{"id":5978,"date":"2014-10-18T21:00:34","date_gmt":"2014-10-18T20:00:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5978"},"modified":"2014-11-07T21:06:18","modified_gmt":"2014-11-07T20:06:18","slug":"iphigenie-auf-tauris-gera-buehnen-der-stadt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5978","title":{"rendered":"IPHIGENIE AUF TAURIS &#8211; Gera, B\u00fchnen der Stadt"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Christoph Willibald Gluck (1714-1787), Trag\u00e9die in 4 Akten, Libretto: Nicolas-Fran\u00e7ois Guillard, nach Euripides; UA: 18. Mai 1779 Paris, Op\u00e9ra<\/p>\n<p>Regie, B\u00fchne: Elmar Gehlen, Kost\u00fcme: Martina Feldmann<\/p>\n<p>Dirigent: Laurent Wagner, Philharmonisches Orchester Altenburg-Gera, Opernchor von Theater\u00a0 und Philharmonie Th\u00fcringen<\/p>\n<p>Solisten: Anne Preu\u00df (Iphig\u00e9nie), Max An (Orest), Jueun Jeon (Pylades), Kai Wefer (Thoas), Akiho Tsujii (Priesterin), Sin Ae Choi (Diana), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 17. Oktober 2014 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Gera-Iphigenie-Tauris.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5979\" alt=\"Theater&amp;Philharmonie Th\u00fcringen IPHIGENIE AUF TAURIS Oper von Chr. W. Gluck Premiere: 1. Juni 2014 Landestheater Altenburg Musikalische Leitung: GMD Laurent Wagner Regie und B\u00fchne: Elmar Gehlen Kost\u00fcme: Martina Feldmann Anne Preu\u00df (Iphigenie) Max An (Orest) Damen des Opernchores Foto: Stephan Walzl\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Gera-Iphigenie-Tauris.jpg\" width=\"606\" height=\"409\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Gera-Iphigenie-Tauris.jpg 606w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Gera-Iphigenie-Tauris-300x202.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 606px) 100vw, 606px\" \/><\/a>Kurzinhalt<br \/>\n<\/b>Auf Tauris dient Iphig\u00e9nie der G\u00f6ttin Diane als Oberpriesterin. Zu ihren Pflichten geh\u00f6rt die Opferung jedes Fremden, der Tauris betritt. Durch einen Sturm stranden Orest und sein Gef\u00e4hrte Pylades auf Tauris und sollen geopfert werden. Orest wird, seit er den Tod des Vaters durch die Ermordung der Mutter Klytemnestra r\u00e4chte, von Furien verfolgt. Als er Iphig\u00e9nie begegnet, jedoch nicht erkennt, da er sie f\u00fcr tot h\u00e4lt, berichtet er von den furchtbaren Ereignissen im Vaterhaus. Iphig\u00e9nie will den Fremden, der sie an den Bruder erinnert, retten und mit einer Botschaft zur Schwester schicken. Doch Orest droht mit seinem Selbstmord, bis sie Pylades schickt. Iphig\u00e9nie erkennt Orest, aber K\u00f6nig Thoas ist erz\u00fcrnt \u00fcber die Flucht von Pylades und Iphig\u00e9nies Verweigerung der Opferung. Rechtzeitig kehrt Pylades zur\u00fcck, Diana beendet den Kampf und gew\u00e4hrt den Geschwistern die Heimfahrt nach Mykene.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung<br \/>\n<\/b>Innere Spannungen stehen in dem Seelendrama im Mittelpunkt, daher ben\u00f6tigt es auch keine gro\u00dfe Ausstattung. Das dunkel d\u00fcster gehaltene B\u00fchnenbild besteht aus einer schmucklosen steinernen Rampe (flankiert von dorischen S\u00e4ulen), die zugleich Tempel, Strand oder Stadt ist. Ein gro\u00dfer Spiegel erm\u00f6glicht den Blick hinter die Rampe, so da\u00df man sieht, wer kommt, oder, was in der Zukunft passieren wird &#8211; das Orakel l\u00e4\u00dft gr\u00fc\u00dfen. Die Kost\u00fcme und Frisuren sind teilweise dem Bild einer griechischen Trag\u00f6die angelehnt: Iphigenie tr\u00e4gt ein klassisches wei\u00dfes Priesterinnengewand, die Erinnyen eine rote Per\u00fccke und eine Maske aus einem Pferde-Skelettsch\u00e4del. Thoas ist in einen langen Mantel mit Schurwollkragen geh\u00fcllt, das Diana-Bildnis ist in sein Zepter integriert, dieses nehmen die Griechen mit nach Mykene.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<br \/>\n<\/b>Musikalisch ist dieser Abend sicherlich eine erfolgreiche Umsetzung der aktuellen barocken Auff\u00fchrungspraxis. Vater des Erfolges ist GMD Laurent Wagner, der das Philharmonische Orchester auf die wesentlichen Merkmale barocker Musik eingestellt hat. Farbenreichtum, fein ausgewogene Lautst\u00e4rke- und Tempowechsel verbildlichen die Gef\u00fchle, die die Hauptdarsteller auf der B\u00fchne darstellen. Die Ballett-Einlagen sind musikalisch erfrischend heiter musiziert, das funktioniert auch ohne Ballett-Einlagen auf der B\u00fchne. Durch die Einheit zwischen B\u00fchne und Orchester werden die Abgr\u00fcnde in den menschlichen Seelen f\u00fchlbar. Auch entspricht es der barocken Auff\u00fchrungspraxis, da\u00df die Streicher ohne Vibrato spielen. Sie klingen dadurch h\u00e4rter und aus heutigen Klanggewohnheiten heraus \u201eunsauber\u201c. Aber genau das macht die historische Klangwirkung aus. Das alles macht deutlich weshalb dies eine Reformoper ist! Auch das S\u00e4ngerensemble stellt sich darauf ein, kommt mit der dynamischen Gestaltung der Da-capo-Arien gut zurecht. Wie <b>Anne Preu\u00df<\/b> als Iphigenie. Stark in den dramatischen Momenten, lyrisch verhalten mit technischem Glanz in den nachdenklichen Momenten. Ebenso ausdrucksstark <b>Max An<\/b> als Orest, der sich im italienisch-franz\u00f6sischen Fach mit klarer H\u00f6he empfahl. Dagegen kann sich <b>Jueun<\/b> <b>Jeon <\/b>als Pylades nicht durchsetzen. Seine H\u00f6hen sind tremolierend unsch\u00f6n. Thoas ist ein Gewaltmensch. <b>Kai Wefer<\/b> leiht diesem Unsympathen seine Stimme und f\u00fchrt die Arien an die Grenze zwischen Hochdramatik und Durchschlagskraft der Stimme. <b>Sin Ae Choi<\/b> als Diana hat nur einen kurzen Auftritt mit einer Arie und kann die G\u00f6ttin glaubhaft verk\u00f6rpern.<\/p>\n<p><b>Fazit<br \/>\n<\/b>Eigentlich mu\u00df man f\u00fcr jede Vorstellung in Gera (und Altenburg) dankbar sein. Weil nach den rigiden Sparma\u00dfnahmen \u201eTheater an sich\u201c fast nicht mehr m\u00f6glich schien. Nun ist es gelungen beide Spielst\u00e4dten und das \u201ebis aufs Skelett\u201c ausged\u00fcnnte Musiktheaterensemble samt Orchester zu erhalten. Auf Kosten des Personals, das immer weniger verdient. Ein Ensemble, das aufgrund der Leistung des Abends gr\u00f6\u00dfte Achtung verdient hat. Laurent Wagner, weil er auch ohne barocke Zusatzinstrumente sein Orchester auf barocke Klangbilder einstimmen kann. Solisten, die schwere Partien innerhalb weniger Tage singen, wie Anne Preuss, die Iphigenie und die Marschallin im Rosenkavalier singt. Nur die Geraer B\u00fcrgerschaft hat das noch nicht bemerkt, obwohl sie doch, um ihr Theater auch in Zukunft zu halten, massiv hinter ihrem Theater stehen m\u00fc\u00dfte. So war die Premiere in Gera nicht \u00fcberlaufen, die K\u00fcnstler wurden jedoch hinterher einhellig bejubelt.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Stephan Walzl<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Orest (Max An) wird zun\u00e4chst von den Priesterinnen willkommen gehei\u00dfen. Das blutgetr\u00e4nkte Gewand der Iphigenie (Anne Preu\u00df) bemerkt er zun\u00e4chst nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 17. Oktober 2014 (Premiere), Eigentlich mu\u00df man f\u00fcr jede Vorstellung in Gera (und Altenburg) dankbar sein. 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