{"id":5737,"date":"2014-05-25T08:36:35","date_gmt":"2014-05-25T07:36:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5737"},"modified":"2014-06-08T08:39:40","modified_gmt":"2014-06-08T07:39:40","slug":"die-frau-ohne-schatten-kassel-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5737","title":{"rendered":"DIE FRAU OHNE SCHATTEN &#8211; Kassel, Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Strauss (1864-1949), Oper in drei Akten, Text von Hugo von Hofmannsthal, UA: 10. Oktober 1919 Wien, Staatsoper<\/p>\n<p>Regie: Michael Schulz, B\u00fchne: Dirk Becker, Kost\u00fcme: Renee Listerdal<\/p>\n<p>Dirigent: Patrik Ringborg, Staatsorchester Kassel, Opernchor, Damen des Extrachores, CANTAMUS-Kinderchor, Choreinstudierung: Marco Zeiser Celesti und Maria Radzikhovskiy.<\/p>\n<p>Solisten: Elena Nebera (Kaiserin), Ray M. Wade Jr. (Kaiser), Ulrike Schneider (Amme), Marc-Olivier Oetterli (Geisterbote), Stephanie Friede (Baraks Weib, die F\u00e4rberin), Espen Fegran (Barak, der F\u00e4rber), Anna Nesyba (H\u00fcter der Schwelle,) Lin Lin Fan (Stimme des Falken), Johannes An (Stimme eines J\u00fcnglings), u.a..<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 24. Mai 2014 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Kassel-FROSCH.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5738\" alt=\"Die Frau ohne Schatten\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Kassel-FROSCH.jpg\" width=\"641\" height=\"426\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Kassel-FROSCH.jpg 641w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Kassel-FROSCH-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 641px) 100vw, 641px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/b><\/p>\n<p>Die Kaiserin der s\u00fcd\u00f6stlichen Inseln stammt aus dem Feenreich. Noch geh\u00f6rt sie nicht ganz zu den Menschen, denn sie wirft keinen Schatten und kann keine Kinder empfangen. Ihrem Gatten droht darum die Verwandlung zu Stein. Ihre Amme, die sich zum Ziel gesetzt hat, sie wieder zur\u00fcck in das Feenreich zu bringen, macht sich mit ihr auf in die Menschenwelt, zu dem F\u00e4rber Barak und seiner jungen Frau. Auch sie haben keine Kinder, allerdings deshalb, weil die F\u00e4rberin keine will. Die Amme versucht, der F\u00e4rberin ihren Schatten und damit ihre Fruchtbarkeit abzukaufen, doch die Kaiserin schreckt davor zur\u00fcck, ihr Gl\u00fcck mit dem Leid anderer zu erkaufen und erl\u00f6st durch ihren Verzicht ihren Mann und das F\u00e4rberehepaar.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung<\/b><\/p>\n<p>Michael Schulz verlegt die Handlung in die Entstehungszeit nach 1918, in die Zeit des Untergangs der Monarchie in Deutschland und \u00d6sterreich. Sie spielt in einem gro\u00dfen verglasten Wintergarten aus Gu\u00dfeisen im ausgehenden Jugendstil. Drei sich \u00f6ffnende T\u00fcren an den Seiten und hinten bieten Zugangsm\u00f6glichkeiten, ein gro\u00dfer Balkon, quer \u00fcber die ganze B\u00fchne, l\u00e4\u00dft den Blick von oben zu. Der Kaiser in Prunk-Uniform und die Kaiserin im wei\u00dfen Kleid k\u00f6nnten tats\u00e4chlich Kaiser und Kaiserin sein. Der Geisterbote k\u00f6nnte der Kanzler im schwarzen Anzug sein, die Amme tr\u00e4gt zeitgem\u00e4\u00dfe Diensttracht. Barak und seine F\u00e4rberin sind R\u00fcstungsarbeiter, Baraks kriegsversehrte Br\u00fcder und das Volk stecken in Uniformen des Ersten Weltkriegs.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<\/b><\/p>\n<p><b>Patrik Ringborg <\/b>f\u00fchrt das Staatsorchester stringent durch die mystischen Abgr\u00fcnde der Partitur \u2013 als Klangk\u00f6rper von gro\u00dfer Harmonie im Zusammenspiel und mit vielen packend zelebrierten Strauss\u2018schen Klangbildern: Er sieht diese Oper als eine musikalische Zauberoper. Zauber k\u00f6nnen auch die Solisten einsetzen: <b>Ray M. Wade Jr.<\/b> ist vielleicht eher ein lyrischer Tenor als ein Heldentenor, gestaltet den Kaiser eher nachdenklich und zur\u00fcckhaltend als Zweifler, kann aber in dramatischen Momenten mit gro\u00dfer Durchschlagskraft aufwarten: Eine Idealbesetzung in der heutigen Zeit der Tristesse der Heldenten\u00f6re. Eine Idealbesetzung ist <b>Elena Nebera<\/b>\u00a0 weniger. Zwar hat sie keine Probleme mit den lyrischen strahlenden H\u00f6hen der Kaiserin, aber im dramatischen Bereich ist die Stimme zu schrill, tremoliert zu heftig. Das f\u00e4llt besonders im direkten Vergleich mit der Amme <b>Ulrike Schneider<\/b> auf, die ein riesiges Ausdrucks- und Gestaltungsverm\u00f6gen an den Tag legt, wie z.B. in <i>Ein Tag bricht an<\/i>! Ebenfalls \u00fcber ein gro\u00dfes Gestaltungsverm\u00f6gen verf\u00fcgt <b>Espen Fegran<\/b> als Barak, beispielhaft ist der hysterische Ausdruck in <i>Mein Aug ist verdunkelt<\/i>! <b>Stephanie Friede<\/b> als F\u00e4rberin pa\u00dft stimmlich zu ihrem Gatten, kann die hysterisch keifenden Momente stimmlich entsprechend gestalten, die Stimme klingt dabei unangestrengt. <b>Marc-Olivier Oetterli<\/b> ist als Geisterbote der Strippenzieher im Hintergrund, der auch sich stimmlich zur\u00fcckh\u00e4lt, um dann manchmal kurz mit Macht einzugreifen. Beindruckend auch, wie gut die Nebenrollen und die Ch\u00f6re \u2013 besonders der Kinderchor \u00a0CANTAMUS \u2013 besetzt sind. Dies wird h\u00f6rbar in den Passagen der hohen B\u00e4sse der Stimmen der W\u00e4chter und die Eins\u00e4tze der \u201ehohen Stimmen\u201c der ungeborenen Kinder, die als hungernde Kinder der Nachkriegszeit in dieser Produktion unverge\u00dflich bleiben.<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>Die Oper <i>Die Frau ohne Schatten<\/i> war gedacht als M\u00e4rchenoper in der Tradition der <i>Zauberfl\u00f6te<\/i>, erwies sich aber als viel komplexer und unverst\u00e4ndlicher. Die hier gew\u00e4hlte szenische Umsetzung in der Entstehungszeit geht zwar szenisch nicht wirklich auf, der versteinerte Kaiser, der hinter einem Stapel Uniformen und Fotos\u00a0 Gefallener versinkt, ist nur als Apotheose verst\u00e4ndlich. Aber der Untergang der Donaumonarchie erspart schwierige, szenische L\u00f6sungen wie der hereinbrechende Flu\u00df, ein Gasangriff ersetzt die sich \u00f6ffnende H\u00f6hle. Vor allem die musikalisch sehr engagierte Umsetzung wird vom Publikum mit lang anhaltendem, oft heftigem Applaus goutiert.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Nils Klinger<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Vida Mikneviciute (Die Kaiserin) sowie Mitglieder des Opernchores und des CANTAMUS Chores<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 24. 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