{"id":5759,"date":"2014-06-16T13:01:56","date_gmt":"2014-06-16T12:01:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5759"},"modified":"2014-06-18T13:06:28","modified_gmt":"2014-06-18T12:06:28","slug":"die-frau-ohne-schatten-leipzig-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5759","title":{"rendered":"DIE FRAU OHNE SCHATTEN &#8211; Leipzig, Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Strauss (1864-1949), Oper in drei Akten, Text von Hugo von Hofmannsthal, UA: 10. Oktober 1919 Wien, Staatsoper<\/p>\n<p>Regie: Bal\u00e1zs Kovalik, B\u00fchne: Heike Scheele, Kost\u00fcme: Sebastian Ellrich<\/p>\n<p>Dirigent: Ulf Schirmer, Gewandhausorchester, Chor und Kinderchor der Oper Leipzig, Choreinstudierung: Alessandro Zuppardo<\/p>\n<p>Solisten: Burkhard Fritz (Der Kaiser), Simone Schneider (Die Kaiserin), Doris Soffel (Die Amme), Tuomas Pursio (Der Geisterbote), Sebastian Fuchsberger (Die Erscheinung eines J\u00fcnglings), Olena Tokar (Die Stimme des Falken), Sandra Janke (Eine Stimme von oben), Thomas J. Mayer (Barak), Jennifer Wilson (Baraks Frau), Jonathan Michie (Der Ein\u00e4ugige), Sejong Chang (Der Einarmige), Dan Karlstr\u00f6m (Der Bucklige)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 14. Juni 2014 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Leipzig-Frau-ohne-Schatten.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5760\" alt=\"Leipzig Frau ohne Schatten\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Leipzig-Frau-ohne-Schatten.jpg\" width=\"592\" height=\"365\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Leipzig-Frau-ohne-Schatten.jpg 592w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Leipzig-Frau-ohne-Schatten-300x184.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 592px) 100vw, 592px\" \/><\/a>Kurzinhalt <\/b><\/p>\n<p>In Hofmannsthals Zauberm\u00e4rchen stehen sich zwei Paare gegen\u00fcber: der Kaiser der s\u00fcd\u00f6stlichen Inseln hat die Tochter des Geisterk\u00f6nigs Keikobad auf der Jagd erbeutet und sich mit ihr verm\u00e4hlt. Nicht l\u00e4nger Fee und noch nicht menschliches Wesen ist sie eine \u201eFrau ohne Schatten\u201c und kinderlos. Ein Falke prophezeit Unheil: Wenn sie keinen Schatten wirft, mu\u00df der Kaiser zu Stein werden. Die Feentochter und ihre Amme, letztere ein mephistophelisches Wesen, das die Menschen verabscheut, begeben sich auf die Suche und treffen auf das zweite (kinderlose) Paar, den F\u00e4rber Barak und seine griesgr\u00e4mige Frau, die f\u00fcr Gold und Gew\u00e4nder alles herzugeben bereit ist. Das stolz entr\u00fcckte Kaiserpaar wird ebenso wie das allzu weltliche F\u00e4rberehepaar Pr\u00fcfungen in Keikobads Geisterwelt unterzogen Am Ende gewinnen Menschlichkeit und wahres Ehegl\u00fcck.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung <\/b><\/p>\n<p>Das Regieteam hat sich f\u00fcr eine surreale und zeitlose M\u00e4rchenkulisse entschieden. Die vielen kontrast-reichen Szenenwechsel der Oper werden mit Schiebew\u00e4nden, Vorh\u00e4ngen und mehrgeschossigen B\u00fchnen-bildern umgesetzt, die zwischen schriller Buntheit, Nostalgie und musealer Schlichtheit changieren. In der elfenbeinernen Welt des Kaiserpaares dominieren B\u00fcsten, Jagdtroph\u00e4en und ein Ehebett mit goldener Satinbettw\u00e4sche. Die Welt der Menschen kennzeichnen betongraue H\u00e4userfluchten, \u201es\u00fcndige\u201c Leuchtreklamen, Arbeitsmonturen und Pappkartons. Die F\u00e4rberfrau ist eine \u201eCindy aus Marzahn\u201c und l\u00e4\u00dft sich vom Prunk des Wiener Opernballs verf\u00fchren. Als moderne Hexe erscheint die Amme in grellrotem Hosenanzug, die Fee ist ein Ebenbild von Kaiserin Sissy, ihr Mann ein Uniformierter. Die \u00fcppige Bilderflut reduziert sich zum Finale hin, bis die gewonnene Schlichtheit von einer Kinderwagenlawine \u00fcberrollt wird.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<\/b><\/p>\n<p>Die Oper Leipzig hat die f\u00fcnf dramatischen Hauptpartien dieser Strauss-Oper grandios besetzt. <b>Simone Schneider<\/b> (Die Kaiserin) meistert die \u00e4therische Rolle der Titelheldin souver\u00e4n. Ein leuchtender, dunkel timbrierter Sopran mit hoher Sicherheit in der Intonation. Schneider ist in der Lage, den Ton ohne die geringste Anstrengung auch in der H\u00f6he zu entfalten. Sicher und brillant singt sie hohe C\u02bes wie in <i>So kennst du die Schwelle<\/i> (3. Aufzug, 2. Szene). <b>Doris Soffel<\/b> ist eine ideale und erfahrene Besetzung der schrillen Ammenrolle. Ihr Mezzosopran besticht weniger durch Sch\u00f6nheit als durch Expressivit\u00e4t und ist \u00a0nicht frei von einer gewissen Grellheit. Sie singt mit klarem Ton und ist so pr\u00e4gnant in der sprachlichen Artikulation, da\u00df sie ihre d\u00e4monische Aura mit jeder Phrase und Geste umsetzten kann. Das immer wiederkehrende tiefe \u201eG\u201c in <i>Der Kaiser muss versteinen!<\/i> (1. Aufzug), setzt eher dramatische als stimmliche Akzente.<\/p>\n<p>Auch die Amerikanerin <b>Jennifer Wilson<\/b> verk\u00f6rpert die Rolle der F\u00e4rberin glaubhaft. Ihr Sopran ist ausdrucksvoll und von vokaler Reinheit. Partien wie <i>O Welt in der Welt. O Traum im Wachen<\/i> (2. Aufzug, 3. Szene) singt sie nuanciert und in reichen Farben. An ihrer Seite gl\u00e4nzt <b>Thomas J. Mayer<\/b> als r\u00fchrender Barak, ein warmer und kraftvoller Ba\u00dfbariton, der ergreifend seinen Auftritt im dritten Aufzug <i>Mir anvertraut, da\u00df ich sie hege<\/i> (3. Aufzug, 1. Szene) verk\u00f6rpert. Die Rolle des Kaisers, dargestellt von <b>Burkhard Fritz<\/b>, ist steifer und passiver. Im Vortrag wirkt der Tenor ein wenig einstudiert. Die Stimme ist strahlend und fokussiert, ganz besonders im Finale wie <i>Das sind die Nichtgeborenen<\/i>. Es gelingt ihm jedoch nicht immer, sich gegen\u00fcber dem Orchester zu behaupten. Ensemblemitglied <b>Tuomas Pursio<\/b> \u00fcberzeugt durch eine stimmgewaltige Darstellung des Geisterboten.<\/p>\n<p>Der <b>Chor der Oper Leipzig<\/b> ist in jedem Aufzug eine Bereicherung. Dagegen gelingt dem <i>Chor der ungeborenen Kinder<\/i> kein reiner Zusammenklang von den oberen R\u00e4ngen. Ein bi\u00dfchen schade war das, gerade im ansonsten so \u00fcberw\u00e4ltigenden Finale.<\/p>\n<p>Die <i>Frau ohne Schatten <\/i>erfordert ein Orchester mit 120 Musikern. <b>Ulf Schirmer<\/b> hat das riesige<b> Gewandhausorchester<\/b> im Griff und entfaltet das Kolorit dieser Partitur mit opulenter, monumentaler Klangpracht. Bl\u00e4ser und Streicher spielen hinrei\u00dfend. Alles stimmt.<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>Das gro\u00dfe Wagnis, eine szenisch sehr komplexe und musikalisch nicht weniger anspruchsvolle Oper wie <i>Die Frau ohne Schatten<\/i> zum Strauss-Jahr und nach \u00fcber 50 Jahren auf die Leipziger B\u00fchne zu bringen, wurde vom Publikum mit einem 10-min\u00fctigen Beifallssturm belohnt. Ein hochkar\u00e4tiges S\u00e4ngerensemble erf\u00fcllte die hohen Anforderungen an die Partien dieser Oper glanzvoll. Das Gewandhausorchester berauschte m\u00e4chtig.<\/p>\n<p>Norma Strunden<\/p>\n<p>Bild: Kirsten Nijhof<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Jennifer Wilson (Frau des F\u00e4rbers) vor der Kulisse des Wiener Opernballs<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 14. Juni 2014 (Premiere), Die Oper Leipzig hat die f\u00fcnf dramatischen Hauptpartien dieser Strauss-Oper grandios besetzt. 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