{"id":5847,"date":"2014-08-20T15:27:30","date_gmt":"2014-08-20T14:27:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5847"},"modified":"2014-09-10T15:50:21","modified_gmt":"2014-09-10T14:50:21","slug":"in-bayreuth-nichts-neues","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5847","title":{"rendered":"In Bayreuth nichts Neues?!"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Wer meint, nur weil es 2014 keine Neuinszenierung in Bayreuth gibt, w\u00fcrde Stillstand herrschen, dem ist zu widersprechen. Stillstand herrscht vielleicht bei den Inszenierungen auf dem Gr\u00fcnen H\u00fcgel, und nur bei den Ank\u00fcndigungen zuk\u00fcnftiger Besetzungen oder bei \u00fcberraschenden Umbesetzungen oder Entlassungen kann man am H\u00fcgel noch Aufmerksamkeit erregen. Da ist in der \u00f6rtlichen Zeitung zu lesen, da\u00df sich die Zusammensetzung des Publikums ge\u00e4ndert habe, Karten kurzfristig teilweise f\u00fcr den halben Preis verf\u00fcgbar seien, Lokale nach den Vorstellungen leer bleiben.<\/p>\n<p>Ist das nicht die Gelegenheit nachzudenken, sich zu \u00fcberlegen, wohin sich Bayreuth und seine Festspiele entwickeln k\u00f6nnen? Zukunfts\u00e4ngste g\u00e4be es zuhauf, die Renovierung des Hauses steht an, eine neue Probeb\u00fchne wird gar nicht mehr erw\u00e4hnt, daf\u00fcr wird die Renovierung der Villa Wahnfried, wo <i>Wagners W\u00e4hnen Frieden<\/i> fand, l\u00e4nger dauern und die Betriebskosten bleiben ungekl\u00e4rt. Wir werden sehen, wo in zwei Jahren nach Katharinas Wagner <i>Tristan<\/i>, nach Jonathan Meeses <i>Parsifal<\/i> bei der massiven Konkurrenz aus Erl, Wels, Salzburg und demn\u00e4chst Bregenz, Bayreuth bleibt. Wagnerianer verabreden sich schon fest f\u00fcrs n\u00e4chste Jahr in Erl, wo man sich doch fr\u00fcher auf jeden Fall in Bayreuth traf.<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Wagner-Festspielhaus_Bayreuth.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5848\" alt=\"Wagner-Festspielhaus_Bayreuth\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Wagner-Festspielhaus_Bayreuth.jpg\" width=\"563\" height=\"375\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Wagner-Festspielhaus_Bayreuth.jpg 563w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Wagner-Festspielhaus_Bayreuth-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 563px) 100vw, 563px\" \/><\/a>Und die <i>Bayreuther Festspiele<\/i> widerlegen sich auch ein bi\u00dfchen selbst mit der <i>Kinderoper<\/i> f\u00fcr das ganz junge Publikum. Denn dieser <i>Lohengrin<\/i> ist wirklich entlang der originalen Handlung des Lohengrin inszeniert, bleibt nicht nur f\u00fcr Kinder verst\u00e4ndlich, unterhaltsam peppig inszeniert, mit einem Lohengrin, der den Schwan auf dem Fahrrad f\u00e4hrt, und einem Kinderchor, der beinahe auch die schwierigen Passagen meistert. Selbstverst\u00e4ndlich fehlen viel Musik und viele Teile der Handlung, aber dank einer festspielw\u00fcrdigen Besetzung (<b>Jukka Rasilainen<\/b> als etwas ungelenker aber stimmgewaltiger Telramund) kommen die bunten Ratten im Festspielhaus-Lohengrin ins Schwitzen: Wie sollen Kinder, die mit werkgetreuen Inszenierungen der Kinderoper an das Festspielhaus herangef\u00fchrt werden, mit den komplex-absurden Gedankenspr\u00fcngen des \u00fcberbordenden Regietheaters fertig werden?<\/p>\n<p>Vielleicht sehen es auch viele Stammg\u00e4ste kritisch, da\u00df mehrere Spielzeiten kein <i>Parsifal<\/i> auf dem Spielplan steht \u2013 das einzigartige Werk, das explizit f\u00fcr das Haus geschaffen wurde. Da ist man \u00e4u\u00dferst dankbar, da\u00df <b>Operleben <\/b>(www.operleben.de), eine kleine Theatertruppe aus Nachwuchsk\u00fcnstlern, Wagners <i>Parsifal<\/i> in einer gek\u00fcrzten Kammerfassung mit Klavier f\u00fcr vier S\u00e4ngern und einem Sprecher in einem stillgelegten Fabrikraum der <i>Porzellanmanufaktur Walk\u00fcre<\/i> (gleich unterhalb des Festspielh\u00fcgels) auff\u00fchrt \u2013 unter gro\u00dfer Begeisterung des kleinen Publikums. Die Leitung liegt bei <b>Felix Bruder<\/b>, der als Amfortas im wei\u00dfen B\u00fc\u00dfergewand und als Klingsor mit dem Gralsspeer sein Zauberwerk treibt. Sein Bariton hat eine ungewohnt helle Klangfarbe, ist jedoch stets absolut tiefensicher und verleiht mit vielen Charakterfarben und Lautst\u00e4rkeabstufungen seinen wechselnden Charakteren einen unverwechselbaren Ausdruck. <b>Daniel Pannermayer<\/b> ist auch stimmlich ein sehr agiler, junger Gurnemanz. Sein genau akzentuierender leichter Ba\u00dfbariton hat Zukunftschancen. Diese hat auch <b>Abigail Dyers<\/b> als Kundry. Ihr Sopran ist durchschlagsstark und h\u00f6hensicher, auch wenn sie manchmal zum Tremolieren neigt. <b>Markus Ahme<\/b> ist leider indisponiert, aber er ist ohne Zweifel ein angehender Heldentenor im Wagner-Fach. Auch stellte er schon an den Abenden zuvor seinen Legato-Gesang unter Beweis. So werden Passagen wie <i>Du wuschest mir die F\u00fc\u00dfe<\/i> zu echten Zwiegespr\u00e4chen. M\u00f6glich wird alles durch <b>Marcus Merkel<\/b>, der eine etwa zweieinhalbst\u00fcndige Fassung des <i>Parsifal<\/i> schuf und diese am Fl\u00fcgel mit viel Verve begleite. Diese sehr geschickt gek\u00fcrzte Fassung bringt die gro\u00dfen Gurnemanz-Monologe in einem kurzen Monolog unter: Der Sprecher der Vorgeschichte ist <b>Valentin Olbrich<\/b>. Was dem lautstark applaudierenden Publikum in der spartanischen Inszenierung sehr gef\u00e4llt.<\/p>\n<p>Als ebenso wichtig und auch in der Gunst des Festspielpublikums ganz ganz oben stellen sich die Beitr\u00e4ge der Studiob\u00fchne Bayreuth heraus. Unter der \u00c4gide des Wagner-Experten <b>Uwe Hoppe<\/b> (der es l\u00e4ngst verdient h\u00e4tte, einmal bei den Festspielen zu inszenieren!) kommen im Hof der Klaviermanufaktur Steingr\u00e4ber <i>Werke um das Werk Wagners<\/i> zur Auff\u00fchrung \u2013 mit vielen durchdachten und durchaus kritischen Anmerkungen. Dazu gibt es <i>Leubald<\/i>, ein unvertontes Fr\u00fchwerk Richard Wagners. Hans Martin Gr\u00e4bner spielt parallel zur Handlung am Fl\u00fcgel die Motive aus sp\u00e4teren Werken Wagners ein \u2013 und macht so die Bedeutung des Fr\u00fchwerks als Steinbruch f\u00fcr das sp\u00e4tere Werk Wagners deutlich: Bestimmte Motive wiederholen sich ja im Werk Wagners.<\/p>\n<p>Der zweite musikalische Beitrag ist <i>Till Eulenspiegel oder Gottes Bastard<\/i>, eine Art mittelalterliches Mysterienspiel, das untermalt mit mittelalterlichen Kl\u00e4ngen (komponiert von Klaus Straube), eingespielt von einem dreik\u00f6pfigen Orchester mit deftigem Humor und Sprache, Eulenspiegels Taten Revue passieren l\u00e4\u00dft. Zur Begeisterung des Publikums, das auch bei Regen den Weg ins Felsentheater in Sanspareil findet.<\/p>\n<p>Ebenso zugenommen hat die Nachfrage nach Einf\u00fchrungsvortr\u00e4gen, so mu\u00dfte <b>Sven Friedrich<\/b> vom Chorsaal in das Festspielhaus umziehen. Sein einziger Konkurrent ist <b>Hans Martin Gr\u00e4bner<\/b> in der Walhall-Lounge, einem neuen Restaurant oberhalb des Festspielhauses, nachdem <b>Stefan Mickisch<\/b>, der bisherige unbestrittene Platzhirsch, dieses Jahr nicht antreten konnte. Jeder der beiden Einf\u00fchrungsvortr\u00e4ge ist uneingeschr\u00e4nkt empfehlenswert: Friedrich sagt wie es ist, Gr\u00e4bner sagt wie es sein sollte, was die Problematik in Bayreuth auf den Punkt bringt.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Wikipedia<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Wagner-Festspielhaus-Bayreuth<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vielleicht sehen es auch viele Stammg\u00e4ste kritisch, da\u00df mehrere Spielzeiten kein Parsifal auf dem Spielplan steht&#8230;<\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5847\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":5848,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[173,134,116],"tags":[],"class_list":["post-5847","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-bayreuther-festspiele","category-featured","category-musikfestivals"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5847","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5847"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5847\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5849,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5847\/revisions\/5849"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/5848"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5847"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5847"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5847"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}