{"id":5865,"date":"2014-09-02T16:13:15","date_gmt":"2014-09-02T15:13:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5865"},"modified":"2014-09-14T16:31:23","modified_gmt":"2014-09-14T15:31:23","slug":"38-innsbrucker-festwochen-der-alten-musik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5865","title":{"rendered":"38. Innsbrucker Festwochen der Alten Musik"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><b><i>Almira \u2013 K\u00f6nigin von Castilien<\/i><\/b><\/p>\n<p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759), Oper in drei Akten, Libretto: Friedrich Christian Feustking, UA: 1705 Hamburg, Theater am G\u00e4nsemarkt<\/p>\n<p>Regie: Jetske Mijnssen, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Ben Baur, Dramaturgie: Kerstin Sch\u00fcssler-Bach<\/p>\n<p>Dirigent: Alessandro De Marchi, <i>Academia Montis Regalis<\/i><\/p>\n<p>Solisten: Klara Ek (Almira), Melissa Petit (Edilia), Rebecca Jo Loeb (Bellante), Wolf Matthias Friedrich (Consalvo), Manuel G\u00fcnther (Osman), Viktor Rud (Fernando), Florian Spiess (Raymondo), Sara-Maria Saalmann (Tabarco) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 16. August 2014 (in deutscher Sprache und italienischer Arien)<\/p>\n<p><b><i>L&#8217;Orontea<\/i><\/b><\/p>\n<p>von Pietro Antonio Cesti (1623-1669), Oper in einem Prolog und drei Akten, Libretto: Hiacinto Andrea Cicognini, UA: 1656 Innsbruck,<\/p>\n<p>Neues Hoftheater (Kom\u00f6dienhaus) am Rennweg<\/p>\n<p>Regie: Stefano Vizioli, Kost\u00fcme Anna Maria Heinreich, Choreographie: GloriaGiordano<\/p>\n<p>Dirigent: David Bates, <i>La Nuova Musica<\/i><\/p>\n<p>Solisten: Giuseppina Bridelli (Orontea), Solen Mainguene (Silandra), David Hernandez Anfruns (Aristea), Anat Edri (Giacinta), Fernando Guimares (Alidoro), Michal Czerniawski (Corindo), Jeffrey Francis (Creonte), Giorgio Celenza (Gelone), Aurora Faggioli (Tibrino)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 24. August 2014 (Open Air im Innenhof der Theologischen Fakult\u00e4t)<\/p>\n<p><b><i>Narciso<\/i><\/b><\/p>\n<p>von Domenico Scarlatti (1685-1757), Oper (Dramma per musica) in 3 Akten, Libretto: Pietro Antonio Rolli nach Carlo Sigismondo und den Metamorphosen des Ovid, UA: 1720 London, King\u2019s Theatre, Haymarket<\/p>\n<p>Regie\/B\u00fchne: Davide Livermore Kost\u00fcme: Mariana Fracasso<\/p>\n<p>Dirigent: Fabio Bondi und <i>Europa Galante<\/i><\/p>\n<p>Solisten: Maite Beaumont (Narciso), Chiara Osella (Eco), Hyekyung Choi (Pocri), Valentine Buzza (Aristeo), Federica Alfano (Cefalo)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 31. August 2014<\/p><\/blockquote>\n<p><b>Auff\u00fchrung<\/b><\/p>\n<p>Das B\u00fchnenspiel deutet in <b>Almira<\/b> eher auf eine Art Kost\u00fcmfest hin und weniger auf eine Liebesposse. W\u00e4hrend das B\u00fchnenbild nur aus einem rechteckigen Raum besteht, der sich mit T\u00fcren oder einem Vorhang \u00f6ffnen und schlie\u00dfen l\u00e4\u00dft, wechseln die Kost\u00fcme zwischen Renaissance, Barock und Gegenwart: K\u00f6nigin Almira k\u00f6nnte Elisabeth I. und Queen Victoria gleichzeitig sein, w\u00e4hrend ihre Staatsdiener eher moderne Anz\u00fcge tragen. Tabarco, der das verwirrende Spiel steuert, wird als Engelchen Amor dargestellt, der immer wieder in die Handlung eingreift. Zum Schlu\u00df pr\u00e4sentiert er dann stolz die drei Liebespaare.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<\/b><\/p>\n<p><b>Alessandro De Marchi<\/b> hat das richtige Gesp\u00fcr f\u00fcr barocke Effekte, die Arien sind so gestaltet, da\u00df sie nie den Spannungsbogen verlieren, so da\u00df man den Da-Capo-Teil mit Spannung erwartet. Das erfordert nat\u00fcrlich auch die Gestaltungsm\u00f6glichkeiten der Solisten heraus. F\u00fcr <b>Klara Ek<\/b> als Almira gibt es eine zus\u00e4tzliche Herausforderung: In dieser Oper taucht zum ersten Mal ein musikalisches Thema auf, eine w\u00fcrdevoll einherschreitende Melodie im Stil einer Sarabande, als <i>Tanz von Asiatern<\/i>. Sp\u00e4ter wird H\u00e4ndel dieses Thema wieder aufgreifen, in <i>Rinaldo<\/i> wird daraus die Arie <i>Lascia ch&#8217;io pianga mia cruda sorte\u2013 La\u00df mich beweinen mein grausames Schicksal.<\/i> De Marchi zeigt Sarabande und Arie im Vergleich beider Bearbeitungen, was \u00e4u\u00dferst spannend zu h\u00f6ren ist. Weniger spannend war, wie Klara Ek mit dieser Arie umgeht: Das Piano wirkt br\u00fcchig, Einf\u00fchlsamkeit und nachdenkliche Gestaltungsm\u00f6glichkeiten fehlen gro\u00dfteils. Das ist wirklich schade, denn mit den \u00fcbrigen Arien, die fr\u00fcher entstanden sind, kommt sie recht gut zurecht. <b>Melissa Petit<\/b> gibt der Edilia eine jugendlich helle Stimme, w\u00e4hrend <b>Rebecca Jo Loeb<\/b> die Bellante als jugendliche Naive anlegt. Wirkliche Durchschlagskraft m\u00fcssen beide nicht aufbringen. <b>Wolf Matthias Friedrich<\/b>\u00a0 ist ein recht anspruchsloser, etwas farbloser Ba\u00df, kann aber Consalvo als w\u00fcrdevollen Amtstr\u00e4ger gestalten. <b>Manuel G\u00fcnther<\/b> (Osman) bringt seinen Tenor in hell leuchtende H\u00f6he und besonders in \u201everzweifelten Momenten\u201c kann er mit Durchschlagskraft Glaubw\u00fcrdigkeit erzielen. <b>Viktor Rud<\/b> (Fernando) wird im Programmheft als \u201eBaritenor\u201c bezeichnet, das d\u00fcrfte, nach seiner Leistung, ein Bariton sein. <b>Florian Spiess<\/b> mit eher heller Ba\u00dfstimme als Raymondo und <b>Sara-Maria Saalmann<\/b> (Sopran) als Tabarco runden das Ensemble ab. Die <b><i>Academia Montis Regalis<\/i><\/b> ist ein bestens eingestelltes Barockorchester ohne Vibrato in den Streichern, daf\u00fcr mit den entsprechenden barocken \u201eSpezialinstrumenten\u201c wie Theorbe oder Viola da Gamba. Unter der Leitung von De Marchi entstehen barocke Klangwolken, die sich einfach anh\u00f6ren, da sie den hohen Anforderungen an die H\u00e4ndelsche Klangsprache jederzeit gerecht werden. Solisten werden nie zugedeckt, pianissimo sind immer m\u00f6glich, Koloraturen mit dem passenden Tempo f\u00fcr den S\u00e4nger vorbildlich unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Innsbruck-orontea3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5866\" alt=\"Innsbruck orontea3\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Innsbruck-orontea3.jpg\" width=\"356\" height=\"475\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Innsbruck-orontea3.jpg 356w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Innsbruck-orontea3-224x300.jpg 224w\" sizes=\"auto, (max-width: 356px) 100vw, 356px\" \/><\/a>Die Open-Air Auff\u00fchrung der Oper <b><i>L&#8217;Orontea<\/i><\/b> im Innenhof der Theologischen Fakult\u00e4t ist Teil des Projektes BAROCKOPER:JUNG. Mit Hilfe dieses Projektes will man das Interesse des jungen Publikums gewinnen und entsprechend peppig wird das St\u00fcck im \u201etheatergerechten Rahmen\u201c der Gew\u00f6lbe und Arkaden choreographiert. Entsprechend jung auch das Ensemble: Diese sind Teilnehmer des Internationalen Gesangswettbewerbes f\u00fcr Barockoper \u201ePietro Antonio Cesti\u201c und n\u00fctzen die romantischen Melodien in einer offenen musikalischen Form, um mit individueller Phantasie und jugendlich dynamischer Gestaltungskraft das Publikum zu unterhalten, was dem Countertenor <b>Michal Czerniawski<\/b> schon fast alleine gelang. Die s\u00e4ngerischen Leistungen der am Anfang ihrer Karriere stehenden Solisten sind entsprechend verhei\u00dfungsvoll.<\/p>\n<p><b><i>Narciso<\/i><\/b>, eine mythische Liebesgeschichte, wird in die Gegenwart versetzt, als Tr\u00e4ger dient der bildgewaltige Film <i>The Grand Budapest Hotel<\/i> als \u201eGrand Hotel Arkadia\u201c. Die Kulisse wird durch zwei durchs Bild t\u00e4nzelnde Pagen und Videos \u00fcberlagert, mit einem Wald voller Nebel oder Schnee, Wasser und Wellen, oder einem gro\u00dfen stillen Kaminfeuer.<\/p>\n<p><b>Kurzinhalt<\/b><\/p>\n<p>Dabei geht es darum, da\u00df Prinz Cefalo und Aristeo die K\u00f6nigin Procri umschmeicheln. Der hinzu kommende Narciso wirbt auch um sie, verliebt sich aber in das Spiegelbild der Wassernymphe Eco. Am Ende feiern Personal und Hotelg\u00e4ste die beiden Liebespaare mit einem etwas eigent\u00fcmlichen Schlu\u00df: <i>.Wer Freude ohne Schmerzen will, der wird nicht viel von Liebe verstehen. <\/i><\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<\/b><\/p>\n<p><b>Maite Beaumonts<\/b> beweist als nach Liebe suchender Narzi\u00df, da\u00df sie als Geheimtip f\u00fcr h\u00f6here Aufgaben gilt. Zu Recht hochgelobt <b>Chiara Osella<\/b> als liebeshungrige stimmgewaltige Nymphe Eco. <b>Valentino Buzza<\/b> als Aristeo wirkt ungenau und etwas zu grobschl\u00e4chtig in der tenoralen Stimmf\u00fchrung. Die Hosenrolle des Prinzen Cefalo gestaltet <b>Federica Alfano<\/b> glaubhaft. <b>Hyekyung Choi<\/b> singt die Rolle der K\u00f6nigin Procri mit fein ausgesteuertem, gef\u00fchlvollem Sopran. <b>Fabio Biondi<\/b> spielt Violine und leitet nebenbei sein Ensemble <i>Europa Galante<\/i>, welches dem Anspruch seines Namens gerecht wird. Domenico Scarlattis Musik kommt sehr gut zur Geltung, Schw\u00e4chen in der Harmonik werden ausgeb\u00fcgelt, alles wirkt wie aus einem Gu\u00df, manchmal mit breitem Tempo sehr kr\u00e4ftig. Der H\u00f6hepunkt ist das Finale des zweiten Akts mit dem trauernden Eco. Die Melodien bleiben jedoch wenig in Erinnerung. Wer diese umjubelt gefeierte Produktion verpa\u00dft hat, der hat noch einmal Gelegenheit dazu: sie wird zwischen 22. und 31.Mai 2015 noch viermal gespielt.<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>Ein erfolgreicher Festspielsommer geht zu Ende. Die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik 2014 boten ein reichhaltiges Programm mit drei Opern, einem Rahmenprogramm u.a. mit Konzerten und einen Gesangswettbewerb. Alle Opernvorstellungen waren ausverkauft, das Publikum lautstark zufrieden. Seit 2010 ist Alessandro De Marchi als Nachfolger von Ren\u00e9 Jacobs Leiter der Festwochen, und es ist ihm nun gelungen, die Festwochen weiterhin zu einem der f\u00fchrenden Festivals zur Pflege der Barockmusik in \u00d6sterreich\/Deutschland zu machen. F\u00fcr die historische Auff\u00fchrungspraxis f\u00fchlt man sich (noch nicht?) zust\u00e4ndig. Modernes Regietheater kann man auch im Repertoire Betrieb anderer Theater sehen.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Rupert Larl<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: von links: Anat Edri (Giacinta), Solen Mainguen\u00e9 (Silandra), Fernando Guimar\u00e3es (Alidoro), Giuseppina Bridelli (Orontea)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Narciso, eine mythische Liebesgeschichte, wird in die Gegenwart versetzt, als Tr\u00e4ger dient der bildgewaltige Film The Grand Budapest Hotel als \u201eGrand Hotel Arkadia\u201c. ..<\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5865\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":5866,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[134,266,116],"tags":[],"class_list":["post-5865","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-featured","category-innsbrucker-festwochen-der-alten-musik","category-musikfestivals"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5865","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5865"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5865\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5867,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5865\/revisions\/5867"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/5866"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5865"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5865"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5865"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}