{"id":602,"date":"2009-03-20T21:32:44","date_gmt":"2009-03-20T19:32:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=602"},"modified":"2009-03-31T21:38:28","modified_gmt":"2009-03-31T19:38:28","slug":"hannover-staatsoper-aus-einem-totenhaus-z-mrtveho-domu","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=602","title":{"rendered":"Hannover, Staatsoper  &#8211; AUS EINEM TOTENHAUS  &#8211; Z MRTV\u00c9HO DOMU"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Leo\u0161 Jan\u00e1\u010dek (1854 \u2013 1928), Oper in 3 Akten, Libretto vom Komponisten nach Fjodor M. Dostojewskij: Aufzeichnungen aus einem Totenhaus (1862), U.A.: 12. April 1930, Nationaltheater Br\u00fcnn<br \/>\nRegie: Barrie Kosky, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Katrin Lea Tag, Licht: Susanne Reinhardt, in tschechischer Sprache mit deutschen \u00dcbertiteln<br \/>\nDirigent: Wolfgang Bozic, Chor: Dan Ratiu, Nieders\u00e4chsisches Staatsorchester Hannover, Herrenchor der Staatsoper Hannover<br \/>\nSolisten: Alexandr Petrovi\u010d Gorjan\u010dikov (Jin-Ho Yoo), Aljeja (Janos Ocsovai), Laka Kuzmi\u010d alias Filka Morozov (Robert K\u00fcnzli), Der gro\u00dfe Str\u00e4fling (Vojt\u011bch Filip), Der junge Str\u00e4fling (Stefan Zenkl), Der Platzmajor (Frank Schneiders), Der alte Str\u00e4fling (Edgar Sch\u00e4fer), Skuratov (Ivan Tur\u0161i\u0107), \u010cekunov (Wolfgang Newerla), Der betrunkene Str\u00e4fling (Roland Wagenf\u00fchrer), Der Koch (Peter Michailov), Der Schmied (Valentin Kostov), Der Pope (Keun-Sung Yook), \u010cerevin (Tadeusz Galczuk), \u0160apkin (J\u00f6rn Eichler), \u0160i\u0161kov (Brian Davis), Stimme aus der Ferne (Latchezar Pravtchev), Der Adler (Theo Hapke)<br \/>\nBesuchte Vorstellung: 15. M\u00e4rz 2009 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"hannover-aus-dem-totenhaus.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/hannover-aus-dem-totenhaus.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"hannover-aus-dem-totenhaus.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/hannover-aus-dem-totenhaus.jpg\" \/><\/a>Jan\u00e1\u010deks d\u00fcstere Oper hat keine Handlung im eigentlichen Sinne. Dostojewski hat ja selbst vier Jahre in einem sibirischen Straflager verbracht und aus dieser eigenen Erfahrung heraus werden wir gnadenlos mit Momentaufnahmen und Schlaglichtern des deprimierenden und eint\u00f6nigen Gef\u00e4ngnisalltags konfrontiert. Ein neuer H\u00e4ftling, ein feiner Herr, ein \u201ePolitischer\u201c, wird zur Begr\u00fc\u00dfung im Gulag ohne erkennbaren Anla\u00df erstmal gr\u00fcndlich verpr\u00fcgelt. Ausweglosigkeit und brutale Willk\u00fcr pr\u00e4gen das Einerlei des Daseins in Haft. Die Str\u00e4flinge erz\u00e4hlen sich gegenseitig ihre Lebensgeschichten. Frust und aufgestaute Sexualit\u00e4t explodieren in Ausbr\u00fcchen der Gewalt, wechselnd mit stumpfer Resignation. H\u00f6hepunkte im Lagerleben sind gelegentliche Theaterst\u00fccke, die den Insassen als Ventil dienen, ihnen ihre mi\u00dfliche Lage aber sozusagen noch mal extra klar machen. Die Oper wirkt \u201eunabgeschlossen\u201c im ausweglosen Rhythmus der Zwangsarbeiter, war aber von Jan\u00e1\u010dek genauso gedacht. Es gibt kein Happy-End, aber diese Oper regt den Betrachter unweigerlich zum Nachdenken an: Ist der Sinn des Strafvollzuges eigentlich, letztendlich Rache am Fehlbaren, manchmal auch am Unliebsamen &#8211; wir denken an den politischen Gefangenen &#8211; zu \u00fcben, oder zeigt sich die einer Gesellschaft innewohnende Humanit\u00e4t nicht vielmehr darin, da\u00df sie auch gegen\u00fcber dem Au\u00dfenseiter, ja sogar gegen\u00fcber dem Verbrecher, human reagieren kann?<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDas ganze \u201eGeschehen\u201c spielt sich etwa eineinhalb Stunden lang auf einem schr\u00e4ggestellten Tableau ab. Die g\u00e4ngigen Klischees von Stacheldraht und Gittern kommen nicht zum Tragen, aber man kann dieses Tableau um nichts in der Welt verlassen \u2013 das ist die unmi\u00dfverst\u00e4ndliche Botschaft! Die Aufseher oder auch Peiniger der Gefangenen sind von diesen optisch so gut wie nicht zu unterscheiden, ebenfalls auf ihre Art Gefangene eines unmenschlichen Systems. Da f\u00e4llt einem die Geschichte vom Affen im Zoo ein: Dem Affen erscheinen wir als diejenigen, die hinter Gittern sind.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nDie Inszenierung in B\u00fchne und Kost\u00fcmen von <strong>Katrin Lea Tag<\/strong>  stammt vom Australier <strong>Barrie Kosky<\/strong>, der an der Wiener Staatsoper einen umstrittenen Lohengrin gemacht hat, und in Hannover nichts Geringeres als den RING vorhat. <strong>Wolfgang Bozic<\/strong> am Pult des <strong>Nieders\u00e4chsischen Staatsorchester<\/strong>s hat Jan\u00e1\u010deks nicht ganz leicht zu verdauende dramatisch-fesselnde Musik mit Macht und Emotionalit\u00e4t wiedergegeben. Gl\u00e4nzend der Herrenchor, einstudiert von <strong>Dan Ratiu<\/strong>. Alle 18 Hauptdarsteller zu besprechen, w\u00fcrde den Rahmen dieser Rezension sprengen, so kann man nur ein paar herausragende Darsteller w\u00fcrdigen, ohne an der gro\u00dfartigen Gesamtleistung aller irgend etwas schm\u00e4lern zu wollen. Hervorheben m\u00f6chte ich <strong>Jin-Ho Yoo<\/strong> als politischer H\u00e4ftling Gorjan\u010dikow, aber auch <strong>Janos Ocsovai<\/strong> als (m\u00e4nnliche) Nutte Aljeja. Besondere Leistungen auch von <strong>Robert K\u00fcnzli<\/strong> als Kuzmi\u010d alias Morozov und immer wieder gro\u00dfe Klasse <strong>Frank Schneider<\/strong>s als Platzmajor.<br \/>\n<strong>Fezit<\/strong><br \/>\nViel Beifall f\u00fcr alle, heute auch mal f\u00fcr\u2019s Regieteam.<\/p>\n<p>Dr. R\u00fcdiger Ehlert<br \/>\nBild: Thomas M. Jauk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Leo\u0161 Jan\u00e1\u010dek (1854 \u2013 1928), Oper in 3 Akten, Libretto vom Komponisten nach Fjodor M. 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