{"id":5749,"date":"2014-06-13T18:01:53","date_gmt":"2014-06-13T17:01:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5749"},"modified":"2014-06-13T18:01:53","modified_gmt":"2014-06-13T17:01:53","slug":"lincoronazione-di-poppea-paris-palais-garnier","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5749","title":{"rendered":"L\u2019INCORONAZIONE DI POPPEA &#8211; Paris, Palais Garnier"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von\u00a0 Claudio Monteverdi (1567-1743), Dramma per musica mit Prolog, Libretto: Giovanni Francesco Busenello nach Tacitus und Sueton, UA: Winter 1642 oder 1643 Venedig, Teatro SS Giovanni e Paolo (Teatro Grimani)<\/p>\n<p>Regie: Robert Wilson, Regieassistent: Guiseppe Frigeni, Kost\u00fcme: Jacques Reynaud\/Yashi, B\u00fchne: Robert Wilson\/Annick Lavall\u00e9e-Benny, Licht: A.J. Weissbard\/Robert Wilson, Dramaturgie: Ellen Hammer<\/p>\n<p>Dirigent: Rinaldo Alessandrini, <i>Concerto Italiano<\/i><\/p>\n<p>Solisten: Ga\u00eblle Arquez (Fortuna\/Drusilla), Ja\u00ebl Azzaretti (La Virt\u00f9\/Damigella), Amel Brahim-Djelloul (Amore), Varduhi Abrahamyan (Ottone), Karine Deshayes (Poppea), Jeremy Oveden (Nerone), Manuel Nu\u00f1ez Camelino (Arnalta), Monica Bacelli (Ottavia), Guiseppe di Vittorio (Nurice), Andrea Concetti (Seneca), Marie-Adeline Henry (Valetto) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 11. Juni 2014 (Premiere: 7. Juni, Koproduktion mit Teatro alla Scala, Mailand)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Paris-POPPEA-023.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5750\" alt=\"du Mardi 3 juin au Lundi 30 juin 2014\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Paris-POPPEA-023.jpg\" width=\"618\" height=\"412\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Paris-POPPEA-023.jpg 618w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Paris-POPPEA-023-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 618px) 100vw, 618px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/b><\/p>\n<p>Im Prolog wetten Fortuna, La Virt\u00f9 und Amore, wer von ihnen\u00a0 bei den Menschen den Vorrang habe und Amore will f\u00fcr sich den Beweis liefern.<\/p>\n<p>Kaiser Nero liebt Poppea, eine verf\u00fchrerisch sch\u00f6ne, aber zynische, ehrgeizige Intrigantin. Der Kaiser will Ottavia versto\u00dfen und Poppea heiraten. Kaiserin Ottavia bittet den Philosophen Seneca, den Kaiser umzustimmen. Seneca versucht es, aber wird daf\u00fcr von Nero zum Selbstmord verurteilt. Vergeblich versucht Ottone, seine Gattin Poppea zur\u00fcckzugewinnen. Er findet schlie\u00dflich Trost bei Drusilla. Seneca gibt sich stoisch im Kreise seiner Freunde den Tod. Ottavia befiehlt Ottone Poppea zu ermorden, Drusilla will dabei helfen. Amore ist entschlossen Poppea zu sch\u00fctzen. Ottone, als Drusilla verkleidet, z\u00f6gert vor der Sch\u00f6nheit der schlafenden Poppeas, sie umzubringen. Drusilla, die man f\u00fcr die Schuldige h\u00e4lt, wird festgenommen. Um Ottone zu retten, gesteht sie den Mordversuch. Ottone wiederum beschuldigt sich selbst, um Drusilla zu retten. Nero, durch ihre Liebe ger\u00fchrt, schickt sie gemeinsam ins Exil. Auch Ottavia wird versto\u00dfen. Poppea wird zur Kaiserin erhoben. Amore feiert ihren Sieg.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung<\/b><\/p>\n<p>F\u00fcr diese h\u00f6chst amoralische, barocke Kriminalgeschichte hat Robert Wilson eine einfallsreiche Inszenierung geschaffen. Auf seiner B\u00fchne wachsen\u00a0 S\u00e4ulen, einfache B\u00e4umchen, Obelisken aus dem Boden oder werden von unsichtbarer Hand herbeigezogen, Rundbogendurchg\u00e4nge oder geometrische Formen vollenden das Dekor und lassen eine\u00a0 k\u00fchle, stilisierte Welt entstehen. Zum Tode Senecas h\u00e4ngt eine entwurzelte Zypresse \u00e0 la Magritte surrealistisch vom Himmel. Fast m\u00e4rchenhaft wirkt das langsame Aufsteigen der Mondsichel am n\u00e4chtlichen Himmel in der Wiegenliedszene. Die Darsteller sind im h\u00f6fischen Stil des 17. Jahrhunderts gekleidet: Lange weite Seidenkleider mit Reticella-Hochkragen f\u00fcr die Frauen, die M\u00e4nner in schwarzen Samtwesten, Pumphosen und Halskrause, manchmal mit Brustpanzer. Alle Gesichter sind wie Masken wei\u00df gepudert. Wie aufgezogene Spielfiguren auf dem Schachbrett des Lebens bewegen sich S\u00e4nger und S\u00e4ngerinnen \u00fcber die B\u00fchne. Die ernsten, wie die komischen Szenen sind ein streng geregeltes Zeremoniell zwischen Ballett und Pantomime, wobei den Armen und H\u00e4nden eine besondere Ausdrucksrolle zukommt. Die sich stets ver\u00e4ndernde Beleuchtung schafft ein wirkungsvolles Wechselspiel von Silhouetten und Vollbildern. Zusammengenommen ergibt sich daraus eine reizvolle Theatralik, die in ihrem genauestens festgelegten Ablauf, sowohl der antiken Handlung als auch dem zeremoniellen 17. Jahrhundert\u00a0 Monteverdis gerecht wird.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester <\/b><\/p>\n<p>F\u00fcr diese Auff\u00fchrung ist es gelungen, ein einheitliches, besonders auf die anspruchsvollen Melismen der Monteverdi Oper zugeschnittenes, ausgezeichnetes Ensemble zusammenzustellen. Die Diktion, die Klarheit der Stimmf\u00fchrung und die Makellosigkeit der Koloraturen sind auffallend. Klanglich sch\u00f6n sind <b>Karine Deshayes<\/b> und <b>Jeremy Ovenden<\/b> als das amoralische Liebespaar. Dennoch scheinen sich ihre Stimmen im ber\u00fchmten Schlu\u00dfduett\u00a0 <i>Pur it miro, pur ti godo, pur ti stringo <\/i>nicht wirklich zu verschmelzen. In ihren beiden <i>lamenti, <\/i>in die Monteverdi seine besten <i>concitato<\/i> H\u00f6hepunkte einflie\u00dfen l\u00e4\u00dft, spielt <b>Monica Bacelli<\/b> als tragische Ottavia sehr eindruckvoll auf allen Registern ihres vokalen, schaupielerischen und mimischen K\u00f6nnens. <b>Varduhi Abrahamyan<\/b> ist mit dunklem, klangvollem Mezzosopran ein erstaunlich schnell getr\u00f6steter Ottone. <b>Ga\u00eblle Arquez<\/b> ist mit glockenklarem, hellem Mezzosoprano seine neue fr\u00f6hliche, opferfreudige\u00a0 Liebe Drusilla. <b>Andrea Concetti<\/b> ist der stoische\u00a0 Seneca. Es w\u00e4ren noch die komischen Rollen der Oper, Valetto und die Amme und\u00a0 die Hofdame Arnalta zu erw\u00e4hnen, die den Weg bahnen f\u00fcr die sp\u00e4tere italienische <i>opera buffa<\/i>. Sie sind witzig gespielt und gesungen von <b>Marie-Ad\u00e9line Henry, Guiseppe Vittorio<\/b> und <b>Manuel Nu\u00f1ez Camelino<\/b>.<\/p>\n<p>Rinaldo Alessandrini h\u00e4lt alle F\u00e4den der Auff\u00fchrung fest in der Hand und dirigiert das <i>Concerto Italiano<\/i> mit subtiler Gestik.<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>F\u00fchlte sich Monteverdi als Erbe der stolzen venezianischen Schule, so war er doch auch ein k\u00fchner Erneuerer. Diese seine letzte Oper mit<i> <\/i>ihren ausdrucksvollen, klanglich und melodisch subtilen<i> ariosi \u2013 <\/i>Vorstufen der Da-capo-Arien \u2013 hat den Grundstein zur venezianischen Oper gelegt.<\/p>\n<p>Ein sehr genu\u00dfvoller Abschlu\u00df der Saison im Palais Garnier!<\/p>\n<p>Alexander Jordis-Lohausen<\/p>\n<p>Bild: Op\u00e9ra national de Paris\/Andrea Messana<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Karine Deshayes (Poppea), Varduhi Abramyan (Ottone) et Manuel Nu\u00f1ez Camelino (Arnalta)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 11. Juni 2014 (Premiere: 7. 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