{"id":5906,"date":"2014-10-15T19:08:50","date_gmt":"2014-10-15T18:08:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5906"},"modified":"2014-10-16T08:27:09","modified_gmt":"2014-10-16T07:27:09","slug":"castor-et-pollux-paris-theatre-des-champs-elysees","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5906","title":{"rendered":"CASTOR ET POLLUX &#8211; Paris, Th\u00e9\u00e2tre des Champs-\u00c9lys\u00e9es"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Jean-Philippe Rameau (1683-1764) Trag\u00e9die in 5 Akten, Libretto: Pierre-Josephe Gentil-Bernard, 1. Fassung 1737, hier die Version von 1754, UA: 11. Januar 1754 Paris, Acad\u00e9mie Royale de Musique<\/p>\n<p>Regie: Christian Schiaretti, Dramaturgie Florent Siaud, Choreographie: Adonis Foniadakis, B\u00fchne: Rudy Sabounghi, Kost\u00fcme: Thibault Welchlin, Licht: Laurent Castaingt<\/p>\n<p>Dirigent: Herv\u00e9 Niquet, Le Concert spirituel, Chor des Concert spirituel<\/p>\n<p>Solisten: John Tessier (Castor), Edwin Crossley-Mercer (Pollux), Omo Bello (T\u00e9la\u00efre), Mich\u00e8le Losier (Phoeb\u00e9), Jean Teitgen (Jupiter), Reinoud van Mechelen (Mercure, un spartiate, un athl\u00e8te), Haasna Bennani (Cl\u00e9one, une ombre heureuse), Marc Labonnette (Un grand pr\u00eatre)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 13. Oktober 2014 (Premiere, Koproduktion Op\u00e9ra Th\u00e9\u00e2tre de Saint-Etienne)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Paris-Castor-Pollux.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5907\" alt=\"CASTOR ET POLLUX -\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Paris-Castor-Pollux.jpg\" width=\"590\" height=\"394\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Paris-Castor-Pollux.jpg 590w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Paris-Castor-Pollux-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 590px) 100vw, 590px\" \/><\/a>Vorbemerkung<br \/>\n<\/b>Als\u00a0 Baumeister\u00a0 musikalischer Formen stand Rameau noch jenseits der Wende zur Klassik und Romantik. Doch als Harmoniker, Instrumentator und Programm-Musiker erschlo\u00df er der Musik nach Lully neue Bereiche. So \u00fcbertrifft er in den<i> Divertissements <\/i>mit Gesang und Tanz, die bei ihm zu jedem Opern-Akt geh\u00f6ren, alles Bisherige und alles Zeitgen\u00f6ssische. Von den <i>Symphonies de dance<\/i> geh\u00f6ren manche zu\u00a0 <i>ballets figur\u00e9s<\/i>, wo eine Gruppe eine Episode des Stoffes zu \u201efigurieren\u201c hat. Sie folgen eng den wechselnden Geschehnissen der Handlung, diktieren aber die Bewegungen der T\u00e4nzer musikalisch durch Ineinandergreifen der Instrumente und rhythmische Pr\u00e4gnanz.\u201c (Arnold Feil)<\/p>\n<p><b>Kurzinhalt<br \/>\n<\/b>T\u00e9la\u00efre und Phoeb\u00e9 lieben beide Castor. Aber T\u00e9la\u00efre soll Pollux, den Zwillingsbruder, K\u00f6nig von Sparta, heiraten. Dieser ist unsterblich, weil er von Jupiter abstammt. Pollux verzichtet auf T\u00e9la\u00efre, als er merkt, da\u00df sein Bruder sie liebt und l\u00e4\u00dft T\u00e9la\u00efre Castor heiraten. Die eifers\u00fcchtige Phoeb\u00e9 bittet Lynkeus, T\u00e9la\u00efre zu entf\u00fchren. Lynkeus \u00fcberf\u00e4llt die Stadt und Castor stirbt im Kampf. Darauf t\u00f6tet Pollux\u00a0 den Lynkeus. Doch diese Rache gen\u00fcgt T\u00e9la\u00efre nicht, sie verlangt, da\u00df Pollux von seinem Vater Jupiter Castors Unsterblichkeit erreicht und ihn wieder auf die Erde zur\u00fcckbringt. Jupiter willigt nur ein, wenn Pollux an Castors Stelle in die Unterwelt geht. Pollux k\u00e4mpft sich mit Merkurs Hilfe in die Unterwelt hinein. Doch Castor will das Opfer seines Bruders nicht annehmen. Er begn\u00fcgt sich, nur f\u00fcr einen einzigen Tag auf die Erde zur\u00fcckkehren zu d\u00fcrfen,\u00a0 um ein letztes Mal seine Geliebte zu sehen. Da bestimmt Jupiter schlie\u00dflich, Castor und Pollux\u00a0 als Sternbilder am Himmel gemeinsam unsterblich werden zu lassen.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung<br \/>\n<\/b>Das Einheitsb\u00fchnenbild ist eine S\u00e4ulenhalle mit Wandmalereien mythischen Inhalts, die jeweils etwas abgewandelt wird. In der Trauerszene, zum Beispiel, senkt sich eindrucksvoll ein schwarzer Vorhang wie eine dunkle Wolke nieder, vor der sich die Opferhandlungen vollziehen. Die Beleuchtung unterstreicht b\u00fchnenwirksam die Inszenierung. Die Kost\u00fcme sind so, wie man sie sich f\u00fcr die Griechen des Altertums vorstellt: die Frauen in langen Tuniken, nur Phoeb\u00e9 in giftgr\u00fcnem, langen Kleide und T\u00e9la\u00efre in langem, dunklem Glitzerkleid mit Kopfschleier. Die M\u00e4nner in Brustpanzer, Schwert und Schild, und einige mit Helm. Die T\u00e4nzer meist in weiten schwarzen Hosen und nacktem Oberk\u00f6rper, die T\u00e4nzerinnen in losen Tuniken. Die Choreographie der T\u00e4nze integriert sich nur selten in die \u00fcbrige Opernhandlung.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<br \/>\n<\/b>Der eigentliche Star des Abends ist Jean-Philippe Rameau, dessen <i>melodisch und rhythmisch lebensvolle, harmonisch eigenwillige Klangwelt<\/i> (Hans Renner)\u00a0 uns Herv\u00e9 Niquet und sein <i>Concert spirituel<\/i> in all seiner reichen Vielfalt offenbart.<br \/>\nUnter den S\u00e4ngern erfreut vor allem <b>Edwin Crossley-Mercer<\/b> als Pollux mit\u00a0 reicher klangvoller Ba\u00df-Baritonstimme und reiner Stimmf\u00fchrung in den Melismen, wie in <i>Pr\u00e9sent des dieux, doux charme des humains,<\/i> (3. Akt, 1. Szene). <b>John Tessier<\/b> tut sich etwas schwer in der Rolle des Castor. Vor allem im Sprechgesang der Rezitative fehlt es ihm an Klangfarbe. Nur in einigen Arien, wie in der Schlu\u00dfarie mit Chor <i>Tendre Amour, qu\u2019il est doux der porter tes cha\u00eenes! (5. Akt, 4. Szene)\u00a0 <\/i>kommt das\u00a0 helle Timbre seines Tenors zum Vorschein.<br \/>\n<b>Omo Bello<\/b> singt strahlend klar und \u00fcberzeugend\u00a0 T\u00e9la\u00efres langsam getragene Trauerarie <i>Tristes appr\u00eats, p\u00e2les flambeaux. (2. Akt, 2. Szene),\u00a0 <\/i>aber<i> <\/i>die dramatischen Passagen ihrer Rolle bereiten ihr offensichtlich noch Schwierigkeiten. <b>Mich\u00e8le Losier<\/b> spielt und singt mit herber, etwas gutturaler Mezzostimme die Zauberin Phoeb\u00e9. <b>Jean Teitgen<\/b> ist der w\u00fcrdige G\u00f6ttervater Jupiter. <b>Reinoud van Mechelen<\/b> (Mercure), gef\u00e4llt mit sch\u00f6n timbrierter Tenorstimme vor allem in der Arie des Athleten<i> Eclatez, fi\u00e8res trompettes<\/i>. (2. Akt, 5. Szene). Sehr eindrucksvoll und omnipr\u00e4sent in der Oper ist der prachtvolle <b>Chor du <i>Concert spirituel<\/i><\/b>.<\/p>\n<p><b>Fazit<br \/>\n<\/b>Selbst, wenn es einige stimmliche M\u00e4ngel gab, so h\u00e4tte es mit einer anderen <b>Choreographie<\/b> eine\u00a0 sch\u00f6ne Auff\u00fchrung sein k\u00f6nnen. Aber <b>Christian Schiaretti<\/b> hatte entschieden, dem formell-strengen Rahmen der\u00a0 Barockoper Rameaus eine Choreographie \u201eelectrique\u201c gegen\u00fcberzustellen. Das Resultat war verheerend. Wenn einige T\u00e4nze, wie der <i>Kriegertanz der Spartaner<\/i> im ersten Akt oder der <i>Tanz der Teufel und der geh\u00f6rnten Monster<\/i> im vierten Akt, die Handlung anschaulich untermalen, so bietet uns der Choreograph <b>Adonis<\/b> <b>Foniadakis<\/b> in den unz\u00e4hligen anderen Balleteinlagen der Oper nur eint\u00f6nige, hektische Perpetuum-Mobile-K\u00f6rperverrenkungen. Sogar die \u201eseligen Geister\u201c, deren Musik an die entsprechende Szene in Glucks <i>Orpheus<\/i> erinnert, werden von der frenetischen K\u00f6rperzappelei nicht verschont.<br \/>\nNichts gegen ein modernes Ballett in einer Barockoper, wenn es mit Witz und K\u00f6nnen eingebracht wird, wie in William Christies\u2019 Auff\u00fchrung von Rameaus <i>Les Paladins<\/i> 2004 im Th\u00e9\u00e2tre du Ch\u00e2telet. Aber Adonis Foniadakis ist weder Maurice Bejart noch Pina Bausch und ein modernes Ballett sch\u00fcttelt man nicht einfach aus dem \u00c4rmel, indem man seine T\u00e4nzer wie Bacchanten ihre K\u00f6rper verrenken oder wie Furien\u00a0 ihre lange Haare wirbeln l\u00e4\u00dft. Es lenkt vom wesentlichen ab, es st\u00f6rt.<br \/>\nEs gab dennoch viel Applaus, aber er war nicht einhellig.<\/p>\n<p>Alexander Jordis-Lohausen<\/p>\n<p>Bild: Vincent Pontet-WikiSpectacle<\/p>\n<p>Das Bild zeig: Castor (John Tessier) li und T\u00e9la\u00efre (Omo Bello) re und Hofstaat<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 13. 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