{"id":5903,"date":"2014-10-13T15:14:30","date_gmt":"2014-10-13T14:14:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5903"},"modified":"2014-10-14T15:18:39","modified_gmt":"2014-10-14T14:18:39","slug":"faust-margarethe-leipzig-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5903","title":{"rendered":"FAUST \u2013 MARGARETHE &#8211; Leipzig, Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Charles Gounod (1818-1893), Oper in f\u00fcnf Akten, Libretto: Jules Paul Barbier und Michel Florentin Carr\u00e9 nach Goethes Faust, UA: 19. M\u00e4rz 1859 Paris, Th\u00e9\u00e2tre Lyrique (Version mit gesprochenen Dialogen), 3. M\u00e4rz 1869 Paris, Salle Le Peletier (endg\u00fcltige Fassung mit Rezitativen)<\/p>\n<p>Regie: Michiel Dijkema, Kost\u00fcme: Claudia Damm, Licht: Michael R\u00f6ger, Dramaturgie: Christian Geltinger<\/p>\n<p>Dirigent: Anthony Bramall, Gewandhausorchester, Chor und Zusatzchor der Oper Leipzig<\/p>\n<p>Solisten: Mirko Roschkowski (Faust), Olena Tokar (Margarethe), Tuomas Pursio (Mephistopheles), Jonathan Michie (Valentin), Kathrin G\u00f6ring (Siebel), Karin Lovelius (Marthe Schwerdtlein), Sejong Chang (Wagner)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 11. Oktober 2014 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Leipzig-Faust.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5904\" alt=\"Leipzig Faust\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Leipzig-Faust.jpg\" width=\"560\" height=\"374\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Leipzig-Faust.jpg 560w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Leipzig-Faust-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 560px) 100vw, 560px\" \/><\/a>Kurzinhalt<br \/>\n<\/b>Der lebensm\u00fcde Wissenschaftler Faust schlie\u00dft einen Pakt mit Mephistopheles: Ewige Jugend zum Preis seiner Seele. Die Vision der sch\u00f6nen Margarethe f\u00fchrt zur schnellen Unterzeichnung des Vertrages. Im st\u00e4dtischen Treiben begegnet Faust seiner Angebeteten, deren Bruder Valentin in den Krieg ziehen mu\u00df und welcher Siebel, der ebenfalls in Margarethe verliebt ist, beauftragt, auf sie achtzugeben. Mephistopheles hilft Faust, den Nebenbuhler mit wertvollem Schmuck f\u00fcr seine Geliebte auszustechen. Es kommt zur Liebesnacht von Margarethe und Faust. Monate sp\u00e4ter ist Margarethe schwanger und von Faust verlassen. Sie wird von ihrem Bruder verflucht, der im Kampf durch Mephistopheles\u2019 Zauberkraft t\u00f6dlich verletzt wird. Die Visionen ihres toten Bruders beim Gebet in der Kirche treiben Margarethe in den Wahnsinn. Faust hingegen erlebt die rauschende Walpurgisnacht mit Mephistopheles. In einer Vision begegnet Faust reum\u00fctig seiner inhaftierten Geliebten, weil sie im Wahn ihr Kind get\u00f6tet hat. Diese jedoch erkennt Faust nicht und weist ihn ab. F\u00fcr Mephistopheles gilt sie als verloren, jedoch k\u00fcnden Osterges\u00e4nge ihre Erl\u00f6sung und Erhebung in den Himmel an.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<br \/>\n<\/strong>Die B\u00fchnenszenerie wird in s\u00e4mtlichen Akten von einer wuchtigen Kulisse eingenommen, die aus einer Backsteinmauer besteht, in die mehrere, sich nach oben hin \u00f6ffnende Tore eingelassen sind. Durch jene Tore erscheinen und verschwinden mittels Drehb\u00fchne sowohl die Protagonisten, wie auch die Ausstattungsst\u00fccke, welche einen Szenenwechsel suggerieren. Dazu geh\u00f6ren u. a. ein Bett, das die Liebesnacht zwischen Faust und Margarethe andeutet, Blumen, die unter der Zauberkraft des Teufels zerfallen oder etwa auch ein Wegekreuz, das Margarethes Gebet unterstreicht.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nGrandios beherrscht <strong>Tuomas Pursio<\/strong> als Mephistopheles das B\u00fchnengeschehen. Sein \u00fcberaus nuancenreiches Schauspiel zwischen ironischem Witz, verschlagener Verf\u00fchrung und abgr\u00fcndig d\u00e4monischer Tiefenwirkung l\u00e4\u00dft einem wahren Schauer \u00fcber den R\u00fccken laufen. Gesanglich lotet er seine Rolle mit lupenreinem Duktus und messerscharf gezogenen H\u00f6hen aus, wobei seiner Stimme ebenso ein breites Tiefenfundament zu eigen ist. <b>Olena Tokars<\/b> Wandlung der Margarethe vom naiven Frauchen zur ausgesto\u00dfenen, gescheiterten Existenz wird durch ihre dramatische Darstellung der dem Wahnsinn Verfallenen in Gesang und Schauspiel in \u00fcberragender Weise umgesetzt und fordert die zum Zerrei\u00dfen gespannten Nerven der Zuschauer. Sowohl die lyrischen Passagen, wie in der Ballade vom K\u00f6nig von Thule, wie auch die dramatischen Abschnitte werden von ihr in kristallklaren Klangkaskaden ausgesungen, die einem Diadem mit lupenrein besetzten T\u00f6nen gleichkommen. \u00dcberragend ist ihr Duett mit Faust, bei dem ihr Gesang eine warm umflossene, ja beinahe schwebende Tiefenwirkung erreicht. Hervorragende gesangliche Qualit\u00e4ten beweist auch <b>Mirko Roschkowski<\/b> (Faust). Mit dynamischer Stimmartikulation, bet\u00f6rend warmem Timbre und sich weit \u00f6ffnenden H\u00f6hen geraten ihm insbesondere die lyrischen Abschnitte zu ausgesuchten H\u00f6hepunkten des Opernabends. Mit <b>Jonathan Michies<\/b> (Valentin) jugendhaftem Bariton offenbart sich ein immens ausdrucksstarker, unangestrengter und voller Klangk\u00f6rper. <b>Kathrin G\u00f6ring<\/b> (Siebel) hingegen lenkt die Aufmerksamkeit mit untadeliger Intonation auf sich. Auch sie zeigt stark verdichtende schauspielerische F\u00e4higkeiten.<\/p>\n<p>Die \u00fcberdurchschnittlichen Leistungen der Hauptakteure spiegeln sich auch in den kleineren Partien wider. So sind mit <b>Karin Lovelius<\/b> (Marthe Schwerdtlein) und <b>Sejong Chang<\/b> (Wagner) die jeweiligen Partien gesanglich eindrucksvoll besetzt. <b>Anthony Bramall<\/b> versteht es, mit dem <b>Gewandhausorchester<\/b> sowohl lyrisch-feinsinnig intime, wie auch dramatisch aufw\u00fchlende Szenen des St\u00fcckes herauszuarbeiten und setzt an diesem Abend musikalisch zahlreiche Glanzpunkte. Der Chor und Extrachor der Oper Leipzig wei\u00df zudem in harmonischer Geschlossenheit zu \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<br \/>\n<\/strong>Die Inszenierung mit zahlreichen Feuer- und Taschenspielergaukeleien des Teufels sorgte im Gesang und Spiel aller Beteiligten f\u00fcr eine \u00e4u\u00dferst fesselnde, dramatische Sogtiefe, die zwischen aufw\u00fchlenden Massenszenen und kammerspielartigen Bildern ein gro\u00dfes Panoptikum menschlicher Gef\u00fchle ausbreitet. Die gesanglichen und musikalischen Leistungen aller Mitwirkenden waren teilweise \u00fcberragend, wobei insbesondere Tuomas Pursios grandioser Mephistopheles noch lange in Erinnerung bleiben wird. So wurde der rundherum gelungene Abend mit einer musterg\u00fcltigen Inszenierung des St\u00fcckes v\u00f6llig zu Recht mit lauten Bravorufen und lang anhaltendem Applaus quittiert. Bravo!<\/p>\n<p>Dr. Andreas Gerth<\/p>\n<p>Bild: Bettina Stoess<\/p>\n<p>Das Bild zeigt von li nach re: Karin Lovelius (Marthe), Tuomas Pursio (Mephistopheles), Mirko Roschkowski (Faust) und Olena Tokar (Margarethe)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 11. 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