{"id":6121,"date":"2015-01-20T21:34:53","date_gmt":"2015-01-20T20:34:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6121"},"modified":"2015-01-23T21:39:12","modified_gmt":"2015-01-23T20:39:12","slug":"quai-west-nuernberg-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6121","title":{"rendered":"QUAI WEST &#8211; N\u00fcrnberg, Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Regis Campo (1968), Libretto: Kristian Fr\u00e9dric und Florence Doublet nach dem St\u00fcck von Bernard-Marie Kolt\u00e8s, UA der deutschen Fassung von Carolyn Sittig nach der \u00dcbersetzung von Simon Werle<\/p>\n<p>Regie: Kristian Fr\u00e9dric, B\u00fchne: Bruno de Laven\u00e8re, Kost\u00fcme: Gabriele Heimann<\/p>\n<p>Dirigent: Marcus Bosch, Staatsphilharmonie N\u00fcrnberg, Chor des Staatstheaters N\u00fcrnberg, Choreinstudierung: Tarmo Vaask<\/p>\n<p>Solisten: Pavel Shmulevich (Maurice Koch), Leah Gordon (Monique Pons), Leila Pfister (C\u00e9cile), Taehyun Jun (Rodolfe), Michaela Maria Mayer (Claire), Hans Kittelmann (Charles), Fabrice di Falco (Fak), Augustin Dikongu\u00e9 (Abad, stumme Rolle)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 17. Januar 2015 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/N\u00fcrnberg-quaiwest.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6122\" alt=\"N\u00fcrnberg quaiwest\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/N\u00fcrnberg-quaiwest.jpg\" width=\"608\" height=\"406\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/N\u00fcrnberg-quaiwest.jpg 608w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/N\u00fcrnberg-quaiwest-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 608px) 100vw, 608px\" \/><\/a>Kurzinhalt<br \/>\n<\/b>Maurice Koch l\u00e4\u00dft sich von seiner Sekret\u00e4rin Monique zum Hafen fahren, um wegen Betrug Selbstmord zu ver\u00fcben. Er fragt Charles nach dem Weg, sie treffen auf seine heruntergekommene Familie: Die Familie der verr\u00fcckten C\u00e9cile mit ihrem b\u00f6sartigen Mann Rodolfe und ihrer Tochter Claire, die mit dem jungen Mann Fak verabredet ist (und von diesem vergewaltigt wird). Dazu kommt ein Namenloser, der Abad genannt wird. Rodolfe gibt Abad ein Maschinengewehr, um Koch zu t\u00f6ten. Als sich Charles von seinem Vater Rodolfe verabschiedet, dabei aber von ihm ignoriert wird, wird er von Abad erschossen.<\/p>\n<p><b>Vorbemerkung<br \/>\n<\/b>Laut Programmheft ist das Ziel von Regis Campo, die Surrealit\u00e4t der (Traum-)Handlung in Musik umzusetzen, die psychologisierend keine Atmosph\u00e4re erzeugt. Dialoge mit dem &#8222;Charakter des Dealens&#8220; stehen f\u00fcr schnelles Tempo, Monologe mit &#8222;heiligem Charakter&#8220; f\u00fcr langsames Tempo. Am Schlu\u00df geht alles zu Ende, das ist eine &#8222;Passion&#8220;, ein Schlagzeug wird eingesetzt f\u00fcr ein Totenritual. Er selbst bezeichnet sich Eklektiker.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung<br \/>\n<\/b>F\u00fcr ein kurzes St\u00fcck von etwa 90 Minuten Spieldauer ohne Pause, ist das B\u00fchnenbild relativ einfach gehalten, lebt aber von seinen Ver\u00e4nderungsm\u00f6glichkeiten. Drei Mauerbl\u00f6cke aus Ziegelsteinen mit Fenstern, vergitterten Balkonen und Stahlleitern k\u00f6nnen immer wieder neu zusammengestellt und verfahren werden, bilden zusammen mit schwarzem Hintergrund verkommene Hinterh\u00f6fe, dunkle Gassen und verlassene R\u00e4ume, die von lichtscheuen Gestalten bev\u00f6lkert werden. Die zerschlissene Kleidung pa\u00dft zu gescheiterten Existenzen, einzig Claire hat noch Hoffnung und tr\u00e4gt saubere Jeans. Der Kaufmann Koch und seine Sekret\u00e4rin Monique sind ein Gesch\u00e4fts-P\u00e4rchen unserer Tage.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<br \/>\n<\/b>Marcus Bosch versucht mit energischem Einsatz der Partitur Tiefgang ab, versucht mit Energie und Tempo sp\u00e4tromantische Wirkungen zu erzielen. Manches klingt wie im Musical oder wie Musik von Ennio Morricone: <i>Spielt Ihr mir das Lied vom Tod?<\/i><\/p>\n<p><b>Leah Gordon<\/b> stellt mit ihrem verspielten Sopran und ihrer warmen, technisch sauberen Stimme die Sekret\u00e4rin Monique dar. <b>Pavel Shmulevich<\/b> ist ein russischer Ba\u00df mit unendlicher Tiefe, die Rolle des Koch kann er mit Leichtigkeit ausf\u00fcllen. <b>Michaela Maria Mayer<\/b> mit ihrem schlanken, sauber gef\u00fchrtem, manchmal etwas eindimensionalen Sopran, streicht die jugendliche Naivit\u00e4t der Claire heraus und ist ein Sympathietr\u00e4ger. W\u00e4hrend <b>Leila Pfister<\/b> die schrille Hexe Claire ist, ist <b>Taehyun Jun<\/b> als ihr Mann Rodolfe ein wahrlich b\u00f6sartiger Ba\u00df. <b>Hans Kittelmann<\/b> hingegen kann eloquent die Rolle des Charles gestalten und empfiehlt sich f\u00fcr mehr als nur Nebenrollen. <b>Fabrice di Falco<\/b> ist ein Countertenor, der die Rolle des Fak etwas zu sehr im Falsett nimmt. Der Chor hat nur einen kurzen Auftritt, steuert dabei nur Sph\u00e4renkl\u00e4nge aus dem Off bei.<\/p>\n<p><b>Fazit<br \/>\n<\/b>\u201eJe suis Charlie!\u201c Im Programmheft bekennt sich Staatsintendant Peter Theiler zur Pressefreiheit und macht die Anteilnahme an den franz\u00f6sischen Opfern rund um das Attentat auf Charlie Hebdo deutlich. Der Zusammenhang besteht darin, da\u00df die stumme Rolle des Abad durch einen t\u00e4towierten dunkelh\u00e4utigen Statisten besetzt ist, der als \u201emuslimischer Araber\u201c durchgehen k\u00f6nnte. Der Grund seines T\u00f6tens wird allerdings nicht deutlich, bleibt unklar. Deutliche Akzente setzt hingegen Marcus Bosch mit vorw\u00e4rtsdr\u00e4ngender Musik, der so das St\u00fcck rettet \u2013 zusammen mit dem soliden, hart arbeitenden Ensemble. Genauso freundlich wird die Regie vom Publikum applaudiert, auch wenn doch ob der manchmal sehr verqueren Logik die eine oder andere Frage offen bleibt. Und die Moral von der Geschichte?<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Ludwig Olah<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Abschiedsgr\u00fc\u00dfe von Hans Kittelmann (Charles), \u00a0nachdem er von Abad erschossen hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 17. 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