{"id":578,"date":"2009-03-14T13:05:25","date_gmt":"2009-03-14T11:05:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=578"},"modified":"2009-03-18T13:10:18","modified_gmt":"2009-03-18T11:10:18","slug":"gera-buhnen-der-stadt-gera-scharlatan","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=578","title":{"rendered":"Gera, B\u00fchnen der Stadt Gera &#8211; SCHARLATAN"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Pavel Haas, Oper in drei Akten und sieben Bildern, Libretto von Pavel Haas, UA: 2. April 1938, Br\u00fcnn, Landestheater<br \/>\nRegie: Kay Kuntze; B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Duncan Hayler;<br \/>\nDirigent: Jens Troester, Philharmonisches Orchester Altenburg-Gera, Opernchor von Theater &amp; Philharmonie Th\u00fcringen, Einstudierung: Bernhard Ott.<br \/>\nSolisten: Andreas Scheibner (Dr. Eisenbart), Katrin Strocka (Amaranta), Franziska Rauch (Rosina), Kai Wefer (Jochimus), Peter-Paul Haller (Bakkalaureus), James Wood (Feuerfresser\/Mann mit Kr\u00fccken\/Deserteur\/Scheusal) u.a.<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 6. M\u00e4rz 2009 (Premiere\/deutsche Erstauff\u00fchrung)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"gera-schalatan.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/gera-schalatan.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"gera-schalatan.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/gera-schalatan.jpg\" \/><\/a>Die Handlung spielt Ende 17. Jahrhunderts. Doktor Eisenbart und seine Gaukler-Gef\u00e4hrten schlagen das Publikum mit werbewirksamen Therapien und artistischen Einlagen in ihren Bann. Pl\u00f6tzlich erscheint Amaranta, die Frau eines Professors. Sie erz\u00e4hlt Esenbart, da\u00df sie seit einer Fehlgeburt v\u00f6llig gel\u00e4hmt sei. Mit einer eigenwilligen Brennessel-Kur kann er sie von ihrem Leiden befreien und \u00fcberredet sie, von ihrer Sch\u00f6nheit berauscht, sich seiner Truppe anzuschlie\u00dfen. Mitten im Jubel klagt der M\u00f6nch Jochimus Eisenbart der Scharlatanerie an. Er reist dessen Truppe in eine andere Stadt nach und versucht, Amaranta zur R\u00fcckkehr zu \u00fcberreden. Eisenbarts Ehefrau Rosina hat mittlerweile das Verh\u00e4ltnis von Eisenbarth mit Amaranta durchschaut und geht w\u00fctend auf ihre Konkurrentin los. Nachts vor einer M\u00fchle macht Eisenbart Amaranta gl\u00fchende Liebeserkl\u00e4rungen, doch verst\u00f6rt weist sie ihn zur\u00fcck. Gleichzeitig planen zwei Mitglieder der Truppe, den Doktor zu bestehlen, aber Eisenbart kommt ihnen auf die Schliche. In einer anderen Stadt preist er sein neustes Mittel an, das Lebenselexir \u201eSpiritus Universale\u201c. Jochimus verschwindet unbemerkt mit Amaranta im Get\u00fcmmel. Einige Zeit sp\u00e4ter kommt ein schwerkranker Patient zu Eisenbart. Er entpuppt sich als Jochimus. Trotz Operation kann der Arzt seinen Patienten nicht retten. Der P\u00f6bel beschimpft ihn als Scharlatan und fordert seinen Tod. Nach der Aufl\u00f6sung der Truppe verf\u00e4llt Eisenbart dem Alkohol und seinen Depressionen. In einer Schenke meint er pl\u00f6tzlich den verstorbenen M\u00f6nch zu sehen und bricht vor Schreck tot zusammen.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDie \u00fcberwiegend dunkle und leere B\u00fchne gibt im ersten Bild zun\u00e4chst den knalligen, zum Teil skurrilen rot-blauen Latexkost\u00fcmen des Doktors und seiner Truppe Wirkungsraum. Allein die wei\u00df gepuderte, riesige Lockenper\u00fccke Eisenbarts weist auf die Epoche hin. Sein blauer Umhang mit goldenem Stern erinnert an einen Superhelden aus amerikanischen Comics. Sowohl Amarantas als auch Jochimus Kost\u00fcme \u2013 sie ganz in wei\u00df und er ganz in schwarz \u2013 stehen dazu stark im Kontrast. Im Verlauf der Oper dekorieren abwechselnd ein gro\u00dfer Frauenkopf samt Br\u00fcsten aus der Vogelperspektive oder schwebende Fu\u00dfsohlen den Raum. Die M\u00fchle aus dem zweiten Akt wird lediglich durch sich drehende Sensen angedeutet und am Ende des Gelages durch die betrunkenen Mitglieder der Gauklertruppe angez\u00fcndet. Im dritten Akt sinkt der Frauenkopf von  der Decke herab und \u00f6ffnet sich nach oben zu einem rot-blauen Gewirr aus Nervenbahnen und Blutgef\u00e4\u00dfen. Die Konstruktion f\u00e4llt aber nach der mi\u00dfgl\u00fcckten Operation in sich zusammen und wird vom Wirt weggefegt. Der Chor als anonyme Masse erscheint abwechselnd in b\u00e4uerlichen Trachten des Mittelalters, in wei\u00dfen Gew\u00e4ndern mit Gesichtsmasken \u00e0 la Kukuxklan und zum Schlu\u00df als Jochimuskopien in denselben schwarzen M\u00f6nchskutten.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nUnumstrittener Star des Abends war der lyrische Bariton <strong>Andreas Scheibner<\/strong> als Doktor Eisenbart. Seine Darstellung, unterstrichen durch seine facettenreiche Stimme mit pr\u00e4ziser Tonf\u00fchrung, zeigte die absteigende Skala vom zun\u00e4chst selbstbewu\u00dften, bewunderten Arzt, \u00fcber einen an sich zweifelnden Mann angesichts der Kriegsschrecken bis hin zum depressiven, ausgebrannten Versager. Auch die Sopranistin <strong>Katrin Strocka<\/strong> gl\u00e4nzte stimmlich und darstellerisch. Ihre Interpretation der Amaranta war sowohl kokett-naiv, selbstbewu\u00dft eitel, als auch verst\u00f6rt und ver\u00e4ngstigt. Gr\u00f6\u00dfte Intervallspr\u00fcnge bew\u00e4ltigte sie ohne Schwierigkeiten. Ihre Stimme blieb auch in den tieferen, teils in Sprechgesang wechselnden Lagen, kr\u00e4ftig und warm. Mit seinem sonoren, volumin\u00f6sen Ba\u00df bildete <strong>Kai Wefer<\/strong> (M\u00f6nch Jochimus) einen positiven stimmlichen Kontrast zu seinen beiden Kollegen. Mehr Textverst\u00e4ndlichkeit w\u00e4re aber bei allen Ensemblemitgliedern zu w\u00fcnschen gewesen. Zum Gl\u00fcck gab es \u00dcbertitel.<br \/>\nEin weiteres Mal f\u00fchrte <strong>Jens Troester<\/strong> das <strong>Philharmonische Orchester Altenburg-Gera<\/strong> zu H\u00f6chstleistungen. Die Musiker produzierten, wenn auch in \u00fcberwiegend gleich bleibender Dynamik, einen leidenschaftlichen und trotzdem transparenten Gesamtklang.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nPavel Haas einzige Oper verliert in dieser deutschen Erstauff\u00fchrung nichts von ihrer politisch-geschichtlichen vorahnenden Stimmung. Die Sensenm\u00fchle erinnert auff\u00e4llig an ein Hackenkreuz. Musikalisch wird der H\u00f6rer allerdings in eine Mischung aus mittelalterliche Jahrmarksmusik, Jazzkl\u00e4ngen und Expressionismus der 30er Jahre hineingezogen. Die Inszenierung \u00fcberzeugt durch ihrer intelligente Figurenregie in Zusammenspiel mit der phantasievollen Ausstattung und entl\u00e4\u00dft den Besucher mit einem Gef\u00fchl der Begeisterung.<br \/>\nJosephin Wietschel<\/p>\n<p>Bild: Stephan Walzl<br \/>\nBildlegende: Andreas Scheibner (Dr. Eisenbart) bei einer Operation umgeben von Johannes Weinhuber (Spinnweb), Franziska Rauch (Rosina), Peter-Paul Haller (Bakkalaureus), Bernhard H\u00e4nsch (Schlangenbeschw\u00f6rer) und dem Chor (Bauernvolk)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Pavel Haas, Oper in drei Akten und sieben Bildern, Libretto von Pavel Haas, UA: 2. 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