich.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung <\/b><\/p>\n<p>Die Trag\u00f6die der Lady Macbeth vollzieht sich mit Ausnahme des letzten Aktes auf dem Hof der Ismailows; in einem spie\u00dfigen holzverkleideten Haus mit kleinen Fenstern, gebaut auf einer felsigen Insel, weit und breit kein benachbartes Haus. Eine Drehb\u00fchne zeigt Innen- und Au\u00dfenansicht des Hauses. Einziges M\u00f6bel des Wohnraums ist ein riesiges Bett. Der norwegische Regisseur <b>Ole Anders Tandberg<\/b> verlegt die Handlung in seine Heimat; statt mit Korn handeln die Ismailows mit Fisch. Berge von Fisch stapeln sich auf dem Felsen rund um das Haus. Unter einem Spielmannszug, der die Handlung verst\u00e4rkt, befindet sich ein junges M\u00e4dchen als alter ego von Katerina. Der vierte Akt zeigt den Zug der Gefangenen durch Sibirien, eine graue Masse in Unterw\u00e4sche. Im Nachtlager stapeln sich die zu Tode Ersch\u00f6pften wie die Fische auf dem Felsen der Ismailows.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<\/b><\/p>\n<p><b>Donald Runnicles<\/b> hat Schostakowitschs <i>Lady Macbeth von Mzensk<\/i> mehrfach aufgef\u00fchrt, und das war an diesem Abend zu h\u00f6ren. Der Dirigent des <b>Orchesters der Deutschen Oper Berlin<\/b> wurde der Partitur in all ihren Facetten gerecht: den abrupten Wechseln von Tragik zu Komik, den filmmusikalischen Anleihen sowie den gegens\u00e4tzlichen, musikalischen Welten. Die Gef\u00fchle von Katerina wurden tonmalerisch gekonnt \u00fcber himmlisch hohe Streicher und Harfenkl\u00e4nge transportiert, mechanische Ostinati begleiteten Sergej. Den Patriarchen Boris karikierte ein Geplapper aus vorlauten Klarinetten und einem Fagott. Immer wieder klang das schadenfrohes Lachen der Posaunen durch. Ohrenbet\u00e4ubend kommentierte eine Blaskapelle die Handlung und nahm selbst noch dem Liebesakt die Hoffnung auf menschliches Miteinander. Ihrem grellen und verst\u00f6renden Spiel geh\u00f6rten auch die Schlu\u00dftakte der Oper.<\/p>\n<p><b>Evelyn Herlitzius<\/b> verk\u00f6rperte die Titelheldin sehr glaubhaft. Ohne gro\u00dfe Gesten, mit h\u00e4ngenden Armen schwankte sie ebenso bet\u00e4ubt wie getrieben \u00fcber die B\u00fchne und strahlte dabei eine Verletzlichkeit aus, die das Publikum sofort vereinnahmte. Katerina ist keine intrigante <i>Lady Macbeth<\/i>. \u201eIhre\u201c Musik ist menschlich, auch wenn Herlitzius die Partie im hohen Register sehr schrill und schr\u00e4g sang. Bereits im Eingangsmonolog<i> Zherebyonok k kob\u0457lke toropitsya \u2013 Das Hengstfohlen jagt der Jungstute nach<\/i> verpackte sie Katerinas Emotionen im Klang ihres nuancenreichen Soprans. Tenor <b>Maxim Aksenov<\/b> (Sergej) hatte es schwerer, mit seiner Rolle s\u00e4ngerisches Profil zu gewinnen. Vielmehr diente er als attraktive Projektionsfl\u00e4che f\u00fcr Katerinas Gef\u00fchle. <b>Sir John Tomlinson<\/b> war als tyrannischer Schwiegervater an Theatralik und stimmlicher Intensit\u00e4t nicht zu \u00fcberbieten. Stets mit zwei Fischen bewaffnet, geisterte er \u00fcber den Hof wie der Komtur im <i>Don Giovanni<\/i>. Mit gewaltiger, dunkel gef\u00e4rbter Ba\u00dfstimme und markanten Akzentuierungen f\u00fchrte er die seelischen Abgr\u00fcnde des Patriarchen vor. Bewegend und volkst\u00fcmlich melodisch war das Lied des alten Zwangsarbeiters (4. Akt) von <b>Stephen Bronk<\/b>. Vollt\u00f6nend und expressiv beschrieb er den Leidensweg des Volkes im feudalherrschaftlichen Ru\u00dfland. Ebenso ergreifend waren die Chornummern der Gefangenen, gesungen vom <b>Chor und<\/b> <b>Herrenchor der Deutschen Oper Berlin<\/b>.<i>\u00a0 <\/i><\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p><i>Was soll denn das Volk mit einer Oper machen, von der es beim Verlassen des Theaters keine einzige Melodie tr\u00e4llern kann?<\/i> hat Andr\u00e9 Gide einmal als m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung f\u00fcr das Verbot dieser Oper unter Stalin geliefert. Die Zeiten, in denen eine brutale Handlung mit gewollt trivialer Musik verst\u00f6rt, sind l\u00e4ngst vorbei. In Berlin bedachte man das drastische, als \u201eH\u00f6lle auf Erden\u201d inszenierte St\u00fcck und dessen musikalische Interpretation mit Beifallsst\u00fcrmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Norma Strunden<\/p>\n<p>Bild: Marcus Lieberenz<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Evelyn Herlitzius (Lady Macbeth) und Chor<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 25. Januar 2015 (Premiere). Die Zeiten, in denen eine brutale Handlung mit gewollt trivialer Musik verst\u00f6rt, sind l\u00e4ngst vorbei. 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