{"id":5822,"date":"2014-08-25T21:05:34","date_gmt":"2014-08-25T20:05:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5822"},"modified":"2014-09-02T09:06:10","modified_gmt":"2014-09-02T08:06:10","slug":"pesaro-rossini-opera-festival","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5822","title":{"rendered":"Pesaro, Rossini Opera Festival"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Die Zusammenarbeit dreier Institute (Fondazione Rossini, Verlag Casa Ricordi und Rossini Opera Festival), einer einmalige Zusammenarbeit in der Musikwelt, gelingt es seit 1980 nicht nur Rossinis Kompositionen, sondern auch authentische Auff\u00fchrungen in Rossinis Geburtsstadt Pesaro (Adria) zustande zu bringen. Das Publikum kommt j\u00e4hrlich in steigender Zahl zu dieser sonnigen K\u00fcstenstadt und jubelt \u00fcber die gro\u00dfartigen S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger, die mit perfektem K\u00f6nnen den von Rossini so geliebten Belcanto-Gesang einer dankbaren Zuh\u00f6rerschaft pr\u00e4sentieren. Dieses Opernfestival hat nichts Vergleichbares in Europa! Hinzu kommt n\u00e4mlich, da\u00df hier nicht gemogelt wird, wie das h\u00e4ufig bei anderen Festivals \u00fcblich ist, bei denen man Operninszenierungen aus dem Repertoire f\u00fcr das Festival hervorkramt.<\/p>\n<p><b><i>Armida <\/i><\/b><\/p>\n<p>von Gioachino Rossini (1792-1868) Dramma per musica in 3 Akten, Libretto: Giovanni Federico Schmidt nach Episoden aus dem Epos <i>La Gerusalemme liberata \u2013 Das befreite Jerusalem<\/i> (1575) von Torquato Tasso, UA: 11. November 1817 Neapel, \u00a0Teatro San Carlo<\/p>\n<p>Regia: Luca Ronconi \u00a0B\u00fchne: Margherita Palli, Kost\u00fcme: Giovanna Buzzi, Licht: A.J. Weissbard, Choreographie: Michele Abbondanza<\/p>\n<p>Dirigent: Carlo Rizzi, Orchester und Chor des Teatro Comunale di Bologna, Choreinstudierung: Andra Faidutti<\/p>\n<p>Solisten: Randall Bills (Goffredo\/Ubaldo), Carmen Romeu (Armida), Antonio Siragusa (Rinaldo), Dmitry Korchak (Gernando\/Carlo), Carlo Lepore (Idraote\/Astarotte), Vassilis Kavayas (Eustazio)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 19. August 2014 (Premiere 10. August 2014)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Pesaro-Armida-romeu-lepore.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5823\" alt=\"Pesaro Armida romeu lepore\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Pesaro-Armida-romeu-lepore.jpg\" width=\"634\" height=\"413\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Pesaro-Armida-romeu-lepore.jpg 634w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Pesaro-Armida-romeu-lepore-300x195.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 634px) 100vw, 634px\" \/><\/a>Vorbemerkung<\/b><\/p>\n<p><i>Armida<\/i> war die dritte <i>Opera seria<\/i>, die Rossinis f\u00fcr Neapel komponierte. Davor waren <i>Elisabetta, K\u00f6nigin von England<\/i> (1815) und <i>Otello<\/i> (1816). Auch f\u00fcr Rossini war das Libretto mit der Zauberin und den D\u00e4monen eine neue Erfahrung. Einem Librettisten schrieb er Jahre sp\u00e4ter (1834): <i>Wenn ich Ihnen einen Rat geben darf, so w\u00e4r er der, sich auf die Grenzen des Nat\u00fcrlichen zu beschr\u00e4nken, anstatt weiter in die Welt der wilden Fantasien und teuflischen Ideen hineinzuirren <\/i>\u2026 (aus: H. Weinstock <i>Rossini, <\/i>S. 96).<\/p>\n<p>Im Mittelpunkt steht eine der faszinierendsten Figuren aus dem Werk des ber\u00fchmten Torquato Tasso. Der 25j\u00e4hrige Rossini brauchte drei Monate zur Komposition. Die S\u00e4ngerin der Armida,\u00a0Isabella Colbran, wurde 1822 seine\u00a0 Frau.<\/p>\n<p><b>Kurzinhalt<\/b><\/p>\n<p>Die Zauberin Armida kommt ins Kreuzritterlager nahe Jerusalems. Sie sind dabei, den Kreuzritter Dudone zu begraben. Armida gibt vor, Idraote w\u00fcrde ihr, der K\u00f6nigin von Damaskus, den Thron rauben. Er ist ihr Onkel und Vertrauter und steht neben ihr, was aber die Kreuzritter nicht erkennen. Vom Heerf\u00fchrer Goffredo erbittet sie flehentlich, ihr zehn Kreuzritter als Hilfe gegen ihre Feinde zu geben, nat\u00fcrlich in der Absicht, das Kreuzritterheer zu schw\u00e4chen.<\/p>\n<p>Goffredo gibt nach und Armida ist au\u00dfer sich vor Freude, zumal sie jetzt noch ihren ehemaligen Geliebten Rinaldo antrifft. Dieser wird als Nachfolger von Dudone gew\u00e4hlt, was wiederum Gernando so in Wut versetzt, da\u00df er Rinaldo zum Duell herausfordert. Rinaldo besiegt ihn, mu\u00df dann aber vor den Freunden Gernandos fliehen. Darauf hat Armida gewartet und nimmt ihn mit in ihr Zauberreich, wo er alle Freuden der Liebe mit ihr erlebt bis seine Freunde, Carlo und Ubaldo, kommen, um ihn von der Zauberin loszurei\u00dfen. Diese f\u00e4llt darob zun\u00e4chst in Wut, dann in Trauer und verschwindet schlie\u00dflich zusammen mit ihren H\u00f6llengeistern unter Androhung furchtbarer Rache in der Unterwelt.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung<\/b><\/p>\n<p>Auf der zum Hintergrund recht schmalen, sonst breiten B\u00fchne der Adriatic Arena stehen zwei hohe \u201eSchauk\u00e4sten\u201c mit gefallenen Kreuzrittern. Im zweiten Akt erscheinen die D\u00e4monen in einem hochst\u00e4mmigen Wald und die beiden Liebenden, Armida und Rinaldo, auf einer Wolke, von Blumen umgeben. Nach dem Ballett auf einer fast leeren B\u00fchne sind wir wieder im Wald, zun\u00e4chst mit dem Liebespaar und den \u201eBefreiern\u201c Ubaldo und Carlo. Zum Ende entf\u00fchren die D\u00e4monen Armida von einer leeren B\u00fchne in die Unterwelt.<\/p>\n<p>Die Krieger tragen rote Uniformen mit gl\u00e4nzendem Brustpanzer sowie Helm mit Federn aus der Zeit der Kreuzritter. Armida kommt mit nackten F\u00fc\u00dfen und langen, verschieden farbigen Kleidern auf die B\u00fchne. \u201eIhre\u201c D\u00e4monen sind schwarz oder grau gekleidet. Deren Anf\u00fchrer, Astarotte, tr\u00e4gt einen langen, schwarzen Mantel, den er um sich schlingen kann, so da\u00df\u00a0 Gesicht und Gestalt v\u00f6llig verschwinden. Zum Schlu\u00df zeigt sich auch Armida in leuchtend rotem Kleid mit riesigen roten Fl\u00fcgeln, \u00e4hnlich einer Fledermaus.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<\/b><\/p>\n<p>Befindet man sich beim Rossini Festival, so braucht man sich kaum um die G\u00fcte des Singens zu scheren, alles (oder fast alles) l\u00e4uft perfekt. Man erlebt einen Belcanto der Sonderklasse. Man befindet sich geradezu in einer Schule des H\u00f6rens!<\/p>\n<p>Mit unnachahmlicher Italianit\u00e0 rauscht die zweiteilige Sinfonia vor\u00fcber. Der stets vorz\u00fcglich intonierende Chor er\u00f6ffnet mit <i>Lieto, ridente oltre usato \u2013 ein strahlender Sonnenaufgang<\/i> und <b>Randall Bills<\/b> (Goffredo) mit <i>Ah!<\/i> <i>No: sia questo die tregua il giorno \u2013 Ah! Nein: heute sei ein Tag ohne Kampf. <\/i>Bills\u2018 gut fokussierter Tenor verspricht vieles: Deutlichkeit der Artikulation, formvollendete, leuchtende Koloraturen mit entsprechender Dynamik, eine Leistung, die dieser S\u00e4nger, auch bei seiner zweiten Rolle im letzten Akt als Ubaldo, aufrecht erh\u00e4lt. <b>Dmitry Korchak<\/b> (Gernando) zeigt in seiner langen Arie als Widersager Rinaldos einen weiteren H\u00f6hepunkt tenoraler Leistung: <i>Il sorte infida \u2013 t\u00fcckisches Schicksal<\/i> (5. Szene) und beim Duellbeginn mit Rinaldo: <i>Ch\u2019io tema il tuo sdegno \u2013 soll ich deinen Zorn f\u00fcrchten<\/i> (9. Szene). Seine Atemtechnik erprobt er in den langen Noten, denen abschlie\u00dfend manchmal komplizierte Koloraturen angeh\u00e4ngt sind. Wohltunend und intonationssicher das begleitenden Hornsolo! Beim Terzett (letzter Akt) erlebt das Publikum die beiden zusammen mit Rinaldo \u2013 <b>Randall Bills <\/b>als Ubaldo<b> <\/b>und <b>Dmitry Korchak <\/b>als Carlo \u2013noch einmal mit gro\u00dfem belcantistischen K\u00f6nnen.<\/p>\n<p><b>Antonio Siragusa<\/b> (Rinaldo) l\u00e4\u00dft kein Zweifel an seinen F\u00e4higkeiten aufkommen. Er ist in Italien ein sehr bekannter S\u00e4nger und das \u2013 wie wir hier erleben \u2013 mit Recht. Schon im Duett mit Gernando, mehr noch in den Duetten mit Armida, erstaunt man \u00fcber das Timing der Ornamente und der Kadenzen oder bei den Rouladen (rollenden schnellen Noten) und Vokalisen (riesige Tonleiterl\u00e4ufen), alles mit vollendeter Atemtechnik.<\/p>\n<p>Die Spanierin <b>Carmen Romeu<\/b> gibt der Person der Armida ihre durchschlagende Kraft und Dynamik. Rossini zeichnet in Armida die einzige weibliche Rolle, und zwar so isoliert wie sonst keine Frau in seinen Opern. Aber die aus Valencia stammende, in Rom ausgebildete junge Sopranistin h\u00e4lt die ungeheure Anstrengung ohne Erm\u00fcdungserscheinungen durch! Im Mittelpunkt ihrer wahrlich abenteuerlichen Arien und Duette steht die Rondo-Arie <i>D\u2019Amor al dolce impero \u2013 die Natur unterwirft sich immer den zarten Regeln der Liebe<\/i>, worin sie, mit dem Chor der Nymphen abwechselnd, die Fruchtbarkeit aller Lebewesen, der Tiere und Pflanzen und die Jugend mit ihrer verg\u00e4nglichen Sch\u00f6nheit darstellt. In diesem Feuerwerk Rossinianischer Verzierungskunst bewegt sich Carmen Romeu bei den gef\u00e4hrlichsten Intervallspr\u00fcngen oder Dreiklangsbrechungen, in den langen Vokalisen mit \u00fcberschnellen Triolen, das Vogelgezwitscher nachempfindend, sicher wie ein Fisch im Wasser und erfreut das Ohr mit Spitzent\u00f6nen ihres\u00a0 strahlenden Soprans . Es ist atemberaubend! Und gegen Ende der Oper gestaltet sie den Abschied von ihrem geliebten Rinaldo noch einmal mit sagenhaftem Belcantofunkeln. Dann entschwebt sie mit Hilfe ihrer D\u00e4monen, und wir k\u00f6nnen sie nicht aufhalten!<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>Die \u00e4u\u00dferst selten aufgef\u00fchrte<i> Armida<\/i> in all ihrem Zauber und riesigen Gesangsleistung zu stemmen, gelingt nur ganz wenigen Opernh\u00e4usern. Hervorheben sollte man die Tatsache, da\u00df keinerlei K\u00fcrzungen oder Striche vorgenommen wurden, \u00fcbrigens auch nicht beim <i>Barbiere di Siviglia<\/i>. Das und vieles andere macht das Rossini Opera Festival f\u00fcr die Melomanen zum\u00a0 Zentrum des Belcanto!<\/p>\n<p>Etwas, was bei uns ziemlich lieblos behandelt wird, ist das Programmheft. Hier bringt es den gesamten Text! Dar\u00fcber hinaus kann man den Operninhalt in Italienisch, Englisch, Franz\u00f6sisch, Deutsch, Spanisch und Japanisch lesen. Daneben gibt es wesentliche Aufs\u00e4tze zur Entstehung und zur kritischen Edition der Oper in italienischer und englischer Sprache. Solche Programmhefte werden seit jeher dem Publikum in Pesaro angeboten.<\/p>\n<p>Dr. Olaf Zenner<\/p>\n<p>Bild: Studio Amati Bacciardi<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: ein Soldat, li., Carmen Romeu (Armida), Carlo Lepore (Astarotte) re.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zusammenarbeit dreier Institute (Fondazione Rossini, Verlag Casa Ricordi und Rossini Opera Festival), einer einmalige Zusammenarbeit in der Musikwelt, gelingt es seit 1980 nicht nur Rossinis Kompositionen&#8230;<\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5822\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":5823,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[134,116,264],"tags":[],"class_list":["post-5822","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-featured","category-musikfestivals","category-pesaro-rossini-opera-festival"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5822","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5822"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5822\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5839,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5822\/revisions\/5839"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/5823"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5822"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5822"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5822"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}