{"id":5987,"date":"2014-11-02T21:13:25","date_gmt":"2014-11-02T20:13:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5987"},"modified":"2014-11-09T21:21:13","modified_gmt":"2014-11-09T20:21:13","slug":"der-rosenkavalier-weimar-nationaltheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5987","title":{"rendered":"DER ROSENKAVALIER &#8211; Weimar, Nationaltheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Strauss (1864-1949), Kom\u00f6die f\u00fcr Musik in drei Aufz\u00fcgen, Libretto: Hugo von Hofmannsthal, UA: 26. Januar 1911 Dresden, Semperoper<\/p>\n<p>Regie: Vera Nemirova, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Tom Musch<\/p>\n<p>Dirigent: Stefan Solyom, Staatskapelle Weimar, Chor des DNT, <i>Die Ameisenkinder<\/i> (Kinderchor) des Goethegymnasiums Weimar<\/p>\n<p>Solisten: Johanni van Oostrum (Feldmarschallin), Dirk Aleschus (Baron Ochs auf Lerchenau), Katarina Giotas (Octavian), Uwe Schenker-Primus (Herr von Faninal), Elisabeth Wimmer (Sophie), Heike Porstein (Jungfer Marianne), J\u00f6rn Eichler (Valzacchi), Sayaka Shigeshima (Annina), Jaesig Lee (Ein S\u00e4nger) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 31. Oktober 20014 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Weimar_Rosenkavalier.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5988\" alt=\"DNT Weimar \/ DER ROSENKAVALIER von Richard Strauss \/ Musikalische Leitung: Stefan Solyom \/ Regie: Vera Nemirova \/ B\u00fchne und Kost\u00fcme: Tom Musch \/ Premiere: 31.10.2014, Gro\u00dfes Haus \/ auf dem Foto: Elisabeth Wimmer (Sophie), Katarina Giotas (Octavian) \/ Foto: Vincent Leifer\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Weimar_Rosenkavalier.jpg\" width=\"568\" height=\"378\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Weimar_Rosenkavalier.jpg 568w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Weimar_Rosenkavalier-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 568px) 100vw, 568px\" \/><\/a>Kurzinhalt<br \/>\n<\/b>Die Feldmarschallin hat eine Aff\u00e4re mit dem jungen Octavian. Da platzt der Baron Ochs herein. Um die Situation zu vertuschen verkleidet sich Octavian als Kammerzofe. Baron Ochs macht ihr den Hof, obwohl er sich mit Sophie verloben will. F\u00fcr die Brautwerbung schl\u00e4gt die Feldmarschallin Octavian als Rosenkavalier vor. Als Octavian Sophie besagte Rose \u00fcberbringt, verlieben sich beide ineinander. Hingegen ist Ochs Verhalten gegen\u00fcber Sophie so r\u00fcpelhaft (Octavian geht auf Ochs los), da\u00df sie seinen Heiratsantrag ablehnt.\u00a0 Die Kammerzofe (d.h. Octavian) verwickelt bei einem Stelldichein Ochs in ein peinliches Possenspiel, das sogar die Polizei auf den Plan ruft. Deswegen zwingt die Feldmarschallin Baron Ochs zum Verzicht auf Sophie. Schlie\u00dflich mu\u00df sie schweren Herzens auf Octavian verzichten.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung<br \/>\n<\/b>Das B\u00fchnenbild besteht aus zwei halbkreisf\u00f6rmigen Furnierw\u00e4nden: Die \u00e4u\u00dfere Wand bildet den Hintergrund, w\u00e4hrend die innere verschiebbar ist. Diese innere Wand enth\u00e4lt auch Fenster mit Rollos, durch die im ersten Akt der Haushofmeister und die Bittsteller ungeniert Einblick auf das Liebesspiel nehmen. Im zweiten Akt formt die innere Wand an der Decke eine Galerie, schafft Raum f\u00fcr den gro\u00dfen Festsaal mit zwei Tischreihen, an der Wand keine Bilder, sondern Schweineh\u00e4lften, auf einem Tisch wird sich Ochs hinlegen, um sich von seiner Verletzung zu erholen. Im dritten Akt bilden die besch\u00e4digten W\u00e4nde Auftrittsfl\u00e4chen f\u00fcr die Geister und den Kinderchor. Auf dem gro\u00dfen roten \u201eLiebesspiel-Sofa\u201c nehmen am Schlu\u00df Sophie und Octavian Platz, um sprachlos unter den Blicken der Ahnen aus den (Fenster-) Bilderrahmen ihren Lebensabend zu verbringen, w\u00e4hrend der Moor sich die Schminke mit einem wei\u00dfen Taschentuch aus dem Gesicht wischt und sich als Valzacchi zu erkennen gibt. Die Kost\u00fcme sind kunterbunt aus allen Moden zwischen Barock und Heute entnommen. Besonders neuzeitlich geschmacklos kleidet sich Ochs, das fettige Haar ist nicht gewaschen. Mit dem Ruf <i>Mir wird ganz hei\u00df<\/i> entledigt er sich dieser Per\u00fccke.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<br \/>\n<\/b>Der Premierenabend ist gepr\u00e4gt von \u00e4u\u00dferster Nervosit\u00e4t, mit zus\u00e4tzlichen Proben wird sich das sicherlich geben. Denn viele Eins\u00e4tze (auch mit den Chor) h\u00e4ngen \u2013 und die Darsteller h\u00e4ngen mit dem Blick am Dirigenten. Dabei ist die musikalische Interpretation von <b>Stefan<\/b> <b>Solyom <\/b>durchgehend stringent und zielgerichtet, jedoch f\u00fchren die st\u00e4ndigen Tempowechsel doch irgendwann einmal zu einem Spannungsverlust. So wirkt die Auseinandersetzung zwischen Ochs, Sophie und Octavian im zweiten Akt eher langatmig, vielleicht auch wegen der Spielfassung. Beim Finalterzett setzt er zu viel Drang und Dynamik ein, und f\u00fcr <i>die<\/i> <i>Zeit ist ein sonderbar Ding<\/i> w\u00e4re eine langsamere, subtilere Gestaltung w\u00fcnschenswert. Oder weil sich <b>Dirk Aleschus<\/b> nicht ansagen l\u00e4\u00dft, obwohl er h\u00f6rbar indisponiert ist. Daf\u00fcr klingt die Stimme (noch) dunkler, durchschlagskr\u00e4ftiger. Eben ein Ochs von echtem \u00f6sterreichischem Landadel, voll Schrot und Korn \u2013 er war das Cover f\u00fcr die Rolle in Salzburg. Noch beeindruckender die Darstellung einer jugendlich naiven Sophie durch <b>Elisabeth Wimmer<\/b>, die aber mit Nachdruck und etwas hart fokussierender Stimme ihren Willen durchsetzt. Ebenso draufg\u00e4ngerisch <b>Katarina Giotas<\/b> als Oktavian mit wundersch\u00f6nem leuchtend klarem Mezzo. Sie bindet sich auch stimmlich wunderbar in Duette mit der Marschallin ein, jedoch die Stimme umschreibt keine m\u00e4nnliche Nuancen und wirkt leider fehl am Platz. Doch die Stimme ist kongenial mit der Marschallin <b>Johanni van Ostrum<\/b>. Auch sie wirkt jugendlich, verf\u00fcgt aber \u00fcber deutlich mehr Durchschlagskraft und kann mit sanfter Wehmut und leisen T\u00f6nen ber\u00fchrend \u00fcber die <i>Jungen Leut<\/i> nachdenken. <b>Uwe Schenker-Primus<\/b> spielt einen sehr gewichtigen Herrn von Faninal, gestaltet eine Hauptrolle daraus mit sicherer tiefer Stimme viel Leuchtkraft und beeindruckt mit absoluter Textverst\u00e4ndlichkeit. <b>Heike Porstein<\/b> ist mit ihrem harten kr\u00e4ftigen Sopran eher die Herrin des Hauses als die freundliche Gouvernante Jungfer Marianne. Trotz der Sparma\u00dfnahmen in Th\u00fcringen gelingt eine hervorragende Besetzung bis in die Nebenrollen, z.B. <b>Jaesig Lee<\/b> gestaltet die Rolle des S\u00e4ngers wie es sein soll: Strahlend hell und mit viel lyrischem Schmelz in der Kehle.<\/p>\n<p><b>Fazit<br \/>\n<\/b>Strau\u00df bezeichnete seinen Rosenkavalier als <i>Kom\u00f6die mit Musik<\/i>. Gelacht werden darf durchaus, allerdings hier \u00fcber einen lustigen Softporno \u00e0 la \u201eEis am Stil\u201c, womit auch wirklich alles \u00fcber das Niveau der Regie von <b>Vera Nemirova<\/b> gesagt w\u00e4re: W\u00e4hrend der Haushofmeister noch selbst Hand anlegt, greift Jungfer Marianne Herrn von Faninal in die Hose bis sie ruft<i> Er kommt<\/i>! L\u00fcstern beobachtet die Gesellschaft das Liebesspiel der Feldmarschallin mit ihrem Geliebten, sogar fotografiert wird eifrig. Musikalisch hingegen ist die Produktion herausragend besetzt! Da\u00df Octavian nicht als Mann \u00fcberzeugen kann, liegt auch in der Personenregie begr\u00fcndet, die die Rolle androgyn sieht \u2013 laut Programmheft. Handwerklich ungeschickt plaziert, singt das Ensemble am B\u00fchnenportal, w\u00e4hrend vieles im Hintergrund spielt \u2013 und so einem Teil des Publikums aus Gr\u00fcnden der Perspektive verborgen bleibt \u2013 zum Gl\u00fcck! Das Publikum feiert das Musiktheaterensemble heftig \u2013 f\u00fcr das Regie-Team gibt es teils heftige Buh-Rufe.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Vincent Leifer<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Elisabeth Wimmer (Sophie), Katarina Giotas (Octavian)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 31. 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