{"id":610,"date":"2009-04-02T22:40:32","date_gmt":"2009-04-02T20:40:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=610"},"modified":"2009-04-02T22:40:33","modified_gmt":"2009-04-02T20:40:33","slug":"bonn-opernhaus-die-entfuhrung-aus-dem-serail","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=610","title":{"rendered":"Bonn, Opernhaus &#8211; DIE ENTF\u00dcHRUNG AUS DEM SERAIL"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Singspiel in drei Aufz\u00fcgen, Libretto: J.G. Stephanie d.J., nach einer Dichtung von C.F. Bretzner, UA: 16. Juli 1782, Hoftheater, Wien (Deutsche Erstauff\u00fchrung 1782, Bonn)<br \/>\nRegie: Markus Dietz. B\u00fchne: Mayke Hegger<br \/>\nDirigent: Wolfgang Lischke, Beethoven Orchester Bonn, Chor,  Video: Oliver Iserloh, Licht: Max Karbe. Statisterie<br \/>\nSolisten:), Sigr\u00fan P\u00e1lmd\u00f3ttir (Konstanze), Julia Novikova (Blonde), Mirko Roschkowski (Belmonte), Tansel Akzeybek (Pedrillo), Ramaz Chikviladze (Osmin), Hanno Friedrich (Bassa Selim)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 29. M\u00e4rz 2009 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"bonn-entfuhrung.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/04\/bonn-entfuhrung.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"bonn-entfuhrung.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/04\/bonn-entfuhrung.jpg\" \/><\/a>Konstanze, ihre Zofe Blonde und ihr Diener Pedrillo befinden sich als Gefangene des Selim Bassa in dessen Palast am Meer. Konstanzes Verlobter Belmonte macht die Entf\u00fchrten ausfindig und versucht sie zu befreien. Bassa Selim hat sich in die standhafte Konstanze verliebt und will sie zu seiner Favoritin machen, indessen hat sein muselmanischer Aufseher Osmin ein Auge auf Blonde geworfen, die sich mit List zu wehren wei\u00df. Belmonte und Pedrillo planen die Flucht. Osmin soll mit schwerem Cypernwein betrunken gemacht werden, aber er wacht zu fr\u00fch aus seinem Rausch auf, tobt und schw\u00f6rt Rache: die Flucht scheitert. Bassa zeigt sich jedoch edelm\u00fctig und gew\u00e4hrt allen die Freiheit, obwohl er in Belmonte den Sohn seines gr\u00fc\u00dften Widersachers erkennt.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nNoch bevor die Ouvert\u00fcre ert\u00f6nt, liegt Belmonte auf dem Podium vor den plakativ geschriebenen (unvollendeten) Lettern in Blutrot: Entf\u00fchrung. Von wem wurde er \u00fcberw\u00e4ltigt? Auf der B\u00fchne dominiert ein wei\u00dfer Kubus die Szenen. Er steht f\u00fcr alle Schaupl\u00e4tze und wird im wahrsten Sinne des Wortes zur Projektionsfl\u00e4che, der fortan mit Videos bespielt wird, die etwa die in einem Antlitz vereinigten Gesichter von Belmonte und Konstanze zeigen, oder die endlos weinende Konstanze. Die Kubusw\u00e4nde aus Papier dienen  als Vordergrund  f\u00fcr Schattenrisse und sind W\u00e4nde, die am Ende durchbrochen werden. Die Kost\u00fcme sind von heute, die Bewohnerinnen des Serails als amazonenhafte, versklavte und wenig anmutige Wesen anzusehen, der Chor tr\u00e4gt schwarze milit\u00e4rische Uniformen. Der mit nacktem Oberk\u00f6rper auftretende Selim Bassa (Hanno Friedrich) l\u00e4\u00dft nicht nur durch Osmin  Grausamkeit walten, sondern ist, anders als bei Mozart, selbst \u00e4u\u00dferst brutal im Umgang mit seinen Sklavinnen und auch mit Konstanze.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nNach einer etwas spannungslos musizierten Ouvert\u00fcre, leitete <strong>Wolfgang Lischke <\/strong>eine musikalisch solide, nach und nach aufbl\u00fchende Auff\u00fchrung, die angenehm auf den von Mozart bewu\u00dft eingesetzten Klang der Klarinette ausgerichteten war. Mitunter h\u00e4tte die Dynamik etwas subtiler, im Dienste der Textverst\u00e4ndlichkeit zur\u00fcckgenommen werden k\u00f6nnen. Liebling des Abends war der b\u00e4rig dargestellte und in den tiefsten T\u00f6ne hinabsteigende, gesanglich gut verst\u00e4ndliche Osmin des Georgiers <strong>Ramaz Chikviladze<\/strong>. Wohl seinen bescheidenen Deutschkenntnissen  entgegenkommend, lie\u00df der Regisseur ihn Schimpftiraden, gegen Pedrillo und Verw\u00fcnschungen gegen Blonde, die auch so klar wurden, in seiner georgischen Sprache sprechen. F\u00fcr unsere Ohren war es ein kleines St\u00fcck Exotik, der zugleich an Mozarts Humor  erinnerte. Die bezaubernde <strong>Julia Novikova<\/strong> war die ebenso schelmische wie energische, stets musikalisch klare Blonde. <strong>Mirko Roschkowskis<\/strong> weicher Tenor in der Partie des Belmonte war h\u00f6renswert. <strong>Tansel Akzeybek<\/strong> nahm ebenso als  Schelm, wie mit spielerisch gef\u00fchrtem Tenor als Pedrillo ein. <strong>Sigr\u00fan P\u00e1lmd\u00f3ttir<\/strong> verk\u00f6rperte eine tapfere Konstanze, un\u00fcberh\u00f6rbar waren jedoch manche Sch\u00e4rfen ihrer Stimme.<br \/>\n<strong>Markus Dietz\u2019<\/strong> als Kubus fixierter Serail k\u00f6nnte \u00fcberall sein. Als ob Konstanze jemals bei Mozart von Selim Bassa handgreiflich belangt worden w\u00e4re, als ob jener aus \u00c4rger \u00fcber Konstanzes Standhaftigkeit  seine Sklavinnen beinahe zu Tode gequ\u00e4lt h\u00e4tte. (Buhrufe und Verlassen der Auff\u00fchrung war eine Reaktion). Selim Bassas Gewaltt\u00e4tigkeit macht aus ihm einen Herrscher ohne W\u00fcrde, vielmehr einen von Trieben gesteuerten Menschen. Diese Interpretation l\u00e4\u00dft die edle Tat der Begnadigung am Ende als merkw\u00fcrdige Laune erscheinen. Ein Lichtblick war die  launisch zelebrierte Fehde zwischen Osmin und Pedrillo. Nicht einleuchtend war hingegen, weshalb Pedrillo, der Liebling der Serails, rot angemalt werden mu\u00dfte. Ein guter, s\u00e4ngerfreundlicher Einfall hingegen war das Errichten eines Laufsteges vor dem Orchestergraben, auf dem die finalen Quartette bestens zu Geh\u00f6r kamen. Die gelegentlichen Auftritte aus dem Graben heraus, belebten und erweiterten die Szene.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nMusikalisch betrachtet eine h\u00f6renswerte Auff\u00fchrung, abgesehen von ein paar Schw\u00e4chen (Konstanze), sowie  etwa der h\u00e4ufig schlechten Textverst\u00e4ndlichkeit in den Arien. Die Lichtregie gefiel gut. Schlimm genug, da\u00df die Leichtigkeit des Singspiels mit fast penetrant dichten Videoeinspielungen, sowie der Umdeutung des Selim Bassa zum brutalen Triebmenschen einer psychologisierten Trag\u00f6die zum Opfer gefallen ist.<br \/>\nFelicitas Zink<\/p>\n<p>Bild: Thilo Beu<br \/>\nDas Bild zeigt: Bassa Selim (Hanno Friedrich) und Konstanze (Sigr\u00fan Palmd\u00f3ttir) in einer erzwungenen Umarmung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Singspiel in drei Aufz\u00fcgen, Libretto: J.G. Stephanie d.J., nach einer Dichtung von C.F. Bretzner, UA: 16. 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