{"id":574,"date":"2009-03-07T23:57:25","date_gmt":"2009-03-07T21:57:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=574"},"modified":"2009-03-09T00:02:59","modified_gmt":"2009-03-08T22:02:59","slug":"hof-stadtebundheater-von-mausen-und-menschen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=574","title":{"rendered":"Hof, St\u00e4dtebundheater &#8211; VON M\u00c4USEN UND MENSCHEN"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Carlisle Floyd (1926), Oper in drei Akten, Libretto von Carlisle Floyd nach einer Novelle von John Steinbeck, UA: 1970, Seattle.<br \/>\nRegie: Uwe Drechsel, B\u00fchnenbild: Rudolf Rischer<br \/>\nDirigent: Karl Prokopetz, Hofer Symphoniker und Chor<br \/>\nSolisten: Keith Boldt (Lennie Small), Thomas Rettensteiner (George Milton), John Heuzenroeder (Curley), Ingrid Katzengruber (Curleys Frau), Karsten Schr\u00f6ter (Candy), Peter Dittmann (Slim), Chong Sun (Carlson), Thilo Andersson (Balladens\u00e4nger).<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 27. Februar 2009 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"hof-von-maeusen-und-mensche.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/hof-von-maeusen-und-mensche.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"hof-von-maeusen-und-mensche.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/hof-von-maeusen-und-mensche.jpg\" \/><\/a>George und Lennie, zwei wandernde Landarbeiter in den 30er Jahren, haben st\u00e4ndig Probleme mit ihren Arbeitgebern: Immer wieder bringt der geistig zur\u00fcckgebliebene Lennie, der Riesenkr\u00e4fte besitzt, diese jedoch ungeschickt einsetzt, die beiden unabsichtlich in Schwierigkeiten. Der Ranchbesitzer Curley stellt sie schlie\u00dflich ein. Mit dem Geld, das sie hier verdienen, kommen sie ihrem Traum von der eigenen Farm ein St\u00fcckchen n\u00e4her &#8211; w\u00e4re da nicht Curleys Frau. Vom Leben auf der Ranch gelangweilt, sucht sie immer wieder Kontakt zu den Landarbeitern. Die Landarbeiter wollen dies jedoch nicht wegen der Wutanf\u00e4lle ihres eifers\u00fcchtigen Chefs. Lennie l\u00e4\u00dft sich auf ein Vier-Augen-Gespr\u00e4ch mit ihr ein, doch die Situation eskaliert: Lennie kann seine Kraft nicht kontrollieren, die Frau beginnt vor Angst zu schreien. Lennie will sie beruhigen &#8211; und t\u00f6tet sie versehentlich. George lenkt Lennie mit Gedanken an den lang gehegten Traum ab und erschie\u00dft den Freund, um ihn vor einer brutalen Lynchjustiz durch Curleys Landarbeiter zu bewahren.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\n<strong>Uwe Drechsel<\/strong> legt die Oper als ein zeitloses Drama des kleinen Mannes an. Dabei zeigt man am Theater Hof wieder viel Liebe zum Detail. So wird der einf\u00e4ltige Lennie als ungeschickter aber liebenswerter Kraftklotz gezeichnet. Schauspielerisch eine \u00fcberzeugende Leistung von <strong>Keith Boldt<\/strong>: Zuerst erdr\u00fcckt er eine Maus, dann einen Welpen und am Schlu\u00df seine Chefin.<br \/>\nDas B\u00fchnenbild hingegen ist einfach gehalten und zeigt mit wenigen Utensilien eine typische kleine Farm in den USA, die auch heute noch so aussehen.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nLeider wird der wohl angestrebte idyllische b\u00e4uerliche Charakter der Darstellung nicht durchgehalten: Mrs. Curley provoziert die M\u00e4nner im knappen Kleidchen, ihr wei\u00dfer Fellmantel pa\u00dft leider nicht in das b\u00e4uerliche Milieu. Der Balladens\u00e4nger hat nur wenige Auftritte, steht aber dann meist wie eine Statur auf der B\u00fchne. Ein Zweck wird nicht deutlich: die bedr\u00fcckende Aura der 1930er Jahre wird so nicht glaubhaft. Eher kommt eine Art s\u00fc\u00dfliche S\u00fcdstaatenromantik auf \u2013 obwohl das St\u00fcck in Kalifornien spielt \u2013  die v\u00f6llig aus dem sonstigen Rahmen der Inszenierung f\u00e4llt.<br \/>\n<strong>Karl Prokopetz<\/strong> gelingt der Nachweis, da\u00df die Musik von Floyd mehr ist als eine Mischung aus Hollywoodscher Filmmusik, amerikanischer Volksmusik des 19. Jahrhunderts und der europ\u00e4ischen Sp\u00e4tromantik. Die Musik l\u00e4\u00dft sich mit dem sp\u00e4ten Strauss vergleichen und k\u00f6nnte auch dem Bereich des Neoklassizismus um Werner Egk zugeordnet werden.<br \/>\nDen S\u00e4ngern war die Wortverst\u00e4ndlichkeit wichtiger als die musikalische Linie. Besonders deutlich wurde das bei <strong>Keith Boldt<\/strong> als Lennie, der absolut wortverst\u00e4ndlich und schauspielerisch traumhaft wirkte, jedoch besonders in den h\u00f6heren Registern an seine Grenzen stie\u00df. Inwieweit das seiner Rolle geschuldet ist, sei dahin gestellt. <strong>Thomas Rettensteiner<\/strong> war dagegen schauspielerisch weniger gefordert und konnte in seiner Rolle als guter Freund George restlos \u00fcberzeugen: Ein lyrischer Bariton ohne Tadel. Genauso \u00fcberzeugend <strong>Ingrid Katzengruber<\/strong> als Curleys Frau, sie hat sich am Theater Hof zu einem durchschlagskr\u00e4ftigen dramatischen Sopran weiter entwickelt.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nFreundlicher Applaus f\u00fcr einen erfolgreichen Versuch, dem Publikum eine amerikanische Oper des 19. Jahrhunderts n\u00e4herzubringen. Leider wollte der dramatische Funke nicht so richtig ins Publikum \u00fcberspringen. Vielleicht liegt es auch daran, da\u00df Floyd den Handlungsstrang deutlich gek\u00fcrzt hat, indem er nur ein Viertel des Originaltextes \u00fcbernommen hat. Unbestritten ein gro\u00dfer Opernabend \u2013 gerade wegen der tadellosen musikalischen Leistung \u2013 aber John Steinbecks Werk \u2013 ein gesellschaftskritisches Drama \u00fcber den kleinen Landarbeiter \u2013 wird man nicht gerecht. Schade!<br \/>\nOliver Hohlbach<\/p>\n<p>Photograf: SFF Fotodesign, Harald Dietz<br \/>\nBildlegende: Mrs Curley pa\u00dft nicht in die Landschaft<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Carlisle Floyd (1926), Oper in drei Akten, Libretto von Carlisle Floyd nach einer Novelle von John Steinbeck, UA: 1970, Seattle. 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