{"id":5763,"date":"2014-06-15T11:22:57","date_gmt":"2014-06-15T10:22:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5763"},"modified":"2014-06-22T11:26:51","modified_gmt":"2014-06-22T10:26:51","slug":"le-nozze-di-figaro-hof-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5763","title":{"rendered":"LE NOZZE DI FIGARO &#8211; Hof, Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) Commedia per musica (Opera buffa) in vier Akten, Libretto: Lorenzo da Ponte nach Beaumarchais UA: 1. Mai 1786 Wien, Burgtheater<\/p>\n<p>Regie: Fran\u00e7ois de Carpentries, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Karine van Hercke<\/p>\n<p>Dirigent: Arn Goerke, Hofer Symphoniker und Opernchor, Choreinstudierung: Cornelius Volke<\/p>\n<p>Solisten: Jens Waldig (Figaro), Carolina Ullrich\/Inga Lisa Lehr (Susanna), Birger Radde (Graf Almaviva), Jan Cornelius (Gr\u00e4fin Almaviva), Anna Brull (Cherubino), Masako Iwamoto-Ruiter (Barbarina), Hyung-Wook Lee (Bartolo), Stefanie Rhaue (Marcellina), Mathias Frey (Basilio) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 13. Juni 2014 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Hof-Figaro.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5764\" alt=\"Hof Figaro\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Hof-Figaro.jpg\" width=\"599\" height=\"412\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Hof-Figaro.jpg 599w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Hof-Figaro-300x206.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 599px) 100vw, 599px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/b><\/p>\n<p>Figaro und Susanna sind Bedienstete des Grafen Almaviva und wollen heiraten. Cherubino entdeckt, da\u00df der Graf Susanna nachstellt und wird deshalb vom Grafen hinwegbef\u00f6rdert. Nachdem Cherubino der Gr\u00e4fin ein Liebeslied vorgetragen hat, klopft der Graf w\u00fctend an die T\u00fcr. Cherubino kann aus dem Fenster fl\u00fcchten. Doch der Graf findet nur Susanna vor. Der G\u00e4rtner Antonio berichtet, er habe Cherubino aus dem Fenster springen sehen, aber Figaro behauptet, er w\u00e4re es gesprungen. In den Tumult platzt Marcellina, die Figaro im Gegenzug f\u00fcr ein Heiratsversprechen Geld geliehen hatte. Nun pocht sie auf das Eheversprechen. Die Heirat ist vom Tisch als sich herausstellt, da\u00df Marcellina Figaros Mutter ist. Nachts im Park erwartet die Gr\u00e4fin in Susannas Kleidern den treulosen Ehemann. Figaro glaubt hingegen, seine Ehefrau wolle ihn betr\u00fcgen. Nach einigen Verwirrungen finden die Paare wieder zueinander.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung<\/b><\/p>\n<p>Die stets fast leere B\u00fchne ist vom Hintergrund her in einen bl\u00e4ulich-violetten Farbton getaucht. Blickfang sind \u00fcberdimensionale Uhren oder Bauteile davon, die die wenigen konkreten Requisiten wie Schrank, Tisch, Bett, T\u00fcr oder Stuhl an den Rand dr\u00e4ngen. Im ersten Akt stehen mehrere kleine Zifferbl\u00e4tter halbversenkt im Boden, im Zimmer der Gr\u00e4fin ist ein \u00fcberdimensionales Zifferblatt Bestandteil der Gitter der Fensterfront. In der Gerichtsszene zeigt eine Uhr mit Sonnenkranz den Machtanspruch des Grafen an, w\u00e4hrend im Park nur noch Zahnr\u00e4der den Maskenball im Dunklen begleiten, w\u00e4hrend im Hintergrund schon die Revolution mit Guillotine heraufd\u00e4mmert. Die Figuren sind als Zerrbilder in barockisierenden Kost\u00fcmen passend zur Entstehungszeit gekleidet, k\u00f6nnten aber auch der <i>Commedia dell&#8217;arte<\/i> entsprungen sein. So w\u00e4re der Graf ein tragischer Pierrot, Marzelline die Brighella, Dottore (Bartolo) ist ganz er selbst, nur Don Basilio wirkt wie eine zeitlose Mischung aus Struwwelpeter, Max und Moritz.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger-Orchester<\/b><\/p>\n<p>Wenn ein Intendant vor den Vorhang tritt, droht meist eine Umbesetzung. In diesem Fall \u00fcbernimmt <b>Carolina Ullrich<\/b> f\u00fcr <b>Inga Lisa Lehr<\/b>, die die aufwendig choreographierte Rolle der Susanna auf der B\u00fchne darstellt, w\u00e4hrend Carolina Ullrich aus dem Orchestergraben singt. Die chilenische lyrische Sopranistin mit warmen vollt\u00f6nenden Charaktert\u00f6nen ist im Ensemble der Semperoper Dresden und hat dort die Partie der Susanna langj\u00e4hrig intensiv erarbeitet. Sie kann mit spielerischer Leichtigkeit und mit viel Witz alle Nuancen der Susanna intensiv gestalten. <b>Anna Brull<\/b> (Cherubino) klingt mit fester Stimme stahlhart sch\u00f6n, ist aber vom Klangbild her nicht so der jugendlich feurige Liebhaber, obwohl gen\u00fcgend spanisches Feuer lodert. Als Mezzo zeichnet <b>Jan Cornelius<\/b> die Gr\u00e4fin als tiefsinnigen, nachdenklichen Charakter. Mit weichem runden Klangbild unterstreicht sie, gerade in der Auftrittsarie <i>Porgi, amor, qualche ristoro,<\/i> mit bestechend sicherer H\u00f6he ihre hohe Stellung als Gr\u00e4fin \u2013 wenn auch mit leicht tremolierender Stimme. <b>Stefanie Rhaue<\/b> stellt die b\u00f6sartige Intrigantin dar und verleiht mit ihrer dunkel timbrierten, kr\u00e4ftigen Stimme der Marcellina entsprechendes Profil. <b>Mathias Frey<\/b> (Basilio) hat einen gut ausbalancierten, lyrischen Tenor, der sich mit sicherer H\u00f6he gut entwickelt hat. <b>Thilo Andersson<\/b> beeindruckt mit seinem Kurzauftritt als stotternder Don Curzio. <b>Jens Waldig<\/b> ist eine sichere Bank, der mit treffsicheren und durchschlagsstarken Bariton einen leicht beschr\u00e4nkten Figaro gibt. <b>Birger Radde<\/b> besitzt einen vollt\u00f6nenden Bariton mit gro\u00dfer Reichweite in den Registern, der einen vielschichtigen Almaviva zwischen Freude und Verzweiflung zeichnet und stimmlich \u00fcber Raum f\u00fcr Gef\u00fchl und W\u00e4rme verf\u00fcgt. <b>Arn Goerke<\/b> f\u00fchrt die Hofer Symphoniker mit viel Esprit durch Mozarts Werk, das er als zeitlose, revolution\u00e4re, musikalische Kom\u00f6die an der Grenze zum 19. Jahrhundert sieht.<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p><i>Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding<\/i>, hei\u00dft es im <i>Rosenkavalier<\/i> von Richard Strau\u00df und das k\u00f6nnte man auch als Motto dieser B\u00fchnenproduktion nehmen, in der Uhren in jeder Form und Gr\u00f6\u00dfe zentrale Bestandteile des B\u00fchnenbildes sind. So unterstreicht man den zeitlosen Anspruch des <i>Figaro<\/i> als heitere Sommer-Verwechslungskom\u00f6die, die zwischen farbenpr\u00e4chtigem, venezianischem Maskenball (im 4. Akt) und <i>Commedia dell&#8217;arte<\/i> anlegt ist. Deshalb und auch des mitrei\u00dfenden S\u00e4ngerensembles wegen l\u00e4\u00dft das Publikum den Abend mit st\u00fcrmischen Applaus ausklingen.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Harald Dietz, SFF Fotodesign, Hof<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Hyung-Wok Lee (Bartolo), Stefanie Rhaue (Marcellina), Birger Radde (Il Conte di Almaviva), Thilo Andersson (Don Curzio) und Jens Waldig (Figaro)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 13. 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