{"id":5719,"date":"2014-05-24T13:09:49","date_gmt":"2014-05-24T12:09:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5719"},"modified":"2014-05-28T08:53:21","modified_gmt":"2014-05-28T07:53:21","slug":"billy-budd-berlin-deutsche-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5719","title":{"rendered":"BILLY BUDD &#8211; Berlin, Deutsche Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Benjamin Britten (1913-1976),<b> <\/b>Oper in zwei Akten mit Prolog und Epilog, Libretto: Edward Morgan Forster und Eric Crozier, nach der gleichnamigen Erz\u00e4hlung von Herman Melville, UA: 1. Dezember 1951 London, Royal Opera House Covent Garden<\/p>\n<p>Regie: David Alden, B\u00fchne: Paul Steinberg, Kost\u00fcme: Constance Hoffman<\/p>\n<p>Dirigent: Donald Runnicles, Orchester der Deutschen Oper, Herrenchor Herrenextrachor und Kinderchor, Choreinstudierung: William Spaulding<\/p>\n<p>Solisten: Burkhard Ulrich (Edward Fairfax Vere), John Chest (Billy Budd), Gidon Saks (John Claggart), Markus Br\u00fcck (Mr. Redburn), Albert Pesendorfer (Mr. Flint), Tobias Kehrer (Mr. Ratcliffe), Lenus Carlson (Dansker)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 22. Mai 2014 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Berlin-Billy-Bud.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5720\" alt=\"Berlin Billy Bud\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Berlin-Billy-Bud.jpg\" width=\"479\" height=\"319\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Berlin-Billy-Bud.jpg 479w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Berlin-Billy-Bud-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 479px) 100vw, 479px\" \/><\/a>Kurzinhalt <\/b><\/p>\n<p>Im Prolog erinnert sich Kapit\u00e4n Vere an seine Zeit als Marineoffizier im englisch-franz\u00f6sischen Seekrieg des Sommers 1797: Der junge Billy Budd wird mit zwei anderen M\u00e4nnern gewaltsam an Bord der <i>Indomitable<\/i> gebracht, erweist sich jedoch als tauglicher Matrose, den alle sofort in ihr Herz schlie\u00dfen. Selbst der brutale Waffenmeister John Claggart verf\u00e4llt seiner Gutherzigkeit und Sch\u00f6nheit. Um seiner Begierde Herr zu werden, bleibt ihm nur, das personifizierte Gute zu zerst\u00f6ren. Gegen\u00fcber Kaptain Vere bezichtigt er den treuen Matrosen der versuchten Meuterei. Mit der Anklage konfrontiert, ger\u00e4t Billy, der an einem Sprachfehler leidet, ins Stottern. Als er sich mit Worten nicht verteidigen kann, versetzt er Claggart einen t\u00f6dlichen Schlag. Obwohl der Kapit\u00e4n an die Unschuld Billys glaubt, unterwirft er sich dem Standgericht, das Billy zum Tod durch Erh\u00e4ngen verurteilt. Im Morgengrauen versammelt sich die Mannschaft zur Exekution und wendet sich in wortloser Anklage gegen die Offiziere.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung <\/b><\/p>\n<p>Brittens zweites Seefahrerst\u00fcck spielt ausschlie\u00dflich auf einem Kriegsschiff. <b>Paul Steinberg<\/b> hat ihm eine d\u00fcster-erdr\u00fcckende Kulisse gegeben. Im h\u00f6lzernen Innern eines Schiffsbauchs \u2013 dem Herrschaftsbereich von \u201eEisenbrecher\u201d Claggart \u2013 schuften und kriechen die geknechteten Matrosen in Blaum\u00e4nnern herum. Gleich zu Beginn fordert Claggart das rote Halstuch Billys, um ihn in die graue Masse einzugliedern. Sp\u00e4ter wird ihm das Tuch zum Fetisch, eine der wenigen homoerotischen Andeutungen der Inszenierung. Durch einen Vorhang verwandelt sich das Schiffsinnere in ein Offiziersdeck. Die fahrbare Kaj\u00fcte von Kapit\u00e4n \u201eSternen-Vere\u201d ist himmlisch-wei\u00df, ebenso sein Offiziersgewand. Der finstere Claggart erscheint in martialisch schwarzen Leder. Die Kulisse kommt mit wenigen Elementen aus und schafft doch Beklemmungen.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<\/b><\/p>\n<p>Das<b> Orchester der Deutschen Oper Berlin<\/b> toste derart spannungsgeladen durch diese (leit-)motivisch reiche, sinfonische Partitur, da\u00df das Publikum \u00fcber zweidreiviertel Stunden sp\u00fcrbar die Luft anhielt. Dirigent <b>Donald Runnicles<\/b> kennt sich aus mit Britten. Er spielte farbenreich und mit starken Ausdruckskontrasten, legte Gewaltt\u00e4tigkeit in die B\u00e4sse, Sanftheit in die hohen Streicher, die immer nur f\u00fcr wenige Sekunden in himmlischere Gefilde entf\u00fchrten. Die B\u00e4sse bildeten mit den tiefen Streichern und Bl\u00e4sern ein markantes Fundament, \u00fcber das wunderbar br\u00fcchige Bl\u00e4sersoli erklangen, die nicht von Glanz zeugen wollten. Die Besetzung war gro\u00df, mit dreifachen Holzbl\u00e4sern und einem Altsaxophon, das die textlose Klage eines verpr\u00fcgelten Seemanns ergreifend zum Ausdruck brachte. Eine selten zu h\u00f6rende Kulisse boten auch die raumgreifenden Chornummern, gesungen von den <b>Herrench\u00f6ren <\/b>der Deutschen Oper. Gleich in der Anfangsszene entf\u00fchrten sie mit einem eindringlichen <i>Oh heave! \u2013 Oh zieht! <\/i>in eine abgr\u00fcndige Welt, in der wie Claggart sagt, es keinen Grund zum Singen g\u00e4be. Die Offiziere, allen voran <b>Albert Pesendorfer<\/b> als Mr. Flint, <b>Markus Br\u00fcck<\/b> (Mr. Redburn) und <b>Tobias Kehrer<\/b> (Mr. Ratcliffe) meisterten ihre Parts mit enormer Ba\u00dfgewalt. <b>Gidon Saks<\/b> in seiner Rolle als Waffenmeister Claggart \u00fcberzeugte mit \u00fcberw\u00e4ltigendem Volumen, und einer Ausdrucksf\u00fclle, die zwischen Schmelz, Dr\u00f6hnen und Tonlosigkeit zu variieren vermochte. Saks legte das Zerrissensein zwischen seelischer Verh\u00e4rtung und homoerotischen Gef\u00fchlen in Worte und Stimme, so in der zentralen Arie <i>O beauty, O handsomeness, goodness! \u2013 Oh Sch\u00f6nheit, Oh Gro\u00dfz\u00fcgigkeit! <\/i>(1. Akt, 3. Szene). Die eigentlichen Lichtgestalten dieses St\u00fccks, Kapit\u00e4n Vere, dessen Rolle Britten f\u00fcr seinen Lebensgef\u00e4hrten Peter Pears schrieb, sowie der Titelheld Billy Budd blieben dagegen etwas bla\u00df. <b>Burkart Ulrich<\/b> als Kaptain Vere meisterte seine reine C-Dur-Partie stimmlich versiert, doch eher zur\u00fcckhaltend. Auch aus der Rolle des Titelhelden Billy w\u00e4re vermutlich ein bi\u00dfchen mehr herauszuholen gewesen. Bariton <b>John Chest<\/b> sang seine intime Abschiedsballade mit leicht-zartem Timbre, geriet aber hier auch an stimmliche Grenzen. Unter den zahlreichen Matrosenrollen ragte der lyrisch-sch\u00f6ne Tenor <b>Thomas Blondelles<\/b>\u02be heraus, der den gequ\u00e4lten Neuling intensiv darzustellen wu\u00dfte.<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p><i>Billy Budd ist wirklich eine der sch\u00f6nsten Geschichten der Welt! <\/i>hat Thomas Mann einmal gesagt. Darauf hat sich das Regieteam um <b>David Alden<\/b> offenbar verlassen und anstelle einer gewagten Neu-Interpretation eine eindr\u00fcckliche Kulisse geschaffen. Es gab viel Applaus f\u00fcr Musiker und S\u00e4nger, keinen einzigen Buhruf f\u00fcr die Regie.<\/p>\n<p>Norma Strunden<\/p>\n<p>Bild: Marcus Lieberenz<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Burkhard Ulrich (Kapit\u00e4n Edward Fairfax Vere), wei\u00df gekeidet, auf der Trib\u00fcne und Chor<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 22. 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