{"id":5688,"date":"2014-05-20T14:40:19","date_gmt":"2014-05-20T13:40:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5688"},"modified":"2014-05-21T14:40:41","modified_gmt":"2014-05-21T13:40:41","slug":"klosterfestspiele-maulbronn-17-mai-bis-28-september-2014","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5688","title":{"rendered":"Klosterfestspiele Maulbronn: 17. Mai bis 28. September 2014"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><b>Die Jahreszeiten<\/b><\/p>\n<p>von Joseph Haydn (1732-1809), Oratorium in zwei Akten, Libretto: Gottfried van Swieten nach James Thomasons <i>The Seasons<\/i>, UA: 24. April 1801 Wien, Schwarzenberg-Palais<\/p>\n<p>Dirigent: J\u00fcrgen Budday, <i>Cappella Istropolitana<\/i>, Kantorei Maulbronn<\/p>\n<p>Solisten: Simone Stock (Sopran), Marcus Ullmann (Tenor), Stephan Loges (Ba\u00df)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 18. Mai 2014<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Maulbronn-Kloster.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5689\" alt=\"Maulbronn Kloster\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Maulbronn-Kloster.jpg\" width=\"630\" height=\"370\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Maulbronn-Kloster.jpg 630w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Maulbronn-Kloster-300x176.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 630px) 100vw, 630px\" \/><\/a>Vorbemerkung<\/b><\/p>\n<p>Das Kloster Maulbronn, seit 1993 Weltkulturerbe, ist seit langem ein Reiseziel f\u00fcr Touristen und Ausfl\u00fcgler aus aller Welt. Nicht zuletzt durch Hermann Hesses Roman <i>Narzi\u00df und Goldmund<\/i> weckte die mittelalterliche Klosteranlage das Interesse der breiten \u00d6ffentlichkeit. Auch Johannes Kepler, Friedrich H\u00f6lderlin oder der Haydn und Beethoven-Biograph Georg August Griesinger dr\u00fcckten seinerzeit in Maulbronn die Schulbank. Besonders stolz ist man in Maulbronn auf die neue Grenzing-Orgel, die 2013 eingeweiht wurde und zu 60% vom Land Baden-W\u00fcrttemberg, zu 40% von der Maulbronner Seminar-Stiftung finanziert wurde.<\/p>\n<p>Am 17. Mai feierten die seit 1968 stattfindenden Klosterfestspiele, die regelm\u00e4\u00dfig Klassikfreunde aus dem n\u00e4heren und weiteren Umfeld anziehen, mit Joseph Haydns <i>Die Jahreszeiten<\/i> ihren diesj\u00e4hrigen Auftakt. Eine einst\u00fcndige Werkeinf\u00fchrung von Dr. Wolfgang Budday fa\u00dfte die Entstehungsgeschichte der Jahreszeiten, deren Inhalt und viele Informationen \u00fcber Haydns kompositorische Arbeit anschaulich zusammen. Auch an Klangbeispielen fehlte es nicht. Als Ambiente diente hierf\u00fcr die idyllische Winterkirche, urspr\u00fcnglich der beheizbare Winterspeisesaal der Zisterzienser. Betrat man vor Vorstellungsbeginn die Klosterkirche, so zeigten sich die alten h\u00f6lzernen Sitzb\u00e4nke allesamt mit brennenden Wachskerzen flankiert, was die Atmosph\u00e4re und die Spannung auf das bevorstehende Konzert steigerte. Bis zum letzten Platz dr\u00e4ngte sich das Publikum in das romanische Kirchenschiff, teils sogar direkt hinter den massiven Steinpilastern sitzend, ohne einen Blick auf die Musiker erhaschen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung<\/b><\/p>\n<p>Unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor <b>J\u00fcrgen Budday<\/b> musizierte das Ensemble <b><i>Cappella Istropolitana<\/i><\/b> gemeinsam mit der Kantorei Maulbronn. Beeindruckend war die Leistung des <b>Chores<\/b>, der neben einem Weihnachtskonzert j\u00e4hrlich mit einem gro\u00dfen Projekt die Festivaler\u00f6ffnung bestreitet. Mit einheitlicher Dynamik und rhythmischer Sicherheit beeindruckte die Kantorei u. a. in den gro\u00dfen Schlu\u00dffugen. Das unterbewu\u00dfte Schunkeln und Schwanken im Chor <i>Juhhe, Juhhe!<\/i> <i>Der Wein ist da<\/i> unterstrich dabei plastisch Haydns Intention einer berauschenden Chorfuge. <b>Stephan Loges<\/b> \u00fcberzeugte mit klarer Deklamation, einem runden Timbre und einem durchweg rustikalen Ausdruck in der Partie des Bauern Simon. Leider verlor er jedoch bei exponiert tiefen Ba\u00dft\u00f6nen meist\u00a0 stark an Substanz und Klangfarbe. <b>Marcus Ullmann<\/b> beeindruckte mit einer etwas nasalen, obertonreichen Tenorstimme. Er gab einen leicht melancholischen Lukas, gepaart mit einem souver\u00e4n ruhigen Charisma. Entt\u00e4uschend war dagegen die junge Sopranistin <b>Simone Stock<\/b>, die spontan f\u00fcr die erkrankte Heidi Elisabeth Meier einsprang. Alles begann mit einem wundervoll intonierten <i>messa di voce<\/i> in ihrem ersten Rezitativ <i>Seht wie vom S\u00fcden her,<\/i> das abrupt in seiner Entfaltung abbrach. Ihr Timbre neigt zur Verspieltheit des Soubrettenfachs, was sie in ihren Arien mit lyrischer Empfindsamkeit unter Beweis stellte. Textverst\u00e4ndlichkeit und Deklamation im Rezitativ waren dagegen \u00e4u\u00dferst bla\u00df, ihr Vibrato f\u00fcr die empfindlich nachhallende Kirchenakustik viel zu unruhig. Leider kamen in der Akustik des Kirchenschiffs auch die Haydenschen Klangfarben des Orchesters nicht in voller Bl\u00fcte zur Geltung. Allerdings erwies sich J\u00fcrgen Budday als genauer Kenner der Maulbronner Klosterkirche. Seine Tempi waren nie zu rasch, schon gar nicht in heiklen Chorpassagen. Auch gr\u00f6\u00dfere Z\u00e4suren und Generalpausen waren genauestens mit dem Nachhall im Einklang.<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>Neben einigen Kammer-, Orgel- und Klavierkonzerten schlie\u00dft die Festspielsaison im September mit Mozarts c-Moll-Messe. Die Zuh\u00f6rer mag es au\u00dferdem gefreut haben, da\u00df w\u00e4hrend der Pause von der Klostergastronomie in der Abendsonne des Innenhofs Getr\u00e4nke und ofenfrische (wirklich leckere!) Pizza angeboten wurden \u2013 ein Besuch lohnt sich also in allen F\u00e4llen!<\/p>\n<p>Daniel Rilling<\/p>\n<p>Bild: Kloster Maulbronn, Wikipedia<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 18. 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