{"id":5860,"date":"2014-09-13T16:14:21","date_gmt":"2014-09-13T15:14:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5860"},"modified":"2014-09-13T16:17:20","modified_gmt":"2014-09-13T15:17:20","slug":"wiesbaden-staatstheater-die-frau-ohne-schatten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5860","title":{"rendered":"DIE FRAU OHNE SCHATTEN &#8211; Wiesbaden, Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Strauss (1864-1949), Oper in drei Aufz\u00fcgen, Libretto: Hugo von Hofmannsthal (1874-1929), UA: 10. Oktober 1919 Wien, Haus am Ring<\/p>\n<p>Regie: Uwe Eric Laufenberg, B\u00fchne: Gisbert J\u00e4kel, Kost\u00fcme: Antje Sternberg, Licht: Andreas Frank, Choreinstudierung: Albert Horne, Christoph Stiller, Dramaturgie: Regine Palmai<\/p>\n<p>Dirigent: Zsolt Hamar, Hessisches Staatsorchester Wiesbaden, Stephan Breith (Solocello), Chor des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden<\/p>\n<p>Solisten: Thomas Piffka (Kaiser), Erika Sunneg\u00e5rdh (Kaiserin), Andrea Baker (Amme), Oliver Zwarg (Barak), Nicola Beller Carbone (F\u00e4rberin), Matias Tosi (Geisterbote bzw. Keikobad), Gloria Rehm (Stimme des Falken), Romina Boscolo (Stimme von oben), Aaron Cawley (Erscheinung eines J\u00fcnglings) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 12. September 2014 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Wiesbaden-Frau-o-Schatten.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5861\" alt=\"Die Frau ohne Schatten Richard Strauss (1864-1949)  in deutscher Sprache mit \u00dcbertiteln   Musikalische Leitung: Zsolt Hamar Inszenierung: Uwe Eric Laufenberg B\u00fchne: Gisbert J\u00e4kel Kost\u00fcme: Antje Sternberg Licht: Andreas Frank Chor: Albert Horne, Christoph Stiller Leitung Jugendchor: Dagmar Howe Dramaturgie: Regine Palmai   Auf dem Bild Andrea Baker, Erika Sunneg\u00e5rdh   Foto: Monika und Karl Forster\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Wiesbaden-Frau-o-Schatten.jpg\" width=\"564\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Wiesbaden-Frau-o-Schatten.jpg 564w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Wiesbaden-Frau-o-Schatten-300x212.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 564px) 100vw, 564px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/b><\/p>\n<p>Ein Kaiser aus der M\u00e4rchenwelt macht Jagd auf eine wei\u00dfe Gazelle. Diese verwandelt sich in die sch\u00f6ne Tochter des Geisterk\u00f6nigs Keikobad, ist jedoch kein Mensch aus Fleisch und Blut. Da sie also keinen Schatten wirft und nach zw\u00f6lf Monaten noch nicht schwanger ist, droht der Kaiser zu versteinern. Die Kaiserin reist mit ihrer d\u00e4monischen Amme zu F\u00e4rber Barak und dessen Frau in die Menschenwelt. Die F\u00e4rberfamilie ist ebenfalls kinderlos. Die Frau, vom Hokuspokus der Amme verblendet, verweigert sich Barak immer mehr und ist bereit, gegen Reichtum ihren Schatten herzugeben. Die Kaiserin durchschaut schlie\u00dflich den teuflischen Handel und beide Paare finden in wahrer Liebe zueinander.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung<\/b><\/p>\n<p>Zu Beginn ist man ein wenig ern\u00fcchtert \u00fcber den sterilen wei\u00dfen Kubus, in dem sich die erste Szene der M\u00e4rchenwelt abspielt. W\u00e4hrend des Berichts, was bisher geschah, \u00f6ffnet sich in der B\u00fchnenwand ein Ehebett in Aufsicht, worin man das nackte Kaiserpaar beim Schmusen sieht. Die Kost\u00fcme sind aus unserer Zeit, wenig erinnert an die m\u00e4rchenhafte Intention von Strauss\/Hofmannsthal. Mit dem geschlossenen Vorhang beim Zwischenspiel \u00e4ndert sich dies: wir sind nun in einer \u00e4rmlichen F\u00e4rberei. In diesem sichtbaren Elend f\u00fcgt sich die nun folgende menschliche Trag\u00f6die sehr gut ein. Auch Kerker und Jagdhaus sind zu erkennen, wobei letzteres wieder in die Sterilit\u00e4t der abstrakten M\u00e4rchenwelt zugeh\u00f6rt. Mit leichtem Augenzwinkern ist die Erscheinung des J\u00fcnglings in Szene gesetzt. Bei aller Tragik der Situation erscheint hier ein in Liebesdingen erfahrener <i>homo eroticus<\/i> in goldenem Tanga. Die Szenenwechsel und Zwischenmusiken erfolgen bei geschlossenem Vorhang und halten so den Spannungsbogen.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<\/b><\/p>\n<p>Dank der Akustik des historischen Wiesbadener Opernhauses ist dieser Abend musikalisch durchaus genie\u00dfbar. Der Klang des Orchesters ist transparent und ausgewogen, die solistischen Passagen sind raumf\u00fcllend und, trotz lauter Tutti-Eins\u00e4tze an vielen Stellen, gehen die Solisten in diesen Lawinen nicht unter. Die Auswahl der S\u00e4nger dagegen war eher durchwachsen. Da gab es zum einen <b>Andrea Baker<\/b> als Amme, die zwar \u00fcber ein beeindruckendes Volumen in tiefer und mittlerer Lage verf\u00fcgt, sobald sie ihrer Stimme jedoch etwas H\u00f6he zumutet, verh\u00e4rtet sich ihr Timbre hin zum Metallischen. Leider l\u00e4\u00dft auch die Artikulation zu w\u00fcnschen \u00fcbrig. Gerade beim anspruchsvollen deutschsprachigen Repertoire werden in Deutschland viel zu oft S\u00e4nger engagiert, die zwar vom Klang her den entsprechenden Charakter verk\u00f6rpern, der Partie phonetisch jedoch nicht gewachsen sind. <b>Nicola Beller Carbone <\/b>dagegen weist zwar eine etwas zerrissene Tessitura (Stimmumfang) auf, verk\u00f6rpert dies als F\u00e4rberin aber psychologisch durchaus glaubw\u00fcrdig. In Brustlage und mittlerer Lautst\u00e4rke verschlie\u00dft sich die Stimme, wirkt leicht verklo\u00dft und gepre\u00dft. Auch ihr oftmaliger Verzicht auf ein sanftes Vibrato verleiht der Partie eine gewisse H\u00e4rte und Unterk\u00fchlung. <b>Erika Sunneg\u00e5rdh<\/b> (Kaiserin) ist an manchen Stellen lediglich etwas d\u00fcnn im Ansatz und in Spitzent\u00f6nen teils sehr scharf, meistert die gro\u00dfe Partie jedoch ansonsten routiniert. <b>Thomas<\/b> <b>Piffka<\/b> (Kaiser) ist ein rauher Tenor mit lyrischer Note, wie das Werk es vorschreibt: mehr J\u00e4ger als Kaiser oder Liebhaber. <b>Gloria Rehm<\/b> singt die Partie des Falken mit lyrischem Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen und gef\u00fchlter Trauer. Dies kontrastiert mit dem harten Instrumentalsolo, das ihr Motiv vorwegnimmt. Hier tritt uns ein Falke entgegen der sehr menschlich f\u00fchlt und nicht papageienartig-mechanisch seine Noten abzwitschert. Ein H\u00f6hepunkt war sicherlich <b>Oliver Zwarg<\/b> als Barak. \u2013 eine beeindruckende Leistung, wie er sich seinen Weg als rudiment\u00e4rer F\u00e4rber und gutm\u00fctiger Liebhaber durch das Werk bahnt. Der Klang seiner Stimme in dieser hohen Bariton-Partie ist ausgewogen und sch\u00f6n zu h\u00f6ren, auch ein Hauch von Melancholie fehlt an vielen Stellen nicht. Eine kleine Sternstunde war zudem der kurze Auftritt von <b>Romina Boscolo<\/b> als <i>Stimme von oben<\/i>. Zwar ist ihr Volumen noch bei weitem nicht ausgereift, ihr Timbre jedoch ist \u00e4u\u00dferst reich an Klangfarbe und W\u00e4rme im Ausdruck. Wenn diese junge S\u00e4ngerin sich nicht von selbsternannten Stimmexperten ins falsche Fach dr\u00e4ngen l\u00e4\u00dft, darf man in einigen Jahren sicherlich einiges von ihr erwarten.<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>F\u00fcr den Start der neuen Intendanz unter <b>Uwe Eric Laufenberg<\/b> war das nicht ausverkaufte Opernhaus zur Er\u00f6ffnungspremiere eine kleine \u00dcberraschung. Wahrscheinlich wird man sich erst das unter den Vorg\u00e4ngern verlorengegangene Publikum m\u00fchsam zur\u00fcckerobern m\u00fcssen. <i>Die Frau ohne Schatten<\/i> ist zweifellos f\u00fcr jedermann eine gro\u00dfe Herausforderung. Wenn das Team sich dieser inhaltlich-seri\u00f6sen Linie treu bleibt, wird hier mit Sicherheit noch die eine oder andre gute Produktion zu sehen sein.<\/p>\n<p>Daniel Rilling<\/p>\n<p>Bild: Monika und Karl Forster<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Andrea Baker (Amme) li. , Erika Sunneg\u00e5rdh (Kaiserin) re.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 12. 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