{"id":570,"date":"2009-03-02T11:36:23","date_gmt":"2009-03-02T09:36:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=570"},"modified":"2009-03-03T11:46:52","modified_gmt":"2009-03-03T09:46:52","slug":"karlsruhe-badisches-staatstheater-radamisto","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=570","title":{"rendered":"Karlsruhe, Badisches Staatstheater &#8211; RADAMISTO"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759), Opera seria in drei Akten, Libretto: Nicola Francesco Haym, UA: 2. April 1720, King\u2019s Theatre London<br \/>\nRegie und Choreografie: Sigrid T\u2019Hooft, B\u00fchne: Christian Floeren, Kost\u00fcme: Stephan Dietrich<br \/>\nDirigent: Peter van Heyghen, Deutsche H\u00e4ndel-Solisten, Ballett: Corpo Barocco, Gent<br \/>\nSolisten: Mika Kares (Farasmane), Tamara Gura (Radamisto), Delphine Galou (Zenobia), Patrick Henckens (Tiridate), Kirsten Blaise (Polissena), Berit Barfred Jensen (Fraarte), Ina Schlingensiepen (Tigrane)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 20. Februar 2009 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"karlsruhe-radamisto.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/karlsruhe-radamisto.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"karlsruhe-radamisto.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/karlsruhe-radamisto.jpg\" \/><\/a>Die Handlung spielt um das Jahr 53 v. Chr. Tiridate (K\u00f6nig von Armenien) hat Farasmane (K\u00f6nig von Thrakien) den Krieg erkl\u00e4rt. Seine Gattin Polissena (Tochter Farasmanes) erf\u00e4hrt, da\u00df ihr Gatte sich in Zenobia verliebt hat und vor allem aus diesem Grund den kriegerischen Angriff auf sich nimmt. Farasmane ger\u00e4t in Tiridates Gefangenschaft, w\u00e4hrend sich Zenobia und Radamisto (Farasmanes Sohn) weiterhin in einer ausweglosen Lage befinden. W\u00e4hrend Tiridate Farasmane verschont, wird die Stadt erobert, Zenobia und Radamisto konnten vorher fliehen. Die Gefahr durch Tiridate droht weiter, so da\u00df Zenobia f\u00fcrchtet, doch noch in Gefangenschaft zu geraten. Eher will sie aber sterben. Sie erbittet von Radamisto den Tod. Doch dieser verwundet sie nur leicht. So st\u00fcrzt sie sich in den Flu\u00df, w\u00e4hrend Radamisto gefangengenommen wird. Dieser erf\u00e4hrt erst sp\u00e4ter, da\u00df seine Geliebte noch lebt. Tiridates Bruder Fraarte und sein Verb\u00fcndeter Tigrane werden den Liebeleien des K\u00f6nigs \u00fcberdr\u00fcssig und planen einen Putsch, um ihn zur Vernunft zu bringen. W\u00e4hrenddessen verspricht Polissena jenen zu retten, der in gr\u00f6\u00dferer Gefahr sei. Kurz vor Tiriadates erzwungener Hochzeit mit Zenobia wird dieser von den Soldaten \u00fcberrascht und kehrt reuevoll zu seiner Gattin Polissena zur\u00fcck.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nB\u00fchne und Orchestergraben sind vor Beginn hinter einem Vorhang verborgen. Bei der Kulisse handelt es sich um eine sogenannte barocke Perspektivb\u00fchne, was sicher vielen bislang wohl nur von zeitgen\u00f6ssischen Abbildungen bekannt ist. Auf der B\u00fchne leuchten ausschlie\u00dflich Kerzen, verst\u00e4rkt von unsichtbaren Spiegeln und sechs Kronleuchtern. Erstaunlich rasche Verwandlung auf der Perspektivb\u00fchne: innerhalb weniger Sekunden wird der Innenraum eines Palastes in einen Schlo\u00dfgarten verwandelt. Die S\u00e4nger tragen Kost\u00fcmen der H\u00e4ndelzeit: Reifr\u00f6cke, gefiederte H\u00e4upter, lange Schleppen, die beim Schleifen nicht zu \u00fcberh\u00f6rende Ger\u00e4usche erzeugen. Da die Akteure gro\u00dfenteils auf ihrer Stelle verharren, ist dies nicht st\u00f6rend.  Doch wie bewegen sich die Darsteller in ihren barocken Gesten? Es sind nur Armbewegungen, kleine Handbewegungen oder langsames Schreiten. Beim Abgehen folgt oft ein Blick zur\u00fcck ins Publikum, ein kurzes Innehalten, manchmal auch ein Knicks. Die Form der zur H\u00e4ndelzeit \u00fcblichen <em>Da-Capo-Arie<\/em> spiegelt sich auch auf der B\u00fchne wieder: Gesungen wird entweder erst rechts, dann links oder auch umgekehrt, dann folgt die Wiederholung der Arie (<em>da capo<\/em>)  mittig an der Rampe. Durch eine barocke Wassermaschine wird die Str\u00f6mung des Flusses nachgeahmt: Dabei bewegen  sich zwei bemalte Wellenleisten gegeneinander. Jeder Akt folgt wird durch ein Ballett abgeschlossen. Diese T\u00e4nze  (Menuett, Gavotte u.a.) waren zur H\u00e4ndelzeit nichts Besonderes. Heute werden sie aus angeblich dramatischen Gr\u00fcnden (\u201esie halten den Handlungsablauf auf) meist weggestrichen.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nIn Tempo und Dynamik waren <strong>Peter van Heyghens<\/strong> <strong>Deutsche H\u00e4ndel-Solisten<\/strong> eher verhalten und zur\u00fcckhaltend, was zu den gemessenen G\u00e4ngen der handelnden Personen auf der B\u00fchne pa\u00dfte. Musiziert wurde technisch makellos, sowohl auf der B\u00fchne als auch im Graben. Beispielsweise meisterten die Solostimmen alle heiklen Colla-Parte-Abschnitte (parallele Stimmf\u00fchrung von Instrumenten und S\u00e4nger) ohne Unsicherheiten. Auch die S\u00e4nger f\u00fcgten sich erstaunlich gut in die Welt des Barock ein. Mit einem Minimum an Vibrato beim Singen und einer \u00fcberw\u00e4ltigenden technischen Perfektion jeder Koloratur fiel es schwer, einem der Ensemblemitglieder bei dieser Auff\u00fchrung den Vorzug zu geben. Dieses optische Sichtbarmachen der Musik wohnt der Theaterpraxis des Barock bereits inne, was man bei zeitgen\u00f6ssischen Inszenierungen leider meist vermi\u00dft. Oder sind die heutigen Regisseure \u00fcberfordert mit dem Wissen um barocke szenische Darstellungsformen? Die immer wieder folgenden Seite-Seite-Mitte-Positionen bei den Arien wurden innerhalb kurzer Zeit f\u00fcr den Zuschauer zu einer Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Auftritte der S\u00e4nger links vom Publikum (rechts vom B\u00fchenzentrum) galten zur damaligen Zeit als wichtiger als den von der rechten Seite. Insbesondere bei folgender  Hier sitzt <strong>Delphine Galou<\/strong> (Zenobia) singend auf einem Stein zentral an der Rampe <em>Quando mai, spietata sorte, finir\u00e0 l\u2019alma a penar? \u2013 Wann endlich, gnadenloses Schicksal, wird meine Seele ihr Leiden beendet finden?<\/em> Kann es einem Regisseur leichter fallen, dem heutigen Publikum in Opern der H\u00e4ndelzeit durch die Stellung der S\u00e4ngerin deren wichtige Information besser vor Augen zu f\u00fchren?<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nEine Auff\u00fchrung der besonderen Art ist die bereits f\u00fcr alle Vorstellungen ausverkaufte H\u00e4ndeloper Radamisto in jedem Fall. Gerade deshalb, weil die Regisseurin aufgrund ihrer originalgetreuen Rekonstruktion versucht, musikalische Elemente auf der B\u00fchne darzustellen. Es handelt sich auf jeden Fall um einen sehenswerten Abend.<\/p>\n<p>Daniel Rilling<\/p>\n<p>Bild: Jacqueline Krause-Burberg<br \/>\nDas Bild zeigt Kirsten Blaise als Polissena<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759), Opera seria in drei Akten, Libretto: Nicola Francesco Haym, UA: 2. 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