{"id":6008,"date":"2014-11-10T17:52:51","date_gmt":"2014-11-10T16:52:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6008"},"modified":"2014-11-19T17:58:20","modified_gmt":"2014-11-19T16:58:20","slug":"carmen-dessau-anhaltisches-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6008","title":{"rendered":"CARMEN &#8211; Dessau, Anhaltisches Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von George Bizet (1838-1875), Op\u00e9ra comique in 4 Akten, Libretto: Henri Meilhac und Ludovic Hal\u00e9vy, UA: 3. M\u00e4rz 1875 Paris, Op\u00e9ra-Comique (Salle Favart)<\/p>\n<p>Regie\/B\u00fchne: Jana Eimer, Kost\u00fcme: Katja Schr\u00f6pfer<\/p>\n<p>Dirigent: Daniel Carlberg, Anhaltische Philharmonie Dessau, Opernchor, Extrachor und Kinderchor des Anhaltischen Theaters Dessau, Choreinstudierung: Helmut Sonne und Dorislava Kuntscheva<\/p>\n<p>Solisten: Marcel Reijans (Don Jos\u00e9), Ulf Paulsen (Escamillo), Rita Kapfhammer (Carmen), Cornelia Marschall (Mica\u00ebla), Katharina G\u00f6res (Frasquita), Anne Weinkauf (Merc\u00e9d\u00e8s), Adam Fenger (Danca\u00efro), David Ameln (Remendado), Andre Eckert (Zuniga), Pawel Tomczak (Moral\u00e8s)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 8. November 2014 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Dessau-Carmen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6009\" alt=\"Dessau Carmen\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Dessau-Carmen.jpg\" width=\"658\" height=\"439\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Dessau-Carmen.jpg 658w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Dessau-Carmen-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 658px) 100vw, 658px\" \/><\/a>Kurzinhalt<br \/>\n<\/b>Nach einem Streit unter den Arbeiterinnen einer Zigarettenfabrik, den Carmen verursachte, wird sie festgenommen. Brigadiers Don Jos\u00e9, der sie beaufsichtigt, l\u00e4\u00dft sie fliehen. Jos\u00e9 wird degradiert und arretiert. Als er freikommt bedr\u00e4ngt ihn Carmen, sich mit ihr den Schmugglern anzuschlie\u00dfen und das Leben als Soldat aufzugeben. Jos\u00e9 schlie\u00dft sich der Bande an, doch Carmen wendet sich nun dem ber\u00fchmten Torero Escamillo zu. Als Jos\u00e9 Carmen vor Escamillos gro\u00dfen Stierkampf bedr\u00e4ngt, gibt sie ihm den Laufpa\u00df. Blind vor Eifersucht, t\u00f6tet Jos\u00e9 die Geliebte.<\/p>\n<p><b>Vorbemerkung<br \/>\n<\/b>Jana Eimer hat eine \u201eneue\u201c Dialogfassung erstellt, die sich auf die Novelle von Prosper M\u00e9rim\u00e9e bezieht. Darin erz\u00e4hlt Don Jos\u00e9 in einem R\u00fcckblick alle Ereignisse mit Carmen. Dabei verbla\u00dft alles in der Erinnerung. Diese wird irreal, so da\u00df sich die Einheit von Ort und Zeit auf hebt.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung<br \/>\n<\/b>Am Anfang und am Ende steht Don Jos\u00e9 einsam vor dem eisernen Vorhang: Ein Schauspieler beschreibt mit trockenen Worten seine Lage. Wahrend des Vorspiels sehen wir Szenen aus der Kindheit des Don Jos\u00e9. Dieser hatte eine dominant strenge Mutter. Weiterhin wird Jos\u00e9s Beziehung zu Mica\u00ebla geschildert. Das B\u00fchnenbild zeigt keine konkreten Orte, sondern nur eine kreuzf\u00f6rmig schr\u00e4g ansteigende Plattform, die durch Drehung immer neue Perspektiven erzeugt, auf die Seitenfl\u00e4chen werden Bilder von Franz von Stuck projiziert. Diese Jugendstil-Bilder des M\u00fcnchner Symbolismus wie <i>Sisyphus<\/i> entfalten eine mystisch irreal imagin\u00e4re, aber stets passend kommentierende Wirkung. Die Kost\u00fcme entstammen ungef\u00e4hr der Entstehungszeit, sind der traditionellen spanischen Kleidung verhaftet. Escamillo reitet effektvoll als Torero auf einem gro\u00dfen Plastikstier herein, Mica\u00ebla ist eine Heilige mit Heiligenschein.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<br \/>\nDaniel Carlberg<\/b> gelingt es \u2013 in Zusammenarbeit mit der kongenialen Spielhandlung \u2013 die Carmen als einen tiefenpsychologischen Verzweiflungsschrei, als musikalisches Drama und nicht \u2013 wie gemeinhin \u2013 als heiteres, folkloristisches Historienspiel ohne Tiefgang zu vermitteln. Die Ballett-Einlagen, der Haba\u00f1era, Seguidilla, Fandango (im <i>Zigeunerlied<\/i>) und Malaguena (Zwischenspiel 4. Akt), werden zwar als solche erkannt und k\u00f6nnen dennoch als getanzte symphonische Dichtungen gesehen werden. Schon das langsame abgek\u00fchlte Vorspiel macht den Beginn des Dramas deutlich. Die Anforderungen an die Hauptrollen sind hoch: Carmen mu\u00df im Auftrittslied, der Haba\u00f1era<i>,<\/i> laszive Erotik verstrahlen und Escamillo technisch sauber die Spr\u00fcnge in seinem Torero<i>&#8211;<\/i>Lied treffen. Da liegt <b>Rita Kapfhammer<\/b> genau richtig. Ihr Mezzo ist klangsch\u00f6n, elastisch und beweglich. Ihr unersch\u00f6pfliches Stimmvolumen und Ton-Umfang fesselt von der ersten Note an. Leider ist an diesem Abend <b>Ulf Paulsen<\/b> indisponiert, er macht aber deutlich, da\u00df er den Anforderungen gerecht werden k\u00f6nnte: In der n\u00e4chsten Vorstellung: <i>Tor\u00e9ador en garde \u2013 Nimm Haltung an, Torero!<\/i> <b>Marcel Reijans<\/b> (Don Jos\u00e9) hat das stimmliche Format, um den Part mit der entsprechenden stimmlichen Dramatik zu gestalten. Die hohen T\u00f6ne kommen m\u00fchelos, im Piano klingt er samten, und er kann im Forte viel Strahlkraft aufbringen. <b>Cornelia Marschall<\/b> kann als Mica\u00ebla einer verklemmten Heiligen doch Gef\u00fchle abringen \u2013 mit warmer und weicher lyrischer Stimme, technisch sauber und leuchtend in den hohen Lagen. Die Nebenrollen und der Chor komplettieren das gute Zusammenspiel im Ensemble \u2013 besonders der bestens eingestellte und harmonierende Kinderchor.<\/p>\n<p><b>Fazit<br \/>\n<\/b>Ein rabenschwarzer dramatischer Opernabend geht mit einem Messerstich zu Ende. Die szenische D\u00fcsternis und die im Mittelpunkt stehende Verzweiflung des Don Jos\u00e9 fesseln den Zuh\u00f6rer. Das St\u00fcck gewinnt an dramatischer Tiefe und auch musikalisch denkt man weniger an die Opera Comique als an die Untiefen Verdis (<i>Otello<\/i>) oder Wagners (<i>Tristan und Isolde<\/i>). Am Ende tosender Applaus eines Publikums, das auch die deutlich l\u00e4ngere Spielfassung (mit den Einleitungsmonologen ergeben sich dreieinhalb Stunden Spieldauer) nicht davon abh\u00e4lt, intensiv einen herausragenden Opernabend zu feiern.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Claudia Heysel<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Mitte: v.l.n.r. Katharina G\u00f6res (Frasquita), Rita Kapfhammer (Carmen), Anne Weinkauf (Merc\u00e9d\u00e8s), Opernchor<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 8. 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