{"id":596,"date":"2009-03-24T21:57:52","date_gmt":"2009-03-24T19:57:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=596"},"modified":"2009-03-28T22:03:54","modified_gmt":"2009-03-28T20:03:54","slug":"erfurt-theater-das-kathchen-von-heilbronn","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=596","title":{"rendered":"Erfurt, Theater &#8211; DAS K\u00c4THCHEN VON HEILBRONN"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Carl Reinthaler (1822-1896); Oper in vier Akten von Heinrich Bulthaupt nach dem Schauspiel von Kleist; UA: 1881, Frankfurt.<br \/>\nRegie: Peter Hailer, B\u00fchnenbild: Hank Irwin Kittel<br \/>\nDirigent: Samuel B\u00e4chli, Philharmonisches Orchesters Erfurt<br \/>\nSolisten: Richard Carlucci (Graf vom Strahl), Ilia Papandreou (Kunigunde), Peter Sch\u00f6ne (Rheingraf), M\u00e1t\u00e9 S\u00f3lyom-Nagy (Theobald Friedeborn, Waffenschmied), Marisca Mulder (K\u00e4thchen, seine Tochter), J\u00f6rg Rathmann (Gottschalk), Alice Rath (Leonore), Vazgen Ghazaryan (T\u00fcrmer)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 21. M\u00e4rz 2009 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"erfurt-katchen-von-heilbron.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/erfurt-katchen-von-heilbron.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"erfurt-katchen-von-heilbron.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/erfurt-katchen-von-heilbron.jpg\" \/><\/a>Kleists K\u00e4thchen von Heilbronn kennt jeder, die Oper von Reinthaler niemand \u2013 bis zum 21.M\u00e4rz 2009, der Premiere am Theater Erfurt. Allerdings hat der Librettist Heinrich Bulthaupt die Handlungsstr\u00e4nge deutlich reduziert und sich auch von der Sprache Kleists entfernt:<br \/>\nK\u00e4thchen liebt den Grafen vom Strahl seit er ihr im Traum erschienen ist. Als der  Graf nach dem Sieg \u00fcber den Rheingrafen die Schmiede ihres Vaters betritt, folgt sie dem Grafen. Als sie beobachtet, wie der Graf in die F\u00e4nge der heuchlerischen Kunigunde ger\u00e4t, will sie ins Kloster, aber ihr Vater vermag sie zur\u00fcckzuhalten. Als K\u00e4thchen von einem Angriff des Rheingrafen auf Kunigunde erf\u00e4hrt, eilt sie zur\u00fcck, um zu warnen. Der Rheingraf steckt die Burg in Brand, dabei versucht Kunigunde K\u00e4thchen in eine t\u00f6dliche Falle zu locken, sie wird jedoch gerettet. Der Graf erkennt die Bosheit Kunigundes und heiratet K\u00e4thchen.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nSchon zu Anfang wird klar, da\u00df die Inszenierung in der Jetztzeit spielt &#8211; der Auftritt der Hundestaffel und die moderne Ausstattung verdeutlicht dies: Kunigunde ist eine Latex-Domina, der Rheingraf wird im Rollstuhl \u00fcber die B\u00fchne gerollt. Der Waffenschmied ist devoter Untergebener des Grafen, aber Herr \u00fcber ein Eisenwerk mit vielen Arbeitern, mit denen er sich bei der Essensausgabe in der Kantine trifft. K\u00e4thchen ist eine sch\u00fcchterne, graue Maus, sie ist genauso wie der meist v\u00f6llig emotionslose Graf vom Strahl mit einer h\u00e4\u00dflichen Per\u00fccke geschlagen. Die Personen stehen auf der fast leeren B\u00fchne herum, Beziehungen werden meist nur in der Musik deutlich. Bewegung kommt eigentlich nur bei den Auftritten des Chors auf, ob als Arbeiter im Eisenwerk, als Soldaten in wei\u00dfen Lack-Uniformen oder als Volk in wei\u00dfer Kleidung mit blonden Per\u00fccken. Der Brand des Schlosses Kunigundes wird nur durch Licht im Zuschauerraum und ein paar sich auf die B\u00fchne senkende Stahltr\u00e4ger deutlich. Nachdem sich f\u00fcr K\u00e4thchen nach dem Brand der Vorhang schon fast geschlossen hat, wird er von Gottschalk w\u00e4hrend seiner Arie \u00fcber die Zeit wieder ge\u00f6ffnet \u2013 f\u00fcr das Happy End.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\n<strong>Samuel B\u00e4chli <\/strong>hat ein wirkliches H\u00e4ndchen f\u00fcr die Romantik, f\u00fcr ihre Musik gewordene Gef\u00fchlswelt und setzt dies mit furiosem Crescendos (mit manchmal etwas zu viel Lautst\u00e4rke) um. Mit dieser Leistung pr\u00e4destiniert er sich f\u00fcr h\u00f6here (Wagner-)Weihen. <strong>Richard Carlucci<\/strong> (Graf vom Strahl) ist ein Tenor mit gutem Ansatz, dem ein wenig die Strahlkraft und eine verst\u00e4ndliche Aussprache fehlt. F\u00fcr einen Wechsel ins Wagnerfach mu\u00df er sich noch verbessern. <strong>Ilia Papandreous <\/strong>Kunigunde war wohlklingend und ihr dramatischer Sopran konnte mehr \u00fcberzeugen als <strong>Marisca Mulder<\/strong> als K\u00e4thchen, die ihre Rolle voll aussingt, aber ihr etwas zu dramatischer Sopran wird in der H\u00f6he sehr eng. Der Bariton <strong>Peter Sch\u00f6ne <\/strong>war ein bitterb\u00f6ser Rheingraf mit herrlich schwarzem Timbre. Der Spiel-Bariton <strong>M\u00e1t\u00e9 S\u00f3lyom-Nagy<\/strong>  konnte wieder als unauff\u00e4lliger Untergebener \u00fcberzeugen. Entdeckung des Abends war der am Haus eher als Operetten-Tenor eingesetzte <strong>J\u00f6rg Rathmann<\/strong>, der seine beiden gro\u00dfen Auftritte mit sicherer H\u00f6he absolvierte. \u00c4hnliches kann man von <strong>Vazgen Ghazaryan<\/strong> behaupten, dem man in der kommenden Premiere die Hauptrolle aus Boitos Mefistofele zutraut.<br \/>\nDer Regisseur <strong>Peter Haile<\/strong>r verzichtet auf romantisierendes Brimborium und konzentriert sich auf die Charakterisierung der Personen, ihre Beziehung zueinander und die jeweilige Situation.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nMinutenlanger Applaus f\u00fcr alle Beteiligten f\u00fcr einen gro\u00dfen Abend am Theater Erfurt, f\u00fcr die (mit viel Einsatz!) erreichte Wiedergeburt einer vergessenen Oper. Man konnte feststellen, da\u00df sich zwar ab und an einige Wagner-Kl\u00e4nge einschleichen, jedoch ein eigenst\u00e4ndiges Werk der Romantik vorliegt, das eher dem Stil Brahms folgt. Eine wirkliche Konkurrenz zum Werk Wagners ist nicht zu f\u00fcrchten, aber immerhin hat sie es seinerzeit zu einer Privatvorstellung f\u00fcr Ludwig II. gebracht \u2013 und Reintaler eindeutig als Wagner-Zeitgenossen qualifiziert. Ein Besuch in Erfurt ist m.E. f\u00fcr alle Romantiker oder Wagner-Fanatiker Pflicht.<br \/>\nOliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: L. Edelhoff<br \/>\nBildlegende:  Die Latex-Domina Kunigunde beobachtet das Treffen von K\u00e4thchen und Graf vom Strahl.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Carl Reinthaler (1822-1896); Oper in vier Akten von Heinrich Bulthaupt nach dem Schauspiel von Kleist; UA: 1881, Frankfurt. 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