{"id":5915,"date":"2014-10-07T16:05:33","date_gmt":"2014-10-07T15:05:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5915"},"modified":"2014-10-21T16:10:03","modified_gmt":"2014-10-21T15:10:03","slug":"die-walkuere-dessau-anhaltisches-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5915","title":{"rendered":"DIE WALK\u00dcRE &#8211; Dessau, Anhaltisches Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883), Musikdrama in drei Aufz\u00fcgen, Erster Tag des B\u00fchnenfestspiels Der Ring des Nibelungen, Libretto vom Komponisten, UA: 26. Juni 1870 M\u00fcnchen, Kgl. Hof- und Nationaltheater<\/p>\n<p>Regie: Andre B\u00fccker, B\u00fchne: Jan Steigert, Kost\u00fcme: Suse Tobisch, Projektionen: Frank Vetter<\/p>\n<p>Dirigent: Antony Hermus, Anhaltische Philharmonie Dessau<\/p>\n<p>Solisten: Robert K\u00fcnzli (Siegmund), Stephan Klemm (Hunding), Ulf Paulsen (Wotan), Angelina Ruzzafante (Sieglinde), Iordanka Derilova (Br\u00fcnnhilde), Rita Kapfhammer (Fricka), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 5. Oktober 2014 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Dessau-Walkuere.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5916\" alt=\"Dessau Walkuere\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Dessau-Walkuere.jpg\" width=\"667\" height=\"445\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Dessau-Walkuere.jpg 667w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Dessau-Walkuere-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 667px) 100vw, 667px\" \/><\/a>Kurzinhalt<br \/>\n<\/b>Der verfolgte W\u00e4lsunge Siegmund findet bei der verlorengeglaubten Zwillingsschwester Sieglinde Zuflucht und zeugt Siegfried. Fricka verlangt S\u00fchne f\u00fcr Ehebruch und Blutschande. Durch die eigenen Gesetze gebunden, mu\u00df Wotan Siegmund opfern. Todgeweiht will Siegmund die Schwester lieber t\u00f6ten, als ungesch\u00fctzt zur\u00fcckzulassen. Da beschlie\u00dft Br\u00fcnnhilde, entgegen Wotans Befehl, die W\u00e4lsungen zu retten, doch Wotan bewirkt Siegmunds Tod. Br\u00fcnnhilde flieht zun\u00e4chst mit Sieglinde vor Wotan, aber Wotan bestraft Br\u00fcnnhilde und bettet sie in einen Feuerring, aus dem nur ein Held sie erretten kann.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung<br \/>\n<\/b>Die opulenten B\u00fchnenbilder von Jan Steigert \u00fcbernehmen die Formensprache der bisherigen Ringteile. So finden sich zwei halbkreisf\u00f6rmige Projektionsw\u00e4nde, die sich rings um die B\u00fchnenmitte herum anordnen lassen. Auf diese Fl\u00e4chen lassen sich Personen, Vorg\u00e4nge oder Landschaften wie die K\u00f6pfe am Mount Rushmore abbilden. Hundings H\u00fctte ist ein Balkenturm in dem ein \u00fcberdimensionales in allen Regenbogenfarben leuchtendes Glasfaserkabel h\u00e4ngt \u2013 aus dem Siegmund das Schwert zieht. Walhall befindet sich hoch \u00fcber dem Lichtermeer von Los Angeles. Der Walk\u00fcrenfelsen ist wie im <i>Siegfried<\/i> ein riesiger Rubik-W\u00fcrfel (Zauberw\u00fcrfel) der sich in allen horizontalen Ebenen auff\u00e4chern l\u00e4\u00dft. Der Walk\u00fcrenritt ist eine Cocktailparty f\u00fcr verzogene T\u00f6chter der h\u00f6heren Gesellschaft.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<br \/>\n<\/b>Die Besetzung in Dessau (ein Haus mit 150 Jahren Wagner-Tradition) ist festspielw\u00fcrdig: <b>Ulf Paulsen <\/b>kann mit seiner hellen baritonal gef\u00e4rbten Stimme als Wotan viele stimmliche Gestaltungsm\u00f6glichkeiten erkennen lassen \u2013 und verf\u00fcgt \u00fcber gen\u00fcgend Reserven, um besonders in den tiefen Lagen vollmundig zu klingen. Da wird endlich einmal deutlich, welche inneren Regungen Wotan plagen: Fast bekommt man Mitleid. Im gro\u00dfen Finale <i>Wotans Abschied<\/i> trifft er auf <b>Iordanka Derilova<\/b> als Br\u00fcnnhilde. Ihr schwerer dramatischer Sopran gibt der Rolle Gewicht, hohe T\u00f6ne trifft sie auch im Forte, selbst wenn dies nicht frei von Sch\u00e4rfen ger\u00e4t. Im Finale klingt sie mild und weise, sie kann mit Stimm-Nuancen der Rolle Charakter verleihen. <b>Angelina Ruzzafante<\/b> hat als schwerer Koloratursopran keine Probleme mit der Gestaltung der Rolle der Sieglinde: Im ersten Akt singt sie mit Verve und Energie die resolute Frau, im zweiten Akt kann sie mit Zur\u00fcckhaltung nerv\u00f6se Verzweiflung glaubhaft machen. Da mu\u00df sich <b>Robert K\u00fcnzli<\/b> anstrengen, um vor allem im ersten Akt als Siegmund mithalten zu k\u00f6nnen. Er h\u00e4lt sich merklich zur\u00fcck, kann aber in den zentralen Momenten als lyrischer Tenor voll aussingen, Durchschlagskraft entwickelt er nur in wenigen Momenten, wie <i>ein Schwert verhie\u00df mir der Vater<\/i>. Die <i>Winterst\u00fcrme<\/i> gestaltet er mit warmen harmonischen, eher leiseren T\u00f6nen. <b>Stephan Klemm<\/b> tr\u00e4gt als bitterb\u00f6ser, mit sehr dunkler Tiefe ausgestatteter Hunding zu einem stimmlich hervorragend besetzten ersten Akt bei. <b>Rita Kapfhammer <\/b>verf\u00fcgt \u00fcber ein schier unersch\u00f6pfliches Stimmvolumen und Ton-Umfang und verleiht der durchsetzungsstarken Fricka Format. Sie wirkt wie ein Heimchen am Herd, klingt aber niemals keifig, sondern singt mit voller Durchschlagskraft aus. Eine Rollengestaltung von wahrlich g\u00f6ttlicher Macht, die man gerne \u00f6fters h\u00f6ren w\u00fcrde. <b>Antony Hermus<\/b> f\u00fchrt die Anhaltische Philharmonie ohne Probleme durch die Untiefen des Rings. Die Orchesterst\u00fccke wie der Walk\u00fcrenritt haben zwar monumentale Breite, jedoch niemals hohles Pathos. Vielmehr gelingt es die Wagnerschen Klangb\u00f6gen zu einem gro\u00dfen Ganzen zu verschwei\u00dfen und die Motive auf dem Silbertablett zu servieren.<\/p>\n<p><b>Fazit<br \/>\n<\/b>Zugegeben ein bi\u00dfchen gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig ist es schon, da\u00df die einzelnen Ringteile in Dessau von der <i>G\u00f6tterd\u00e4mmerung<\/i> r\u00fcckw\u00e4rts (also gem\u00e4\u00df ihrer dramaturgischen Entstehung) gezeigt werden. Daf\u00fcr sind in dieser <i>Walk\u00fcre<\/i> Antworten auf Fragen aus den Auff\u00fchrungen <i>Siegfried<\/i> und <i>G\u00f6tterd\u00e4mmerung<\/i> m\u00f6glich, z.B. zur Beziehung Br\u00fcnnhilde-Siegfried. Das stellt <b>Andre B\u00fccker<\/b> mit einer ausgefeilten, sehr ausdrucksstarken Personenregie dar, was von den S\u00e4ngerdarstellern (selten geh\u00f6rt heutzutage!) auch stimmlich einf\u00fchlsam betont umgesetzt wird. Das modernistische B\u00fchnenbild, die \u00dcberblendungen und Regieeinf\u00e4lle sind Wegweiser zu weiterf\u00fchrenden Gedanken, denen der Zuschauer folgen kann, aber nicht mu\u00df. Wenn der Zuschauer diese ignoriert, ist es die konservativste, durchdachteste <i>Ring<\/i>-Inszenierung unserer Tage. Schade, da\u00df \u00fcberzogene Sparma\u00dfnahmen dazu f\u00fchren, da\u00df der Ring nur zweimal als Zyklus gezeigt werden kann. Ab der kommenden Spielzeit sind nur noch kleinere Produktionen m\u00f6glich. Die einhellige Begeisterung des Publikums f\u00fcr die herausragenden S\u00e4nger-Darsteller, Dirigent, Orchester und Regie spricht B\u00e4nde.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Claudia Heysel<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Ulf Paulsen (Wotan)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 5. 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