{"id":5828,"date":"2014-08-24T21:14:06","date_gmt":"2014-08-24T20:14:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5828"},"modified":"2014-08-27T13:51:36","modified_gmt":"2014-08-27T12:51:36","slug":"pesaro-rossini-opera-festival-3","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5828","title":{"rendered":"Pesaro, Rossini Opera Festival"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><b><i>Il barbiere di Siviglia \u2013 Der Barbier von Sevilla<\/i><\/b><\/p>\n<p>von Gioachino Rossini (1792-1868), Commedia in 2 Akten, Libretto: Cesare Sterbini nach der Kom\u00f6die <i>Le Barbier de S\u00e9ville<\/i> von Pierre Augustin Caron de Beaumarchais, U.A. 20. Februar 1816 Rom, Teatro Argentina, als <i>Almaviva ossia L`inutile precauzione \u2013 Almaviva oder Die nutzlose Vorsicht<\/i><\/p>\n<p>Dirigent: Giacomo Sagripatti, Orchester und Chor des Teatro Comunale di Bologna, Choreinstudierung: Salvatore Francavilla<\/p>\n<p>Aktionen:<em> Accademia di Belle Arti di Urbino<\/em> (Idee, szenische Elemente, Video, Kost\u00fcme)<\/p>\n<p>Solisten: Juan Francisco Gatell (Graf Almaviva), Chiara Amar\u00f9 (Rosina), Paolo Bordogna (Bartolo), Florian Sempey (Figaro), Alex Esposito (Basilio), Andrea Vincenzo Bonsignore (Fiorello\/ein Offizier), Felicia Bongiovanni (Berta), Alberto Pancrazi (Ambrogio, stumme Rolle)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 20. August 2014 (Premiere 11. August 2014, halbszenische Auff\u00fchrung)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Pesaro-Barbiere-tutti.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5829\" alt=\"Pesaro Barbiere tutti\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Pesaro-Barbiere-tutti.jpg\" width=\"633\" height=\"413\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Pesaro-Barbiere-tutti.jpg 633w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Pesaro-Barbiere-tutti-300x195.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 633px) 100vw, 633px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/b><\/p>\n<p>Bei einem St\u00e4ndchen, das Graf Almaviva mit einer Schar Musiker Rosina darbringt, kommt Figaro, ein alter Bekannter Almavivas, vorbei. Beide hecken Pl\u00e4ne aus, das M\u00fcndel Rosina aus der Abh\u00e4ngigkeit von Bartolo zu befreien. Figaro, ein stadtbekannter Barbier, kennt sich in solchen Dingen aus. Zun\u00e4chst geht aber alles schief. Schlie\u00dflich gelangen Almaviva und Figaro mit Hilfe einer Leiter ins Haus. Doch das Liebesgefl\u00fcster von Rosina mit dem Grafen zieht sich so in die L\u00e4nge, da\u00df die Leiter von Bartolo entdeckt und entfernt werden kann. Pl\u00f6tzlich kommen Basilio und ein Notar ins Haus, um die Ehe zwischen Dr. Bartolo und Rosina zu vollziehen. Almaviva besticht Basilio mit einem wertvollen Ring, so da\u00df dieser verschwindet. Nun wird kurzerhand die Hochzeit zwischen Almaviva mit Rosina geschlossen und der eintretenden Dr. Bartolo mu\u00df sich, wohl oder \u00fcbel, einverstanden erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung<\/b><\/p>\n<p>\u00dcberrascht waren wohl alle Zuschauer, da\u00df es sich keineswegs\u00a0\u2013 wie angek\u00fcndigt \u2013 um eine halbszenische Auff\u00fchrung handelte. Dagegen hatte die <i>Accademia di Belle Arti di Urbino \u2013 die Akademie der Sch\u00f6nen K\u00fcnste aus Urbino<\/i> \u2013 die Personenf\u00fchrung, Lichtregie etc. und Requisiten, offensichtlich ohne Regisseur (!), in Szene gesetzt.<\/p>\n<p>Die Oper beginnt bei geschlossenem Vorhang. Doch dieser erlaubt eine \u201everschleierte\u201c Sicht auf den Chor der Musiker. Man schlie\u00dft das Logentheater vollst\u00e4ndig in die Szene ein. Die Protagonisten kommen aus dem Zuschauereingang und erreichen, mit \u201egewitzten\u201c Unterbrechungen, die B\u00fchne. F\u00fcr die Unterrichtsstunde zum zweiten Akt steht ein Klavier mit geschweiftem Korpus bereit, das zu mannigfaltigen Aktionen Veranlassung gibt. Der Offizier, der den Streit des Grafen und Dr. Bartolos schlichten soll, wird auf einem Pferd sitzend hereingefahren. Den \u201efieberkranken\u201c Basilio versucht man, \u00fcber den Zuschauerraum in einer S\u00e4nfte hinauszutragen. Schnell hat man auch ein Fenster an der Front einer Loge angebracht, wo der Graf und Figaro eine Leiter anlegen. Auf der B\u00fchne sitzt stumm, von Beginn bis Ende, Ambrogio, der Diener Bartolos. Symbolisiert er den suspendierten Regisseur?<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<\/b><\/p>\n<p>Vital und schwungvoll beginnt das Orchester nach der flotten Ouvert\u00fcre unter seinem jungen Dirigenten <b>Giacomo Sagripatti<\/b> die Introduktion, wobei der <b>Chor<\/b> durch rhythmisch genaues Singen gl\u00e4nzt. Mit gro\u00dfer Emphase stellt sich der Argentinier <b>Juan Francisco Gatell<\/b> (Graf Almaviva) mit seiner Auftrittsarie <i>Ecco, ridende in cielo \u2013 sieh, l\u00e4chelnd am Himmel steigt die holde Morgenr\u00f6te <\/i>vor, die Verzierungen kommen genau und die Vokalisen huschen vorbei. Gatell hat eine schlanke Tenorstimme, er ist ein typischer <i>Tenore di grazie<\/i> \u00e4hnlich wie ihn Juan Diego Fl\u00f2rez besitzt. Mit dem allbekannten <i>Largo al factotum della citt\u00e0 \u2013 Platz dem Faktotum<\/i> (Allesk\u00f6nner) <i>der ganzen Stadt<\/i> bringt <b>Florian Sempey<\/b> (Figaro) den Saal zur Raserei, das Publikum tobt und \u00a0schreit <i>bravo<\/i>. Sempeys B\u00fchnenpr\u00e4senz und Gestik ist umwerfend, hinrei\u00dfend und brillant, auch in den weiteren Arien und Duetten. Er dominiert, wenn er auf die B\u00fchne kommt!<\/p>\n<p>Das ganze Theater bleibt weiter Schauplatz des Geschehens: <b>Chiara Amar\u00f9<\/b> (Rosina) tritt in einer Loge auf, geht dann auf die B\u00fchne und zeigt sich als vollkommene Belcantistin: Mit <i>Una voce poco fa \u2013 eine Stimme h\u00f6rt\u2018 ich eben <\/i>und sp\u00e4ter (2 Akt, 3. Szene): <i>Contro un cor \u2013 gegen ein in unausl\u00f6schbarem Feuer entbranntes Herz<\/i> erfreut sie die Zuh\u00f6rer mit<i> <\/i>schlank in die H\u00f6hen gef\u00fchrten und niemals forcierten Spitzent\u00f6ne. Ihr Atem reicht stets f\u00fcr alle langen Passagen, f\u00fcr die Dynamik und dem Marcato. Vokalisen und Rouladen perlen nur so aus ihrem l\u00e4chelnden Mund.<\/p>\n<p>H\u00f6chste artifizielle Kunst! Sie sollte man geh\u00f6rt haben, um Heinrich Heines Bemerkungen bez\u00fcglich Rossini zu verstehen: <i>Rossini, divino maestro, der du deine klingenden Strahlen \u00fcber die Welt verbreitest! \u2026 Ich erfreue mich deiner goldenen T\u00f6ne, deiner melodischen Lichter, deiner funkelnden Schmetterlingstr\u00e4ume, die mich so lieblich umgaukeln und mir das Herz k\u00fcssen wie mit Lippen der Grazien.<\/i> (Reisebilder II, 18. Kapitel). Und an einer anderen Stelle: <i>Die Ver\u00e4chter italienischer Musik, die auch dieser Gattung den Stab brechen, werden einst in der H\u00f6lle ihrer wohlverdienten Strafe nicht entgehen und sind vielleicht verdammt, die lange Ewigkeit hindurch nichts anderes zu h\u00f6ren, als Fugen von Bach<\/i>.<\/p>\n<p>Aber da\u00df auch Wahrheiten und Warnungen von einer Rossini-Oper ausgehen, erlebt man bei Basilios Verleumdungsarie: <i>La calunnia \u00e8 un venticello \u2013 die Verleumdung ist ein L\u00fcftchen.<\/i> <b>Alex Esposito<\/b> (Basilio) entledigt sich seiner Aufgabe in musterg\u00fcltiger Weise, wobei auch die \u201egestische\u201c Gestaltung von Dirigent und Orchester das ihre dazu beitragen. Eine \u00e4hnliche Botschaft bez\u00fcglich der heute aufbl\u00fchenden Prahlerei fa\u00dft Dr. Bartolo zusammen mit <i>Un dottor della mia sorte \u2013 um einen Doktor meines Ranges. <\/i><b>Paolo Bordogna<\/b> (Bartolo) beschert dem Publikum eine blendende Vorf\u00fchrung, wof\u00fcr sein rasendes, makelloses Parlando sorgt. Als dann <i>Buona sera, mio signore, pace, sonno e sanit\u00e0 \u2013 guten Abend, mein Herr, Friede, Schlaf und Gesundheit<\/i> ert\u00f6nte, singt das tobende Publikum beinahe vor Begeisterung mit.<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>Selten hat der Rezensent ein \u00e4hnlich mitgehendes, gestikulierendes und tobendes Publikum erlebt. Die Mitglieder der <i>Accademia der Sch\u00f6nen K\u00fcnste<\/i> aus Urbino, die diesen Abend ausrichteten, hatten sich sicherlich von den tollen Empfindungen des Pesaresen anstecken lassen.<\/p>\n<p>Dr. Olaf Zenner<\/p>\n<p>Bild: Studio Amati Bacciardi<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Alle Solisten: Paolo Bordogna (Bartolo), Chiara Amar\u00f9 (Rosina), Juan Francisco Gatell (Graf Almaviva), Alex Esposito (Basilio), Florian Sempey (Figaro), Felicia Bongiovanni (Berta) v.l.n.r.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 20. 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