{"id":5703,"date":"2014-05-21T07:53:02","date_gmt":"2014-05-21T06:53:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5703"},"modified":"2014-05-22T11:07:48","modified_gmt":"2014-05-22T10:07:48","slug":"tancredi-paris-theatre-des-champs-elysees","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5703","title":{"rendered":"TANCREDI &#8211; Paris, Th\u00e9\u00e2tre des Champs-Elys\u00e9es"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Gioacchino Rossini (1792-1868), Melodramma eroico in zwei Akten, Libretto: Gaetano Rossi nach Voltaire, UA: 6. Februar 1813 Venedig, Teatro La Fenice; tragiche Version: M\u00e4rz 1813 Ferrara, hier aufgef\u00fchrt<\/p>\n<p>Regie: Jacques Osinski, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Christophe Ouvrard, Licht: Catherine Verheyde<\/p>\n<p>Dirigent: Enrique Mazzola, Orchestre Philharmonique de Radio France, Chor des Th\u00e9\u00e2tre des Champs-Elys\u00e9es<\/p>\n<p>Solisten: Marie-Nicole Lemieux (Tancredi), Patrizia Ciofi (Amenaide), Antonino Siragusa (Argirio), Christian Helmer (Orbazzano), Jos\u00e8 Maria Lo Monaco (Isaura), Sarah Tynan (Roggiero)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 19. Mai 2014 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Paris-Tancredi.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5704\" alt=\"TANCREDI -\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Paris-Tancredi.jpg\" width=\"589\" height=\"398\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Paris-Tancredi.jpg 589w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Paris-Tancredi-300x202.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 589px) 100vw, 589px\" \/><\/a>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Im Geburtssjahr Richard Wagners und Guiseppe Verdis 1813 wurde diese Oper in Venedig und Ferrara uraufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Mag sein, da\u00df die beschwingte, oft t\u00e4nzerische Musik Rossinis es uns manchmal erschwert, die Tragik\u00a0 seiner <i>Opere serie<\/i> ernst zu nehmen. In<i> Tancredi<\/i> hingegen hat der Komponist einige Szenen kreiert, vor allem das Finale des ersten Akts, in dem die Solisten und der Chor mit einem Aufschrei, diesmal auch in der Musik eine unerh\u00f6rte Dramatik schaffen. Fast ebenso stark ist die Wirkung in Amenaides zweiter Kerkerszene im zweiten Akt, wieder mit Chor. Die im M\u00e4rz 1813 f\u00fcr Ferrara geschriebene Version, hat \u2013 statt des urspr\u00fcnglichen lieto fine (happy end) \u2013 ein tragisches Ende. Diese Version wurde erst 1974 wiederentdeckt.<\/p>\n<p>Man mu\u00df sich vergegenw\u00e4rtigen, wie \u00fcberw\u00e4ltigend der Eindruck gewesen sein mag bei einem Publikum, das die Wahnsinnsszene aus Donizettis <i>Lucia di Lammermoor <\/i>(1835)<i> <\/i>noch nicht kannte, geschweige denn die dramatischen Szenen aus Verdis Opern. So turbulent und lautstark das Finale des ersten Akts, so minimalistisch ist das Finale des zweiten \u2013 ein Pianissimo -Trio mit Chor beim Tode Tancredis. Hat Verdi vielleicht an diese Szene gedacht, als er vierzig Jahre sp\u00e4ter das ergreifende Finale seiner <i>La Traviata <\/i>\u00a0komponierte? Jedenfalls kannte Wagner die Oper, oder zumindest die <i>Cabaletta<\/i> des Tancredi <i>Di tanti palpiti, di tante pene<\/i> aus dem ersten Akt, hat er sie sich doch als Parodie im dritten Akt der <i>Meistersinger<\/i> zu eigen gemacht.<\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Syracus 1005. Um Sizilien gegen die einfallenden Sarazenen zu einigen, will Argirio seine Tochter Amenaide mit seinem Widersacher Orbazzano verm\u00e4hlen. Doch Amenaide weigert sich, denn sie liebt Tancredi, dessen Familie verbannt und ge\u00e4chtet ist. Sie schickt einen Brief an den Geliebten, mit der Bitte um Hilfe. Doch der Brief wird von Orbazzano abgefangen, der \u00f6ffentlich erkl\u00e4rt, ihr Brief sei an den Sarrazenenk\u00f6nig gerichtet gewesen, und Amenaide m\u00fcsse wegen Hochverrats zum Tode verurteilt werden. Um ihren Geliebten nicht zu verraten, kann diese sich nicht rechtfertigen. Denn unerkannt ist Tancredi nach Syracuse zur\u00fcckgekommen und hat sich Argirio zum Kampf gegen die Sarrazenen zur Verf\u00fcgung gestellt. Aber als er sieht, da\u00df seine Geliebte in den Kerker geworfen wird, fordert er Orbazzano zum Zweikampf heraus und t\u00f6tet ihn. Doch glaubt er, von Amenaide betrogen worden zu sein, und sie kann ihn nicht vom Gegenteil \u00fcberzeugen. Tancredi f\u00fchrt die Truppen Agirios in die Schlacht und besiegt die Sarrazenen, wird aber t\u00f6dlich verwundet. Nachdem er die Wahrheit erfahren hat, stirbt er, vers\u00f6hnt mit Amenaide, in ihren Armen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr Jacques Osinski und sein Team spielt die Handlung in hohen, modernen von Art-d\u00e9co-Lustern kalt beleuchteten Konferenzs\u00e4len, \u00e4hnlich denen eines multinationalen Konzerns oder eines Ministeriums. Als Mobilier Chrome-und-Leder-Sessel, Klappst\u00fchle oder ein pomp\u00f6ser Mahagoni-Schreibtisch. Amenaides Kerkerzelle sieht aus wie der Verh\u00f6rraums in einer SOKO-Reihe. Alles atmet die Atmosph\u00e4re eines totalit\u00e4ren Regimes, weder sch\u00f6n noch h\u00e4\u00dflich. Die Kost\u00fcme f\u00fcr die\u00a0 Herren sind Stra\u00dfenanzug mit Krawatte oder Kampfanzug mit Stiefeln, f\u00fcr die Frauen einfache farblose Kleider und ein langes Hochzeitskleid f\u00fcr Amenaide. Wichtig ist, da\u00df die Inszenierung wenigstens nicht von der Handlung oder der Musik ablenkt. Und das tut sie nicht, sie bleibt neutral.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Patricia Ciofi<\/strong> singt Amenaide, als w\u00e4re die Rolle f\u00fcr sie geschrieben, mit weicher reiner Stimmf\u00fchrung, gro\u00dfer Feinf\u00fchligkeit und streng kontrolliertem Vibrato. M\u00fchelos durchl\u00e4uft ihre Stimme die oft schwierigen Koloraturen. Hinrei\u00dfend bewegend in der Kerkerszene <i>No, che il morir non \u00e8 si barbaro per me \u2013 doch nein, der Tod ist mir nicht so unertr\u00e4glich <\/i>vom Englischhorn begleitet<i> <\/i>(2. Akt, 4. Szene). Schade nur, da\u00df sie die Spitzent\u00f6ne hin und wieder etwas forciert. <strong>Marie-Nicole Lemieux<\/strong> mit Bart und in voller Uniform ist ein erstaunlich glaubhafter Tancredi, fast k\u00f6nnte man sagen ein Heldentenor. Ihre Contralto-Stimme ist sowohl in der H\u00f6he wie vor allem in der Tiefe bewunderswert, gewaltig in den dramatischen Szenen und sensible in den lyrischen. <strong>Antonino Sirgusa<\/strong> singt den Argirio mit etwas nasaler Tenorstimme, der leider die n\u00f6tige Beweglichkeit fehlt, um den Melismen gerecht zu werden, die diese Oper auszeichnen. <strong>Christian Helmers<\/strong> wohlklingender, jugendlicher Ba\u00df verk\u00f6rpert den Orbazzano. <strong>Jos\u00e8 Maria Lo Monaco<\/strong> und Sarah Tynan vollenden das vorz\u00fcgliche Ensemble. Der gut einstudierte Chor unterst\u00fctzt kraftvoll die Solisten.<i> <\/i><strong>Enrique Mazzola<\/strong> ist ganz in seinem Element und dirigiert Solisten, Chor und Orchester mit Schwung und Hingabe.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Diese erstaunliche, fr\u00fche <i>opera seria<\/i> Rossinis hatte\u00a0 das Th\u00e9\u00e2tre des Champs Elys\u00e9es nun zum Abschlu\u00df ihres diesj\u00e4hrigen Rossini Festivals\u00a0 auf die B\u00fchne gebracht. Die musikalisch ausgezeichnete Auff\u00fchrung wurde mit begeistertem Applaus bedankt.<\/p>\n<p>Alexander Jordis-Lohausen<\/p>\n<p>Bild: Vincent Pontet-WikiSpectacle\/Th\u00e9\u00e2tre des Champs-Elys\u00e9es<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Marie-Nicole Lemieux (Tancredi), Patrizia Ciofi (Amenaide), Antonino Siragusa (Argirio), stehend<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 19. 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