{"id":5732,"date":"2014-06-01T20:58:20","date_gmt":"2014-06-01T19:58:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5732"},"modified":"2014-06-03T19:59:12","modified_gmt":"2014-06-03T18:59:12","slug":"simon-boccanegra-dresden-semperoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5732","title":{"rendered":"SIMON BOCCANEGRA &#8211; Dresden, Semperoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giuseppe Verdi (1813-1901), Melodramma in einem Prolog und drei Akten. Libretto: Francesco Maria Piave, \u00fcberarbeitet von Arrigo Boito, UA: 12. M\u00e4rz 1857 Venedig, Teatro La Fenice<\/p>\n<p>Regie: Jan Philipp Gloger, B\u00fchne: Christof Hetzer, Kost\u00fcme: Karin Jud, Licht: Bernd Purkrabek<\/p>\n<p>Dirigent Christian Thielemann, S\u00e4chsische Staatskapelle<\/p>\n<p>Solisten: Zeljko Lucic (Simon Boccanegra), Kwangchul Youn (Jacopo Fiesco), Markus Marquardt (Paolo Albiani), Andreas Bauer (Pietro), Maria Agresta (Amelia Grimaldi), Ram\u00f3n Vargas (Gabriele Adorno), Christopher Kaplan (Hauptmann), Christel Loetzsch (Dienerin)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 30. Mai 2014 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Dresden-Boccanegra.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5733\" alt=\"Dresden Boccanegra\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Dresden-Boccanegra.jpg\" width=\"585\" height=\"389\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Dresden-Boccanegra.jpg 585w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Dresden-Boccanegra-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 585px) 100vw, 585px\" \/><\/a>Kurzinhalt <\/b><\/p>\n<p>Genua, Mitte des 14. Jahrhunderts. Der ruhmreiche Korsar Simon Boccanegra wird f\u00fcr das Amt des ersten Dogen von Genua vorgeschlagen; er willigt ein, um die reiche Patriziertochter Maria Fiesco heiraten zu k\u00f6nnen, die wegen des gemeinsamen unehelichen Kindes im Palast des Vaters gefangen gehalten wird. Der alte Fiesco fordert das Kind. Boccanegra gesteht, da\u00df die Tochter, die er damals entf\u00fchrte, nach dem Tod ihrer alten Amme verschwunden ist. W\u00e4hrend er zum Dogen gew\u00e4hlt wird, stirbt Maria Fiesco. Ein Vierteljahrhundert sp\u00e4ter gilt Boccanegra als charismatischer F\u00fchrer Genuas, der f\u00fcr Frieden und ein geeintes Italien k\u00e4mpft. Als er f\u00fcr seinen H\u00f6fling Paolo um die sch\u00f6ne Amelia Grimaldi anh\u00e4lt, entpuppt sich diese als seine verlorene Tochter. Amelia liebt einen seiner Hauptwidersacher, den Adligen Gabriele Adorno. Der abgewiesene Paolo l\u00e4\u00dft Amelia entf\u00fchren, wird als T\u00e4ter \u00fcberf\u00fchrt und hingerichtet. Zuvor gelingt es ihm noch, ein t\u00f6dliches Gift in den Becher des Dogen zu tr\u00e4ufeln.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung <\/b><\/p>\n<p>B\u00fchne und Kost\u00fcme setzen sich aus drei Epochen zusammen, der italienischen Renaissance, der Zeit Verdis und der heutigen. Das Interieur entspricht den \u00e4sthetischen Standards eines modernen B\u00fchnenbildes: ineinander verschachtelte H\u00e4user, graue Betonbunker, im Innern h\u00f6lzern. Zusammen sind sie Schauplatz der famili\u00e4ren und politischen Verwicklungen. Herrschaftsarchitektur schrumpft auf Zimmerformat. Das Gro\u00dfe spiegelt sich im Kleinen. Die blutverschmierten W\u00e4nde des Ratszimmers umrahmen nicht nur den machtvollen Auftritt des Dogen vor der Versammlung, sondern auch das intime Beisammensein von Vater und Tochter. Die Drehb\u00fchne rotiert mit zunehmender Dramatik, Standbilder und Zeitlupen setzten Akzente in den Monumentalszenen.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<\/b><\/p>\n<p>Unter <b>Christian Thielemann<\/b> gelingt der <b>S\u00e4chsischen Staatskapelle<\/b> eine lebhafte, sinnlich-beziehungsreiche Umsetzung der Verdi-Partitur, die in ihrer sinfonischen Gestaltung und orchestralen Kommentierung der Handlung \u00fcber die klassische Nummern-Oper weit hinausgeht. Auf ein sehr sanftes kurzes Vorspiel zum Prolog, folgt die Hinleitung zur Arie Amelias. Plastisch und transparent gestalten die Triller der Violinen und Synkopen von Oboe und Klarinette die Gartenszene. Suggestiv beschw\u00f6rt das Vibrieren des Orchesters die Erinnerungen Boccanegras an das Meer herauf; ein st\u00e4ndiges Pendeln zwischen der Melodie der Holzbl\u00e4ser und den Violoncelli. Die Streicher schl\u00e4ngeln sich in H\u00f6hen zu <i>un<\/i><i>\u02be<\/i><i>atra vampa sento serpeggiar per le vene! \u2013 ein schwarzes Feuer kriecht durch meine Adern!<\/i> Und es sind allein die chromatisch absteigenden, dunkel eingef\u00e4rbten Kl\u00e4nge der Ba\u00dfklarinette, die Paolo als Verr\u00e4ter entlarven. In einem hochkar\u00e4tigen S\u00e4ngerensemble ist <b>Zeljko Lucic<\/b> in der Titelrolle an szenischer stimmlicher Pr\u00e4senz nicht zu \u00fcberbieten. Ein \u00fcberaus virtuoser Bariton, der seine pianoreiche Partie sensibel und, wenn n\u00f6tig, stimmgewaltig zur Entfaltung bringt. Er harmoniert im Duett mit <b>Maria Agresta<\/b> (Amelia), die mit sinnlich-klangsch\u00f6nem und wendigem Sopran singt, in den H\u00f6hen noch ausbauf\u00e4hig ist. Die Erkennungsszene von Boccanegra und seiner Tochter <i>Favella il Doge&#8230;? \u2013 Spricht der Doge mit Amalia Grimaldi\u2026?<\/i> (1. Akt) ist nur einer von vielen gesanglichen Glanzpunkten. Als strahlender Verdi-Tenor verk\u00f6rpert <b>Ram\u00f3n Vargas<\/b> den adligen Liebhaber Gabriele Adorno. Mit gro\u00dfer Durchsetzungskraft hebt er sich selbst \u00fcber monumentale Chorszenen hinweg. Mit samtenem Timbre und w\u00fcrdevoller Zur\u00fcckhaltung singt <b>Kwangchul Youn<\/b> (Fiesco) seine Auftrittsarie <i>Il lacerato spirit \u2013 m\u00fcde den Geist von Gram verzehrt <\/i>\u00a0(Prolog) und vermag sich in der zweiten Spielh\u00e4lfte noch zu steigern. <b>Markus Marquardt<\/b> als Paolo Albioni verk\u00f6rpert die Rolle des d\u00fcsteren Intriganten eindr\u00fccklich und stimmlich souver\u00e4n. Eine ungeheure Dramatik entfaltet das Solistenensemble gemeinsam mit dem <b>Chor <\/b>in <i>Sia male detto!! \u2013 Er sei verflucht! <\/i>(Ende 2. Akt)<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>Regisseur Jan-Philipp Gloger setzt viele eigene Akzente, bringt damit aber nicht unbedingt Licht ins Dunkel dieser komplexen Oper. Die Inszenierung reduziert die vielschichtigen politischen Handlungsstr\u00e4nge \u2013 den Dauerkonflikt der Stadtstaaten Venedig und Genua, den Konflikt um Feudal- oder Volksherrschaft sowie zwischen Papst und Kaiser \u2013 auf zwei Parteien, die Plebejer und Patrizier. In musikalischer Hinsicht ist dieser <i>Simon Boccanegra<\/i> ein Mu\u00df, angefangen bei der Staatskapelle und dem Chor, bis hin zu einem herausragenden Solistenensemble. Die Premiere wurde mit Beifallsst\u00fcrmen bedacht.<\/p>\n<p>Norma Strunden<\/p>\n<p>Bild: Matthias Creutziger<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Kwangschul Youn (Jacopo Fiesco), Zeljko Lucic (Simon Boccanegra), s\u00e4chsicher Staatsopernchor Dresden<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 30. 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