{"id":568,"date":"2009-02-28T11:12:54","date_gmt":"2009-02-28T09:12:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=568"},"modified":"2009-03-03T11:35:20","modified_gmt":"2009-03-03T09:35:20","slug":"erfurt-theater-aufstieg-und-fall-der-stadt-mahagonny","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=568","title":{"rendered":"Erfurt, Theater &#8211; AUFSTIEG UND FALL DER STADT MAHAGONNY"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Kurt Weill (1900-1950), Libretto: Bertolt Brecht (1898-1956), Oper in drei Akten, UA: 1930, Leipzig.<br \/>\nRegie: Philipp Himmelmann, B\u00fchnenbild: Elisabeth Pedross<br \/>\nDirigent: Ewald Donhoffer, Philharmonisches Orchester Erfurt, Opernchor des Theaters Erfurt<br \/>\nSolisten: Karan Armstrong (Leokadja Begbick), Bj\u00f6rn Arvidsson (Fatty, der Prokurist), Juri Batukov (Dreieinigkeitsmoses), Marisca Mulder (Jenny Hill), Erik Fenton (Jim Mahoney), J\u00f6rg Rathmann (Jack O\u2019Brien), Mate Solyom-Nagy (Bill, genannt Sparb\u00fcchsenbill), Dario S\u00fc\u00df (Joe, genannt Alaskawolfjoe), Mark M\u00f6nchgesang (Tobby Higgins), Angela Go\u00dfmann (Pianistin).<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 21. Februar 2009 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"erfurt-mahagonny.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/erfurt-mahagonny.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"erfurt-mahagonny.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/erfurt-mahagonny.jpg\" \/><\/a>Die Witwe Begbick, Fatty und Dreieinigkeitsmoses sind in der W\u00fcste auf der Flucht vor den Konstablern liegen geblieben und gr\u00fcnden dort die Stadt Mahagonny, in der alle Bed\u00fcrfnisse befriedigt werden. Seit Jenny mit sechs leichten M\u00e4dchen dazugekommen ist, str\u00f6men zuerst die Goldsucher, dann auch vier Holzf\u00e4ller aus Alaska herbei: Jim, Jack, Bill und Joe. Jim kauft sich Jenny, aber die Preise fallen, die Menschen wollen Mahagonny verlassen. Da n\u00e4hert sich ein Hurrikan, verschont aber im letzten Moment die Stadt. Jim formuliert das neue Gesetz: Du darfst Alles! Einziges Verbot: Kein Geld zu haben!<br \/>\nFressen, Lieben, Pr\u00fcgeln und Suff beherrschen nun die Stadt: Jack fri\u00dft sich zu Tode, Dreieinigkeitsmoses pr\u00fcgelt Joe im Boxring zu Tode. Jim verliert bei der Boxwette all sein Geld und kann das folgende Saufgelage nicht bezahlen. Es wird Gericht behalten: W\u00e4hrend der M\u00f6rder Higgins nach einer Zahlung freigesprochen wird, wird Jim zum Tode verurteilt, da das schlimmste Verbrechen in Mahagonny ist, kein Geld zu haben! Das z\u00fcgellose Leben steigert sich, es kommt zu einer Demonstration gegen steigende Preise. Der Fall von Mahagonny ist nicht aufzuhalten.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nPoppig eindrucksvoll ist das Anfangsbild als Eisw\u00fcste mit einem funkelnden Schneefall, dem das Publikum  Szenenapplaus zollte. Die herausragende Sch\u00f6pfung der Inszenierung durch <strong>Philipp Himmelmann<\/strong> ist jedoch ein verschiebbares B\u00fchnenportal. Es l\u00e4\u00dft sich nach vorne und hinten verfahren: aufwendige Dekorationen tauchen auf und verschwinden wieder. Die B\u00fchne hat zwei Ebenen: Unten ein Portal mit Vorhang, oben eine Empore, die sich aufklappen l\u00e4\u00dft und so eine zweite Spielfl\u00e4che bietet. Die Handlung wird in die heutige Zeit verlagert, die Dekadenz der goldenen Zwanziger wird damit mit der der heutigen Zeit gespiegelt: Das wird deutlich als sich die vier Holzf\u00e4ller aus den Reihen des Publikums erheben. Das s\u00fc\u00dfe Nichtstun genie\u00dft man am Ballermann mit dem Strohhalm im Rotweinmischgetr\u00e4nk und tr\u00e4gt dazu Trainingsanzug mit Badeschlappen: Die Kleidung der heutigen Touristen! Und heutzutage fri\u00dft man sich mit Fast-Food zu Tode! Der finale H\u00f6hepunkt ist die Gerichtsverhandlung, wenn dem Publikum die Frage gestellt wird, wieviel Gerechtigkeit man sich selber leisten kann.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nDem Dirigenten <strong>Ewald Donhoffer<\/strong> gelingt der mehr als beeindruckende Nachweis, da\u00df diese Oper mehr ist als nur eine Jazz-Oper. Vielmehr sieht er sie als eine gro\u00dfe Oper aus den 20er Jahren, die ihre Jazz-Elemente als gesellschaftskritische Gegenpole einsetzt. Traumhaft sicher f\u00fchrt er dabei das Orchester durch Weills schwierigen Klangwelten. Das verwundert nicht, gilt doch Ewald Donhoffer seit seinem Einspringen f\u00fcr Fabio Luisi am Pult der Wiener Symphoniker 2007 als eine der hoffnungsvollsten Nachwuchskr\u00e4fte.<br \/>\nIhm zur Seite steht auch ein gewachsenes Ensemble: an der Spitze die altbekannte Diva <strong>Karan Armstrong<\/strong> mit etwas zu viel amerikanischem Akzent und <strong>Erik Fenton<\/strong> als Jim mit viel Kraft in der Stimme. <strong>Marisca Mulder<\/strong> legt ihre Rolle der Jenny komplett anders als Lotte Lenya an. Sie singt die Rolle mit allen Verzierungen voll aus und trotzdem hat sie die laszive Ausstrahlung, die f\u00fcr diese Rolle n\u00f6tig ist. <strong>J\u00f6rg Rathmann<\/strong> meistert Jacks schwierige Fre\u00dforgie glanzvoll. Er beweist, da\u00df hier mehr als Singen mit vollem Mund gefragt ist \u2013 oder da\u00df beides zugleich schwierig, aber l\u00f6sbar ist.<br \/>\nAllerdings mu\u00dfte man feststellen, da\u00df eine elektronische Verst\u00e4rkung verwendet wurde. Karan Armstrong wurde immer verst\u00e4rkt, sowie die S\u00e4nger, die auf der akustisch ung\u00fcnstigen Empore des Portals auftraten.<br \/>\nSollte das auch den Jazz mit seinen Mikrofonen nachmachen?<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nMinutenlange Ovationen f\u00fcr eine szenische Deutung, die dem Publikum als Real-Satire sehr nahe gegangen ist \u2013 dem Regieteam und den Darstellern wurde euphorisch gedankt \u2013 besonders der Diva Armstrong f\u00fcr Ihren Besuch in Erfurt. Musikalisch eine der \u00fcberzeugendsten Produktionen der Spielzeit, der Dirigent wurde zu Recht gefeiert. Von der elektronischen Unterst\u00fctzung abgesehen, kann man sich nur mehr solche \u00fcberzeugenden Abende w\u00fcnschen.<br \/>\nOliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: L. Edelhoff<br \/>\nBildlegende: Dekadenz mit Trainingsanzug<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Kurt Weill (1900-1950), Libretto: Bertolt Brecht (1898-1956), Oper in drei Akten, UA: 1930, Leipzig. 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