{"id":6075,"date":"2014-12-27T16:02:25","date_gmt":"2014-12-27T15:02:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6075"},"modified":"2015-01-01T16:09:31","modified_gmt":"2015-01-01T15:09:31","slug":"koenigskinder-dresden-semperoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6075","title":{"rendered":"K\u00d6NIGSKINDER &#8211; Dresden, Semperoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Engelbert Humperdinck (1854-1921), M\u00e4rchenoper in drei Aufz\u00fcgen, Libretto: Elsa Bernstein, unter dem Pseudonym Ernst Rosmer, UA: 28. Dezember 1910 New York, Metropolitan Opera House<\/p>\n<p>Regie: Jetske Mijnssen, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Christian Schmidt, Licht: Fabio Antoci<\/p>\n<p>Dirigent: Mihkel K\u00fctsen, S\u00e4chsische Staatskapelle, S\u00e4chsischer Staatsopernchor, Einstudierung: Wolfram Tetzner, Kinderchor der S\u00e4chsischen Staatsoper, Einstudierung: Claudia Sebastian-Bartsch,<\/p>\n<p>Solisten: Tomislav Mu\u017eek (Der K\u00f6nigssohn), Barbara Senator (Die G\u00e4nsemagd), Christoph Pohl (Der Spielmann), Tichina Vaughn (Die Hexe), Michael Eder (Der Holzhacker), Tom Martinsen (Der Besenbinder), Georg Bartsch (Der Junge), Alexander Hajek (Der Wirt), Christina Bock (Die Wirtstochter), Gerald Hupach (Der Schneider), Matthias Henneberg (Der Rats\u00e4lteste), Rebecca Raffell (Die Stallmagd), T\u00e4nzerinnen der Ballettschule Semper (G\u00e4nse)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 19. Dezember 2014 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/DresdenK\u00f6nigskinder.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright  wp-image-6077\" alt=\"DresdenK\u00f6nigskinder\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/DresdenK\u00f6nigskinder.jpg\" width=\"435\" height=\"645\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/DresdenK\u00f6nigskinder.jpg 621w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/DresdenK\u00f6nigskinder-202x300.jpg 202w\" sizes=\"auto, (max-width: 435px) 100vw, 435px\" \/><\/a>Kurzinhalt <\/b><\/p>\n<p>In einer abgelegenen Waldh\u00fctte trifft ein K\u00f6nigssohn auf eine G\u00e4nsemagd. Sie lebt fernab der Zivilisation bei ihrer Ziehmutter, einer Hexe. Der Prinz findet Gefallen an dem M\u00e4dchen und will es zu seiner K\u00f6nigin machen, doch ein Bann h\u00e4lt sie zur\u00fcck. Traurig schenkt er ihr zum Abschied seine Krone. Ein Spielmann kommt aus der nahe gelegenen Stadt, erkennt in der Magd eine K\u00f6nigstochter und befreit sie. Hinter dem Prinzen ziehen bald auch der Spielmann und die Magd mit G\u00e4nsen und Krone durch das Stadttor von Hellabrunn. Die B\u00fcrger erkennen in ihnen nicht das erwartete Thronfolgerpaar und jagen sie davon. Es ist Winter geworden. Die Liebenden irren hungrig und m\u00fcde umher und enden schlie\u00dflich wieder in der Waldh\u00fctte, in der inzwischen der ebenfalls verbannte Spielmann wohnt. Jede Hilfe kommt zu sp\u00e4t; sie essen von vergiftetem Hexenbrot und enden in t\u00f6dlichem Schlaf.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung <\/b><\/p>\n<p>B\u00fchnenbild aller drei Akte ist eine gro\u00dfz\u00fcgige Eingangshalle in h\u00f6lzerner Reformarchitektur. Der Innen-raum des Hexenhauses ist zugleich Naturraum: in Schubertscher Manier ragt ein Lindenzweig durch das ge\u00f6ffnete Fenster, am Brunnen tummeln sich kindliche Komparsen als G\u00e4nse, Katzen und Tauben. Im zweiten Akt verwandelt sich der Raum in ein Luxushotel mit herrschaftlicher Treppe. Hier versammeln sich die B\u00fcrger von Hellabrunn, elegant gekleidet in der Mode der 1930er, die Frauen mit geflochtenen Haarkr\u00e4nzen &#8211; und grenzen sich allein optisch von den Fremdlingen ab. Der dritte Akt kehrt zum Anfang zur\u00fcck; der Weg der K\u00f6nigskinder endet in dem nun zerfallenen Hexenhaus, unter einer kahlen Linde, einem eingefrorenen Brunnen und herabfallendem Schnee, der alles unter sich begr\u00e4bt.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<\/b><\/p>\n<p>Stellvertretend f\u00fcr Lothar Koenigs dirigierte an diesem Abend der junge, in Tallinn geborene <b>Mihkel K\u00fctson <\/b>die S\u00e4chsische Staatskapelle<b>.<\/b> Humperdincks romantische M\u00e4rchenoper ist reich an Leitmotivik und Farbwechseln, die die Staatskapelle auch transparent und kontrastreich zur Geltung brachte. Zart und gl\u00e4nzend schufen Streicher, Glockenspiel und Harfe einen bezaubernden M\u00e4rchenklang. Die N\u00e4he zur Moderne, die die Partitur zweifellos und besonders im dritten Aufzug hat, war weniger h\u00f6rbar. Sie ging in K\u00fctsons zuweilen brachialer Dynamik unter.<\/p>\n<p>Der lyrischen, fein nuancierten Stimme von Tenor <b>Tomislav Mu\u017eek<\/b> (K\u00f6nigssohn) h\u00e4tte mehr Zur\u00fcckhaltung aus dem Graben gut getan. Darstellerisch begegnete er den inneren Konflikten und Reifeprozessen des Protagonisten eher zur\u00fcckhaltend. Unpr\u00e4tenti\u00f6s und betont m\u00e4dchenhaft verk\u00f6rperte <b>Barbara Senator <\/b>die G\u00e4nsemagd. Die Sopranistin \u00fcberzeugte durch hohe Intonationssicherheit und eine agile Stimme. <b>Tichina Vaughn<\/b> war darstellerisch virtuos und verlieh der Hexe mit ihrem rauhen Stimmkolorit ganz eigenen Charme. Mit <b>Christoph Pohl<\/b> als Spielmann kam mit heiterem <i>Tandaradei<\/i> Leben auf die B\u00fchne. Pohl beherrscht die Kunst der K\u00f6rpersprache und machte den Spielmann zur zentralen Figur des Abends. Mit weichem, klangvollem Bariton, umrahmt von den bezaubernden Stimmen des Kinderchors, brachte er die Sch\u00f6nheit dieser ergreifenden Partitur wunderbar zur Geltung. Die Rolle der Tochter des Besenbinders wurde in dieser Produktion von einem Knaben, <b>Georg Bartsch<\/b>,<b> <\/b>gesungen. Seine glockenreine, jugendlich frische Sopranstimme transportierte eine Unschuld, die dem gesellschaftskritischen St\u00fcck am Ende doch noch etwas Vers\u00f6hnliches verlieh. W\u00e4hrend seiner ber\u00fchrenden Soli schien selbst das Orchester die Luft anzuhalten. Wie immer erwies sich der <b>S\u00e4chsische Staatsopernchor, <\/b>einstudiert von Wolfram Tetzner, als Garant f\u00fcr wunderbare Auftritte.<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>Diese Weihnachtspremiere bescherte dem Publikum keine M\u00e4rchenkulisse, aber viele sch\u00f6ne Bilder. Humperdincks Oper <i>K\u00f6nigskinder <\/i>ist, im Gegensatz zu <i>H\u00e4nsel und Gretel, <\/i>ein modernes M\u00e4rchen f\u00fcr Erwachsene. Die Verfasserin des Librettos, die j\u00fcdische Autorin Elsa Bernstein, war w\u00e4hrend des Dritten Reiches im Lager Theresienstadt interniert. Diesen Kontext griff die niederl\u00e4ndische Regisseurin <b>Jetske Mijnssen<\/b> auf, indem sie das Jahrzehnte zuvor verfa\u00dfte St\u00fcck in die 1930er Jahre verlegte. Mit dem Verzicht auf platte NS-Symbolik suggerierte sie zugleich die Allgegenwart von Fremdenfeindlichkeit. Das Premierenpublikum zeigte sich von dieser klugen und unaufgeregten Inszenierung uneingeschr\u00e4nkt begeistert.<\/p>\n<p>Norma Strunden<\/p>\n<p>Bild: Matthias Creutziger<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Tomislav Mu\u017eek (Der K\u00f6nigssohn), Barbara Senator (Die G\u00e4nsemagd)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 19. 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