{"id":5885,"date":"2014-10-05T17:15:17","date_gmt":"2014-10-05T16:15:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5885"},"modified":"2014-10-05T17:15:17","modified_gmt":"2014-10-05T16:15:17","slug":"atys-kiel-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5885","title":{"rendered":"ATYS &#8211; Kiel, Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Jean-Baptiste Lully (1632-1687), Trag\u00e9die en Musique in einem Prolog und f\u00fcnf Akten, Libretto: Philippe Quinault, Gedicht-Text nach Ovid, UA: Saint Germain-en-Laye, 10. Januar 1676<\/p>\n<p>Regie: Lucinda Childs, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Paris Mexis, Licht: George Tellos, Dramaturgie: Ulrich Frey, Daniela Roth, Choreographie: Lucinda Childs, Instrumentation: Rub\u00e9n Dubrovsky<\/p>\n<p>Dirigent: Rub\u00e9n Dubrovsky, Philharmonisches Orchester und Opernchor des Theater Kiel, Ballett Kiel<\/p>\n<p>Solisten: Christoph Woo (Der Gott der Zeit\/Idas\/Sangar), Karola Sophia Schmid (G\u00f6ttin Flore\/Melisse), Fiorella Hincapi\u00e9 (Melpomene\/Doris), Ulrich Cordes (Zephyr\/Gott des Schlafes), Rahel Brede (G\u00f6ttin Iris), Juan Sancho (Atys), (Fernando), Heike Wittlieb (Sangaride),\u00a0 Rosanne van Sandwijk (G\u00f6ttin Cybele), Tomohiro Takada (C\u00e9l\u00e9nus\/Phob\u00e9tor), Benedikt Kristj\u00e1nsson (Morph\u00e9e), Alexey Egorov (Phantase), Marek Wojciechowski (ein Alptraum), Shori Yamamoto (Alecton)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 4. Okotber 2014 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Kiel-Atys1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5886\" alt=\"Kiel Atys1\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Kiel-Atys1.jpg\" width=\"639\" height=\"443\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Kiel-Atys1.jpg 639w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Kiel-Atys1-300x207.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 639px) 100vw, 639px\" \/><\/a>Kurzinhalt<br \/>\n<\/b>DerKnabe Atys hat der Liebe entsagt, um als Auserw\u00e4hlter ganz der G\u00f6ttin Cybele zu dienen. Diese liebt ihn heimlich, jedoch hat sich auch Atys in die Sterbliche Sangaride verliebt und diese in ihn. Sangaride aber ist bereits K\u00f6nig C\u00e9l\u00e9nus versprochen. Als Cybele Atys zum Tempelpriester bestimmt, nutzt Atys seine Macht, um die Hochzeit zwischen Sangaride und C\u00e9l\u00e9nus zu verhindern. Voller Zorn schl\u00e4gt Cybele Atys mit Wahnsinn, worauf dieser Sangaride t\u00f6tet, die er f\u00fcr ein Monster h\u00e4lt. Wieder zur Vernunft gelangt, t\u00f6tet sich Atys aus Verzweiflung selbst. Aus Mitleid verwandelt Cybele Atys in eine Pinie und verleiht ihm so ewiges Leben.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung<br \/>\n<\/b>Die f\u00fcr Lullys <i>Trag\u00e9die en Musique<\/i> wichtigen Ballettszenen bilden einen zentralen Teil der Auff\u00fchrung, wobei im Tanz barocke und moderne Elemente miteinander verschmolzen werden. Vom antiken Cybele-Kult wurden unter anderem die L\u00f6wenstatuen, griechischen S\u00e4ulen und Masken \u00fcbernommen. Das B\u00fchnenbild ist ansonsten spartanisch gehalten, besticht jedoch durch subtile Licht- und Farbwechsel in Kombination mit dem Einsatz der Drehb\u00fchne. Die vergleichsweise statische Personenf\u00fchrung wird durch die Tanzeinlagen aufgelockert. Nicht nur in den Kost\u00fcmen verbindet sich antike Theatralik mit der barocken \u00c4sthetik aus der Zeit Ludwig XIV., dessen Hofkomponist Lully war. Ankl\u00e4nge an die Gegenwart sind ebenfalls vorhanden.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<br \/>\n<\/b>Der Dirigent <b>Rub\u00e9n Dubrovsky<\/b><i> <\/i>hat die Instrumentation des \u00fcber dreihundert Jahre alten St\u00fcckes behutsam an die M\u00f6glichkeiten des Philharmonischen Orchesters Kiel angepa\u00dft. Da\u00df dieser Atys erst die dritte Inszenierung in der Neuzeit darstellt, zeigt, wie extrem selten Lullys Oper gespielt wird, war der musikalischen Umsetzung aber kaum anzumerken. Vor allem die Continuo-Sektion musizierte schwungvoll und mit viel Klarheit. Im Zusammenspiel mit den schlank federnden Streichern und wendigen Holzbl\u00e4sern ergab sich so ein authentisches, barockes Klangbild. Das Gesangsensemble hielt den rezitativischen Flu\u00df der Musik permanent aufrecht, wobei das Franz\u00f6sische nicht immer verst\u00e4ndlich war, die Phrasierung aber stets flexibel blieb.<\/p>\n<p>Beispiel hierf\u00fcr ist der Atys von <b>Juan Sancho,<\/b> der zu Beginn in der H\u00f6he gepre\u00dft wirkte, dann aber immer befreiter wurde. <b>Heike Wittlieb<\/b> als Sangaride klingt als einziges so, als w\u00fcrde sie nicht von der Alten Musik herkommen, doch ihr breiter Vortrag f\u00fcgte sich gut ins Gesamtbild ein. <b>Rosanne van Sandwijks<\/b> Cybele war durchdringend wie schauspielerisch und stimmlich beeindruckend autorit\u00e4r. <b>Tomohiro Takadas<\/b> C\u00e9l\u00e9nus bildete hierzu die ideale Entsprechung. Auch in den vielen Doppel- oder sogar Dreifachrollen war das Ensemble gut besetzt.<\/p>\n<p><b>Fazit<br \/>\n<\/b>Das Publikum feiert die Premiere der Lullyschen Opernrarit\u00e4t zu Recht st\u00fcrmisch. Der Lieblingsoper des auch im Tanz bewunderten <b>Sonnenk\u00f6nigs<\/b><i> <\/i>wurde man vor allem durch den Miteinbezug des Balletts gerecht, der in zeitgen\u00f6ssischen Operinszenierungen ansonsten oft wegf\u00e4llt. Choreographin und Regisseurin Lucinda Childs erhielt ebenfalls viel Applaus. So d\u00fcrfte der Kieler Atys sowohl musikalisch als auch visuell einen Besuch beziehungsweise eine Reise wert sein.<\/p>\n<p>Dr. Aron Sayed<\/p>\n<p>Bild: Olaf Struck\/Theater Kiel<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Rosanne van Sandwijk (Cyb\u00e8le), Juan Sancho (Atys) und Ensemble<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 4. 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