{"id":5789,"date":"2014-07-29T10:59:50","date_gmt":"2014-07-29T09:59:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5789"},"modified":"2014-10-06T16:00:23","modified_gmt":"2014-10-06T15:00:23","slug":"32eme-festival-international-dopera-baroque-internationales-barock-opernfestival-beaune-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5789","title":{"rendered":"32\u00e8me Festival international d\u2019Op\u00e9ra Baroque \u2013 Internationales Barock-Opernfestival, Beaune"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><b><i>Les Grands Motets \u2013 Die gro\u00dfen Motetten <\/i><\/b><b>von Rameau und Mondonville<\/b><\/p>\n<p>von <b>Jean-Philippe Rameau<\/b> (1683-1764)<\/p>\n<p><i>Quam dilecta tabernacula tua <\/i>(Psalm 83,\u00a0<i> In convertendo Dominus captivitatem Sion <\/i>(Psalm 125, 1751)<\/p>\n<p><b>Jean-Joseph Cassan\u00e9a Mondonville<\/b> (1711-1772)<\/p>\n<p><i>Dominus regnavit <\/i>(Psalm 92, 1735), <i>In exitu Isra\u00ebl de Aegypto <\/i>(Psalm 113, 1755)<\/p>\n<p>Dirigent: William Christie, Chor und Orchester <i>Les Arts Florissants<\/i><\/p>\n<p>Solisten: Rachel Redmond (Dessus \u2013 Sopran), Katherine Watson (Dessus), Reinoud van Mechelen (Haute-contre \u2013 hoher Tenor), Cyril Auvity Taille \u2013Tenor), Marc Mauillon (Basse-taille \u2013 Bariton), Cyril Cosanzo (Basse)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 27. Juli 2014 (Basilique Notre-Dame)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Beaune-Christiekonzert.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5790\" alt=\"Beaune Christiekonzert\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Beaune-Christiekonzert.jpg\" width=\"522\" height=\"392\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Beaune-Christiekonzert.jpg 522w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Beaune-Christiekonzert-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 522px) 100vw, 522px\" \/><\/a>Vorbemerkung<\/b><\/p>\n<p>Die gro\u00dfen Motetten (<i>grands<\/i> <i>motets<\/i>) haben Michel-Richard Delalandes Versailler Motetten vom Beginn des 18. Jahrhunderts zum Vorbild und sie blieben Vorbild f\u00fcr alle Komponisten sp\u00e4terer <i>grands<\/i> <i>motets.<\/i> Die Struktur: Selbst\u00e4ndige Passagen von Solo-Arien (r\u00e9cits), vokalen Duos\u00a0 und Trios, Ch\u00f6re sowie orchestrale Ritornelle und Symphonien wechseln miteinander ab. Nach 1725 wurde die Motette zum kunstvollen Konzertst\u00fcck im Pariser <i>Concert Spirituel<\/i> und im <i>Concert Fran\u00e7ais<\/i>. Vielleicht k\u00f6nnte man sie mit k\u00fcrzeren Kantaten deutscher Komponisten, etwa eines Heinrich Sch\u00fctz des 17. Jahrhunderts, vergleichen.<\/p>\n<p>In der Struktur der <i>grands<\/i> <i>motets<\/i> im 18. Jahrhundert kam es zu einigen Ver\u00e4nderungen: man f\u00fcgte Bl\u00e4ser- und l\u00e4nger Orchesterteile hinzu. Hier machten sich Einfl\u00fcsse der Opern von Lully und Campra bemerkbar, etwa schnelle Violinfigurationen bei den Chorpartien. Die Sologes\u00e4nge sind oft gestaltet wie eine italienische Dacapo Arie. Nach 1730 wurden diese <i>grands<\/i> <i>motets <\/i>kaum noch<i> <\/i>f\u00fcr kirchliche Zwecke, sondern eher f\u00fcr den Konzertgebrauch geschrieben. Das trifft vor allem auf Rameaus <i>grands<\/i> <i>motets <\/i>zu.<\/p>\n<p><b>Das Konzert<\/b><\/p>\n<p>Das Konzertprogramm bestand aus <i>grands<\/i> <i>motets<\/i> von Mondonville und Rameau. Die <i>Gro\u00dfen Motetten<\/i> des j\u00fcngeren Jean-Joseph Cassan\u00e9a <b>Mondonville<\/b> waren f\u00fcr den Rezensenten eine \u00dcberraschung. Auch in Frankreich ist Mondonville erst seit wenigen Jahren bekannt. Beide Motetten halten strukturell und vom Klangeindruck durchaus den Vergleich mit Kantaten von Johann Seb. Bach aus. Mondonvilles Naturbeschreibung, etwa das Zur\u00fcckweichen des Meeres bei Israels Flucht aus \u00c4gypten (<i>mare vidit, et fugit \u2013 das Meer sah es und floh<\/i>) erinnert ein wenig an Passagen Vivaldischer Konzerte (<i>Jahreszeiten<\/i>).<\/p>\n<p>Und eine solch wirkungsvolle Musik lag \u00fcber 300 Jahre unentdeckt in der Pariser Nationalbibliothek? Was wird man noch finden? Den Entdeckern und Herausgeben der Partituren, William Christie und Mitgliedern seines Orchesters <i>Les Arts Florissants,<\/i> ein gro\u00dfes Dankesch\u00f6n daf\u00fcr!<\/p>\n<p>Die S\u00e4nger entstammen gr\u00f6\u00dftenteils Christies <i>Akademie f\u00fcr junge S\u00e4nger<\/i> (<i>Jardin des Voix \u2013 Garten der Stimmen<\/i>) aus Caen (Normandie). Sie sind \u201eerste Sahne\u201c. Ihre Intonation, Atemtechnik, Artikulation, Flexibilit\u00e4t der Stimmregister, die Akkuratesse der Triller, Verzierungen und Koloraturpassagen, das Legato, die dynamische Behandlung der Gesangspartien kann man nur mit <i>vollkommen<\/i> bezeichnen. Es war ein Lehrbeispiel f\u00fcr Gesang auf h\u00f6chstem Niveau! Das gilt f\u00fcr alle Solisten und nat\u00fcrlich auch f\u00fcr den Chor.<\/p>\n<p>Ein weiteres Moment sei aufgezeigt: das ist der \u201eSound\u201c von Christies Orchester <i>Les<\/i> <i>Arts Florissants<\/i>, das er seit 1979 stetig aufgebaut hat. Der volle Klang des Orchesters ist von einer solchen Sanftheit, ja douceur (Zartheit), der seinesgleichen sucht. Es wird ja h\u00e4ufig vom \u201edeutschen Orchesterklang&#8220; gesprochen, etwa bei der Dresdner Staatskapelle. Christies Orchester bringt einen Klang zustande, der aus der Wirklichkeit in eine unendlich sch\u00f6ne Welt entr\u00fcckt!\u00a0 Auffallend die beiden Oboen oder die beiden Fl\u00f6ten oder die Fagotte, die dem Orchester einen unverwechselbaren Charakter geben.<\/p>\n<p>Die <i>grands<\/i> <i>motets <\/i>von <b>Rameau<\/b> sind ein wenig mehr bekannt und wirken dennoch frisch und unverbraucht. Sie zeigen den genialen Franzosen in seinem ganzen K\u00f6nnen und stehen keineswegs hinter seinen besser bekannten Opern zur\u00fcck. Leider h\u00f6rt man diese Kompositionen in Deutschland nur sehr selten.<\/p>\n<p>Zum Ende des Konzerts gibt es noch eine \u00dcberraschung. Christie bedankt sich f\u00fcr den \u00fcberaus herzlichen Empfang, den das Publikum ihm zu Beginn, w\u00e4hrend und zum Abschlu\u00df bereitet hat (dieses Jahr war er zu drei\u00dfigste Mal beim Festival von Beaune) mit vier (!) Zugaben. Wie erfahrene Kenner seiner Konzerte berichteten, gibt oder gab William Christie nie Zugaben. Und hier waren es sogar vier!<\/p>\n<p>Zum ersten erkl\u00e4rte er: <i>Wir spielen Ihnen hier den bei Castor und Pollux gestern nicht gebrachten Eingangschor \u201aQue tout g\u00e9misse \u2013 alles soll klagen\u2018<\/i> (Grabgesang f\u00fcr den toten Castor. Rameau hatte ihn aus der ersten Fassung von 1737 in der zweiten Fassung von 1754 nicht \u00fcbernommen). Claude Debussy schrieb dar\u00fcber: <i>Gleich von den ersten Takten des Spartanerchors ist man ergriffen und ger\u00fchrt von dieser tragischen Stimmung<\/i>.<\/p>\n<p>War die Darbietung durch <i>Les Arts Florissants<\/i> der gro\u00dfen Traurigkeit angepa\u00dft, so zeigte die zweite Zugabe mit Katherine Watson (Ph\u00e9b\u00e9) \u00a0und Cyril Auvity (Pollux) im Duett (4. Akt, 2. Szene) eine untadelige, stimmliche Darstellung. Als letzte Zugabe wiederholte Christie die umwerfenden \u201eBeschreibung\u201c des Meers (<i>Mare vidit, et fugit<\/i>) aus <i>In exitu Isra\u00ebl von Mondonville. <\/i>Unnachahmlich, wie\u00a0 dieser f\u00fcr uns so unbekannte Barockmeister durch piano \u2013 forte das zur\u00fcckweichende Wasser des Meers lautmalerisch nachahmt.<\/p>\n<p>Doch davor gab William Christie als dritte Zugabe eine Demonstration des unvergleichlich subtilen Klangbildes seiner <i>Arts Florissants<\/i> mit einem Orchesterst\u00fcck aus dem Ballett <i>Les Indes galantes<\/i>. Dieses Rameau\u2018sche Musikst\u00fcck, voller Wohllaut und Ruhe, verlieh dem unverge\u00dflichen Abend den geb\u00fchrenden Schlu\u00dfakzent.<\/p>\n<p>Dr. Olaf Zenner<\/p>\n<p>Bild: Ae Lee Kim<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: William Christi (im wei\u00dfem Jackett), Chor und Orchester <em>Les Arts Florissants<\/em> und Solisten<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 27. 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