{"id":5754,"date":"2014-06-10T09:09:28","date_gmt":"2014-06-10T08:09:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5754"},"modified":"2014-06-18T09:17:27","modified_gmt":"2014-06-18T08:17:27","slug":"alceste-haendel-festspiele-halle-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5754","title":{"rendered":"ALCESTE &#8211; H\u00e4ndel-Festspiele Halle"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Dirigent: Kristjan J\u00e4rvi, MDR Sinfonieorchester, MDR Rundfunkchor, Choreinstudierung: J\u00f6rn Hinnerk Andresen<\/p>\n<p>Instrumentalsolisten: Daniel Schnyder, Saxophon\/Fl\u00f6te, Christian Sprenger, Fl\u00f6te, Thomas Dobler, Percussion<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 8. Juni 2014<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/H\u00e4ndelfestspiele.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5756\" alt=\"H\u00e4ndelfestspiele\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/H\u00e4ndelfestspiele.png\" width=\"616\" height=\"409\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/H\u00e4ndelfestspiele.png 616w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/H\u00e4ndelfestspiele-300x199.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 616px) 100vw, 616px\" \/><\/a>Die abendliche Auff\u00fchrung der <i>Alceste <\/i>im Rahmen der H\u00e4ndel-Festspiele Halle wurde mit folgenden Zeilen im Programmheft kommentiert: <i>Hochverehrtes Publikum, haben Sie eine Vorstellung davon, was Sie heute zu h\u00f6ren bekommen? Vermutlich ist nur ein Teil von Ihnen auf das gefasst, was Ihnen unter dem Titel Alceste begegnen wird<\/i>.<\/p>\n<p>H\u00e4ndel schrieb 1750 Alceste (Libretto von Tobias Smollett), eine Semi-Oper bzw. Masque. Sie wurde aus unbekannten Gr\u00fcnden nie uraufgef\u00fchrt. Die Musik \u00fcbernahm H\u00e4ndel sp\u00e4ter in sein Oratorium <i>Die Wahl des Herakles<\/i>.<\/p>\n<p>Mit dem <i>Einzug der K\u00f6nigin von Saba<\/i>, der Sinfonia zum dritten Akt des Oratoriums <i>Salomo,<\/i> er\u00f6ffnete <b>Kristjan J\u00e4rvi<\/b>, Leiter des <b>MDR-Sinfonieorchesters<\/b>, den Abend. Das etwa dreieinhalb-min\u00fctige St\u00fcck ist als festlicher Auftakt f\u00fcr einen H\u00e4ndel-Abend wie gemacht. J\u00e4rvi w\u00e4hlte ein rasantes \u00a0Tempo und schaffte das St\u00fcck in knapp drei Minuten. Im Ergebnis hasteten die Holzbl\u00e4ser hinter den Streichern her und patzten in ihren Soli. Es mag auch an der Eile liegen, da\u00df dynamisch viel weniger gestaltet wurde, als das St\u00fcck hergibt. So wurde der Effekt eines feierlichen H\u00e4ndel-Entrees leicht verschenkt. Mit Beginn des offiziellen Programmteils sollte das Publikum auf zwei musikalische Reisen entf\u00fchrt werden. H\u00e4ndel war auch dabei. Gespielt wurden jedoch die Arrangements und Kompositionen von <b>Daniel Schnyder<\/b>.<\/p>\n<p><b>Der erste Teil<\/b> des Konzertabends f\u00fchrte \u00fcber den Atlantik in die Neue Welt, die Karibik. Hierf\u00fcr hat Schnyder eine verjazzte Neufassung der <i>Wassermusik<\/i> geschrieben. Der Schweizer Komponist instrumentiert neu, setzt viel Schlagwerk ein und verschiebt die rhythmischen Akzente so, da\u00df man am Ende bei Jazz- und Latin-Music herauskommt. Z\u00f6gerlich wechselt die Oboe nach anf\u00e4nglichen barocken Kl\u00e4ngen in eine tonal orientalisch anmutende Melodie, begleitet von flirrenden Streichern. Hin und wieder scheint ein H\u00e4ndel-Motiv durch, dann \u00fcbernehmen ged\u00e4mpfte Trompeten, kreischende Posaunen, Trommeln, Becken und Marimbaphon. Das Wechselspiel zwischen Klassik und Jazz gelingt \u00fcberaus schillernd und klanggewaltig, auch durch das eloquente Dirigat von Kristjan J\u00e4rvi. Der junge, aus Estland stammende Kapellmeister vermittelt die Jazzrhythmen zupackend und t\u00e4nzerisch, eine Freude, ihm zuzuschauen. Gleiches gilt f\u00fcr die Solisten, den Fl\u00f6tisten <b>Christian Sprenger,<\/b> <b>Daniel Schnyder<\/b> am Saxophon und <b>Thomas Dobler<\/b> am Marimbaphon. In der Karibik angekommen, folgte eine Komposition von Schnyder ohne thematischen Bezug zu H\u00e4ndel, das <i>Concerto for Flute, Percussion and String Orchestra<\/i>. Impressionistisch angehauchte, filmmusikalische Kl\u00e4nge mit virtuos gestalteten Soloparts der Fl\u00f6te. H\u00e4ndel\/Schnyders <i>March and Gavotte<\/i> aus der Triosonate D-Dur op. 5 schlie\u00dfen den ersten Teil ab.<\/p>\n<p><b>Der zweite Teil<\/b> des Programms f\u00fchrte in die Unterwelt und damit zu der angek\u00fcndigten <i>Alceste<\/i>. Schnyder hat H\u00e4ndels fragmentarische B\u00fchnenmusik als Vorlage genommen und die Geschichte der Titelheldin in neun Teilen erz\u00e4hlt. Nach der Ouvert\u00fcre opfert sich Alceste f\u00fcr ihren todkranken Ehemann, K\u00f6nig Admetos. Sie geht \u00fcber den Styx in die Unterwelt, wird schlie\u00dflich von Herkules ins Leben und zu Admetos zur\u00fcckgeholt.<\/p>\n<p>Schnyders Musik zeichnet die Fahrt nach unten und oben klanglich facetten- und farbenreich nach. Seine Version der <i>Alceste<\/i> sieht keine Gesangssolisten vor, sondern ein gro\u00df besetztes Orchester, Instrumentalsolisten und Chor. Das klingt nicht nach barocker Schlankheit, sondern einem prallen Sound. Die Rollen der S\u00e4nger werden von Instrumenten \u00fcbernommen, der Chor kommentiert die Versatzst\u00fccke. Die urspr\u00fcnglichen H\u00e4ndel-Fragmente wirkten leicht und frisch gegen\u00fcber dieser Neubearbeitung mit eindr\u00fccklich sprechenden, klagenden Soloparts, gewaltigen Jubelges\u00e4ngen des <b>MDR-Chors<\/b> sowie donnernden Percussionspassagen.<\/p>\n<p>Auf diese vom Publikum sehr bejubelte Urauff\u00fchrung folgten nochmals <i>March and Gavotte<\/i> aus der Triosonate, diesmal in gro\u00dfer Besetzung. Am Ende des offiziellen Programms, und das hatte nun wirklich gar nichts mehr mit H\u00e4ndel zu tun, sondern wie Schnyder bemerkt, mit der Jahreszeit, ein Arrangement von Gershwins <i>Summertime<\/i>.<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>Zu guter Letzt kann man sich die Frage stellen, wie man ein solches Programm ank\u00fcndigt und ob es geschickt ist, diese durchaus auf- und anregende musikalische Reise unter dem Namen <i>Alceste<\/i> anzuzeigen. Doch sollten Komponist und Veranstalter auch so viel Mut aufbringen, sich nicht hinter dem Label H\u00e4ndel zu verstecken.<\/p>\n<p>Norma Strunden<\/p>\n<p>Bild: H\u00e4ndel-Festspiele Halle<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 8. 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